Ur. 215 Erstes Blatt
Donnerstag den 15, September
1892
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Tic Gießener Jamitienbtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal bcigelegt.
ietzener Anzeiger
General-Anzeiger.
Brertcljä^ig \ Abonnem^ntspreisr 2 Mark 20 Psg. mit Bringe! lohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg.
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Amts- und Anzeigeblatt fnv den Aveis Gieszen.
Annahme von Anzeigen zu der dkachmitlags für den solgend-n Tag erscheinenden Nummer bi5 Vorin. 10 Uhr.
Gratisbeilage: Gießener Jamilienvlatter.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Zum Bezug des „Gießener Anzeiger" für >as 4. Vierteljahr 1892 laden wir hiermit ergebenst -in. — Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" ne Tagesereignisse in kurzer objectiver Uebersicht zur idcnntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Correspondenz- Vurcaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem uigeren und weiteren Vaterland halten den Leser tcts über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden, Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Ob er Hessen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Land wirt Hs chaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- «vcrthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirth schäft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltnngsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. October den Anzeiger kostenfrei zugestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Exemplare nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger"
Brüh lösche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).
Bekanntmachung,
betr. die Abhaltung des Gallusmarktes zu Grünberg.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß dcr Gallusmarkt zu Grürrberg nicht am 12. und 13. October l. I., sondern am 19. und 20. October L I. crbgehalten wird.
Gießen, den 13. September 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen. _____________ v. Gagern.
Bekanntmachung,
betr. Erweiterung des Gaswerks zu Gießen.
..Die Stadt Gießen beabsichtigt in ihrem Gas- und Wasserwerk zwei Anbauten zur Vermehrung der Kühl- und Waschapparate und zur Aufstellung eines Saugapparats zu errichten.
Pläne und Beschreibung liegen 14 Tage lang vom Tage der Erscheinung gegenwärtiger Bekanntmachung in diesem Blatte an gerechnet, auf Großherzoglicher Bürgermeisterei l^ießen zur Einsicht offen. Einwendungen gegen diese Anlage
sind innerhalb gleicher Frist bei Meidung des Ausschluffes bei Großherzoglicher Bürgermeisterei Gießen vorzubringen.
Gießen, den 10. September 1892.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
__________________ I. %■: Jost.______________________
Bekanntmachung,
betr. Maul- und Klauenseuche zu Höckersdorf, Helpershain, und Groß-Eichen.
Ueber die Gemarkungen Höckersdorf, Helpershain und Groß-Eichen, Kreis Schotten, ist wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche die Sperre verhängt morden.
Gießen, den 10. September 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
______________________I. Jost.______________________
1) Lehrer-Conferenz des Conferenz-Bezirks Grünberg Montag den 19. September, Vormittags 10 Uhr in Grün berg.
Lieder: 9, 33, 138, 190.
lN Lehrer-Conferenz des Conferenz-Bezirks (Siefmt Mittwoch den 21. September, Vormittags 10 Mir in Gießen.
Lieder: 65, 116, 142.
3) Lehrer-Conferenz des Conferenz-Bezirks Lich—Hungen Freitag den 23. September, Vormittags 91/2 Uhr in Lich. , Lieder: 63, 71, 98.
Gießen, den 14. September 1892.
Büchner, Sch'.«'>.ath
Deutsches Reich.
Berlin, 13. September. Das längst erwartete freudige Ereigniß in der kaiserlichen Familie ist nunmehr eingetreten. Am Dienstag früh 3!/2 Uhr ist die Kaiserin im Marmorpalais bei Potsdam von einer Prinzessin entbunden worden- die Kaiserin und die neugeborene Prinzessin befinden sich den Umständen angemessen wohl. Mit der Geburt eines Töchterchens ist dem kaiserlichen Ellernpaare ein Lieblings- wünsch in Erfüllung gegangen, und das ganze deutsche Volk nimmt an der Freude des erlauchten Paares berzlichsten Antheil, zumal ja die neugeborene Prinzessin die erste unter dem Purpur geborene deutsche Kaisertochter ist. Möge dem jüngsten Sprossen des deutschen Kaiserhauses nur immer ein sonniger Lebeuspsad beschieden sein!
— Die erwarteten Entscheidungen in Sachen der vielbesprochenen Vorlagen, mit denen sich der Reichstag und der preußische Landtag in der kommenden Wintersession zu beschäftigen haben werden, sollen schon nächstens erfolgen. Man sieht in Berlin dieser Tage der Rückkehr des Finanzministers Dr. Miquel von seinem Harzburger Sommeraufenthalt entgegen und vermuthlich wird bald nach seinem Wiedereintreffen in der Reichshauptstadt die entscheidende Sitzung des preußischen Staatsministeriums statlfinden.
— Die Zeitungsmeldungen, denen zufolge die Bestimmungen über die Sonntagsruhe in Industrie und Handwerk am 1. October d. I. in Kraft treten sollen, werden jetzt von officiöser Berliner Seite als unzutreffend bezeichnet. Es wird hierbei betont, die mit den Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe bislang gemachten Erfahrungen mahnten zur Vorsicht und ließen es angezeigt erscheinen, zuvor genaue Erhebungen und Erwägungen hinsichtlich der Tragweite der zu erlassenden Bestimmungen anzustellen. — In der That kann man nur dringend wünschen, es möge in dieser wichtigen Frage nichts überstürzt, sondern jeder Schritt vorher sorgsam geprüft werden. Schon das „Sonntagsruhegesetz" für das Handelsgewerbe hat in seiner Ausführung bekanntlich zu zahlreichen Klagen Veranlassung gegeben, die eine Revision der am 1. Juli d. I. in Kraft getretenen Bestimmungen als unumgänglich nothwendig erscheinen lassen. Die Wirkungen der Sonntagsruhe in Industrie und Handwerk werden sich aber zweifellos noch stärker fühlbar machen und es empfiehlt sich darum eine peinliche Prüfung der einschlägigen Bestimmungen vor ihrer practischen Verwirklichung.
— Mit den Aussichten für den geplanten deutschrussischen Handelsvertrag soll es nicht ungünstig stehen. Wie die „M. Z." hört, hat es sich nach dem Abschluß der in Berlin stattgefundenen Vorverhandlungen im Wesentlichen um eine Verständigung über einzelne untergeordnete Punkte gehandelt, wobei man ziemlich rasch zu einem Einverständnisse gelangte. Bei dieser Gelegenheit soll von Berlin aus nochmals auf diejenige Grenze des deutschen Entgegenkommens hingewiesen worden sein, über roe ehe hinaus keine
weiteren Zugeständnisse gemacht werden könnten. Auch Rußland dürste schwerlich den Umsang seiner in den Vorbesprechungen sestgestellten Gegenconcessionen überschreiten.
2lc*i€$te 2Iad)rtd>ttin.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 13. September. Die „Nationalzeitung" erfährt von zuverlässiger Seite über die Unterredung des Kaisers mit dem Newyorker Pianosortefabrikanten Steinway Folgendes: Aus die Bemerkung Steinways, die Deutschen würden dem Kaiser den wärmsten Empfang bereiten, falls er die Ausstellung besuche, antwortete der Kaiser: „That is not at all impossible“ (daS ist durchaus nicht unmöglich). Im Fortgang der Unterredung wurde die Frage jedoch nicht weiter berührt, namentlich auch ein Besuch in Chicago nicht in Aussicht gestellt.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 13. September. Das „Berliner Tageblatt" schreibt, zur Wahl eines Berliner Oberbürgermeisters habe der Oberpräsident Achenbach einem Vorstandsrnitglicde der Stadtverordneten Versammlung wiederholt erklärt, an entscheidender Stelle fehle die Geneigtheit, einen Freisinnigen zu bestätigen.
Genua, 13. September, Abends. Das von dem Admiral Rieunier gegebene Fest ist glänzend verlaufen. Die Schiffe „Admiral Courbet" und „Formidable" waren in Blumengärten verwandelt, überall waren die französische und die italienische Tricolore und das Wappen Jaliens mit den Initialen der französischen Republik verschlungen, sichtbar. Die königliche Familie betrat den „Formidable" um 4 Uhr,- der Königin wurde ein prächtiger Blumenstrauß überreicht, dieselbe tanzte bei dem nachfolgenden Balle die Quadrille mit dem Admiral Rieunier. Beim Abschiede drückte der König Rieunier die Hand und sagte, er wünsche, daß die französischen Osfiziere das Bewußtsein mitnehmen, daß Italien mit Frankreich im Frieden und in herzlicher Freundschaft leben wolle.
Die Cholera.
— Obwohl an ein baldiges Erlöschen der Hamburger Choleraepidemie noch immer nicht zu denken ist, wird doch für den 15. d. Mts. die Wiedereröffnung der beiden Hamburger Stadttheater angekündigt. Den betreffenden Theaterdirectoren mag aus finanziellen Gründen die Wiederaufnahme der Vorstellungen allerdings erwünscht sein, aber vom sanitären Standpunkte aus ist die Maßregel gewiß nicht zu billigen. Uebrigens steht unter den obwaltenden Umständen stark zu bezweifeln, daß die Hamburger Theaterdirectoren jetzt volle Häuser machen werden.
— Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 12. bis 13. September, Mittags, gemeldete Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle:
Staat und Bezirk
O r t
9.
Datum
9.
erkrankt — gestorben 5°
11/9.
erkrankt jr gestorben P
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gestorben
nkrankt
nftorbai
Hamburg
Preußen
Schl swig Siade
Lüneburg
S^et'in
Hamtrurg
Altona
Borstel Bützfleth WtldelmSburg Stettin
350
14
1
5
150
8
4
2
213 113
8 7
2 -
- 2
- 1
390
12
3
2
5
175
5
1
3
IMIS g
1 1 1 1 01 tZ
Vereinzelte Erkrankungen:
Regierungsbezirk Schleswig: in einem Orte des Kreises Stormarn 1 Todesfall.
Regierungsbezirk Stade: in zwei Orten des Kreises Kehdingen 2 Erkrankungen, 2 Todesfälle.
Regierungsbezirk Lüneburg: in der Stadt Harburg 1 Erkrankung, 1 Todesfall.
Regierungsbezirk Potsdam: in der Stadl Eberswalde 1 Todesfall.
Regierungsbezirk Bromberg: in der Stadt Schneidemühl 1 Erkrankung.
Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin: in Tessin und Alt-Krenzlin je 1 Todesfall.
Berlin, 13. September. ES wird nunmehr hier die Polizei-Verordnung veröffentlicht, durch die alle auö dem Hamburgischen Staatsgebiet hier anlangenden, innerhalb


