Mr. 2 Erstes Blatt
Sonntag Sen 3. Januar
1892
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Mroßherzogliches Polizeiamt Gießen.
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Taschen- 1 Hand- Schürze,
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2 Mark 20 Plg. ** Lrmgerlob».
Durch die P-ost bcjef* 9 Mark 50 Vf§.
Äebaction, fpebWi und Druckerei:
Gefunden: 12 Lichterhalter, 1 Täschchen, I Schlitt, schuh, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 goldene Damenuhr, 1 Schweifnemen, 1 Pelz, 1 Laterne, 1 Schirm, 2 tücher, 1 Körbchen mit Inhalt, 1 Portemonnaie, schuh, 1 Münze, 1 Messer, 1 Stock, 1 schwarze 1 Zugstiefel, 1 Plüschkragen und 1 Gartenthür.
Zugelaufen: 1 kleiner gelber Dachshund. Gießen, den 2. Januar 1892.
Bekanntmachung, betreffend Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche in Reichelsheim i. d. W.
Nachdem die zu Reichelsheim, Kreis Friedberg, ausgebrochen gewesene Maul, und Klauenseuche erloschen ist, sind die daselbst verhängten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben worben.
Gießen, am 31. Deeember 1891.
Großherzoglichcs Kreisamt Gießen.
_________ v. Gagern.
und Herbste nächsten Jahres je einen Fohlen- und Pferdemarkt zu Darmstadt abzuhalten und mit diesen beiden Märkten Verloosungen vornehmlich von Pferden und Fohlen, von Pferdegeschirren, landwirthschaftlichen Geräthschaften, sowie sonstigen Gegenständen, nach dem vorgelegten Ver- loosungsplane zu verbinden. Diesem Plane gemäß sind bei jeder der zwei Verloosungen höchstens 20000 Loose — das Soos zu 2 — auszugeben und wenigstens 65 pCt. der
Brutto-Einnahmen zum Ankauf von Gewinngegenstünden zu verwenden. Zugleich hat Großh. Ministerium den Vertrieb der fraglichen Loose für den Umfang des Großherzogthums gestattet.
Gießen, den 31. December 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
___________________v. Gagern.
Gießen, den 2. Januar 1892. Betr.: Die Statistik der Bewegung der Bevölkerung. Das Großherzagliche Kreisamt Gießen an das Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Wir sehen der alsbaldigen Einsendung der Register über dre in 1891 vorgekommenen Zu- und Wegzüge entgegen.
________v. Ga gern.
Bekanntmachung,
betreffend das Ersatz-Geschäft für 1892,
Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahr 1872 geborenen Militär- pflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche rx "och mcht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schaftsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lehrburschen,, Dienstboten, Fabrikarbeiter ober .in ähnlicher Eigenschaft nch aufhalten, hiermit aufgeforbert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in bie Stammrolle in bcr Zeit bont 15. Januar bis zum 1. Februar 1. I. bei ber Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melben unb babei, wenn sie an biesem Erle nicht gebaren finb, ihren Geburtsschein unb wenn sie
Bekanntmachung, betreffenb bie Veranstaltung von Verloosungen innerhalb bes Großherzogthums.
7 <>5Cri?Oo*ü0r£aI’b in ®$Pttcn beabsichtigt mit betn am 7. Ium 1892 zu Schotten ftattfinbenbcn Bullen- unb Zucht- webmarft eme Verloosung von Vieh, lanbwirthschastlichen Maschinen unb Gerathen, sowie Haushaltungsgegenstänben zu gewinnen Um ^le Mittel zur Prämiirung von Vieh zu Großherzogliches Ministerium bes Innern unb ber Justiz Dat bie nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung biefer Ver. ' “ft ""ter der Bedingung ertheilt, baß nicht mehr als
5 00 Loose zu 1 Mark bas Stück ausgegeben werben bürfen unb mindestens 60% bes Bruttoerlöses au. dem Verkauf finb"00*6 ^Um "^n^aU^ pon Gewinngegenstänben zu verwenben r., zugleich ist ber Vertrieb ber Loose in ber Provinz Oberheffen gestattet worben. 5
Gießen, b-n 30. Deeember 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
. ■' /___r>. Gagern.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. Januar' Bei den Kais er li ck> en Majestät en fand am Neujahrstage im Weißen Saale des Berliner Residenz- schlaffes bie übliche große Gratulationseour statt, nachdem der Zeremonie ein feierlicher Gottesdienst in der Schloßkirche vorangegangen war. — Die Kaiserin ist von der leichten Erklältung, an welcher die hohe Frau in den letzten Tagen erkrankt war, wieder vollständig hergestellt.
König Wilhelm II. von Württemberg wurde vom Kaiser Franz Josef zum Oberst-Inhaber des 6. österreichischen Husaren-Regiments ernannt.
— Für das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäu>er, welches die deutschen Kriegervereine ihrem ent- schlasenen Kaiserlichen Kriegsherrn errichten, sind bereits 450000 Mark eingegangen. Die Kosten des Denkmals
Amt»- ttttd Anzeigeblatt für den Areis Gieren.
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täglich, «ür ahoi« bei ^oittegg.
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^4 bereits bei einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen.
Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen, zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu 30 Mark ober mit Hast bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschloffen und ihrer etwaigen Ansprüche aus Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden.
Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend >nd, find deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet.
Die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt. Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders uuf ortsübliche Weise bekannt machen zu lasten.
Meßen, am 2. Januar 1892.
Der Civilvorsitzende
der Großherzoglichen Ersatz-Commission Gießen.
Jost, Reqiecungsrath.
Gießener Anzeiger
Aeneml-Anzeiger.. ?
Bekanntmachung,
betreffenb Verloosungen aus Anlaß ber Darmstadter Werbern art te in 1892.
zo wkd hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, baß . ^roßb. Ministerium des Innern unb der Justiz dem 1 ^nbesvserbezuchtverein - Section für bie Darmstädter Pferbemarkte - bie Erlaubniß ertheilt hat, im Frühjahre I
Feuilleton.
1 Das große Loos.
Humoreske von Georg Grad.
(Nachdruck verboten.) ..... Wieder ist die Zeit herangekommen, in ber bie Lotterie- * ö>ehungen beginnen, wieder kreisen die Loose im Rade und i die launische Glücksgöttin theilt ihre Gäben ans- Gold ihren Lieblingen, Nieten den weniger glücklichen Menschen- V Andern.
Mit ängstlicher Spannung erwarten die Loosinhaber die Ziehungslisten, welche Glück oder Enttäuschung bringen, je nachdem. Das alte Mütterchen, welches bereits mit einem Fuß im Grabe steht und hofft, daß ein Glückszufall ihm feine alten Tage sorgloser gestalten soll, der Lebemann der von dem rollenden Rad mit einem Schlage Befreiung' von seinen Gläubigern erwartet, der kleine Handwerker, dem das 1 Betriebseapital fehlt, der Millionär, der neue Schätze zu den vorhandenen erwerben will, alle die tausend Spieler, sie Alle, Alle hoffen und harren, daß das Glück gerade sie auserwählen und ihnen mühelos die goldenen Schätze in den Schooß . Zersen werde. Wieviel Pläne werden nicht geschmiedet, wie ost das Fell des Löwen vertheilt, noch ehe er erlegt ist? Don dem bescheidenen Wunsche, nur lumpige hundert Mark zu gewinnen, um der Ebbe in der Kasse abzuheifen, bis zu ■ den verlockendsten Bildern des Reichthums und der Ueppig- keit bewegt sich der Gedankenkreis der Spieler, die sich alle an die Hoffnung klammern, daß bei Gott kein Ding unmöglich ist, und daß gerade ihre Erwartungen in Erfüllung gehen werden.
Wenn ich In den Annoneentheilen der Tageblätter die riesigen Inserate der Lotterie-Eolleeteure «rblicke, mit ihren famosen Devisen: „Unb wiederum hat Gertig Glück", „Gottes Segen bei Cohn" unb ähnlichen, so steigt' immer die Erinnerung an eine komische Episode in mir auf, die bei einem luftigen Gelage ein ehemaliger Musensohn, der das Studium
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Süibetiing des Geldes Seilens der Menschen in ihrer ganzen
Große zeigt. a 0
3, um ganz ge- „ . - 1JL • wenigen Zmsen vorliebnehmen und
es der Neichsbank anvertrauen sollte. Mit welcher Genuq- thuung gedachte ich meinen Gläubigern gegenüber aufzutreten die mich schon lauge hartnäckig, aber bisher vergebens bedrängt hatten. Die elenden Manichäer! Ich wollte nicht Böses mit Bösem vergelten, sie vielmehr Alle zu einem Gläubiqer- Festesten einladen, um ihre Ausdauer in der Bestürmung meiner Person um gefällige endliche Ausgleichung meines Cantos gebührend zu belohnen.
Mitten in diesen kübnen Combinationen wurde ich durch hastige Tritte auf ber altersschwachen Treppe aufgescheucht. Ich flog empor, mein Herz begann abermals stürmisch ui Hopfen und die Aufregung schnürte mir fast die Kehle zu Die Thur wurde aufgerissen und vor mi^ffanb mit verschmilzt ' lächelndem Gesicht mein Collecteur. . -
ld,‘3 3f,ncn nicht gesagt, junger Herr, daß Sie Gluck haben wurden. Gott, was bin ich gelaufen, ich habe ©te schon zweimal ausgesucht. Sie haben gewonnen Gott was ein Glück, was ein Glück. '
Mein erster Blick war darauf gerichtet, ob der alte Herr vielleicht einen Beutel bei sich trage, aus dessen Umfang ich bie Größe meines Glücks ermessen konnte.
„Er wird Papiergeld bringen," überlegte ich, als ich den erwähnten Gegenstand nicht wahrnahm.
„Was ein Glück, was ein Glück," sing jener wieder an zu jammern.
..Wollen Sie mir, bitte, sagen, was Sie auf dem Herzen haben," nahm ich mit möglichster Kaltblütigkeit die Eonver- sation auf, um endlich einmal zum Ziel zu gelangen unb Ge- w'ßheit über die Höhe meines Glückes zu erhalten Aber bitte, nicht Io laut," fuhr ich fort, da ich aus einem'verdächtigen Knarren von der Wand ber .die gewiß nicht unberechtigte Vermuthung schöpfte, daß meine brave Wirihin keinen Ton unserer Unterhaltung verlieren wollte.
(Fortsetzung folgt.)
„Eines Morgens", so erzählte er, „war ich wieder einmal park mit dem Nachsinnen darüber beschäftigt, durch welchen Coup es möglich sei, meine traurige finanzielle Lage zu verbessern, als es an meine Thür klopfte."
„Herein!"
Stuf ber Schwelle erschien ein gebücktes Männchen.
„Junger Herr, wollen ■ Sie mir ein Achtelchen zur siebenten Klasse der Hamburger Lotterie abfaufen? Morgen uni) habe gerade noch ein einziges Achtelchen. Dabei präsentirte mir das Männchen ein Loos.
tff bdS letzte", begann, er wieder. „Man muß dem Glucke bie Hand bieten."
In der That erschien mir bie Offerte als ein Wink des «tmmelS. Noch nie hatte ich in der Lotterie gespielt, warum sollte ich nicht einmal das Glück auf die Probe stellen? Ich erwarb das glückverheißende Achtel und dachte nicht weiter daran, als mir meine Wirthin einige Tage später bei meiner Nachhausekunft mit freudestrahlendem Gesicht mittheilte, daß ein alter Herr, der mir eine freudige Botschaft zu überbringen hatte, bereits zweimal nach mir gefragt habe.
Ein alter Herr, eine freudige Botschaft, der war sicher kein Anderer, als mein Lotterie-Colleeieur. Ich muß offen befennen, daß mein Puls doch etwas schneller bei dieser Er- offnung schlug, umsomehr, als das zweimalige.Erscheinen des Colleeieiirs ja einen schwerwiegenden Grund haben mußte.
Auch meine Logiswirthin war ganz aus dem Häuschen. D,e Gute, sie berechnete wohl, daß sie nun endlich den schon so lang gestundeten Miethszins auf Heller und Pfennig er- halten würde und vielleicht noch eine kleine Extra-Belolmung für ihre mir gegenüber bewiesene Nachsicht. Ich selbst ertappte mich mehrmals bei dem Entwurf kühner Pläne. Verlockende Bilder stiegen vor mir auf. Wie wollte ich au (treten, nobel, nobel. Meine Feinde und Neider sollten vor Wuth bersten Ich überlegte bereits stark, ob ich das Geld auf pupillansch


