Issue 
14/06/1892 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

1882

M. 135 Zweites Blatt

Amts- und Anzrigrblntt ffiu den Ureis (ßtefeen.

Hratisöeitage: Hießmer Jamitienötätter

Anrtlhhev Theil

Vorfall.

Sn nähme von Anzeige« zu der Nachmittag» für bce fslgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Dienstag den 14. Juni

Alle Lnnoncev-Bureaux de» In- und Lu»lande» nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

lachen, als es ihnen möglich ist.

* Das größte oberschlachtige Wasserrad der Welt arbeitet seit dem Jahre 1850 in Laxey aus der Insel Man- der Durchmesser beträgt 72 Fuß 6 Zoll (englisch) und die Breite 6 Fuß. Entwickelt werden 150 Pferdekräste. Das Betriebs­wasser erhält das hohe, mit eisernem Gerippe ausgestattete Rad durch eine unterirdische Leitung und zwar wird es in

|| Mehlos Gehaag, 11. Juni. Der seit mehreren Jahren hier angestellte, von Jedermann geachtete und angesehene im 31. Lebensjahr stehende Forstwart Oestreich begab

einen 60 Fuß hohen massiven Thurm gepreßt. Das Rad pumpt Wasser und zwar aus einer Tiese von 1200 Fuß; die Kraft wird vermittelst hölzernem Gestänge, die einige

* Ein pharaouischer Liebesbrief. Man berichtet aus London: In der orientalischen Abtheilung des britischen Museums ist ein kleines 8 Zoll langes und 4 Zoll breites Täfelchen mit nngesähr 98 Zeilen in sehr seiner Keilschrift entziffert worden. Das Täfelchen ist aus Nilschlamm her­gestellt. Die Jnschrist enthält den Heirathsantrag, welchen ein Pharao der Tochter eines Königs von Babylon gemacht hat. Ohne Zweifel bildet sie das Duplicat eines etwa unr 1530 vor Ehr. geschriebenen Brieses.

Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. m>* Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Äeboction. Lppebittov und Druckerei:

Schnlstrntze Ar.1.

Fernsprecher 5L

Vermachtes.

* Cassel, 10.Juni. Das minderwerthige Fleisch, welches bisher der hiesigen Freibank in rohem Zustand zum Berkaus überwiesen wurde, soll für die Zukunst nur im gekochten Zustande verkauft werden. DaS Schlachthaus wird hierzu einen großen Kochherd anschaffen.

* München, 10. Juni. In der Tiesbau-Abtheilung des oberbayrischen Bergwerkes Hausham wurden vorgestern Nach­mittag infolge einer heftigen Erschütterung 12 Arbeiter verschüttet. Bis gestern Morgen waren die Rettungs­arbeiten ohne Ersolg. Die Hoffnung, die Verschütteten noch lebendig zu Tage zu fördern, ist gering. Neun der Ver­unglückten sind verheirathet.

* Getreide von der diesjährigen Ernte. Die erste Dampferladung indischen Weizens von der diesjährigen Ernte ist soeben in Hamburg eingetroffen. Von Valparaiso sind sogar schon Segelschiffe mit diesjährigem chilenischen Weizen gleichfalls in Hamburg angelangt.

Darmstadt, nämlich 56.

Aus Oberheffeu wird derDarmst. Ztg." geschrieben: Kürzlich starb in Berlin ein dem Geize ergebener Sonder­ling, in dessen Nachlaß man angeblich zusammen über 300000 Mark sand. Bei dieser Gelegenheit erinnern wir uns eines vor einigen Jahren in Ober-Rosbach im Kreise Friedberg unter ähnlichen Verhältniffen verstorbenen Geizhalses. Derselbe wohnte in einem gänzlich verwahrlosten Zimmer, dessen Fenster kaum noch die Spur einer Scheibe aufzuweisen hatten, dagegen mit Papier und sonstigen Schutz­mitteln gar vorsichtig verwahrt waren. Eine Lampe oder einen sonstigen Leuchtapparat gab es nicht. Im Winter lag der sparsame Hausvater meist Tag und Nacht zu Bette, um das Feuer zu sparen. Dies wurde höchstens Morgens früh ein paar Minuten angezündet, um einen sog. Kaffee zu kochen oder zu wärmen. Wenn in einem benachbarten Orte das Pfund Brod einen Pfennig billiger war, dann scheute der schon bejahrte Mann weder Wind noch Wetter noch Weg, um sein Brod zu kaufen, wo er es am billigsten erhielt. Nach seinem Tode wurde in seiner Behausung ein für die örtlichen Verhältnisse großes Baarvermögen, u. A. 6000 Mk. in Gold, verborgen in einem unter dem Kopfkissen liegenden Strumpfe, vorgesunden. Dielachenden Erben" erfreuen sich heute des ihnen unerwartet in den Schoß gefallenen Reichthums und wiffen ihn besser zu behandeln, als der Erblasser.

sich gestern dienstlich in zurück. Man suchte und sand ihn im Wald hinter einer Buche liegend. Der herbeigerusene Arzt constatirte Schlag-

Die Kunst, in wenigen Tagen Deutsch sprechen zu lernen, lehrt ein in Brüssel erschienenes Büchlein, das den vielversprechenden Titel führt:New Method for learning to speak German in a few days by uaual Conversation et vice versa. Hier einige Stellen. Es kommt zuerst der englische Text, dann heißt es:Die Abreise. Sehen wir! Ist alles fertig für meine abreise? Habe Ich wohl alles genommen was mir nöthig war? Johan! hat man eine kutsche kommen thun für mich nach die Bahnhof zu bringen? Johan: Ja, mein Herr, sie wartet Ihr, und euer gepäck ist ausgeladen. An den Kutscher: Kutscher, geht schnell denn Ich glaube das nur genau die zeit bleibt meine Reise­karte zu nehmen. Der Kutscher: Wohl, mein Herr Die Reise. Der Reisiger, nach seine Reiskarte genommen zu haben und sein gepäck aufzeigen haben thun, setzt sich behaglich in ein Fach von zweite Klasse und sängt das Gespräch an mit einem anderen Reisiger. Wollen Sie eine Sigarre annehmen? Mit Freude, Ich danke Sie wohl. Haben Sie Feuer? Ja hier sind Schwefelhölz. Diese forte von Sigarren gefällt mich sehr wohl. Sie sind in der That sehr gut. Aber wir sind angekommen. Steigen wir hinab und vergessen wir nichts in die Waggon! Hoffent­lich lassen dieReisiger" diese Sprachlehre, die die anregendste Unterhaltung bietet, nicht indie Waggon" liegen.

es gingen ab 123, es traten im laufenden Semester hinzu 153, so daß sich ein Mehr von 30 Studirenden gegen das ! vorige Semester ergiebt. Der Staatsangehörigkeit nach ver- theilen sich die Studirenden auf folgende Länder: Hessen 430, I Preußen 98, Bayern 10, Baden und Rußland je 5, Schaumburg-Lippe und Hamburg je 3, Württemberg, Olden­burg, Sachsen-Weimar, Braunschweig, Schwarzburg-Sonders­hausen, Schweiz und Nordamerika je 2, Mecklenburg-Strelitz, Sachsen-Gotha, Oesterreich, Belgien und Australien je 1. Von den hessischen Staatsangehörigen sind 81 in Gießen beheimathet, die nächftgrößte Anzahl der Studirenden ist aus

Bekanntmachung,

betreffend die Unterhaltung der Kreisstraßen.

Fuhrwerksbefitzern wird hierdurch zur Kenntniß gebracht, daß von Montag den 13. Juni d. I. ab auf der Kreisstraße Großen-BuseckRödgen eine Dampfstraßen- walze in Thätigkeit ist.

Gießen, den 11. Juni 1892.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

,jH4efter ^«teiger erscheint lugl>>

itif AuSnabmk deS Montag».

Die Gießener AimttienvtäUe, werden dem Anzeiger ^-zchentlich dreimal beigelegt.

Sich krank lachen, sich todt lachen", ist eine im Volksmunde sehr gebräuchliche Redensart, um das höchste Maß der Heiterkeit zu bezeichnen. Niemand aber bedenkt dabei, daß er durch Lachen sich wirklich eine Krankheit ober gar den Tod zuziehen könnte- im Gegentheil, das Lachen gilt für äußerst gesund. Und im allgemeinen sicher mit Recht. Es scheint aber doch, daß in manchen Fällen die sonst so wohlthäüge Erschütterung des Zwerchfells schlimme Folgen haben kann. In Tauchnitz'Magazine" (Aprilheft) lesen wir, daß ein Herr beim Lesen eines sehr lustigen Buches so furchtbar lachen mußte, daß er sich eine ernsthafte Krankheit zuzog, von der er sich nur langsam erholte. Tragisch aber ist folgender Vorfall, den dieselbe Monatsschrift erzählt: In einem wandernden Circus gerieth ein kleiner achtjähriger Knabe über die Späsfe des Clowns in so krampfhaftes Lachen, daß er tatsächlich vor Lachen starb. Der Clown sprang dem l0, jV0tuItiatt vtHUM . armen Steinen zu Hilfe, benetzte sein Gesicht mit Wasser,

den Wald und kehrte nicht mehr aber die nervöse, wenn auch freudige Erregung war für den zarten Körper zu groß gewesen. Mit den leise gemurmelten Worten:War's nicht entzückend?" starb das Bürschchen. Ausnahmen bestätigen die Regel, und so hoffen wir, daß unsere Leser sich durch diese seltsamen Ausnahmen nicht ab­halten lassen, wo und wann sie nur können, so herzhaft zu

treuer Anzeiger

Kmemt-Anzeiger.

Localer unO provinzieller.

Gießen, 13. Juni 1892.

Personalbestand der Universität. Nach dem soeben erschienenen Verzeichniß der Studirenden besuchen die hiesige Universität im Sommersemester 1892 593 Hörer einschlleß- lich 20 nicht immatriculirter. Von den Studirenden widmen sich: der Theologie 83, der Rechtswissenschaft 112, der Medicin 130, der Thierheilkunde 26, der Zahnheilkunde 5, der Cameralwissenschast 46, der Forstwissenschaft 21, der Mathematik 17, der neueren Philologie 39, der klassischen Philologie 31, der Philosophie und den Naturwissenschaften 15, der Geschichte 8, der Pharmacie 11, der Chemie 33. Don den Studirenden besitzen das Reisezeugniß eines Gymnasiums 425, das Reisezeugniß eines Realgymnasiums 96, das Reise- zeugniß für das betr. Fach 34, nach dem Ermessen des Rectors wurden immatriculirt 19 Hörer. Im Wintersemester 1891/92 betrug die Zahl der immatriculirten Studirenden 543,

Citcratur unb Aunst.

Neuling, Aul Hag und Tann. Odemvald-MärchenW und Phantasien. Verlag von ÄppelhansL Pfenningstorff in Braun« schweig. Preis 2 Mk. Der Versasier gibt hier eine (Sammlung« feiner Märchen, welche sich von anderen Schöpfungen auf diesem» Gebiet aufs Wesentlichste unterscheiden. Sie haben nichts von betjH gewöhnlichen Märchenschablone an sich, sondern sind selbständtgeW durchaus eigenartige Dichtungen. Die Verschiedenheit de« StoffeW zeugt von der lebhaften Phantasie des Verfassers, heitere und einftM Märchen wechseln mit gernüthvollen und satyrischen ab; durch all, aber geht ein gesunder, kräftiger Zug, eine wohlthuende Frische uni Natürlichkeit. Durch ihre bewegte knappe Handlung, ihre zahlreicher' komischen Elemente und heiteren Episoden bieten die Märchen ein anregende und, da den meisten derselben ein tieferer Gehalt hm l wohnt, zugleich genußbringende Lectüre. Die Hauptbedeutung de, auch äußerlich recht hübsch ausgestatteten Buches liegt darin, da durch dasselbe der Sinn für einen gesunden Idealismus zu färderi gestrebt wird.

anfall.

Ulfa, 9. Juni. Von einem recht herben Geschick wurde heute eine hiesige Familie betroffen. Der Landwirth H. Ph. Jäger wollte, nachdem vorher ein durchdringender Regen unsere Fluren getränkt und der Himmel sich wieder aufgeheitert hatte, noch vor Nacht einen Wagen voll Klee heimholen. Eilig spannte er das Pferd in den Wagen und versuchte diesen rückwärts aus dem Hose zu lassen. Hierbei zeigte sich das Pferd störrig und bäumte sich hoch auf. Es gelang indessen doch, auf diese Weise den Wagen auf die Straße zu bringen. Hier angelangt, wurde das Thier wild und ging durch, wobei Jäger zu Fall kam, eine Strecke ge-

letzungen. Etwa nach zwei Stunden war einer der besten unserer Mitbürger eine Leiche. Der Verunglückte hinterläßt eine Wittwe mit vier kleinen Kindern. Die ganze Ge­meinde nimmt den innigsten Antheil an dem bedauerlichen

Bekanntmachung, betreffend Gewährung von Fahrpreisermäßigungen bei Reisen i kranker mittelloser Personen zum Zwecke der Aufnahme in öffentliche Kliniken und Krankenhäuser.

Es wird hiermit zur Kenntniß etwaiger Interessenten gebracht, daß nach einer Mittheilung der König!. Preußischen Eisenbahn-Direction zu Frankfurt a. M. mittellosen Kranken, sowie nöthigenfalls einem Begleiter zum Zwecke der Auf­nahme in öffentliche Kliniken und Krankenhäuser bei den Reisen nach und von den Heilanstalten eine Fahrpreis-Er­mäßigung auf den Preußischen Staatsciscnbahncn dadurch gewährt wird, daß bei Benutzung der dritten Wagen­klaffe der Militärfahrpreis erhoben wird. Die Fahrkarten werden an den Fahrkarten-Ausgaben denjenigen Personen verabfolgt, welche nachweisen:

1. ihre Mittellosigkeit durch eine Bescheinigung der Orts­behörde, in welcher zugleich zu bestätigen ist, daß nach Maß­gabe der Reichsgesetze über die Kranken- und Unfallversicher­ung die Fürsorge anderer Verpflichteter nicht eintritt;

2. ihre bevorstehende Aufnahme in eine Heilanstalt durch eine Bescheinigung der letzteren oder wenn eine solche in dringenden Fällen nicht sogleich beizubringen rst - des be­handelnden Arztes über die Rothwendigkeit der Aufnahme in eine Heilanstalt.

Der für die Ueberführung eines Kranken zur oder von der öffentlichen Heilanstalt etwa nothwendige Begleiter erhält die Fahrkarte auf Grund besonderer Bescheinigung.

Gießen, den 10. Juni 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Feldbereinigung in der Gemarkung Steinbach.

Die Arbeiten des II. Abschnitts des II. Feldbereinig- ungsbezirks zu Steinbach (Feld zwischen der Kreisstraße nach Garbenteich und dem alten Anneroder Weg), nämlich die durch die Besitzstandsaufnahme erwachsenen Bonitirungskarten, das Besitzstandsverzeichniß, die Gutergeschoffe nebst deren Zu­sammenstellung sowie das Protokollbuch liegen in der Zett vom 10. bis einschließlich 23. Juni l. I. aus dem Amtszimmer der Grotzh. Bürgermeisterei Stein­bach zur Einsicht der Bethettigten offen.

Termin zur Entgegennahme von Einwendungen gegen diese Arbeiten findet Freitag den 24. Juni, Rachm. von 2V2 bis 5 Uhr in dem Rathhaus zu Steinbach statt.

Ich lade zu diesem Termin die Betheiligten unter dem Hinweis daraus, daß die Nichterscheinenden mit Einwendun­gen ausgeschlossen sind.

Gießen, den 7. Ium 1892.

Der Vollzugs-Commiffär:

Nebel, Amtmann.