Ausgabe 
31.10.1891
 
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Uniform des Regimentes anzunehmen, dem er früher angehört, und damit wieder zu dem Regimente zurückzukehren. Er erhebe sein Glas auf das Wohl des früheren und jetzt wieder eintretenden Kameraden,- mit einem von der glänzenden Ver­sammlung begeistert aufgenommenen Hoch aus den König von Rumänien schloß der Kaiserliche Trinkspruch. König Karl dankte in seiner Erwiderung für diese Worte des Kaisers und drückte seine Freude darüber aus, daß er die Principien der preußischen Armee auf die rumänische Armee habe über­tragen und sie dieser jungen Armee habe einpflanzen können, das Heer Rumäniens sei hierauf stolz. Diese Kundgebungen beleuchten wohl am besten die eigentliche Bedeutung des Be­suches des rumänischen Herrschers am deutschen Kaiserhofe, sie weisen aus die Kameradschaftlichkeit der preußisch-deutschen und der rumänischen Armee hm und hiermit ist für die Folgen der jüngsten Monarchenbegegnung in Berlin wohl genug gesagt, auch ohne daß dieselbe besondere Abmachungen in sich schließen sollte, was ja auch nicht wahrscheinlich ist.

Der Erlaß Kaiser Wilhelms an das preußische Staatsministerium in Sachen des Heine'schen Mordprozesses ist aus allen Seiten mit Genugthuung begrüßt worden. Denn der Monarch hat durch seine Kundgebung eine erste kräftige Anregung zu einer nachdrücklichen Bekämpfung jener schweren Schäden in unserem Volsleben, wenigstens was die größeren Städte anbelangt, gegeben, auf welche der erwähnte Sensations­prozeß ein so grelles Streiflicht geworfen hat. Man darf gewiß erwarten, daß die in dieser Frage zunächst zuständigen Organe der von Allerhöchster Stelle aus gegebenen Anregung folgen und die erforderlichen Maßnahmen treffen werden. ». ..... -.....- -- ---------

Aerreste Nachricht:»

WolffS telegraphisches Lsrrefpondenz-Burcau.

Berlin, 29. October. Der Bundesrath stimmte heute der Vorlage betreffend die Außerkraftsetzung der Ausführungs- bestimmungen zur Verordnung wegen des Verbots der Ein­fuhr von Schweinen rc. amerikanischenUrsprungs vom 6. März 1883 zu.

Berlin, 29. October. Heute Morgen sind auf der Station Marienselde infolge des heftigen Windes zwei in die Nebenlinie abgestoßene Waggons aus einen im Haupt­geleise rangirenden Güterzug getrieben und entgleist. Die Bahn nach Dresden ist auf eine Stunde gesperrt. Beide Wagen sind unbedeutend, das Geleise ist gar nicht beschädigt. Personen sind nicht verletzt.

Potsdam, 29. October. Der König von Rumänien ist heute Nachmittag um 3 Uhr über Berlin nach Budapest abgereist. Der Kaiser schüttelte bei dem Abschied am Bahn­hose dem Könige herzlich die Hände. In Breslau wird der rumänische Thronfolger mit dem Könige Zusammentreffen.

Brest, 29. October. Anläßlich der Anwesenheit der russischen Schiffe fand gestern ein Fackelzug statt. Die Stadt war festlich erleuchtet.

London, 29. October. Das Bureau Reuter meldet: Das britische Landwirthschaftsamt erhielt Informationen, wo­nach die Gerüchte über einen von der russischen Re­gierung beabsichtigten Ukas, betreffend das Verbot der Weizenaussuhr, wohl für begründet gehalten werden. Sollte die Maßregel beschlossen werden, so dürfte nur die Ausfuhr solcher Ladungen gestattet sein, welche das Zollamt bereits passirt haben.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 29. October. Der König von Rumänien verlieh Caprivi und dem Staatssecretär des auswärtigen Amtes das Großkreuz des Sterns von Rumänien.

Berlin, 29. October. Der Kaiser reiste gestern Nach­mittag zur Jagd nach Liebenberg, von wo er am Samstag zurückkehrt.

Berlin, 30. October. Nach denPolit. Nachr." wird die Errichtung einer Flotten st ation in Südamerika

ist Ihnen bewußt, daß Sie sich in eine Art von Seeräuberei eingelassen haben."

Nicht doch!"

Ganz entschieden, lieber Freund. Ihr Cargo und Ihre Mannschaft sind confiscirt. Was man mit Ihnen anfangen wird, das ist noch nicht vorauszusehen."

Man wird mich hoffentlich nicht aushängen wie?" Hoffentlich nicht," sagte der Lieutenant ernst.Aber lassen Sie sich dies eine Warnung sein. Sie sehen, wohin es führt, wenn man vom rechten Curse abweicht und sich nach verbotenem Gewinn gelüsten läßt. Kehren Sie zu einem ehrlichen Lebenswandel zurück, wenn Sie Ihre Freiheit^wieder erlangt haben. Vermeiden Sie schlechte Gesellschaft--

Was ist das da?" fuhr er auf, als sein Blick aus eine leere Säbelscheide fiel, die an der Wand hing. Dieselbe sah genau so aus, wie die Scheide eines amerikanischen Marinesäbels und sofort kam ihm der Gedanke, daß dieser heuchlerische junge Dankee, der soeben bei seinen Ermahnungen dem An­schein nach eine Thräne zerdrückt hatte, sich noch eines schlimmeren Verbrechens, als der Sclavenschmuggel war, schuldig gemacht haben könne.

Sein scharfes Auge musterte forschend die ganze Cajüte.

Aus einer der mit Plüsch überzogenen Bänke lag eine U. S. (Vereinigte Staaten) Marinemütze.

Aha!" rief Lieutenant Schwalbe,Sie haben ein Ren­contre mit einem amerikanischen Kriegsschiff gehabt! Sie werden sich vor meinem Commandanten darüber auszuweisen haben, aus welche Weise Sie in den Besitz dieser Uniformstücke ge­kommen sind. Vorläufig sind Sie mein Arrestant!"

Ties entrüstet, sich mit einem solchen Menschen an einen Tisch gesetzt zu haben, stürmte er an Deck hinauf.

Bootsmannsmaat!" rief er.Kommen Sie mit vier Mann hier achtdraus und bringen Sie diesen Mann an Bord desSturmvogel"!

Damit deutete er aus den Aankee, der gleich nach ihm an Deck gekommen war.

geplant; nächstes Jahr soll ein Kreuzer dahin entsendet werden.

Nach demselben Blatte plant Preußen die Anstellung besonderer staatlicher Wohnungs-Jnspectoren.

Berlin, 30. October. Die Anwaltskammer ertheilte in dem ehrengerichtlichen Verfahren gegen die beiden Ver- theidiger im Mordproceß Heinze Rechtsanwalt Ballien einen Verweis und Rechtsanwalt Coßmann einen Verweis und 500 Mk. Geldstrafe. Als straffällig wurde das Secttrinken und das Abholen der Acten aus dem Hause des Präsidenten ohne dessen Erlaubniß angesehen.

Wien, 29. October. Die österreichische Regierung be­schloß, die Forderung Nordamerikas wegen Begünstigung bei Einfuhr gepökeltenSchweinesleisches und Specks, Schweinefett ausgenommen, zu gewähren.

Wien, 29. October. Das Geniewesen, welches bisher dem Kriegsminister untergeordnet war, untersteht mit Beginn des nächsten Jahres dem Befehl des Chefs des Generalstabs.

Wien, 30. October. Der Zustand der Erzherzogin Margaretha hat sich verschlimmert; die Gefahr ist groß.

Rom, 30. October. Rudini hält seine Rede am 9. November in Mailand ohne Banket.

Paris, 30. October. Der Senat nahm im Principe die Aufhebung des Einfuhrverbots für ameri­kanisches Schweinefleisch an.

Kopenhagen, 30. October. Der Cz ar reist ohne Unter­brechung von Danzig nach Livadia, wo er Sonntag ankommt.

Cocatcs tt«d provinzielles.

s Gießen, 30. October.

Gestern Abend fand die vierte Vorstellung des hie­sigen Theater-Vereins statt. Wir werden ihr in der nächsten Nummer eine eingehende Besprechung widmen, möchten aber gleich jetzt den angenehmen Eindruck wohlthuender Vor­nehmheit hervorheben, der in dieser jüngsten, wie in den früheren Darstellungen herrscyte. Schnell merkten die Zu­schauer, daß sie Künstlern ersten Ranges und einer fein­fühligen Regie gegenüberstanden; schnell war die geistige Brücke zwischen Schauspielern und Publikum geschlagen und an Beifall fehlte es dann natürlich nicht.

Circus Blumenfeld. Auf die heute Abend statt­findende Komiker-Vorstellung, verbunden mit Con- currenzturnen, machen wir hierdurch aufmerksam.

Dieustuachricht. Seine Königliche Hoheit der G r o fi­tz erzog haben 'Allergnädtgst geruht: Am 28. d. M. den Rentamtmann des Rentamts Alsfeld, Georg Roßmann, in gleicher Diensteigenschast mit Wirkung vom 1. December d. I. ab an das Rentamt Friedberg zu versetzen.

** Garbeuteich, 29. October. Hier wurde in voriger Woche an zwei Stellen zur Bleiche gebrachte Wäsche ge­stohlen, ohne daß es bald gelungen wäre, die Thäter zu ermitteln. Endlich wurden sie doch entdeckt und zwar am 26. d. M. in Lich, wohin sie die gestohlene Wäsche gebracht hatten. Die Ermittelung der Thäter erfolgte durch Polizei­diener Schöck in Garbenteich, im Verein mit Bürgermeisterei­gehilfe Rotte und Polizeidiener Meier in Lich.

Laubach, 29. October. Herr Landwirthschastslehrer Reichelt aus Friedberg wird Samstag den 31. October l. Js., Abends 8 Uhr, imSchützenhofe" zu Laubach einen Vortrag halten überDie Resultate der Gießener Ausstellung".

Darmstadt, 29. October. Daß der verhaftete, des Mordes an dem Kartoffelhändler Arndt in Mörfelden ver­dächtige Kuh michel ein überaus gefährliches und gewalt- thätiges Subject ist, wird durch eine der FrankfurterKleinen Presse" aus Mainz zugegangene Mittheilung bestätigt. Da­nach stand Kuhmichel im vorigen Sommer bei einer Wittwe

Riskirt er einen Fluchtversuch oder zeigt er Wider­stand, dann schießen Sie ihn über den Haufen!" fügte er hinzu/

Der Bootsmannsmaat eilte herbei, um sich des Gefangenen zu bemächtigen; ehe er denselben jedoch erreicht hatte, stutzte er und blieb stehen.

Ein brüllendes Gelächter schallte ihm in die Ohren.

Der amerikanische Steuermann und seine Genossen kreischten und krümmten sich vor Lachen, sie schwankten und stolperten hin und her und konnten sich im Uebermaß ihrer Fröhlichkeit kaum aus den Beinen erhalten.

Lieutenant Schwalbe stand wie vom Donner gerührt.

Excuse me, Sir, sagte der Dankte auf ihn zukommend und ihm die Hand entgegenstreckend,aber der Spaß war zu gut? Ich bin der Lieutenant Johnson von dem Vereinigte Staaten-KreuzerGeorgia", gegenwärtig Commandant einer Prisenmannschaft an Bord dieses Fahrzeugs und auf der Fahrt nach Aden, wo der Schoner condemnirt werden soll. Wir haben ihn gestern genommen. Ich wußte, daß das deutsche Kanonenboot tags zuvor an Bord geschickt, aber keinen Ver­dacht geschöpft hatte und da konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, Sie ein wenig anzuführen. Jetzt aber bitte ich Sie tausendmal um Verzeihung! Kommen Sie, ein Glas zur Versöhnung!"

Das war augenscheinlich das beste, was unter den ob­waltenden Umständen gethan werden konnte.

Give my respects to your Commander! rief der amerikanische Offizier feinem Gaste nach, als derselbe ins Boot ging,und sagen Sic ihm, daß er das nächste Mal schneller zufassen solle. Uebrigens werde ich Ihrem wohl­gemeinten Rath folgen und in Zukunst nicht vom rechten Curse abweichen!"

Absetzen!" befahl Lieutenant Schwalbe ärgerlich und gleich darauf lag derBlack Eagle" weit hinten im Kielwasser der Barkasse S. M. KanonenbootSturmvogel".

in Mombach als Knecht in Arbeit und benahm sich häufig sehr ungebührlich. Eines Morgens kam er in den Hos, in welchem sich gerade eine andere Bewohnerin des Hauses, eine gewisse Frau Lipp, befand, und fuchtelte mit einem großen, scharfgeschliffenen Messer umher. Plötzlich stellte er sich der Frau Lipp gegenüber und sagte:Herrgott, ich möchte ge­rade Einen todtstechen und wenn Sie's wären, Frau Lipp." Vor Schreck sank die Frau beinahe zur Erde. Am anderen Tage wurde Kuhmichel aus der Arbeit entlassen, denn es hatte Niemand Lust, sich zum Vergnügen von dem Menschen, dem man das Schlimmste zutraute, todtstechen zu lassen.

A Mainz, 29. October. In dem jenseitigen Rheinarm zwischen der Petersaue und dem Kasteler Ufer werden gegen­wärtig außerordentlich interessante Pionierübungen vor­genommen, die möglicher Weise zu einer weit greifenden Umgestaltung unseres Pionierwesens führen dürsten. Dieselben bestehen in Versuchen nach einer in Rußland schon längere Zeit eingeführten Art, die Pontons, auf welchen die Brücken ruhen, durch aufgeblasene Ochsen- oder Kuhbälge zu ersetzen. Letztere werden dadurch hergestellt, daß die Häute der Thiere, ohne die Brustseite zu öffnen, ganz abgezogen, an dem Kopf- und Hintertheil hermetisch geschlossen und alsdann aufgeblasen werden. Diese Bälge werden in derselben Distance wie die Pontons in dem Wasser ausgestellt, dann mittelst starker Stränge lange Querbalken auf denselben be­festigt, auf welche nun die einzelnen Diehlen der Brücke zu liegen kommen. Aus einer solcher Art hergestellten, auf vier Ochsenbälgen ruhenden Brücke sahen wir heute Morgen einen ausgerüsteten Pontonwagen nebst 25 Mann und einer Anzahl Offiziere, was auf eine große Tragfähigkeit der Brücke schließen ließ. Der Hauptvortheil in der Verwendung von Thierbälgen soll darin liegen, daß dadurch die großen Schwierigkeiten, die der Landtransport der Pontons verursacht, beseitigt werden.

A Mainz, 29. October. Im verflossenen Monat hat hier der Bierconsum im Vergleich zu demselben Monat des Vorjahres einen beträchtlichen Rückgang erfahren. Während im Vorjahr 7848 Hectoliter Bier eingeführt wurde, betrug dieses Jahr die Einfuhr nur 6887 Hectoliter. Bei der Bierproduction in der Stadt wurden 6272 Gentner Malzschrot gegen 8214 Gentner im Vorjahre verarbeitet.

Mörfelden, 28. October. Der auf so schreckliche Weise ums Leben gekommene Peter Arndt wurde vorgestern in ehrender Weise zur letzten Ruhestätte gebettet. Das Schicksal des Mannes ist sehr zu beklagen, bedauernswerth sind die Hinterbliebenen (Frau und sechs Kinder), welche so jäh den Gatten und Vater verloren haben. Die Kinder Arndts sind noch nicht alle erzogen, um so härter trifft der Schlag.

vermischtes.

* St. Johann, Saar, 29. October. Das Schwur­gericht verurtheilte gestern den 24jährigen Grubenarbeiter Lux aus Gaislautern wegen Ermordung und Beraubung seiner 14jährigen Stiefschwester zum Tode.

kirchliche Anzeigett der Stadt Gietzen.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

23. Sonntag nach Trinitatis, 1. November: Reformationsfest.

Vormittags 9Va Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Beichte und heiliges Abendmahl im Vormittags- gottesdienst.

Abends 5 Uhr: Pfarrer Dingeldev.

Nach den Gottesdiensten Collecte für die Gustav-Adolss- Sttftung.

Kinderkirche Vormittags lV/4 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Btbelstunde am Montag den 2. Novbr., Abends 8 Uhr, in der Kleinkinderschule; Römerbrief, Kap. 1, Vers 8: des Apostels Herzensoerhältniß zu der röm. Gemeinde; das Evangelium eine Gotteskraft zur Seligkeit. Pfarrer Dr. Naumann.

Jahresfest des Oberhess. Vereins für innere Mission Mitt­woch den 4. November. Gottesdienst Vormittags 10 Uhr: Hofprediger Stöcker aus Berlin.

Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 1. bis 7. November besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Katholische Gemeinde.

Samstag: Morgens um 7 Uhr Rosenkranzmesse mit Segen. Nachmittags um 4 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Abends um 1/»8 Uhr Predigt und Andacht, darauf Gelegenheit zur hl. Beichte.

Sonntag (Fest Allerheiligen): Morgens von Vzb Uhran Ge­legenheit zur hl. Beichte; um 6 Uhr Frühmesse; um V-8 Uhr Militär­gottesdienst mit Predigt; um 8/*10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nach­mittags um V»3 Uhr Festandacht. Abends 6 Uhr Armenseelenandacht mit Predigt.

Montag (Allerseelen): Morgens um 7 Uhr Seelenamt für die Abgestorbenen der Gemeinde. Abends um 6 Uhr Armenseelenandacht.

Gottesdienst in der Synagoge.

Samstag den 31. October:

Vorabend 480 Uhr, Morgens 8* * * * * * * * * * * * * * * 30 Uhr, Nachmittags 300 Uhr, Sabbatbausgang 520 Ubr.

Kinderernährung. Wenigen unserer Leserinnen wird es

bekannt sein, daß man in neuerer Zeit in den bekannlen Soxhlel'schen

und anderen Sterilisirungsapparaten nicht nur die Säuglings­

nahrung aus reiner Milch zuberertet, sondern dieselben auch mit

großen Erfolgen zur Bereitung von Kindernahrung aus Kinder­

mehl verwendet. Es ist dies von um so größerer Bedeutung,

als neuere Untersuchungen zu der Erkenntniß geführt haben, daß

bei der bisher üblichen Ernährungsweise mit verdünnter Kuhmilch

die Säuglinge geradezu hungern mußien, da in dem bedeutenden

Wasserzusatz ja keine Nährstoffe enthalten sind. Auch die Zusätze

von Gersten- oder Haferschleim ändern an diesem Resultate nichts,

da diese schleimigen Abkochungen ebenso wenig Nährstoffe enthalten.

Rademann, der sich besonders mit solchen Ernährungsfraaen beschäftigt,

schlägt auf Grund genauer Nährwertbberechnungen (Fehler bei der

künstlichen Ernährung der Säuglinge." Dillinger, Karlsruhe. Preis

30 Pfg.) vor, zur Bereitung einer geeigneten Säuglingsnahrung Kuhmilch mit Rademann's Kindermehl (für die ersten Lebensmonate mit geringem Wasserzusatz) zu kochen. Eine solche Nahrung entspricht nicht nur in Bezug auf Gehalt und Zusammensetzung, sondern auch in hygienischer Beziehung allen billigen Anforderungen, besonders wenn dieselbe vorsichtig eoentl. mit Hülfe von Sterilisnungsapparaten zubereitet wird. Wer sich mit dec Pflege von kleinen Kindern befaßt oder Interesse für derartige volkswirthschaftliche Fragen hat, sollte nicht versäumen, sich mit Rademann's Arbeit verttaut zu machen.