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Donnerstag den 18. August

1892

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

Amts- und Anzeigeblatt für den üreis Giefzen^

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Liertelzöhriger ^donnementrprelO t 2 Mark 20 Pfg. mi» Br'ngerlohn.

Durch bie Poft bezog er 2 Mark 50 Ply.

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Imab m r von Anzeigen zu der Nachmittag- für den ^»Lgenden log erscheinenden Nummer btl Vorn». 10 Uhr.

Hratisöeikage: Hießener Kamikienßkätter.

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Alle Annoncen-Vureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger^ entgegen.

Aintlicheo Therl.

Bekanntmachung,

>etr. den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche zu Griedel.

Wegen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche ist über ie Gemarkung Griedel, Kreis Friedberg, die Sperre ver­fängt worden.

Gießen, den 16. August 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. August. Die seit Langem angekündigte eue deutsche Militärvorlage droht fast zu einem olitischen Sommerspuk zu werden, denn nach wie vor lauten ie Mittheilungen über den Inhalt der Vorlage ungemein widerspruchsvoll- namentlich streitet man sich darum, ob sie ls ihren Kernpunkt das Princip der zweijährigen Dienstzeit nthalten werde oder nicht. Auch hinsichtlich der Beschaffung er Mittel zur Bestreitung der Kosten der geplanten Armee- eorganisation schwirren die Gerüchte kraus durcheinander und chließlich gilt dies auch von dem Zeitpunkte des Erscheinens er neuen Militärvorlage. Die Einen wollen wissen, der rntwurs werde dem Reichstage bestimmt in seiner kommenden Session unterbreitet werden, die Anderen dagegen behaupten, o spruchreif sei die Sache noch lange nicht, die angekündigte Kilitärvorlage werde dem Reichstage vielmehr erst in seiner bernächsten Session zugehen. Unter solchen Umständen em- fiehlt es sich natürlich, den Lauf der Dinge abzuwarten.

Aus Deutsch-Ostafrika kommen immer wieder nangeneyme Nachrichten. Die neueste Meldung dieser Art t diejenige von einem Einfall der räuberischen Mafiti in as Gebiet um Kilwa, einem Hasen im südlichen Küstentheile er Colonie. Die Mafiti verwüsteten und verbrannten einige Ortschaften, tödteten etwa 20 Personen und zogen dann wieder ab. Heber eine ins Werk gesetzte nachdrückliche Ver- olgung der srechen Räuber ist seltsamer Weise noch nichts emeldet worden. Jedenfalls zeugt es gerade von einer roßen Sicherheit im südlichen Theile Deutsch - Ostasrikas, wenn die Mafiti ihre Plünderungszüge bis in die Gegend von kilwa ausdehnen können.

Metz, 14. August. Hausmarschall Freiherr v. Lyncker, er am 11. und 12. d. M. hier weilte, hat die drei Gebäu- ichkeiten, in welchen der Kaiser während der bevorstehenden oerbstmanöver für kürzere oder längere Zeit Aufenthalt ehmen wird, nämlich Schloß Urville, das allgemeine Mili- ärcasino und das Bezirkspräsidium, besichtigt. Die innere Einrichtung von Urville har seinen vollen Beifall gefunden.

steht jetzt fest, daß der Kaiser in seinem neuen loth- ingischen Besitzthum allein Wohnung nehmen wird, während ie kaiserlichen Gäste in der Stadt Quartiere beziehen werden. Ils solche werden genannt: der König von Sachsen, der Zrinzregent von Braunschweig, drei bayerische Prinzen, der fürst von Hohenzollern und der Fürst zu Wied. Der Groß- erzog von Baden wird in seiner Eigenschaft als General- inspecteur der 4. Armee-Jnspection anwesend sein und be- eits am 7. September in Metz eintreffen. Sein Absteige- uartier ist derEuropäische Hof". Im Gesolge des Kaisers 'erden sich die Kriegsminister von Preußen, Bayern und wachsen, sowie zehn fremdländische Offiziere befinden. Zur Begrüßung wird der kaiserliche Statthalter Fürst von Hohen- ohe in Metz erscheinen.

Ausland.

DerN a p o l e o n s t a g" in Frankreich, der 15. August, ediert gegenüber dem Anwachsen der republikanischen Ström- ing jenseits der Vogesen immer mehr seine politische Bedeu- ung. Dies kann auch von der jüngsten Wiederkehr dieses sesttageS der bonapartistischen Partei gelten, denn er ist ohne esondere Wirkungen nach außen verlausen. Am ehesten rwähnenswerth noch ist die am Montag in Paris statt- esundene Napoleonseier mit ihrem Mittelpunkte, einer von 00 Imperialisten besuchten Versammlung. Es wurde eine Resolution angenommen, welche die Erklärung enthält, die ^onapartisten würden bei den allgemeinen Wahlen nur solche andidaten unterstützen, welche für die Wahl des StaatS- derhauptes durch ein PlebiScit einträten. Glauben die An- änger des Kaiserthums in Frankreich wirklich, ihrer faulen bache durch das abgegriffene Mittel des Plebiscits wieder uf die Strümpfe Helsen zu können?

Suleiman Paschaj, einer der Heerführer der urkei im letzten türkisch-russischen Kriege, ist in Bagdad im

Exil gestorben. Suleiman Pascha ist namentlich dadurch be­kannt geworden, daß er in mehrtägigen blutigen Kämpfen versuchte, den Russen den Schipkapaß wieder zu entreißen und sie hierdurch über den Balkan zurückzuwersen; ein toll­kühnes Unternehmen, das bekanntlich nicht gelang und der Pforte nur den Kern ihrer Truppen kostete. Gegen Suleiman Pascha wurde dann ein Hochverrathsproceß eingeleitet, der mit Verurtheilung des Paschas zu 15jähriger Festungshaft und Enthebung von seinen militärischen Würden endigte. Der Sultan begnadigte später Suleiman zum Exil in Bagdad.

Heweflc Tlacferfcbty*.

Wolffs telegraphisches Correspondcnz-Bureau.

Berlin, 16. August. DerKreuzztg." zufolge gedenkt der Kaiser nach den nunmehr endgültig getroffenen Be­stimmungen seine Reise nach Gothenburg zur Rennthier­jagd am 4. September anzutreten und sich von dort direct zu den Manövern nach Coblenz zu begeben.

Berlin, 16. August. Ein Act treuer Pietät wurde am heutigen Gedenktage der Schlacht bei Mars la Tour aus dem Kasernenhose des ersten Garde-Dragoner-Regiments voll­zogen. Der Vorsitzende des Berliner Kriegerverbandes, der Geh. Registrator Molkewitz, und eine aus 30 Mann bestehende Deputation des Vereins ehemaliger erster Garde-Dragoner erschienen, um an dem Denkmal, welches sich auf dem Kasernenhose des Regiments erhebt, einen Kranz mit der Inschrift:Den gefallenen Kameraden im Feldzuge 1870/71" niederzulegen. Heute Nachmittag findet in der Unionsbrauerei ein vom Verein veranstaltetes Fest statt, dem auch das Offb ziercorps des Regiments beiwohnen wird.

Berlin, 16. August. N mmebr werden die Entwürfe für die Schutzgebiete zum nächsten Reichshaushalte in Angriff genommen werden, wobei die Ausstellung des Eiuzel- etats voransteht. Wenn übrigens frühere Absichten zur Aus­führung kommen, so könnte man verschiedenen neuen Vorlagen entgegensetzen, welche namentlich auf den persönlichen Wahr­nehmungen des Dr. Kayser beruhen würden, z. B. Neu- Einrichtungen in Verwaltung und Verkehr. Heber die Etats für die Schutzgebiete, in welche jedoch der Bedarf für Ost- asrika nicht eingeschlossen ist, werden wir wohl bald Mit- theilungen erhalten, da der Colonialrath wieder, wie im vorigen Jahre, vor Feststellung des Reichshaushalts einberufen werden soll, um ihm u. a. die Etats für die Schutzgebiete zur Begutachtung vorzulegen.

Berlin, 16. August. DieNationalzeitung" schreibt: Wie verlautet, sind über den Vormarsch der deutschen Schutzrruppe nach dem Kilimandjaro sehr günstige Nach­richten eingetroffen. Die Ansicht, daß die Schlappe in dem Gefecht mit den Moschi für die Gestaltung der Verhältnisse im Schutzgebiete ebensowenig Folgen haben würde wie s. Z. die Niederlage der Expedition Zelewski gegen die Wahehe, scheint sich danach zu bestätigen.

Bremerhaven, 16. August. DasBerliner Tageblatt" meldet: Mit dem hier eingetroffenen LloyddampserWeser" sind wieder 200 russisch-jüdische Auswanderer von Argentinien zurückgekehrt. Dieselben wurden mit der Bahn nach der russischen Grenze weiterbefördert.

Prag, 16. August. Hm Mitternacht wurde der Tifchler- geselle Wenzel Bo fak verhaftet, als er vor ^dem deutschen Casino auf einen Passanten mit dem Revolver schoß. Ob er Jemanden verletzt hat, ist noch nicht festgestellt. Bei Bosak wurde ein Bries an dieNarodni Listh" vorgefunden. In feiner Wohnung wurden Patronen und Papiere beschlag­nahmt.

Lemberg, 16. August. Die Meldung der Blätter, daß die Reservisten aus der Umgegenb von Kolomea, die in Stanislau zu militärischen Hebungen eingetroffen sind, in ihre Heimathsbezirke zurückgeschickt seien, weil in Stanislau an­geblich Dysenterie und Cholerine grassirten, wird von zu­ständiger Seite für unrichtig erklärt.

Catania, 16. August. Die Eruption des Aetna ist im Abnehmen begriffen.

Paris, 16. August. Der Ausstand der Fiaker­kutscher dauert an; es striken heute 4000. In Coer- maux kam es zu ernstlichen Arbeiter-Hnruhen. Die Arbeiter in den Kohlengruben, mit der Entlassung eines dem Syndikat angehörigen Arbeiters unzufrieden, drangen in das Haus des Direetors ein, richteten dort Verwüstungen an und zwangen den Director, um seine Entlastung anzusuchen. Gendarmen und Truppen sind jetzt in Carmaux anwesend.

London, 16. August. Das Cabinet Gladstones ist definitiv folgendermaßen zusammengesetzt: Gladstone: Schatzlord und Großsiegelbewahrer; Herrschen : Lordkanzler - Kimberley: Staatssecretär von Indien und Präsident des Geheimen RathS - Rosebery: Auswärtige-- Ripon: Colonien -

Asquith: Inneres- Campbell-Bannermann: Strieg; Spencer: erster Lord der Admiralität - Harcourt: Schatzkanzler - John Morley: Minister von Irland- Trevelyan: Minister von Schottland- Mundella: Handelsamt- Fowler: Gemeindever­waltungsamt- Arnold Morley: Generalpostmeister- Acland: Erziehungswesen und Houghton: Vicekönig von Irland.

Petersburg, 16. August. Die Cholera ist auch in Taurien ausgetreten. Im Berdjansker Kreise kamen am 15. August 16 Erkrankungen und 6 Todesfälle vor, in Charkow am 14. d. M. keine Erkrankungen, in Astrachan keine Todesfälle, in Moskau am 14. d. M. 15 Erkrankungen und 6 Todesfälle, in Nischnh Nowgorod am 15. August 28 Erkrankungen und 12 Todesfälle. Im Dongebiete ist keinerlei Abnahme der Epidemie wahrzunehmen.

Petersburg, 16. August. Gestern sind hier neun CH oler a-Todesfälle vorgekommen. Nach Baku, wo die Cholera fast gänzlich erloschen ist, kehrt die Bevölke­rung solcher Zahl zurück, daß Maßnahmen gegen die Wieder­einschleppung der Seuche getroffen werden mußten.

Petersburg, 15. August. Aus Nishny-Nowgorod wird heute amtlich gemeldet, die Cholera sei im Erlöschen begriffen; die Erkrankungen verringern sich tagtäglich und die Sterblichkeit sei unbedeutend. Die Sanitätscsmmission beschloß, die beiden schwimmenden Hospitäler als überflüssig zu schließen und daß Medicinal- und Sanitätspersonal theilweise wieder zu entlassen. Das neue städtische Choleraspital wurde eben­falls für überflüssig befunden und soll zu anderen Zwecken benutzt werden.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 16. August. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Gesetze, betreffend die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamten ft eUen in der Verwaltung der Cornrnunalverbände mit Militäranwärtern, vom 21. Juli 1892 und betreffend das Dien st einkommen der Lehrer an nichtstaatlichen und öffentlichen höheren Schulen, vom 25. Juli 1892.

Berlin, 16. August. DemBerl. Tagebl." zufolge soll die Oberstaatsanwaltschaft in Hamm gegen das freisprechende Erkenntniß in dem Stempelsälschungsprocesse gegen die Angestellten des Bochumer Vereins Revision eingelegt haben.

Berlin, 16. August. DieVoss. Ztg." meldet aus Paris k Hiesige Blätter suchen Spanien zu überzeugen, daß düs Fehlen des deutschen Kriegsschiffes bei der Colu m b usseier auf den Aerger der Reichsregierung zurückzuführen fei, daß, Canovas trotz dringender Einladungen sich mit dem Dreibunde nicht eingelassen habe. Die ^Voss. Ztg." bemerkt dazu: Die Ansicht sei sicherlich falsch. Wäre die Reichsregierung auf Spanien ärgerlich, so würde sie um so höflicher sein. Aber Caprivi trifft der Vorwurf, daß 'durch diese Maßnahme und deren Begründung solche Auslegungen ermöglicht sind. Wtr können nicht beklagen, daß das Ausland die Erklärung, Deutschland habe kein Schiff frei, um feine Flagge m den spanischen Gewässern zu zeigen, für unglaublich ansieht. Es ist besser, man glaubt an einen Mißgriff des Reichskanzlers, als an die beschämende Hnzulänglichkeit der deutschen See­macht.

Berlin, 16. August. Das provisorische Comite, welches die vorbereitenden Schritte für die Weltausstellung thun sollte, hat beschlossen, im Herbst einen Congreß der Aus- stellungssreunde in Berlin einzuberufen. Zur Discutirung kommt die Frage einer nationalen Ausstellung in Berlin.

Berlin, 17. August. Die Eröffnung des Reichs­tages ist nicht vor Mitte des Monat November zu er­warten. Die Militärvorlage wird jedenfalls in diesem Jahre noch eingebracht. Auch die Vorlagen über die Einheits­zeit und das Auswanderungswesen gelangen zur Berathung. Das Trunksuchtsgesetz und das Gesetz wegen Spionage gelten als fallen gelassen.

Siegen, 16. August. Die Zusammenkunft der Fein­blech-Fabrikanten des Siegerlandes ergab, vorläufig von einer Preiserhöhung abzusehen, lieber die Preis­frage soll eine neue Versammlung beschließen, nachdem mit den Lenne- und Rheinisch-Westsälischen Werken Fühluiig ge­nommen ist.

Posen, 16. August. Die Regierung verfügte, daß vom 20. August an ausländische Flößer die Warthe nicht mehr befahren dürfen. Die Flöße müffen ab Pvgorzelice durch inländische ärztlich untersuchte Mannschaften weiterbesördert werden.

Hamburg, 16. August. Heute Mittag haben die größten Hamburger Brauereien 1200Brauer und Küfer, welche dem Fachvereine angehören, entlassen, da der Boycott