Ausgabe 
3.7.1892 Erstes Blatt
 
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Nr. 152 Erstes Blatt Sonntag den 3. Inti

1892

Der

Mtin Z«reiG«r erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener

»erden dem «n-eiger Mschentlich dreimal dei gelegt.

Kichciter Anzeiger

Henerat-Anzeiger.

vierteltahriger ZlßannemenlApretA i 2 Mart 20 Pfg. mU Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Plg.

Reöaction, Lxpedirion und Druckerei:

Kchnlstraße Ar.1. Aerusprecher 51.

Amts- und Anzsi§eblatt für den 'Kreis (Siefjen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Dag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr. g1 ______________________

Hratisöeikage: Gießener JamisienökäLLer.

Alle Lnnoncen-Bureaux des In» und Auslandes nehme« Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger^ entgegen.

2lnrtlichev Theil.

Gießen, den 1. Juli 1892. Betr.: Den Termin für die Einsendung der Gemeinderech­nungen pro 1891/92.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

* >te »rasth. Bürgermeisterei«« M «reife».

Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 11. Juni 1885 Amtsblatt 9Jr. 4 beauftragen wir Sie, sobald der Gemeindc-Einnehmer die Rechnung für 1891/92 an Sie abgeliesert hat, uns hiervon Anzeige zu erstatten.

Sofern der für die Ablieferung bestimmte späteste Termin (Snbe September von dem Rechner nicht eingehalten werden sollte, haben Sie uns am 1. October diescrhalb zu berichten.

__d. (Sagern.___________

Gießen, den 1. Juli 1892.

Setr.; Den Termin für die Einsendung der Kirchenrech­nungen pro 1891/92.

Das Großherzogliche Kreisamt Gieße«

au die evang. Kirchenvorstände des Kreises.

Der späteste Termin für die Ablieferung der Kirchen­rechnung an Sie ist auf Ende Augnst festgesetzt.

Da dieser Termin vielfach seilens der Rechner nicht emgehalten worden ist, beauftragen wir Sie, uns die erfolgte Abgabe bis Znm 1. September L I. anzuzeigen, event. zu berichten, daß der Ablieferungstermin vom Kirchenrechner nicht eingehalten wurde.

Mtt dieser Anzeige ist gleichzeitig der Nachweis über den an den evang. Centralkirchenfonds abzuliefernden lieber-- schuß des Einkommens der Pfarrstelle einzusenden.

Der aufzustellende Nachweis des Überschusses muß genau der Vorschrift des Amtsblattes Großh. Ober - Consistonums Nr. 14 vom 17. Juni 1884 entsprechen.

Mr die Kirchenfonds mit dreijähriger NechnungSperiode fallt die Berichterstattung bezüglich der Ablieferung der Rech­nung fort.

Wir machen endlich noch besonders darauf aufmerksam, daß die Filialgemeinden, welche ihre Gehaltstheile an den Kirchenfonds der Pfarrgemeinde abzuliefern haben, von Auf­stellung und Vorlage des obenerwähnten Nachweises entbun­den sind.

_______________ v. Gagern.

Gefunden: 1 Schraubenschlüssel, 1 Glacehandschuh, 1 schwarzer Sonnenschirm, 1 Botanisirbüchse, 1 Gesangbuch, 1 Liederbuch, 1 Hutnadel, 1 schwarzer Hut, 1 grauer Filz- Hut, 1 Scheere und 2 Portemonnaies mit Inhalt.

^ugestogen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 2. Juli 1892.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Juli. Der Kaiser wird, Berliner Meld­ungen zufolge, in Drontheim nur kurzen Aufenthalt mehmen, sodaß es bei den bisherigen Bestimmungen verbleiben dürste, wonach der hohe Herr im Lause des 7. Juli aus den Losoden einzutreffen gedenkt. Von genannter Inselgruppe aus beabsichtigt der Kaiser größere Ausflüge nach den herrlichen Fjords der gegenüberliegenden Küste zu unternehmen. Aus der Rückreise soll die Fischerei-Ausstellung in Christiansund besucht werden.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

München, 1. Juli. Generallieutenant Malaise im -Kriege von 1870 Brigadeführer, ist gestorben. Eil/ un­bekannter älterer Herr aus Norddeutschland ist gestern vom Gipfelnder Zugspitze abgestürzt.

Göteborg, l.Juli. Die MachtKaiseradler", welche gestern Abend um 6 Uhr Kiel bet Regen'und Westwind ver­lassen hatte, ist wegen ungünstiger Witterung und Nordost- wtnd auf der Rhede von Göteborg vor Anker gegangen. An Bord ist alles wohl, das Wetter klärt sich auf und die Weirersahrt nach Bergen ist für morgen früh in Aussicht genommen.

Madrid, 1. Juli. Die amtlicheGaceta" veröffentlicht einen Erlaß des Königs, wonach für alle aus Frank­reich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn, Belgien, England,

Italien, den Niederlanden, Schweden, Norwegen, der Schweiz und Portugal nach Spanien und dessen Colonien kommenden Maaren der Minimaltarif bewilligt wird. Die Gaceta" veröffentlicht auch das Budget für Spanien und die Colonien.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 1. Jllli. Rector Ahlwardt wurde nach Er­legung von 50,000 Mk. Caution aus der Hast entlassen.

Berlin, 1. Juli. Unterrichtete Kreise melden die dem- nächstige Versetzung des Gesandten beim Vatican, v. Schlözer, in den Ruhestand.

Berlin, 1. Juli. Für das neue Krankenversiche­rungsgesetz findet eine anderweitige Festsetzung der orts­üblichen Tagelöhne statt. Die Aenderung gegen früher ermög­licht zwei weitere Classificationen insofern, als ein Unterschied zwiscyen Arbeitern von 1416 Jahren und Kindern unter £4 Jahren eingesuhrt wird. Die Frage der ortsüblichen Tagelöhne wird demnächst den Bundesrath beschäftigen.

Helgoland, 1. Juli. Gegenwärtig werden hier sün Panzerthürme errichtet, hiervon einer auf der Südspitze. Ferner werden Kasematten sür die Jnselbesatzung und ein Pulvermagazin gebaut.

Wien, 1. Juli. Polnischen Blättern zufolge ist der Güterverkehr aus der Bahnlinie TifliS-Baku wegen der Cholera eingestellt. Die Personenzüge verkehren bis Baladgary, wo eine einwöchige Quarantäne stattfindet.

Wien, 1. Juli. Unter dem Vorwande der Wallfahrt wollten viele Bauern aus Congreßpolen nach Amerika auswandern und überschritten die österreichische Grenze bei Michalowice. Dem russischen Grenzcordon von Kosaken gelang es nach hartem Kampfe, bu? Bauern zurückzudrängen.

Bern, 1. Juli. Die Bundesregierung ordnet die Vor­bereitung eines Lebensmittelgesetzes an und beschloß ferner, die Studien über eine durchgreifende Reform der Bundesverwaltung zu fördern, daß der Entwurf auf der Session im December vorgelegt werden kann.

Darmstadt, 2.Juli. Die erste Kammer der Stände beendigte in heutiger Sitzung eine Anzahl Regierungsvorlagen ,- sie lehnte die Aushebung der Hundesteuer für Hirtenhunde ab und vertagte sich bis Herbst.

Darmstadt, 2. Juli. Die zweite Kammer der Stände nahm die Regierungsvorlage, wonach die Civil- liste Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs auf 1,265,000 Mk. festgesetzt wird, an.

Deutschlands

Aus- und Einfuhr im Jahre 189L

Für die gejammte Beurteilung der wirtschaftlichen Lage von Deutschlands Handel, Industrie und Landwirt­schaft bietet die Statistik der Aus- und Einsuhr-Ueberschüsse sehr lehrreiche Zahlen. Zunächst heben wir hervor, daß die Einfuhr Deutschlands viel höher ist als die Ausfuhr, und daß sie im Jahre 1891 die Ausfuhr um 975 Mill. Mk. übersteigt, gegen 833 Millionen Mk. im Jahre 1890 und 848 Millionen Mk. im Jahre 1889. Am meisten hat zu der passiven Handelsbilanz des Deutschen Reiches wohl die Mehreinsuhr an Getreide beigetragen, welche im Jahre 1891 nicht weniger als 635 Mill. Mk. betrug. Auch die Mehr­einsuhr an Materialwaaren im genannten Jahre war sehr bedeutend, denn sie betrug 226 Mill. Mk., ferner betrug die Mehreinsuhr an Vieh 211 Mill. Mk., an Erden und Erzen 1531/2 Mill. Mk., an Deien 126 Mill. Mk., an Holz 98,7 Mill. Mk., an Baumwolle 92,7 Mill. Mk. u. s. w. Erfreulicher Weise stehen jedoch dieser beträchtlichen Zunahme in der Einfuhr wichtiger Waarengattungen auch wesentliche Zunahmen der deutschen Ausfuhr im Jahre 1891 gegenüber. So weist die Ausfuhr von Eisen ein Plus von 223 Mill. Mk. auf, die von Kleidern einen Ueberschuß von HS^M. Mk., die Mehraussuhr an Leder betrug 1071/2 Mill. Mk/ Maschinen wurden um 89 Mill. Mk. mehr ausgeführt, die Papieraussuhr weist ein Mehr von 81,6 Mill. Mk., die Ausfuhr an Kunst- gegenständen ein Mehr von 62,7 Mill. M., die an Kurz- waaren ein Mehr von 40,7 Mill. Mk. auf u. s. w.

Der Werth der Einfuhr wie der Ausfuhr Deutschlands im Jahre 1891 ist im Vergleiche mit den drei voran­gegangenen Maaren sehr gesunken, dabei wuchs aber der Gesammt-Ueberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr um rund 140 Mill. Mk. an. Eine besonders starke Zunahme des Einfuhrüberschusses haben die landwirthschastlichen Producte und die Wollindustrie, einen erheblichen Rückgang desselben die Flachs-, Holz- und Petroleumindustrie erfahren. Deutsch­land hat also einen Mehrbedarf an landwirtschaftlichen Pro-

ducten, soweit der Ausgleich nicht im Wege der internatio­nalen Zahlungsbilanz, namentlich nicht durch Anrechnung auf Zinsforderungen für ausländische Werthpapiere erfolgt ist, diesmal hauptsächlich mit Erzeugnissen der Metall- und Maschinenindustrie bezahlt. Denn fast nur letztere ist air dem Rückgänge des deutschen Ausfuhrüberschusses im Jahre 1891 unbeteiligt, während von diesem Rückgänge bei­nahe alle anderen Industriezweige, in erster Linie das Textil­gewerbe, betroffen wurden. Was die Getreideeinfuhr nach Deutschland anbelangt, so ist dieselbe seit 1888 um 347 Mill. Mark gestiegen, die Einfuhr von Vieh hat sich im gleichen Zeiträume um 159, die von anderen Thieren und thierischen Producten um 37 Mill. Mk. vermehrt. Es beträgt demnach der Einfuhrüberschuß dieser drei Hauptzweige der landwirt­schaftlichen Gütererzeugung seit 1888 zusammen allein mehr als eine halbe Milliarde Mark, kein Wunder, wenn darum vorzugsweise die landwirthschastliche Einfuhr die deutsche Handelsbilanz seit fünf Jahren so ungünstig beeinflußt.

totales unö ^provinzielles. »

Gießen, 2. Juli 1892.

Earl Vogt ist, wie dieFrks. Ztg." schreibt, gestern Vormittag mit Gattin und Tochter, Frau Profeffor Chun, nach der Schweiz zuriickgekehrt. Der greise Forscher, der die Last der Jahre er begeht am 5. Juli sein 75. Geburts- sest mit erfreulicher Rüstigkeit trägt, wird den Sommer in Salvan im Canton Wallis verbringen und in der Stille dieses Alpenthales an seiner Lcbensgeschichte fortarbeiten, deren Absassung ihn gegenwärtig neben verschiedenen gelehrten Unternehmungen beschäftigt.

Knntznotiz. Die Direction des Kurtheaters Bad- Nauheim will den Versuch machen, hier einen Cyclus von Opererten-Aufführungen zu tieramtalten. Die erste Probe- Aufführung soll Montag den 11. Juli im Reuen Theater stattfinden und zwar mit Zellers neuester Operette:Der Vogelhändler". Da das Operetten-Ensemble ganz vor­züglich sein soll, dürfte es an entsprechender Betheiligunq hiev nicht fehlen.

Kunstverein. Die feit acht Tagen eröffnete Ge­mäldeausstellung im alten Hofgerichtsgebäude weift eine ganze Anzahl schöner und interessanter Bilder auf; unter den Landschaften heben wir besonders hervorEhern am Tegernsee" von E. Hettich, München,Landschaft" von Hof el ich, München,Portofino bei Genua" von Sern er, SaganAm Ammersee" von Arends, München,Stadt- thor im Elsaß" von Boerner, Karlsruhe, sowie zwei stimmungsvolle Compositionen von Roeder, 9?om:Das versunkene Schloß" undCypressen", welchen stofflich am Nächsten steht eineElegie" von der, auch aus ihren hier ausgestellten Werken rühmlich bekannten, Frieda Menz- hausen, Cassel. Von Meli, München, fällt auf eine schöneHeimkehr von der Alm"; eineUeberraschung" (Be­gegnung eines Ziegenbocks mit einem Faun) bringt der ori­ginelle Ang. Dieffenbacher, München. Das Genre ist gut vertreten durch eineGesangprobe" von Slug. Stege­mann, Dresden undIn der Kirche" von Jul. Fehr, Stuttgart. Blumen und Fruchtstücke von Rost, Leipzig u.A. mögen den Beschluß vorstehender Aufzählung nur der Besten unter dem Ausgestellten bilden.

Die Burschenschaft Alemannia feiert Mitte kommender Woche, in den Tagen vom 5. bis 8. Juli, ihr dreißigjähriges Stiftungsfest. Nach dem Dienstag Abend auf der Kneipe der Burschenschaft (Lonys Bierkeller) statthabenden Empfang der Gäste folgt Mittwoch den 6. Juli Frühschoppen in dem alten Stammlocale der Alemannia, Brauerei Weidig, am Nachmittag versammeln sich die alten Herren aus der Kneipe, Abends 3/49 Uhr steigt der Fackelzug, der, beginnend von Lonys Bierkeller, seinen Weg durch die belebtesten Straße» der Stadt nimmt. Nach Ankunft im Commerslocale, Steins Garten, beginnt der Festcommers mit Aufführung eines von dem Redacteur der Burschenschaftlichen Blätter der Alemannia gewidmeten Festspiels, das die Uebcrgabe deS von den Frauen und Jungfrauen zum Feste der Burschenschaft verliehenen prachtvollen BannerS zur Grundlage hat. An den Fest- eommers reibt sich Donnerstag den 7. Juli Frühschoppen und Diner in Steins Garten und Nachmittags AuSstug mit Damen nach^ Textors Hardt, wo unter Illumination der Hardt das Tanzkränzchen der Alemannia abgebalten wird. Donnerstag wird das Fest durch Abschiedsfrühschoppen im (Safe Leib geschloffen. Aus daS Fest selbst werden wir im Näheren noch ziirückkommeli. Da nun die Einwohnerschaft von Gießen sich von jeher durch eine lebhafte Theilnahmc an größeren Festen der alten eingesefsenen Gorporationcn aus-