Ausgabe 
23.9.1892
 
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allgemeinen Verkaufs - Vereinigung stattgesunden, sei gänzlich unzutreffend. Der Plan sei vielmehr vollständig ausgegeben. Die Versammlung, an welcher auch Vertreter der größeren Eisenwerke theilnahmen, hatte einen ganz anderen Zweck.

Haag, 21. September. Der neue Gesetzentwurf verleiht 800 000 Bürgern gleich 74 pCt. der männlichen Bevölkerung das Wahlrecht. Jeder volljährige Niederländer, welcher liest und schreibt und seine Familie ernährt, wird wahl­berechtigt. Militär unter dem Offiziersrang während seiner activen Dienstzeit, ferner Deserteure, Gefangene, Sträflinge und Geisteskranke sind ausgeschlossen.

Paris, 21. September. Victor Napoleon erläßt ein Manifest, worin er erklärt, der 22. September sei wie zu einem Volksappell geschaffen. Napoleon I. habe an diesem Tage Frankreich gegen die Monarchie geschützt. Napoleon III. habe an diesem Tage das allgemeine Stimmrecht wieder her­gestellt. Der 22. September sei deshalb ein Napoleons­datum.

Paris, 21. September. Am 19. September griffen die D a h o m e e r um 5 Uhr Morgens bei Dorba die französische, 5000 Mann starke Colonne unter Oberst Dodds an, welcher dieselben nach einer vierstündigen Schlacht in die Flucht schlug. Die Dahomeer ließen einige hundert Leichen und zahlreiche Feuerwaffen aus dem Platze. Die Franzosen ver­loren 5 Todte, einen Commandanten und einen Marine­lieutenant. Zehn Franzosen wurden schwer verwundet.

lung eines Auszug» aus dem Kirchenvoranschlag, im Lause dieses Monats den Großh. Bürgermeistereien mitzutheilen.

__________________v. Gagern.

Wohlthätigkeits Concert. Wie unsere geehrten Leser schon aus dem Jnseratentheile ersehen haben werden, giebt die Capelle des Jnsanterie-Regiments Kaiser Wilhelm heute Abend in Steins Garten ein Concert, dessen Ertrag dem von der Cholera so schwer heimgesuchten Hamburg zufließen soll. Giebt dieses Concert einestheils unserer RegimentS- mufik Gelegenheit, der Hamburger Bevölkerung gewissermaßen den Dank abzustatten für die überaus günstige Ausnahme,, deren sich die Capelle vor einigen Monaten während eines vierwöchentlichen Aufenthalts zu erfreuen hatte, so ist das Concert anderseits geeignet, der Bevölkerung Gießens Gelegen­heit zu einem Wohlthätigkeitsacte für die nothleidende Ham­burger Bevölkerung zu geben. Hoffentlich unterstützt das Publikum Gießens dieses edle Bestreben unserer Militärcapelle durch recht zahlreichen Besuch des Concertes. Die Leistungen der Capelle sind zu bekannt, als daß sie besonderen LobeS an dieser Stelle bedürften. Während der letzten Manöver war es der Capelle mehrere Male vergönnt, ihr Können zu zeigen und die besten Zeugnifie ihrer Leistungen in der Tages­presse zu erlangen. So schreibt u. A. derMainzer Anz." über ein in derStadthalle" am 4. September gegebenes Concert:Das Programm war abwechslungsreich und ge­schmackvoll zusammengestellt, die Ausführung der einzelnen Piscen durchgehends von jener Präcision und Abrundung, wie man sie bei Militärcapellen zu finden gewohnt ist. Da waren Richard Wagner und Rubinstein ebenso zu finden wie

totales unb provinzielles,

Gießen, 22. September 1892.

Die Cholera.

Der Kamps gegen die Choleraepidemie in Ham­burg ist endlich derartig organisirt und wird mit so aus­reichenden Kräften geführt, daß die Hamburger keiner aus­wärtigen Hilfstruppen mehr bedürfen. Eine größere Anzahl von Militär- wie Civilärzten, ferner von Lazarethgehilsen und Krankenwärtern, die von auswärts nach Hamburg gekommen waren, sind jetzt darum wieder abgereist, weil man ihrer Dienste nicht mehr bedarf. Immerhin wird die Bekämpfung des unheimlichen Feindes in Hamburg wohl noch Wochen energischer Thätigkeit bedürfen, denn die täglichen Cholera­fälle sind noch immer ziemlich zahlreich. Z. B. wurden für die Zeit vom Montag Mittag bis Dienstag Mittag noch 206 Erkrankungen und 105 Todesfälle an Cholera gemeldet.

Etwas verfrüht scheint die amtliche Erklärung gewesen zu sein, wonach Altona wieder der Character einer seuche­freien Stadt zugesprochen wurde. Denn für Dienstag wurden aus Altona 17 Erkrankungen und 8 Todesfälle an Cholera gemeldet, da kann Altona doch kaum als seuchefrei bezeichnet werden. Neue Cholerafälle sind außerdem in Berlin, Stettin, Wittenberge, sowie in den Regierungsbezirken Lüneburg und Stade vorgekommen.

Außerhalb Deuschlands hat sich jetzt die Cholera ein neues Gebiet durch ihr Auftreten in Krakau, Podgorze und anderen galizischen Orten erobert. Anerkennenswerther Weise haben die österreichischen Behörden sofort auf das That- kräftigste die Bekämpfung der gefährlichen Seuche begonnen, so daß zu hoffen steht, dieselbe ^werde sich nicht weiter über die österreichisch-ungarische Monarchie verbreiten. Im Uebrigen herrscht die Cholera noch ziemlich stark in Theilen Rußlands, peciell in den Gouvernements Saratow und Tambow, ver- hältnißmäßig mild jedoch in den übrigen inficirten Landestheilen Rußlands, ebenso tritt sie in Frankreich, Belgien und Holland ortgesetzt mild auf.

Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 20. bis 21. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrank-

Mit dem am Samstag in Göttingen verstorbenen Professor Rudolf von Zhering ist ein EL_____ _7...ö.a_.ÖVM.

der zu der neueren Richtung der Gelehrten gehört, welche in dankenswerther Weise sich nicht daraus beschränken, die Resultate ihrer Geistesarbeit einer kleinen Zahl von Fach­männern zugänglich zu machen, sondern die vielmehr eine ihrer Hauptaufgaben darin erblicken, die Ergebnisse ihrer Forschungen möglichst Vielen aus dem Volke zugänglich zu machen. Daß dieses Verfahren nicht zu einer Verflachung der Wissenschaft zu führen braucht, hat ebenso wie Virchow und Holtzendors auch Jheriug auf das Schlagendste bewiesen. Er war einer der populärsten, zugleich aber einer der kennt- nißreichsten und gediegensten Gelehrten, namentlich auf dem Gebiete des Römischen Rechts. Zu dem Besten, was auf diesem Gebiete in neuerer Zeit geschrieben ist, gehört unbe­dingt, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, sein HauptwerkGeist des römischen Rechtes auf den verschiedenen Stufen seiner Entwickelung", welches in drei Bänden von 185265 erschienen ist und seitdem nicht nur zahlreiche Aus­lagen erlebt hat, sondern auch in verschiedene fremde Sprachen übersetzt ist. Am populärsten dagegen ist und die weitefc Verbreitung sand, auch in zahlreichen Uebersetzungen, seine SchriftDer Kampf ums Recht", welche von Wien aus im Jahre 1872 ihre Reise um die Welt antrat. Dieses Buch ist zwar sehr viel gelesen, leider aber nicht genug beherzigt worden. Von neueren Artikeln, die im großen Publikum besonders Aufsehen machten, erwähnen wir seine Streitschrift Gegen das Trinkgeld" (Braunschweig 1882) und seine Ab­handlung über dieUebertragbarkeit der Retourbillets", für welche er bekanntlich im Gegensatz zu den Eisenbahnver­waltungen eintrat, ohne indeß damit einen practischen Erfolg zu erzielen. Jhering ist 20 Jahre lang Docent an der Göttinger Universität gewesen, nachdem er vorher an ver- schiedenen anderen Hochschulen gewirkt hatte. Es hat lange gedauert, ehe er zur Ruhe gekommen ist. Nachdem er in Heidelberg, München und Göttingen seine Studien absolvirt hatte, wandte er sich, da man ihm, obgleich er ein geborener Auricher war, die Zulassung zum hannoverschen Staatsdienst versagte, im Jahre 1840 nach Berlin, wo er als Schüler von Savigny und Stahl sich auf die akademische Laufbahn vorbereitete. Im Jahre 1845 erhielt er eine ordentliche Professur in Basel, die er im folgenden Jahre mit einer solchen in Rostock vertauschte, 1849 ging er nach Kiel, 1852 nach Gießen, wo er bis 1868 blieb. In diesem Jahre folgte er einem Ruf nach Wien. Als er 1872 von dort nach Göttingen übersiedelte, verlieh ihm der Kaiser von Oesterreichs in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Verdienste den erb­lichen Adelstand.

Johann machte ein etwas erstauntes Gesicht.

Aber Herr von Königsdorf wohnen doch in Berlin, ich war vorhin in der Wohnung mit der"

Er unterbrach seine Rede, da der Hauptmann rauh einfiel:Hier auf dem Vorsaale wünsche ich nicht zu anti­chambrieren."

Devot riß Johann die Flügelthür aus zum rothen Salon, wo Excellenz mit gewinnendem Lächeln den Neffen empfing.

Ich komme wohl etwas zeitig, liebe Tante," begann Arno, nachdem man Platz genommen,ich bin erst um fünf W geladen und jetzt ist es erst soeben dreiviertel."

Gießen, den 19. September 1892.

Betr.: Wie vorher.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Schulvorstände des Kreises.

Wir empfehlen Ihnen, den Ueberschlag der Kosten der Schulen für das rubr. Rechnungsjahr im Laufe dieses Monats den Großh. Bürgermeistereien zuzustellen.

v. Gagern.

//Hast Du denn meinen Brief nicht bekommen, lieber Neffe, heute Morgen? Ich übergab ihn Johann persönlich und bat Dich, erst um halb sechs zu kommen."

Nein, o wie mir das leid thnt, Dich aeftiirt zu haben' will wieder gehen."

Er erhob sich.

Bekanntmachung.

Heinrich Münker, seither Dienstmann mit der Nr. 17 dahier, hat sein Gewerbe als Dienstmann niedergelegt und werden daher alle diejenigen, welche etwa Ansprüche an die von demselben bei uns hinterlegte Caution aus ihm ertheil- ten Aufträgen geltend machen zu können glauben, aufgefor­dert, solche binnen 8 Tagen bei uns anzumelden.

Gießen, den 19. September 1892.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Nein, nein, lieber Arno, bleibe nur hier- wenn aber der Baron Lilienstern mit seiner Tochter kommt, so sei so gut und gehe in das Nebengemach, in das Zimmer meines seligen Mannes, ich will in Deinem Interesse vor dem Essen nut dem Vater Cillys sprechen, nachdem diese mir rückhaltslos lhre Liebe zu Dir"

Was zu mir Cilly ?"

Schnell, schnell, Arno! Begib Dich in das Zimmer und komme nicht eher herein, als bis ich Dich benachrichtige oder es Dir durch Johann sagen lasse, aber dann tritt in den Salon durch die Flurthür, damit es nicht auffällt. Ich denke bestimmt, bei dem Baron zu reüssiren."

(Schluß folgt.)

Regierungsbezirk S ch l e s w i g: in den Städten Wandsbeck und Pinneberg und je einem Orte der Kreise Stormarn und Kiel (Land) 2 Erkrankungen, 5 Todesfälle.

Regierungsbezirk Lüneburg: in der Stadt Harburg und je einem Orte der Kreise Harburg (Land) und Dannen­berg 2 Erkrankungen, 3 Todesfälle.

Regierungsbezirk Stade: in der Stadt Stade, sowie in fünf Orten der Kreise Jork, Kehdingen und Stade 5 Er­krankungen, 6 Todesfälle.

Berlin: 5 Erkrankungen, darunter 1 Todesfall (Karsten, Baberski, Gericke, Michaelis mit Kind).

Regierungsbezirk Potsdam: in der Stadt Schwedt 1 Todesfall.

Berlin, 21. September. Nach einer weiteren Mittheilung sind gestern insgesammt 2 2 Choleraverdächtige in das Moabiter Lazareth eingeliefert worden- bei 5 wurde asiatische Cholera constatirt.

Hamburg, 21. September. Der Gesundheitszustand ist heute b esser. Pros. Pettenkoser traf aus München hier ein, um in den Krankenhäusern Beobachtungen zu machen. Der^Reichscommiffar für Elbstromcontrole traf in Begleitung der Stabsärzte Rohlshorn und Kranzfelder ein. Der Capitän zur See Herbig inspicirte in Begleitung von hiesigen Stations­beamten und Sanitätsmitgliedern den ganzen iElbstrorn bei Hamburg.

Hamburg, 21. September. Die Choleracommission des Senats fetzte 25 aus mehreren Bürgern und je einem Vorsitzenden bestehende Gesundheitscommissionen ein, die in

allen Theilen der Stadt die Gesundhettsverhältnisse über­wachen, von sanitären Mängeln der Polizeibehörde behus» sofortiger Abhilfe Mittheilung machen, vor Allem aber für Desinficirung in Cholerafällen und Reinigung von Wasser­läufen zu sorgen haben. Wo Choleraherde sich befinden, sind» die Bewohner anderweitig unterzubringen.

Hamburg, 21. September. Die Inangriffnahme des Baues eines Alstercanals durch Hamerbrook nach der Elbe soll bevorstehen. Verschiedene Typhus fälle wurden constatirt.

Lübeck, 21. September. Die Handelskammer ersuchte den Senat um Aushebung der Ch vier arnaßregeln, da durch die Beschränkungen Handel und Verkehr sehr empfindlich leiden.

Lübeck, 21. September. Der Senat beschloß, den Waarenverkehr zwischen Hamburg und Lübeck entsprechend den Bestimmungen der preußischen Ministerialverordnun- wieder zuzulaffen.

Mons, 22. September. Die Cholera tritt heftig unter den Bergarbeitern im Borinage auf; gestern erkrankten 32 Personen und 7 starben.

Wien, 21. September. In der großen Sanitäts- commisfion betonte Gemeinderath Herold die Wichtigkeit guter Volksernährung und sprach den Wunsch aus, der Bürger- meister möge geeigneten Orts die Frage eines ViehauS- suhrverbotes gegen Deutschland und die Schweiz anregen.

Rom, 21. September. Infolge des Auftretens der Cholera werden die für October geplanten Wallfahrten nach Rom wahrscheinlich aufgeschoben.

Deutsches Reich.

Berlin, 21. September. Die Vorarbeiten zu der bevor­stehenden Wintersession desReichstages werden zur Zeit namentlich im Reichsschatzamte sehr eifrig betrieben. Es handelt sich um die Aufstellung des Reichshaushaltsetats für 1893/94. Bis jetzt hat es den Anschein, als ob nur einzelne Theile des neuen Etats erhebliche Abänderungen vor dem lausenden Etat erfahren würden. Ob und inwieweit die Einnahmen bereits unter der voraussichtlichen Wirkung neuer, erst zu genehmigender Steuern späterhin höher zu veran­schlagen sein werden, ferner, wie der Ausgabe - Etat der Militärverwaltung durch die angekündigte Heeresvorlage sich anders gestalten möchte, ist zur Zeit noch gar nicht abzusehen. Rach beiden Richtungen hin geben, wie dieM. Z." betont, die Vorarbeiten im Augenblick noch gar keinen Maßstab für die Gestaltung der Dinge. Eine glaubwürdige Meldung z. B. will wissen, daß der Entwurf des neuen Militärgesetzes schon wiederholt umgestaltet worden sei und daß die Kosten­anschläge noch immer keine endgiltige Feststellung erfahren hätten, es befinde sich in dieser ganzen Frage alles noch in der Schwebe. Dem scheint in der That so zu fein!

Neueste Nachrichten»

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 21. September. Nach derNationalzeitung" haben bei den Hauptsteuerämtern vertrauliche Erhebungen stattgesuuden über die voraussichtlich mit der Deckung der Kosten der Militärvorlage zusammenhängende Erhöhung der Brausteuer von 4 auf 8 Mark pro Doppelcentner

Berlin, 21. September. An der hiesigen Börse wurden heute. Hamburg 44000 Mark gezeichnet.

Berlin, 21. September. Wie uns parlamentarische Kreise mittheilen, erscheint demnächst vom Landtagsabgeordneten Enneccerus eine den Miquel'schen Plänen und Grundzügen zustimmende Broschüre über die Steuerreform.

Berlin, 21. September. Der hiesigen Criminalpolizei wurde angezeigt, daß die Bankiers Seemann und Rosenberg in Hannover nach Verübung bedeutender Unterschlagungen flüchtig geworden sind.

Berlin, 22. September. DieKreuzzeitung" erfährt aus Konstantinopel: Laut Berichten aus Sebastopol wurde eine Vermehrung der Flotte aus dem schwarzen Meere durch den Bau von mehreren neuen Schiffen angeordnet.

Köln, 21. September. DerKölnischen Ztg." wird von unterrichteter Seite mitgetheilt, die Nachricht der Berliner Blätter, es habe am 19. d. Mts. eine Vertrauensmänne r- Versammlung der größeren Zechen zur Bildung einer

ungs- und Todesfälle:

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