Mittwoch len 6. Januar
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Hietzcner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des
Montags.
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Die Gießener
Aamitienhlätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Gießener I nzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
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Hratisbeikage: Hicßener IiamikienMtter.
Feuilleton
Aufentba'tsottes, zu metben und dabei, wenn sie an diesem h Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und wenn sie sich bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen.
Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschloffen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zuruckstellung rc. verlustig erklärt werben. ,
Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit sächsischen Justirministe abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, B?od- 1 ä , E
und Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet.
Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen
Gießen, am 2. Januar 1892.
Me «nnonccn-Bureaur der In. und Ausländer nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der Civilvorsitzende der Großherzoglichen Etsatz-Commission Gießen. Jost, Regierungsrath.
Es ,ei dies, tote er ohne zu errölhen log, lediglich durch etn Versehen geschehen, ich sei ja immer ein prompter Zahler gewesen (total unwahr!) und mein Credit bei ihm wäre jeder- ®r weigerte sich energisch, den ihm noch schuldenden Betrag von mir anzunehmcn und ich mußte ihm das Geld förmlich ausdrängen. Auch der Schuster, der sich
— Reichscommissar Major v. Wißmann ist von der Krankheit, die ihn bet seiner jüngsten Rekrutenwerbunq für die deutsch-ostafrikanische Schutztruppe in Egypten befiel, fast gänzlich toiederhergestelll. Herr v. Wißmanp gedenkt daher baldigst nach Ostafrika zurückzukehren und Anfang Juni die Durchführung der Dampfer-Transport-Expedition nach dem Victoria-See zu unternehmen.
Bekanntmachung,
betreffend das Ersatz-Geschäft für 1892.
Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr Ordnung werden alle im Jahre 1872 geborene» Militär- ’x”' .!oroie bie in scüheren Jahren geborenen, welche rx.,nft6 JUc6L3Urr,2,iuftcrun9 Stellt haben, oder welche hin. sichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheioung erhalten und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schattsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen. Lehrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder tu ähnlicher Otgenschaft sich aushalten, hiermit aufgesordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit t>om 15. Januar bis zum 1. Februar l. I. bei der Burgermeffterel ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Januar. Der Kaiser empfing am Sonntag Mittag eine Abordnung der Salzwirkerschaft zu-Halle, der sogenannten Halloren, welche dem Monarchen die ehrfurchtsvollen Glückwünsche dieser Körperschaft anläßlich des Jahreswechsels und die üblichen Neujahrsgeschenke überreichte. Alsdann wurde der Deputation der Halloren die Ehre zu Theil auch von der Kaiserin empfangen zu werden.
— Seit einiger Zeit ist ton einer Neubesetzung der 4. Armee-Jnspeetion die Rede, ohne daß doch bis jetzt von der Einreichung eines Verabschiedungsgesuches des gegenwärtigen Inhabers dieses Postens, des General-Feldmarschalls Grafen Blumenthal, etwas bekannt geworden wäre. Der 4. Armee-Jnspeetion unterstehen bekanntlich das 3. und 4. preußische Corps und das württembergische (13.) Armee- corpg, während ihr die beiden bayerischen Armeecorps nur „zugetheilt" sind. An die Nachrichten von dem angeblich bevorstehenden Rücktritte des Grasen Blumenthal haben sich nun die Gerüchte angeknüpft, denen zufolge Prinz Leopold, I der Befehlshaber des 1. bayerischen Corps, als Nachfolger Blumenthals in der 4. Armee-Jnspeetion in Aussicht genommen gewesen wäre, die betreffenden Verhandlungen wären aber daran gescheitert, daß Prinz Leopold sich geweigert habe, feinen Sch als Armee-Jnspecteur in Berlin zu nehmen, wie dies von der preußischen Regierung verlangt worden sei. Sicherlich ist aber dieser letztere Theil der genannten Gerüchte nichts weniger als richtig, denn es ist unerfindlich, warum gerade ein bayerischer Prinz als Armee-Jnspecteur semeu Amtssitz in Berlin nehmen sollte, während doch die I nbngen Jnspeeteure der deutschen Armee von dieser Ver- I Pachtung entbunden sind, was allerdings bei den Groß- I
Unerbietungen verschwendeten sie an mich. Wie gern, wie ferzlich gern hätte ich sie Alle mit Aufträgen überhäuft, selbst mit vollen Händen das Geld zum Fenster hinausqestreut für t ieure Cigarren, Wein, Möbel, Equipagen, allerlei Tand, .lveiUT/ Qd)' ^nn Fama nur nicht, wie sehr häufig, so schändlich gelogen hätte. So mußte ich mich damit be- gnugen, bedauernd die Achseln zu zucken. Was nützten mir meine Versicherungen, daß ich nur einen ganz unbedeutenden, raura der Rede werthen Gewinn gemacht. Man glaubte mir nicht. Felsenfest waren Alle davon überzeugt, daß es nur Geiz sei, der mich alle diese verlockenden Offerten ausschlagen laste.
.. Merkwürdig und für mich höchst amüsant war die Veränderung, welche das Gerücht von meinen Reichthum in dem Betragen meiner verehrten Gläubiger, des Schneider-, des Schuhmachermeisters usw. hervorgebracht hatte. Ersterer, der mir wiederholt wegen eines kleinen, ihm schuldenden Betrages einen Emkassirer auf den Hals geschickt hatte, erschien eines Morgens selbst auf der Bildfläche, reichte mir gerührt seine knochige Hand und sprach die Erwartung aus, daß ich ihn auch fernerhin mit meiner geschätzten Kundschaft beehren würde. Alle fünf Minuten entschuldigte er sich, daß er mick, hatte mahnen lassen.
einer unwandelbaren Treue und Ergebenheit, Meister Pech schüttelte mir beim Abschiede gleichfalls derb die Hand und bat mich, ihm auch ferner mein Vertrauen nicht -u entziehen äBtt einem Schlage zählte ich viele Freunde. Auf der Straße quälten mich Leute, die ich vorher nie gesehen und gaben mir aüerfyanb gute Lehren, wie ich mein „Vermögen" anteaen foOte. Em Freund, mit dem ich mich früher ernstlich überworfen, der mich hatte pfänden lassen und den ich geohrfeior Hatte, hielt mich auf offener Straße an und nannte mich „feinen lieben Freund . Ein Vater von vier heirathsfähiqen
6on 6entn die älteste bereits das canonische Alter überschritten hatte, schlängelte sich an mich heran, gab mir burtb bte Blume zu verstehen, daß seine Aelteste eine tüchtige Hausfrau sei, daß sie schon lange ein Faible für mich habe und daß eine Bewerbung um ihre Gunst seiner väterlichen Ansicht nach nicht aus unsruchtbaren Boden fallen werde Selbstredend lehnte ich dankend ab. Von anderen Seiten ei hielt ich Einladungen zu Soireen und Bällen, Verqnllqunaen d.e m,r ,n tiefster Seele verhaßt sind, wieder andere baten mich um meinen Besuch in ihren Familien, kurz man riß sich jomhd) um wich. 1 '
Tas große Loos.
Humoreske von Georg Grad.
(Schluß.)
Die Wirkung dieses Gerüchtes war eine ergötzliche Bretts am Tage darauf empfing ich, der ich sonst mit Niemandem correspondirte und überhaupt wenige Menschen kannte «inen ganzen Stoß Briefe, in denen mir gänzlich fremde Leute zu dem unerwarteten Glück, „das ich jedoch" — wie einem Schreiben wörtlich hieß - „durch meine stete Hülssberettschaft meinen Mitmenschen gegenüber, durch meine Liebenswürdigkeit (!!) und Bescheidenheit (!) voll und ganz verdient habe" — gratulirten, um mich sodann am Schluß um gütige Gewährung eines Darlehns, dessen Festsetzung sie freundlichst in mein Ermessen stellen, und für dessen Wiederzahlung sie ihr Seelenheil verschworen, höflich und eraebenft 8U ersuchen. Die durch die Umstände erzwungene Nicht- beachtmig dieser Schreiben trug mir die Ehrentitel „Geizhals Filz, Knicker" u. a. ein.
Einige andere Couverts enthielten Offerten von allen möglichen Maaren, der Eine pries mir seine vorzügliche Wäsche oer Zweite seine prächtigen Möbel, der Dritte seine exquisiten Werne, ein Vierter seine hocheleganten Garderoben an. Persönlich wurde ich von Reisenden überlaufen, denen das Gerücht von meinem Gewinn des großen Looses zu Ohren gekommen war und die sich die erdenklichste Mühe gaben, mich als «unben für ihre Herren Prinzipale zu kapern. Welch einen Schwall von Worten, von Ueberrcbungen, von verlockenden
Herzögen von Baden und von Heffen auch gant felbftberftänh- s-°--i-°- n>u. ÖS“, noch nicht spruchreif, sollte bieb aber etnes Tages ber Fall fern, so steht alsbann, nach offiziösen Berliner Andeutungen, eine vollständige Neuregelung des Armee-Jnspectwnswesens zu erwarten. 3
— Das Mandat für den 22. sächsischen Reichstag sw ah l kr e i s (Reichenbach-Treuen) ist infolge Besör- derung des bisherigen Inhabers desselben, Lanügerichts- ^urtz in Dresden, zum Vortragenden Rath im ■ , - ~ ■ :r*UDI/ erloschen, es macht sich dem-
" int Sebadlte« Wahlkreise erforderlich.
Derselbe besitzt eme sehr wechfelreiche Geschichte, er war hintereinander nationalliberal, socialdemokratisch, freicon- feroatto, bann wieber nationalliberal, hierauf wiederum soc'al- demokratisch und zuletzt - eben durch Herrn Kurtz - deutschconservativ vertreten. Die Socialdemokratie wird ITK. Q“e aaspannen, um bei der Nachwahl den “■ Wahlkreis zuruckzuerobern - jedenfalls werden diesem An- sturme gegenüber die anderen Parteien des Wahlkreises feit zusammenstehen müssen.
31 Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 30. v. M„ enthalt:
(Nr. 1980.) Bekanntmachung, betreffend die Durchführung ber Invalidität, und Altersversicherung Vom 24. Deeember 1891. y
(Nr. 1981.) Der obigen Nummer des Neichs-Gesetz- vlatts ist eine besondere Beilage, enthaltend die Bekanntmachung, betreffend die Aichung von Meßwerkzeugen zur Ve- stimmung der Dichte von Mineralölen, vom 23. December 1891, beigefügt.
Gießen, den 4. Januar 1892.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
____________________v. Gagern. _____
. Gießen, den 2. Januar 1892. $ctu- Das Reichsgesetz vom 14. Atai 1879 über den Verkehr mit Nahrungsmitteln.
Das Großherzogliche Kteisamt Gießen an Großh Polizeiamt Gießen nnd die Großh. EsnrgcrmeistcreienderLandgemeindendcsKreiscs.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 20 tfebruar 1886 (Anzeigeblatt Nr. 46) sehen wir der Einsen- dung der vorschriftsmäßigen Auszüge aus der von Ihnen zu Li ,7. 2aMe "ber die im Jahre 1891 vorgenommenen '/^^'uchungen von Nahrungsmitteln und Gebrauchsqeqen- standen bis zum 15. Januar l. I. entgegen.
nG*e 'n der Tabelle auch angeben, bei welcher Stelle (z. B. dem chemischen Untersuchungsamte für die Pro- baben 6cr^cn-1 blc betreffenden Untersuchungen stattgefunden
v. q e r n.
Keuefte Nachrichte«.
'-I-graphis-h,z L-rrc,pond-ri».Burk-u.
_J c 3anuar' @in hrute Abend 6 Uhr über bas
Sennben bes Prinzen Georg ausgegebenes Bulletin lautet • ®er Prmz hatte heute mehrmals Schlaf von einftünbiqer Dauer, nahm reichlichere Nahrung zu sich unb befinbet sich tubzectiv wohler. Fieber ist noch vorhanben. Korper-Tem- peratur 38,8, Puls 82. v m
,is ®"n,bon'. 4" J°uuar. Der Astronom George Airy, bis 1881 Director ber Greenwicher Sternwarte, ist heute gestorben. ' 1 *■
Depeschen des „Bureau Herold".
Bersin, 4. Januar. Die „Kreuzzeitung" bespricht bie Zettungsmeldungen über den bevorstehenden Rücktritt des Generals der Infanterie, Bronsart von Schellendorf, und sagt, es verlaute zuverlässig, daß der Kaiser das Abschiedsgesuch vor einiger Zeit abgelehnt habe.
« Qf--3”nunr' Die „Bossische Ztg." melbet ans Prag, bas Aiguchen des Czechischen Theaters um Ausnahme Bühneuoerein sei vorn General-Jntendanien
Grat Hochberg abgelehnt worden.
Berlin, 4. Januar. Auf bem Borsig schen Werke wurde
Daß ich meine bisherige, bescheidene Lebensweise treu meines verrnutheten Reichthums beibehielt, legten die Einen wie ich durch gelegentliche Mittheilungen erfuhr und wie ich ichou erwähnt habe, als Geiz, öie anderen als Narrheit aus wieder Andere glaubten, an mir in Folge bet plötzliche» R-'-bthuwS bereits ben Anfang von Spleen zu bemerk« Allen aber gewährte es lange Zeit hindurch ein großes Ber-' ***»■-**«• ä*'»*«snSt'iiiÄ EPSs•T*' *“ fern scheine, machte Mir seine Aufwartung, versicherte mich I abgeschmackt fanden, als daß sie esbegreifen
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Amtlicher Theil


