1892
Nr. 41 Zweites Blatt Donnerstag den 18. Februar
Ter Gießener Äiqrigtr erscheint täglich, mit Ausnahme deS MootagS.
Die Gießener Wamitte» ö tätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Meßmer Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
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Anrtlichev Theil.
Bekanntmachung.
Herr Landwirthschaftslehrsr Leithiger von Alsfeld «rrd an folgenden Orten Vorträge halten:
1) Sonntag den 21. Februar 1892, Nachmitt. 3 Uhr, in Deitershain einen Vortrag über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Theiß- fchen Wirthfchaft,
2) Samstag den 12. März, Abends 6 Uhr, in Hat- tenrob über verschiedene Fragen aus der Bodenbearbeitung und Viehzucht,
3) Sonntag den 13. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, in Rod heim über Entwässerung von Grundstücken und Drainage-Anlagen, in der Reich Hardt'schen Wirth- schast,
4) Sonntag den 27. März 1892, Nachmittags 3 Uhr, m Lich einen Vortrag über rationelle Viehfütterung, in der Heiland'schen Wirthfchaft
5) Sonntag den 3. April 1892 in Watzenborn einen Vortrag über die Anwendung der künstlichen Düngemittel,
6) Sonntag den 1. Mai 1892 in Hausen einen Vortrag über die rationelle Bewirthschaftung des Bauerngutes insbesondere mit Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel.
Alle Mitglieder des landwirthschaftlichen Vereins und Freunde der Landwirthschaft werden zu diesen Versammlungen ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister der obengenannten und benachbarten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.
Gießen, den 28. Januar 1892.
Der Director des landw. Bezirksvereins Gießen. __________________________Jost.
Der Brand des „Hotel Royal" in Newyork
am 7. Februar d. I.
stellt sich als eine der schrecklichsten Feuersbrünste in der Stadt Newyork während der letzten Jahre heraus. Das Feuer ist im Keller entstanden und um 3 Uhr Morgens bemerkte der Maschinist das Feuer im Auszuge, welcher sich fast in der Mitte des Gebäudes befand. Das Hotel hatte Platz für 200 Gäste und alle Räume mit Ausnahme von vier waren besetzt. Der Maschinist eilte zu der nur wenige Schritte entfernten Signalstation und gab der Feuerwehr ein Alarmzeichen. Gleichzeitig wurden die Flammen von dem Nachtwächter des Hauses entdeckt, allein es war zu spät, um noch alle Gäste von der ihnen drohenden Gefahr zu unterrichten. Die Hochbahn geht an dem Hotel vorbei u»d als der Locomotivführer eines vorbeisahrenden Zuges die Flammen sah, hielt er den Zug an und ließ seine Damps- pseife so laut als möglich ertönen. Hierdurch wurden die schlafenden Gäste geweckt und die Leute der Nachbarschaft aus die Gefahr aufmerksam gemacht. Als die Feuerwehr ankam, etwa 15 Minuten, nachdem das Feuer entdeckt worden war, hatten die Flammen sich bereits so weit ausgebreitet, daß die Feuerwehrleute sich weniger mit dem Löschen deS Feuers als mit der Rettung der einzelnen Personen zu beschäftigen hatten. An den Fenstern standen die Bedrohten und riefen um Hilfe. An der Rückwand des Hotels befanden sich Rettungsleitern, nicht aber zur Straße hin. Viele Gäste entkamen aus den ersteren in den Hof, allein diejenigen an den vorderen Fenstern hatten keine Aussicht zur Rettung, als durch die Feuerwehr. Der Eigenthümer des Hotels, Richard MeareS, behauptet, daß 165 Personen in dem Hotel geschlafen hätten und da von diesen bis zum Morgen sich nur 25 gemeldet hatten, so glaubte man anfangs, daß der größte Lheil der Uebrigen umgekommen sei. Doch hat sich dies glücklicherweise als ein Jrrthum erwiesen. Herr Meares erzählt, daß seine Zimmer im zweiten Stock lagen und daß er sich mit seiner Frau um 1 Uhr Nachts zur Ruhe begeben habe. Damals war alles in Ordnung. Um 3 Uhr sei er durch seine Frau durch den Ruf: „Das Haus brennt!" geweckt worden. Sie hätten sich beide schnell angekleidet und seien in den großen Saal gestürzt. Er habe am Auszuge die Flammen emporschießen sehen und das durch dieselben hervorgerusene schreckliche Geräusch habe das Schreien der aus ihren Zimmern stürzenden Gäste übertönt. Er habe seiner Frau, welche ihn zurückhielt, zugerufen: „Komme, daS ganze Gebäude brennt !* und sei zur Treppe gelaufen, allein die Flammen hätten bereits das Geländer ergriffen und der
Rauch sei erstickend gewesen — durch Feuer und Rauch sei, er hinuntergestürzt und sei so auf die Straße gelangt, während seine Frau vom Straßensenster aus einen Balkon sprang, von wo sie durch die Feuerwehr gerettet wurde. Ihm ist der Arm durch das Feuer verbrannt und sie hat sich Verrenkung am Knöchel zugezogen. Simon und Frederick Uhlmann, Theilhaber der bekannten Hopsenfirma S. u. S. Uhl- mann, befanden sich im Hotel, sind aber beide gerettet. Der Maschinist des Hotels hatte, als er zu den Gastzimmern gelangen wollte, ein Kind in dem Corridor des zweiten Stockwerkes herumwandernd gesunden, dasselbe in seine Arme genommen und war zum Fenster hinausgesprungen, wobei er ein eisernes Gitter streifte und sich einige Rippen und den Arm brach. Er wird wahrscheinlich sterben, während das Kind unverletzt ist. Ehe die Feuerwehr eintraf, ereigneten sich verschiedene tragische Todesfälle. In jedem Zimmer befand sich ein Rettungsstrick mit einer Anweisung zum Gebrauche desselben. Eine junge Frau warf einen alten Strick aus einem Fenster des vierten Stockes und ließ sich, ihr Kind mit der einen Hand haltend, herunter; sie hatte bereits den dritten und zweiten Stock passirt, als ihre Kraft 15 Fuß über dem Erdboden versagte: Mutter und Kind stürzten hinab und waren sofort tobt. Eine Leiter wurde an ein Fenster des zweiten Stockes gesetzt und ein Polizist, welcher, eine Frau in seinen Armen haltend, herunterstieg, wurde von dem Körper einer Frau^getroffen, welche aus dem vierten Stock heruntergesprungen war- alle drei stürzten zusammen aus das Pflaster, wobei der Polizist und die Frau, welche er umfaßt hatte, mit leichten Verletzungen davonkamen, wahrend die andere Frau getödtet wurde. Die Menschenmenge auf der Straße war, wie „Daily News" meldet, rasend vor Aufregung. In einem Fenster des vierten Stockes sah man einen Mann stehen und ruhig die Lage überschauen. Man rief ihm zu: „Springen Sie, um Ihr Leben zu retten!" Er blickte hinunter und rief zurück: „Es thut nichts, morgen wird alles in Ordnung sein!" und fiel zurück in die Flammen. Als das Rettungscorps mit den Lettern erschien, schwärmte bald die ganze Front des Hotels von Feuerwehrmännern, welche zu jedem Fenster hinausstiegen und viele Personen retteten. Von zwei nebeneinander liegenden Fenstern des obersten Stockwerkes stiegen zwei Feuerwehrmänner, jeder eine Frau haltend, herunter. Als sie den zweiten Stock erreichten, stürzte die ganze Mauer, gegen welche die Leitern angelehnt waren, mit Krachen ein und die Zuschauer riefen: „Sie sind getödtet!", allein die erfahrenen Retter hatten die Gefahr rechtzeitig erkannt und waren, als die Mauer umfiel, mit ihren Lasten auf die Straße gesprungen. Alle blieben unverletzt. Ein anderer Feuerwehrmann, dessen Leiter nur bis zum dritten Stock reichte, stieg auf die Spitzen derselben und bewog eine Frau im vierten Stock, auf seine Schultern zu treten, worauf er sie zu sich herunterhob und unter wildem Beifalle der Menge sicher hinabtrug. Viele Personen wurden dadurch gerettet, daß sie in die unter- gehaltenen Netze sprangen. Ehe die Ruinen fortgeräumt sind, wird sich der Verlust an Menschenleben nicht genau feststellen lassen, doch glaubt man, daß wenigstens 25, vielleicht sogar 50 Personen umgekommen sind. Die Nacht war kalt und die Geretteten, welche sämmtlich nur ihre Nachtgewänder anhatten, litten schwer unter der Kälte.
Locale» unö provinzielles,
Gießen, 17. Februar 1892.
— Die Nr. 4 des im Auftrage des Evang. Pfarrvereins im Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann hier herausgegebenen „Hessischen Kirchenblattes" hat folgenden Inhalt: 1. Herr Prälat D. Habicht (Geburtstag). 2. Was haben wir errungen? 3. Entstehung eines Psarrvereins. 4. Der evang. Pfarrer und die Kunst. III. 5. Zu „Ein Wort über den Organistendienft". 6. Zur Sonntagsruhe. 7. Zusammenkünfte. 8. Personalveränder- ungen. 9. Anzeigen.
— Der Getreidemarkt. Schwankungen und theilweise Aufbesserungen und dann wiederum Schwankungen mit ausgeprägter Tendenz des Sinkens der Preise sind gegenwärtig die characteristischen Merkmale des Getreidemarktes. Für die in der Hauptsache sinkende Tendenz des Getreidemarktes sind nicht nur die großen, durch die massenhaften ausländischen Zufuhren gesteigerten inländischen Getreidevorräthe maßgebend, sondern es hat auch in Amerika ein bedeutender Preisabfall auf den Getreidebörsen stattgefunden und auch aus Indien ist Weizen billiger zu beziehen. Weizen notirte 198 bis 208 Mk. per Tonne, Roggen 203 bis 209 Mk., Hafer 150 bis i 156 Mk. Für spatere Termine wurde meisten- billiger ab- 1 geschlossen.
X Ruppertenrod, 11. Februar. Im Auftrage des Oberhessischen Obstbauvereins weilte gestern der Techniker desselben, Herr Metz aus Friedberg hier. Nachdem derselbe im Lause des Tages practische Demonstrationen in der Behandlung der Obstbäume in den Gärten einzelner Mitglieder des Obstbauvereins vorgenommen, hielt derselbe Abends einen Vortrag über die Obstbaumzucht und Obstbaum- p siege in der Gastwirthschaft zur Krone dahier. Eine sehr zahlreiche Zuhörerschaft hatte sich hierzu eingefunden. Sehr richtig bemerkte der Vortragende hierbei, daß die Obstbaum- zucht in Oberhessen bezw. im Kreise Alsfeld wohl im Fortschritt begriffen sei, aber noch lange nicht die höchste Stufe der Obstbaumzucht erreicht habe, daß dies aber nicht an schlechterem Boden oder ungünstigerem Klima gelegen, sondern eben an der mangelnden Kenntniß und Pflege Seitens der Landleute. Den jungen Obstbaum überlasse man nach seiner meist sehr schlechten Anpflanzung sich selbst und erwarte nun, daß er, ein „Bäumchen schüttle dich" werde. Nachdem Herr Metz eingehend die Anpflanzung junger Obststämmchen beschrieben, warnte er vor dem Ankauf schlechter Stämmchen, wie sie alljährlich von württembergischen Händlern speciell für Oberhessen verkauft werden. Diese billigen, dünnen Stämmchen bildeten nur den Ausschuß aus Obstbaumschulen und würden sich nie zu einem gut tragenden Obstbaum entwickeln. Im Weiteren verbreitete sich der Vortragende über den Schutz der Obstbäume gegen Hasensraß unb anbere Beschäbigungen, beschrieb ben Pfahl unb das richtige Beschneiden der Stämme im Frühjahr zum Erzielen einer schönen Krone und wandte sich dann zu den Hauptseinden der Obstbaumzucht aus der Jnsectenwelt, die Mittel zu ihrer wirksamen Bekämpfung angebend. Nachdem der Vortragende noch besonders die Pflege der alten Obstbäume erwähnt, legte er die Ziele des Oberhessischen Obstbauvereins dar.
Butzbach, 11. Februar. Das Comite zur Erbauung einer Nebenbahn Lich-Butzba.ch hat durch sachkundige Ingenieure diesbezügliche AusnaHfien vornehmen lassen, die nach dem „W. B." zu dem Resultat geführt haben, daß der Erbauung einer Wetterthalbahn keine großen Schwierigkeiten Seitens der Terrainverhältnisse im Wege stehen, vielmehr ist man zu der Überzeugung gekommen, daß die Erbauung einer solchen Bahn, die möglicherweise später bis Grünberg einerseits und nach Usingen andererseits fortgeführt werden könnte, im Interesse der Wetterthalbewohner gelegen ist. Das Comite hat eine ausführlich begründete Eingabe an Großh. Staatsregierung und die Ständekammer gerichtet.
Aus dem Kreise Friedberg, 11. Februar. Das Frucht- g r s ch ä s t liegt sehr flau. Die Nachfrage ist ungemein gering, die Preise weichen deshalb.
Laugen, 11. Februar. Die hiesige landwirthschaft- liche Haushaltungsschule wird gegenwärtig von 26 Schülerinnen besucht. Vom 1. d. M. ab wird auch das Molkereiwesen — Bereitung von Süßrahmbutter, Fettkäserei (Weichkäse nach sranzöfischer Art) — betrieben.
Literatur und Aunst.
— Soldatenhort", illustrirte Zeitschrift für das
deutsche Heer. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl Stegtsmund, Berlin W., Mauerstraße 68. Heft 14 erschien soeben und enthält: Im Wtrrsal der Zett. Original-Roman aus den Tagen des dreißigjährigen Krieges von M. Eichler. Fortfetzung. — General von Alvensleben. Ein Gedenkblatt. Von K. Mit Porträt. — Die Halloren, ihre Sitten und Geschickte. Von B. Emil König. Schluß. — B»ld: Kalköfen. Nach einem Gemälde von E. F v. Schlichtegroll. Mit Dxt. — Die öfterretch-ungariiche Armee, tbre Einrichtung und ihr Dienst. Von Wolf von Metzsch-Schtlbach. Die Unteroffiziere im österreichisch-ungarischen Heere. — Etwas über die Krieger-Vereine. Von Ernst Voges, ehemaliger 67er. — Plaudereien über das Pferd. Von Wolf von Metzsch-Schtlbach. 3. Ein weiterer Stretfzug durch das Gebiet der deutschen Pferdezucht. Schluß. — Etwas über Afrika. Mit 2 Bildern: Rubaga, die ehemalige Hauptstadt von Uganda und Acquatortalafrikantsche Savanne. — Plauderecke. — Vaterländische Gedenktage. — Neue Bestimmungen. — Militärische Mttttretlungen. — Don fremden Heeren. — Kameradschaftliches Plauderstündchen. — Pretsräthsel. — Rechenaufgabe. — Briefkasten.
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