der Lehrergehälter um drei Millionen, und denjenigen für Bolksschulbauten um eine Million jährlich verstärken. Außerdem werden sechs Millionen als einmalige Aufwendung zu demselben Zwecke gefordert.
In Oesterreich Ungarn ist wie in Deutschland eine neue Partei in der Bildung begriffen. Dieselbe soll der Regierung eine feste Mehrheit bieten und sich aus der Rechten, den Polen und den abtrünnigen Mitgliedern der Linken zusammensetzen. Das Programm der Partei, welches vom Cultus- minister v. Gautsch ausgearbeitet und vom Ministerium gebilligt worden ist, fordert im Wesentlichen das Festhalten an der Dreibundpolitik, die Aufrechterhaltung der gegenwärtigen dualistischen Staatsverfassung und die Verzichtleistung auf spezielle Parteiwünsche im Jntereffe socialer und wirthschaft- licher Reformen. — Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Frankreich und der Schweiz sind an der Hartnäckigkeit Frankreichs nun entgiltig gescheitert. Bereits rüstet sich die Schweiz zu Repressalien gegen Frankreich. _ Ein sonderbarer bedauernswerther Zufall hat es gewollt, daß in demselben Augenblicke, in dem Gladstone seine Homerulebill für Irland fertig gestellt hat, von Feniern ein Dynamitattentat auf Morley, den Staatssecretär für Irlands verübt worden ist.
Aus dem Verwaltungsberichtc der Großh.
Bürgermeisterei Gießen.
(Fortsetzung).
Das Geschäftsjournal für die Eingänge bei der Bürgermeisterei, dem Standesamt und der Armendeputation weist 11036 Nummern auf gegenüber 9361 im Vorjahre. Nach der Durchschnittsberechnung des an monatlich 2 Tagen festgestellten Personenverkehrs auf dem Bureau betrug derselbe: auf der Bürgermeisterei 18000, auf dem Standesamt 6580, auf dem Armenamt 6900, bei dem Bureau für Jnvaliditäts- unb Altersversicherung 10 500, zusammen 41980, gegenüber 32 689 im Vorjahre.
An Gewerbe streitigkeiten wurden im Jahre 1891 anhängig und vor dem Beigeordneten Langsdorff verhandelt 17 Fälle, wovon 5 durch förmliches Urtheil erledigt wurden, während in 10 Fällen ein Vergleich zu Stande kam und in 2 Fällen die Sache auf Antrag der Kläger beruhen blieb, bezw. Zurückziehung der Klage erfolgte. — In Gemäßheit des § 420 der Strafproceßordnung wurde in 75 Beleidigungssachen Sühneversuch, zumeist durch den Beigeordneten Langsdorff, abgehalten. In 20 Fällen gelang es, die Parteien zu vereinigen, während tn 48 Fällen diese Bemühungen erfolglos blieben und in 7 Fällen der Antrag zurückgezogen wurde.
Nach dem endgültigen Ergebniß der am 1. December 1890 stattgehabten Volkszählung hatte unsere Stadt 20 571 Einwohner,- hiervon waren: evangelisch 17 988, katholich 1783, andere Christen rc. 84, Israeliten 716 Einwohner.
Der Statistik des Standesamtes für das Jahr 1891 sind nachstehende Ergebnisse von allgemeinem Interesse zu entnehmen:
Es wurden geboren: 377 Knaben, davon 245 ehelich, 132 unehelich, und 355 Mädchen, davon 244 ehelich, 111 unehelich. Von den, zum größten Theil in der Großh. Entbindungsanstalt geborenen, unehelichen Kindern waren die Mütter von auswärts bei 208, von Gießen bei 35 Kmdern. Todtgeboren wurden 36 Kinder. — Sterbefälle kamen im Ganzen vor 506 (gegen 537 in 1890). — Die Eheschließungen im Jahre 1891 betrugen 158.
Unter der Leitung des Großh. Gymnasialdirectors Geh. Oberschulrathes Prof. Dr. Schiller wird die Vorschule des Gymnasiums in vorhandenen Räumen des Gymnasialgebäudes auf Rechnung der Stadt abgehalten- dieselbe besuchten in drei Klassen: im Sommer 1891 78 Schüler gegen 73 im Vorjahre, im Winter 1891/92 76 Schüler gegen 71 im Vorjahre.
Das Realgymnasium besuchten in 9 Klassen: im Sommer 1891 226 Schüler gegen 218 im Vorjahre, im Winter 1891/92 220 Schüler gegen 212 im Vorjahre- die Realschule in 7 Klassen: im Sommer 1891 298 Schüler gegen 274, im Winter 1891/92 303 gegen 274 im Vorjahre- die Vorschule beider Anstalten in 3 Klassen: im Sommer 1891 147Schüler gegen 156, im Winter 1891/92 149 gegen 156 im Vorjahre- insgesammt sonach: im Sommer 1891 671 Schüler gegen 648, im Winter 1891/92 672 gegen 642 im Vorjahre. Die vereinigten Anstalten haben — neben einem Staatszuschuß von 14 588.02 Mark — für die Hälfte der aus der Schulgeldeinnahme nicht gedeckten persönlichen Ausgaben, sowie für die sachlichen Kosten aus der Stadtkasse einen Zuschuß beansprucht von 27 394.71 Mark, sonach von 40.80 Mark pro Schüler (ohne die Verzinsung und Tilgung der Baucapitalien) und von 62.56 Mark einschließlich des Staatszuschuffes.
Die höhere Mädchenschule besuchten in 7 Klaffen: im Sommer 1891 208 Schülerinnen gegen 217, im Winter 1891/92 202 gegen 208 im Vorjahre. Die erweiterte Volksschule für Mädchen in 5 Klaffen: im Sommer 1891 146 gegen 151, tm Winter 1891/92 144 gegen 148 im Vorjahre. Die Vorschule der beiden Anstalten in 6 Klaffen: im Sommer 1891 181 Schülerinnen gegen 177, im Winter 1891/92 183 gegen 177 im Vorjahre. JnS« gesammt sonach: im Sommer 1891 535 gegen 545, im Winter 1891/92 529 gegen 533 Schülerinnen im Vorjahre. Die mit diesem Schuljahr durchgesührlc Trennung der Vor- schulen der beiden Anstalten hat ergeben, daß diejenige der höheren Mädchenschule 89 bezw. 91, und diejenige der erweiterten Volksschule für Mädchen 92 Schülerinnen zählt- die oberste Klaffe der höheren Mädchenschule, deren geringer Besuch früher zu Bedenken mehrfach Anlaß gab, war im Sommer 1891 von 13, im Winter 1891/92 von 10 Schülerinnen besucht. — Im Uebrigen hat die Schule einige Verbcfferungen
erfahren: die Klaffe I erhielt eine neue Mobiliarausstattung von eisernen Subsellien mit beweglicher Tisch- und Litzplatte, mit der durchgängigen Anbringung von Wandvertäfelungen und Erneuerung alten Anstriches wurde begonnen, die Wasserleitung in das Schulgebäude eingesührt, im Schulhof verlegt und zum ausreichenden Besprengen des Hofes wie des Gartens eingerichtet. Während der Erstere mit den verschiedenen Arten von Waldbäumen ausgepflanzt und nach der Straße hin durch eine Pflanzung aller in unseren Wäldern wildwachsenden Bäume und Sträucher obgeschloffen wurde, zeigt der vergrößerte Schulgarten nunmehr außer den bekanntesten Küchen- und Nutzpflanzen auch die reichhaltige Flora der Wiesen, Felder und Wälder, so daß einige Tausend Exemplare der verschiedensten Pflanzen auf kleinstem Raum neben dem eigentlichen System eine Art botanischer Lebensgemeinschaften darstellen. Daneben ist das Anschauungsmaterial der Schule bereichert worden durch Anlage einer Sammlung von Früchten, Samen und Producten der Colonien, wie der gebräuchlichsten Erzeugnisse der Leinen-, Wollen-, Baumwollen- und Seidenindustrie. — Privater Unterstützung endlich verdankt die Schule die Mittel zur Anlage eines Platzes für Rasenballspiel (Lawn Tennis) und zur Beschaffung verschiedener Ball« spiele. — Der Zuschuß aus der Stadtkasse zu den Kosten der hier vereinigten Schulen beträgt im abgelaufenen Jahre 31090.12 Mark, sonach pro Schülerin 58.44 Mark (ohne die Verzinsung und Tilgung der Baucapitalien).
Die Stadtknabenschule besuchten in 8 Klassen, von welchen 7 getheilt waren: im Sommer 1891 770 Schüler gegen 781, im Winter 1891/92 780 gegen 779 im Vorjahre.
Die Stadtmädchenschule besuchten in 8 Klassen, von welchen 7 getheilt waren: im Sommer 1891 903 'gegen 865, im Winter 1891/92 886 gegen 869 Schülerinnen im Vorjahren.
Von geistig zurückgebliebenen resp. schwachsinnigen Kindern der Volksschulen wurden 4 Knaben und 4 Mädchen besonders unterrichtet. Der starke Besuch der untersten Klaffe der Stadtmädchenschule durch 150 Schülerinnen und der Wunsch, gerade die Anfangsklasse der Volksschule nicht zu überfüllen, gaben Veranlassung, daß diese Klasse in drei Parallelklassen getheilt wurde, während mit Ausnahme je der obersten Klasse beider Schulgruppen alle übrigen Klassen nur in zwei Parallel« klassen getheilt sind. Durch Großherzogliche Kreisschulcommission wurden in der Stadtknabenschule 6, in der Stadtmädchenschule 5 Schulprüfungen vorgenommen und dabei die nachstehenden Gesammtnoten ertheilt: dreimal sehr gut, fünfmal sebr gut bis gut, zweimal gut und einmal gut bis genügend. Am 19. December 1891 konnte die durch den Brand in der Turnhalle etwas verzögerte Einweihung des neuen Stadtknabenschulhauses an der Nordanlage mit einer einfachen, aber würdigen Feier vollzogen werden. — Einschließlich der Anlage, Entwässerung, Einfriedigung und Bepflanzung des Schulhofes, wie eines besonderen Schulgartens, und einschließlich der vollständig neuen Mobiliarausstattung haben die gesammten Baukosten betragen 318 860.19 Mark, während für den Bauplatz 32000 Mark aufzuwenden gewesen waren. Die Kosten des Hauptgebäudes ohne Mobiliar haben betragen: pro Cbm. umbauten Raumes 14.30 Mark, diejenigen des Verbiudungsbaues desgl. 11.55 Mark, diejenigen der Turnhalle 13.90 Mark. Nach Erbauung dieser Schule ist nunmehr jede der beiden Schulgruppen ganz in einem eigenen, zum mindesten für ein Jahrzehnt voll ausreichenden Gebäude untergebracht. Der Aufwand aus der Stadtkaffe für die Volksschule hat, ausschließlich der Verzinsung und Tilgung der Anlagecapitalien 74 721.52 Mark oder pro Kind 44.54 Mark betragen. Das Schulbad für Knaben in der Lahn, wie die Brausebäder in den beiden Schulhänsern wurden fleißig benutzt, ebenso die 2000 zur Benutzung der künstlichen Eisbahn für die Kinder der Volksschulen zur Verfügung stehenden Tageskarten.
_____________________(Fortsetzung folgt.)
Localer uttb Krovinzleller.
Gießen, 31. December 1892.
— Schuldienst - Nachrichten. Am 23. November wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Jacob Taubenschmidt aus Lampertheim eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Erzhausen, — am 24. November wurde dem Schullehrer Sebastian Bundschuh zu Pfirschbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Semd, — am 2. December wurde dem Schulamtsaspiranten Peter Rausch aus Zeilbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alsfeld, — am 10. December wurde dem Schullehrer Lorenz Keiser zu Wimpfen a. B. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bobstadt, — am 17. December wurde dem Schullehrer Christoph Metzler zu Harbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Osthofen übertragen.
— Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Biebelnheim mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Zwei Lehrerstellen an der Gemeindcschule zu Neuhausen, von denen die eine mit einem evangelischen, die andere mit einem katholischen Lehrer zu besetzen ist, mit einem jährlichen Gehalte von je 900 Mk. Mit der mir einem kathol. Lehrer zu besetzenden Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Nieder Florstadt mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Eme mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Stammheim mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist die Hälsie des Organistendienstes verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lchrerstelle an der Gemeindeschule zu Röthges mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, j Dem Herrn Fürsten zu SolmS-Braunfels steht daS Prüfen« I tattonörccht zu derselben zu.
Landwirtschaftliche Rückblicke aus das Jahr 1892.
A Aus Vberheffen, im December.
(Schluß.)
Ter Monat October begann mit rnrrn Gewitter, eine seltene ErsLetnung um diele Zeit; selbst Hagelschlag gab es in Süd- deutschtand. Die Obsternte begann da. wo welches gewachsen war. Die Preise waren sehr bcsriedtgend. Die N>eber,chläge werden jetzt etwas häufiger, man beginnt mit Ausstellung der Wintersaaten. Die Herbstwitte'ung bleibt aber doch eine gute; in der Nacht zum 18. October gtebt es zum ersten Male etwas Eis. Acht Tage fpSter zeigt sich Schneefall mit R gen untermischt. Die drej letzten Octobertage sind ionnig und heU. Die Kartoffelernte ist beendigt. Man Hal überall — mit Ausnahme in den sandigen Gegenden — seltene Erträge. Die Knollen sind groß, schön und gesund, sehr zahlteich und stärkemehlhaltig. Darum sinken die Kartoffelpreise bedeutend; auch die Fruchtpretse gehen stets langsam abwärts und die Dlehpreise nicht minder. Eine eiaenthümliche Erscheinung ist, daß mit dem Eintritt der kälteren Witterung rine ganze Reihe von schweren Einbrüchen in Darmstadt, Mainz, Bingen, Offenbach, Fcankurt u. a. O. verübt werden. Es scheint fast, als wolle sich da4 Gesindel durch solche Mrssethaten einen warmen Unterschlupf für den Winter verschaffen. „ ,
Im Monate November srtzie sich daS milde, etwas feuchte Wetter fort. Die Herbstsaaten gehen dadurch sehr schön auf, kein Saatkorn versagte. Tie Felder bauten sich trefflich, Unkraut war nicht viel vorhanden. Hie und ba hörte men über Ungeziefer Nagen, doch wurde es nicht zur allgemeinen Plage. Es gab feine Sprühregen mit Rebel; meistentheils halten wir windstille Witterung. Die Herbstarbeiten wurden so sehr gefördert, daß um Martinstag für den kleinen Landwtrth Alles beendigt war. Einen so schönen ArdeitS- schluß hatte man seit vielen Jahrzehnten nicht. Auch die landwirth- schaftlichen Großbetriebe wurdm bis zum Monatsschlusse fertig. Um den 22 November gab es ziemlich scharfen Frost von — 5», er hielt aber nicht lange an. Die Holzbauereien sind flott im @ange, die Leute auf dem Lande können hier einen fchönen Nebenverdienst machen und wer will, kann auf Aeckcrn und Wirsen Verbrsserungen aller Art vornehmen.
So sind wir nun im letzten Monate December angekommen. Er begann mit ruhiger, windstiller Witterung, welche am 8. bis 9. ziemlich kräftigen Frost bei klarem Himmel brachte. Leichter Schneefall folgte darauf. Auch dieser Monat zeigt bis jetzt eine ruhrge Atmosphäre, wie überhaupt das ganze Jahr 1892 sich durch windstilles Wetter ausgezeichnet hat. Möge es für alle freundlichen Leser in Ruhe und Frieden abschließen.
Nun noch einige Worte über die Resultate, sowie das Jahr 1892 im Allgemeinen. Wir haben schon angrdeutel, daß die Erzeugnisse des Jahres von großer Güte sind, wie daS bei dem herrlichen Sonnenschein nicht anders erwartet werden kann. Auch Wttn ist gar trefflicher gewachsen, leider aber zu wenig. Die Fruchtpreise sind recht niedrig. Weizen und Korn gelten kaum mehr als halb soviel wie im Vorjahre. Dagegen haben manche Landwirthe auch nahezu daS Doppilte gegen 1891 geerntet. Besonders sind eS die feuchten schweren Lagen, welche tm abgelaufenen Jahre begünstigt worden sind, während die trockenen Sanvlagen dieses Jahr zurückstehen, aber in 1891 eine doppelte Ernte machten. Rechnet man darum die Ernten der beiden Jahre 1891 und 1892 zusammen, dann ergiebl sich für beide ein befriedigendes Schlußresultat. Nur die Futterstoffe lassen zu wünschen übrig, denn mancher Landwlrth hat tn diesem Jahre sehr wenig geerntet und tm vorigen Jahre ist ihm der Segen durch die wochenlangen Regengüsse ondorben worben.
Auch über die Lage tm Allgemeinen wollen wir vom Standpunkte des Landwtrthes einige Bemerkungen folgen lassen. Die Unzufriedenheit ist unter den Menschen noch nicht gew'chen, obgleich wir Ursache hätten, zufrieden zu sein. Wenn wir nut einiges von dem Geiste und den bescheidenen Ansprüchen unserer Vorfahren haben könnten, würden wir um Vieles glücklicher leben. Tiefbedauettich find die Hetzereien und Verleumdungen, welche unter den Menschen verübt werden. DaS Gute, welches gestiftet wird, will man nur ungern anerkennen; wird aber UebleS und Häßliches verbreitet, bann sind Hunderte und Tausende bereit, es zu glauben und womöglich weiter zu verbreiten. Der gute Ruf von braven Menschen wird schonungslos zerfleischt; wenn sich später terauSftcllt, daß Unrecht geschah, haben nur Wenige den Muth, ihr Unrecht etnzugestehen. Das sind Zeichen der Zeit, von denen der Menschenfreund sagen darf: sie gefallen mir nicht. Auch die schweren Verbrechen, wie raffinitte Diebstähle, Einbruch, Mord, Straßenraub und Todtschlag haben nicht abgenommen, wie uns die 3tiHingen und die Schwurgerichts- Verhandlungen lehren. Nicht selten sind es Menschen in jugenbltd)em Alter, welche diese Miffethaten verüben. DaS ist eine ernste Mahnung für alle Eltern, ihre Kinder mit Strenge zu erziehen und zu überwachen und mit Geistlichen und Lehrern zusammen zu wirken, daß die jungen Seelen nicht mlßratöen. Mit jedem Jadre, daS dahin schwindet, sehen wir deutlicher ein, daß wir schweren Zeiten entgegengehen. Dafür brauchen wir tüchtige, charaktervolle Männer und gute, sittenreine Frauen in allen Ständen. So möge denn auch Der Bauernstand wacker mithelfen, daß wir brauchbare Menschen babtn werden, wenn es dereinst noth thut«— und hiermit Gott befohlen, lieber Leser.
Literatur und Aiunst.
— Erkenne Dich Selbst! Gedenkalbum zur Ebaracierifiik der Freunde und Freundinnen. Siebzehnte Auflage. Mit 14 Faksimiles namhafter Frauen und Männer der Gegenwart. Preis in Oiiglnal-Lstnenband 5 Mark. Vettig von I. I. Weber in Leipzig. Aus dem fast jedem Menschen innewohnenden Wunsch und Herzens bedürsniß, die Erinnerungen an liebe Freunde und verehrte Bekannte, die ihm auf seinem Lebenswege begegnet sind, für alle Zett feftju» halten und in einem Buche zu sammeln, entstand zuerst daS Stamm- buch und später das Photograpliienalbum, dessen B'lderreihe man immer wieder gern betrachtet. Allein mit der rastlo« sorlschreitenden Zeit haben sich auch unsere Ansprüche gesteigert. Die fmtimentahn Verse und weisheitsvollen Sentenzen auf den Stammduchblättern erscheinen uns fade und veraltet, ja selbst die Bildnisse unserer Freunde allein wollen uns nicht mehr ganz genügen — man mödtie, daß sie auch zu uns redeten, man wünschte ihre Gedanken und Ansichten über dteS und jenes zu hören, einen Funken ihre» GisteS um uns leuchten zu sehen! Die finnige Idee des Album<, »Erkenne Dich Selbst!* fand baber* großen Anklang, ba eS gleichsam eine Ergänzung zu den Porträts unserer Freunde und Freunbinnen bildet, durch deren Antworten auf die gestellten Fragen wir eine förmliche E aracterskizze, ein innerliches Bild von ihnen erhalten, sodaß wir sie besser kennen lernen als durch stundenlange mündliche Unter Haltungen. Namentlich interessant werden diese Selbstbekenntnisse, wenn sie von geistig bedeutenden, hervorragenden und allgemein bekannten Persönlichkeiten herrühren, die Fernerstebenden nicht so leicht einen solchen Einblick in ihre Gedanken und Ansichten gewähr«. Vielfachen Wünschen entsprechend hat die DerlagShandlung eine Anzahl solcher Selbstbekenntniffe in getreuer Wiedergabe der Handschrift als gewiß allseitig willkommene Gabe dieser Auflage in einem Anhänge beigefügt.
Alttatholifcher Gottesdienst.
Am 1. Januar 1893 findet Vormittags elf Uhr in der Stadtkirche altkatholifcher Gottesdienst statt.
Am 2 Januar 1893 ebendaselbst um neun Uhr Vormittag« eine kirchliche Gedächtnißfeier für den verstorbenen Professor Dr. Lutterbeck. ___.
Unübertroffen in Feinheit u. Milde u. seit zwölf Jahren bewährt Holland Xabot 10 Pfd. löse in Beutel freo. 8 Mk. nur bei v. Becker in Seesen a. Harz. 3648


