Ausgabe 
30.8.1891 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Dabei ist überall für bequeme Circulation und Sitzanordnung gesorgt.

Außer dem Haupt ein gang am Hauptportale befindet sich eine Eingangsthüre im Thurm, die zugleich auf die Orgelbühne und von Osten her auf die Seitenempore führt - ferner ist ein Eingang im Südwesten angebracht zu den Schiffen und von der westlichen Schmalseite her zu der Emporbühne. In Aussicht genommen, aber noch nicht be­stimmt beschlossen ist eine vierte Eingangsthüre, die zur Vor­halle hin als nördlicher Seiteneingang in der Traufmauer hergerichtet werden soll.

Für die Erwärmung der Kirche ist vorerst eine He i ßwasserh eizung (Perkinsheizung) in Aussicht genom­men, bestehend aus einem im Keller liegenden Heizofen, in dem das Wasser in einem System starkwandiger Röhren er­hitzt wird, während die Heizröhren im Kirchenraum theils am Fußboden, unter den Sitzen, theils an der Längswand unter der Empore liegen. Confirmandensaal und Sakristei können für sich geheizt werden.

Zur Beleuchtung der Kirche ist Gaseinrichtung vorgesehen.

Als Baustoffe wurden für die Kirche ursprünglich vor­geschlagen Bruchstein, für die Gliederungen Lungstein und für einzelne hervorragende Theile, wie Portale, Giebelkrönungen u. s. w. ein im Ton harmonirender feinerer Haustein. Doch sind die Verhandlungen hierüber noch nicht abgeschlossen, da auch andere Vorschläge bereits vorliegen, z. B. Lungstein für den ganzen Sockel und Sandstein für die übrigen Theile, vielleicht bei den Wandungen mit angemessener Verwendung von Blendsteinen. Die Entscheidung dieser Frage hängt natürlich auch ab von der Kostensrage im Ganzen und Ein­zelnen- und diese kann erst auf Grund von genauen Zeich­nungen und Anschlägen erledigt werden.

Als Baukosten waren anfänglich 200000 Mk. vor­gesehen. Infolge der Aenderungen, die Herr Grisebach auf Vorschlag des Preisgerichts und auf Wunsch des Kirchen­vorstandes an seinem Entwurf vornahm, erhöhete sich bei ihm diese Summe auf Grund einer genaueren Berech­nung um etwa 20 000 Mk. Da Herr Vollmer seinen Entwurf für eine noch geringere als die vorgesehene Summe aus'ühren wollte, so bedeutete die Wahl des Grise- bach'schen Entwurfs zugleich eine Mehrausgabe von gut 30 000 Mk. gegenüber dem Vollmer'schen Plan. Der Kirchen- vorstand hat aber auch abgesehen davon, daß Herr Voll­

Landwirthschafiliche Winke und Rathschtäge.

A Air- Oberheffen, Ende August.

Ueber richtige Berwerthung des 1891er ObslsegenS. Unser engeres Vaterland Hessen t|t säst durchgängig und nur mit ganz wenigen Ausnahmen vollständig geeignet, große Obstmassen zu produciren. In den warmen Thälern können alle feineren Tafel­obstsorten: Apricosen, Pfirsiche (an der Bergstraße sogar edle Kastanien und Mandeln), Reineclauden, Kirschen, feine Pflaumen und Mirabellen, an sonstigen Orten aber jede Sorte Wirthschaflsobft probucirt werden. Die Furcht vor Ueberproduction hält sich eigentlich nur noch an kleinen Seitenplätzen, die weitab von den großen Verkehrsstraßen liegen. Auch hier wird diese Furcht in wenigen Jahren, wenn das von allen Seiten in Angriff genommene Netz unserer Nebenbahnen ausgebaut ist, verschwinden. Die Obstproduction wird sich alsdann noch sehr bedeutend ausdehnen und sie muß eine unversiegbare Quelle des bäuerlichen Wohlstandes werden. Hochersreulich ist, daß sich der Obstbau-Verein in Oberhessen immer weiter ausdehnt. Seine segensreiche Wirkung wird sich in wenigen Jahren schon deutlich zeigen.

Wir wenden uns nach dieser kurzen Abschweifung zu unserem Hauptthema zurück. Richtige Berwerthung deS Obstes ist heute schon eine Lebensfrage für den kleinen Landwirth; sie wird nach wenigen Jahren noch viel dringender werden. Unsere Zeitung will, so viel an ihr liegt, an diesem wichtigen Zweige der Landwirthschaft mitwirken und zur Lösung der Frage ein Scherflein beitragen. Darum widmen wir ihr zu Nutz und Frommen des kleinen Land- wirths nock einige Zeilen.

Das schmackhafte, gut getrocknete Obst wird in unserer Provinz vielfach weit nach Norden versandt. In den letzten Jahren hat sich aber auch der oberhesstsche Apfelwein ein Terrain in Berlin, Stettin, Hamburg und anderen großen Handelsstädten erobert und dieses Absatzgebiet erweitert sich alljährlich. Besonders gesucht sind Apfelweine aus Büdingen, Altenstadt, VUbel, Offenbach. Von Frankfurt und Sachsenhausen brauchen wir um deswillen nicht zu handeln, weil sie für uns Ausland sind. Interessant ist es, zu er­fahren, daß die hessischen Apfelweine im Norden als Sachsenhäus-r große Anerkennung finden, ähnlich wie die berühmten Frankfurter Bratwürstchen zum größten Theile in Neu-Isenburg, Langen, Sprendlingen und sogar Niedermockstadt und Stammheim in der Wetterau fabrizirt werden.

Wer das Apfelweinmachen versteht, der kann ein schönes Stück Geld dabei verdienen. Es gehört aber ein bedeutendes Betriebs, Capital zum Ankauf von Mostobst, es sind größere Kellereien, Fässer und Keltervorrichtungen erforderlich, die dem kleinen Landwirthe nicht zur Verfügung stehen. Man kann ihm daher, wenn er nicht einen besonderen inneren Drang dazu verspürt, nickt rathen, sick diesem Productionszweige zu widmen. Die Bereitung eines HauStrrrnkb ist dagegen sehr zu empfehlen. In Würit mberg ist dies allgemein üblich. Selbst jeder Knecht und jede Magd erhält in Schwaben, wenn die Feldarbeiten angehen, täglich 1 bis 2 Schoppen Moscht", was die Bezeicknung dorten für Apfelwein ist. Weil jeder Landwirth und jeder BürgerMoscht" einleat, reicht das in Württemberg probucirte Obst, das sehr bedeutend ist, nicht aus und darum kommen die Händler zu uns und kaufen was sie bekommen können.

Ein anderes ist es, wenn Leute das Obst im Herbste sorgfältig aussortiren, gut aufbewahren und im Nachwinter, etwa im Februar ober März damit zu Markte kommen. Es ist keine Seltenheit, daß um diese Zeit ein schöner Apfel besserer Sorte: Mabapfel, Reinette, Borsdorfer u. dergl. mit 5 bis 6 Pfennigen pro Stück bezahlt wird. Zu dieser Art Berwerthung gehört kein großes Betriebscapital, kein großes Inventar, kein großer Raum, sondern vorzugsweise nur Sorgfalt beim Aussortiren, beim Lagern und beim Verpacken. Reinlichkeit und Sorgfalt renttren in der ganzen Welt, beim kleinen Landwirthe nicht am wenigsten.

Wir haben vor etwa dreioiertel Jahren in einem Aufsatze über Molkerei nachgewtesen, wie sehr sich Reinlichkeit und Sorgfalt in den bäuerlichen Wirthschaften lohnt; inzwischen sind Frankfurter Butterhändler bis weit in den Vogelsberg hinein gedrungen und haben Preise geboten, an die früher Niemand dachte. Wenn die Landleute ihren Vortheil verstanden und gute Waaren geliefert haben, dann haben sie sich ein bedeutendes Absatzgebiet für alle Zeiten erschlossen. Mit dem Obst und den Fabrikaten daraus, als: Latwerge (Honig), Apfelwein und Dörrobst wird es gerade so ergehen.

Man sagt häufig und auck mit Recht: der Landwirth hat heutzutage schwer zu kämpfen. Dies bezieht sich besonders auf die

mer bei eingehenderer Berechnung seine Ansätze vielleicht doch auch hätte erhöhen müssen getrost und allgemeiner Zu­stimmung gewiß diese Mehrausgabe beschlossen in der Erwä­gung, daß wir mit dem Grisebach'schen Entwurf eine große, würdige Kirche erhalten werden, deren Haupt- und Seiten­schiff ungefähr 2*/2 m höher, deren Thurm bedeutend um­fangreicher und deren gesammtes Steinwerk wesentlich höher wird als die bezüglichen Bautheile des Vollmer'schen Baues, also eine Kirche, die durch ihre ansehnlicheren Abmessungen und ihre größere, erhabenere Höhenentwicklung viel mächtiger und schöner auch zur äußeren Geltung und Wirkung gelangen wird als die niedrigere, gedrängtere Kirche Vollmers. Und dieser Gesichtspunkt mußte um so bedeutungsvoller und durch­schlagender erscheinen, als die neue Kirche nicht auf einer Bergeshöhe, sondern in einem tiefer gelegenen Theil der Stadt, inmitten von nicht allzusernstehenden Häusern, die doch von der hochragenden Kirche beherrscht sein müssen, errichtet werden soll.

Herr Architect Grisebach, der bereits in Gießen anwesend war, hat bei den Mitgliedern des Kirchenvorstandes, die mit ihm verhandelten, durch sein allseitiges seines Sach- verständniß und seine sichere, freundliche Haltung einen so angenehmen, gewinnenden Eindruck gemacht, daß wir auch nach dieser persönlichen Richtung hin die froheste Zu­versicht auf besten Verlauf unserer Kirchbauangelegenheit hegen dürfen. Zudem ist es ein besonders günstiger Umstand, daß Herr Grisebach, nach errungenem Sieg im Wettbewerb, gegen­wärtig eine neue große Kirche zu Frankfurt a. M. zu bauen begonnen hat und schon dadurch reichlich Gelegenheit finden wird, durch öfteres persönliches Erscheinen auch bei uns die Kirchbauarbeiten aus's sicherste zu leiten.

Noch im laufenden Jahre gedenkt Herr Grisebach die Fundamente der Kirche legen zu können, damit sie während des Winters sich setzen. Sobald die baupolizeilichen Vorschriften und die weiter nölhigen behördlichen Bestimmun­gen erledigt sein werden, soll mit der Fundamentirung des Baues begonnen werden in längstens drei Jahren wird dann, so Gott will, die neue Kirche vollendet dastehen.

Eine zweite Kirche ist für das christlich-kirchliche Ge­deihen unserer Gemeinde dringend nothwendig. Wie Viele, die von außen hierher kommen und erfahren, daß die evangelische Gemeinde mit ihren mehr als 17 000 Seelen nur Eine, mäßiggroße Kirche besitzt, haben schon staunend gefragt, wie das nur möglich sei, warum denn nicht schon längst neue

theuren und schlechten Arbeitervrrhältnisse. Wenn man bedenkt, wie wenig man sich auf das Gesinde verlassen kann, wie Knechte und Mägde jedes Interesse für das Eigenthum der Herrschaft verloren haben, wie die Leute mitten in der Ernte davon laufen, so recht aus Bosheit, um die Herrschaft in bittere Verlegenheit zu bringen, dann muß man gestehen, daß der Bauer übler mit dem Gesinde daran ist, als der Beamte, Gewerbetreibende und Bürger in den Stadt, denn letztere Stände ziehen doch mehr oder weniger an dem gleichen Strange. Der Bauer ist aber schlimmer daran, denn die Mädchen wollen heutzutage nickt mehr auf das Land; ihnen steckt der Flitterstaat, das Tanzen und Jubiliren allsonntäglich im Kopfe. Wenn der Bauer aber seine Wirtschaft versteht, wenn er sich den Fortschritten der Neuzeit nicht verschließt, wenn er eine tüchtige Viehzucht, eine rationelle Fütterungsmethode, eine entsprechende Düngungsmethode, einen richtigen Obstbau betreibt, dann kann er profperiren, so gut wie vor 30 oder 40 Jahren.

Seine eigene Ernährung und diejenige seiner Familie spielen dabei eine bedeutende Rolle und so paradox dies auch lauten mag da der Obstdörrapparat in Bezug auf Herstellung von Gemüseconserven sehr wohl zu verwenden ist, lassen wir hier in Verbindung mit der Obstverwerlhung noch einige Bemerkungen folgen. Wir haben früher schon angebeutet, daß man mit den neuen Öbftborrapparaten auch Weißkraut, Kartoffeln, Wirsing, gelbe Rüben, allerhand Suppengrünes und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse dörren kann. Welcher Segen ist es für jedes Bauern- und Bürger­haus, wenn es gegen Ostern hin, wo alle Kisten und Kasten leer sind, solche Gemüsearten verzehren kann. Was essen unsere Bauers­leute um jene Zeit? Dreimal Kartoffeln täglich, mit kleinen Ab­wechselungen. Von dem diesjährigen Gemüsesegen geht ein großer Theil zu Grunde, weil er wegen des großen Wassergehaltes sehr rasch zusammenfault. Jeder Apparat, jede Maschine, die nicht ge­braucht wird, rostet bald und wird dadurch minderwertig. Wenn der Obstbörraparat zum Gemüsedörren benutzt wird, ist es nur gut für ihn. Das Gemüsedörren kann bis Weihnachten fortgesetzt werden. Es wäre ein großes Verdienst für einen unternehmenden Mann, wenn er hier bahnbrechend voranginge, er könnte zum Wohltäter für eine ganze Gegend werden.

Im Kreise Offenbach hat man wie ich soeben aus der Offenbacher Zeitung entnehme in Bezug auf die CHttttnittttd des Obstes einen großen Schritt vorwärts gethan. Um dem vor­zeitigen Abnehwen zu steuern, hat man bereits im vorigen Jahre Erntetermine festgesetzt und zwar bis Ende September, für manche Orte sogar bis zum 10. October. Es geschah zum Vortheile der Käufer sowohl, als auch der Obstzüchter, denn letztere ernten mehr Obst, sie verderben ihre Bäume nicht und erhalten höhere Preise, weil die Käufer auf gut ausgereiftes Obst höheren Werth legen. Auch dieses Jahr sind die Erntetermine wieder festgesetzt worden. Sollte dies in Oberhessen nicht auch möglich fein?

Univerfitäts - Nachrichten.

(Nachdruck verboten.)

G. Erlangen, 26. August. Bestimmungen über die Aufnahme Studirender an den Universitäten Erlangen, Würzburg und München. Kann ein Studirender bei der An­meldung zur Jmmatriculation nicht sofort die erforderlichen Zeug­nisse vorlegen, verpflichtet er sich aber in glaubhafter Weise, die fehlenden Zeugnisse binnen angemessener Frist nackzudringen, so kann er zur Jmmatriculation bedingt zugelassen werden. Der bedingt Jmmatriculirte erhält vorerst statt der Matrikel nur eine Jnterims- farte, steht aber in den übrigen Beziehungen dem unbedingt Jmma- triculirten gleich. Werden die Zeugnisse in der vorgesteckten Frist nachgebracht und für genügend befunden, so wird die Matrikel aus­gebändigt, andernfalls verliert die Jmmatriculation ihre Gültigkeit und wird die Jnterimskarte zurückgezogen. Persönlichkeiten, welche nicht in der Lage sind, sich immatriculiren zu lassen, wie Offiziere, Angestellke im Staats-, Kirchen- ober Gemeindedienste und andere wissenschaftlich gebildete Männer reiferen Alters können durch den Rector unter Zustimmung des betreffenden Docenten ohne Matrikel zum Besuche einzelner Vorlesungen als Hörer zugelassen werden. Wer sonst eine Vorlesung besuchen oder ein Attribut der Universität benutzen will, ist verpflicktet, sich immatriculiren zu lassen und erhält die Matrikel, wenn die Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Die von einem Studirenden bei der Anmeldung zur Jmmatriculation abgegebenen Zeugnisse werden bis zu dessen Abgang von der Univer­sität im Universitäts-Secretariate hinterlegt. Die Jmmatriculation bei der Universität Erlangen, Würzburg und München beginnt im

Kirchen gebaut worden seien! Wer aber in Gießen der Ver­gangenheit gedenkt, dem fällt diese Frage noch viel schwerer auf das Herz. Denn wenn die jetzt geplante zweite Kirche vollendet sein wird, dann stehen wir erst wieder auf dem Standpunkt, auf dem Gießen schon vor vielen Jahrzehnten sich befand. Hatte doch damals die evangelische Gemeinde, die zudem nicht halb so groß war als heutigen Tages, noch zwei Kirchen- wurde doch daraus Gießen eine Gemeinde, die, statt neue Kirchen zu bauen, eine alte, die Burgkirche niederlegte! Auch um deswillen thut es dringend noth, daß wir endlich wieder eine kirchenbauende Gemeinde werden. Wenn wir also demnächst unsere zweite Kirche gebaut haben, dann dürfen wir nicht vergessen, daß wjr zunächst nur einen Ersatz für die einst verlorene Kirche gewonnen haben. Hoffen wir, daß, wenn wir es nicht noch selbst erleben, unsere Kinder Sinn, Muth und Mittel finden, eine dritte Kirche, etwa auf der Höhe der Frankfurterstraße, zu errichten- und daß unsere Enkel es als nothwendig erkennen werden, eine vierte Kirche, etwa an der Nord- oder Ostanlage, zu erbauen!

Die Geldmittel zum Ausbau unserer zweiten Kirche sollen durch ein auszunehmendes Anlehen beschafft werden. Der Kirchenvorstand hegt die Hoffnung und Zuversicht, daß gegen angemessenen Zinsfuß und unter der Sicherheit, die eine so große Gemeinde mit ihrer ganzen Steuerkraft bietet, die Glieder unserer Gemeinde selbst sich werden willig finden lassen, bte nothwendigen Capitalien zum Kirchenbau zur Ver­fügung zu stellen. Es ist übrigens auch bereits vorgeschla­gen worden, durch Verpfändung des Besitzes an Gebäuden, Gütern und Hypotheken den aufzunehmenden Capitalien pupillarische Sicherheit zu verschaffen. Der seither gesammelte Kirchbaufonds reicht hin zur Zahlung des Kirchbauplatzes. Es soll auch fernerhin für diesen Fonds gesammelt werden- und wir gedenken, besonders für die innere Ausschmückung der Kirche, auch noch in ausgedehnterer Weise den kirchlich wohlthätigen Sinn der Gemeindeangehörigen, hauptsächlich auch die Mithilfe der Frauen und Jungfrauen in der Ge­meinde anzuregen.

Möge denn der treue Gott, an dessen Segen alles gelegen ist auch bei solchem Werk, gnädig walten über all unserem Sinnen, Reden und Handeln zur Erbau­ung der neuen Kirche, damit sie errichtet werde zu Gottes Ehre, zu der Gemeinde Gedeihen und zum ewigen Heil vieler Seelen!

Gießen, Mitte August 1891. Dr. N.

Wintersemester 1891/92 am 15. October und dauert bis 8. November. Eine spätere Jmmatriculation findet nur ausnahmsweise statt, wenn ein ausreichender Entschuldigungsgiund nachgewiefen wird. Jedoch ist auch für Ausnahmsfälle im Wintersemester der letzte November der äußerste Termin. Die Vorlefungen beginnen im Wintersemester am 3. November. Die Jmmatriculaltonsgebühren betragen 12 Mk. Zur Bezahlung der Honorare sind alle Studirende verpflichtet, welche nicht nach Maßgabe der nachstehenden Bestimmungen befreit sind. Die Honorarbefreiung ist durch den Nachweis der Dürftigkeit und j Würdigkeit des Gesuckstellers bedingt. Gänzliche Honorarbefreiung wird nur bei voller Mittellosigkeit, theilweise Befreiung bann gewährt, wenn zwar volle Mittellosigkeit nicht nachgewiefen ist, die Verhältnisse des Gesuchstellers aber derart sind, daß sie eine Berücksichtigung er­heischen. Für die Höhe des Nachlasses ist nicht nur der Grad der Dürftigkeit, sondern auch der Grad der Würdigkeit des Gesuchstellers maßgebend. Der Dürfttgkettsnachweis wird durch ein von der zu­ständigen Behörde in gehöriger Form ausgestelltes Vermögenszeugniß erbracht (vergl. Verzeichniß über Univ.-Stipendien). Unvollständige, ausweichende oder unwahre Angaben in dem Zeugnisse haben die Abweisung des Gesuches zur Folge. Der Nachweis der Würdigkeit wird erbracht durch ein Zeugniß über tadellose Führung und durch ein Zeugniß über befriedigenden Studienersolg. Gesuche um Honorar­befreiung sind mit den erforderlichen Nachweisen am Anfang des Semesters bet der Honorariencommission einzureichen.

Der Privatdocent an der Universität Würzburg, vr. Piloty, wurde als Privatdocent in die juristische Facultät zu München ausgenommen.

Literatur und Kunst.

Wer von unfern Lesern in die Bäder ober Sommerfrischen reist und sich mit einer guten, passenden und dabei billigen Lectüre versehen will, der greife auf unfern wohlmeinenden Rath getrost nach »MeyerS Volksbüchern". Diese sind durch ihren mit außer­gewöhnlicher Sorgfalt und reicher Sachkenntniß gewählten Inhalt in vielen Kreisen deshalb vorgezogen, weil sie der guten Geschmacks­richtung stets mit dem Besten aus allen Literaturen in mustergültiger Bearbeitung zu dienen vermögen. Die soeben erschienene neue Folge, die wir wegen ihres interessanten Inhaltes im Einzelnen aufführen, wird dem Leser bestätigen, daß wir uns feiner Lobesübertreibung schuldig machen. Sie bringt in Nr. 861876: Charles Dickens, David Copperfield", erster und zweiter Theil. Der englische Clafsiker der neueren Zeit bewahrheitet sich in diesem, einem seiner größten Romane, als vortresflicher Characterzeichner. Das berühmte Erst­lingswerk unseres großen Theologen und Philosophen F. Schleier­macher:Ueber die Religion". Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern, hat in den Nummern 877881 die gebührende Würdigung gefunden; hieran schließen Nr. 882885: F^lix Mendelssohn-Bartholdy,Reisebriefe aus den Jahren 1830 biS 1832". Vor nun etwa Jahresfrist hielt der amerikanische Reifende George Kennan durch die auch in die deutsche Presse theilweise übergegangenen sensationellen Enthüllungen überSibirien und das Verbannungssystem" die ganze civilisirte Welt in Äthern. Die Aufnahme in die Nummern 886893 vonMeyers Volks­büchern" sichert dem hierin vollständig wiedergegebenen Reisebericht eine allgemeine Verbreitung und belebt die Antheilnahme und das Interesse für die unglücklichen Verschickten neu in den weitesten Kreisen. Bekanntlich wurde der Reisebegleiter Kennans, Maler G. A. Frost, von dem in Sibirien Erlebten so stark angegriffen, daß er bald nach seiner Rückkehr dem Wahnsinn verfiel und starb. Nummer 894 bringt uns von dem Dichter Zacharias Werner: Der vierundzwanzigste Februar". Henrik Ibsen bietet in den Nummern 89596:Nora, ober Ein Puppenheim". P. Jacobsen ist in Nummer 897 mit seinen trefflichen Novellen (Fiau Fönß" undMogens") vertreten. In Francis Bret HanesDieErb- schaft von Dedlow Marsh" (Nr. 898) undCapitän Jims Freund" (Nr. 899) bewundern die Verehrer dieses liebenswürdigen nord- amerikanischen Dichters, dessen anziehende Schreit weise. Die neue Folge schließt mit Nummer 900:Am Kamin" von dem französischen Romancier Emil Souvestre. Jede Nummer vonMeyers Volks­büchern" ist einzeln für 10 Pfg. käuflich, ein erstaunlich billiger Preis, wenn man zu den sonstigen rühmenswerthen Vorzügen dieser Volks- bibliothek die Annehmlichkeit einer hübschen Ausstattung bei gutem Druck auf gutem Papier^ und das handliche Taschenformat hinzu­nimmt.Meyers Volksbücher" führt jede Buchhandlung, bortfelbft sind auch vollständige Verzeichnisse der bisher erschienenen 900Nummern kostenlos zu haben, die eventuell auch blrect vom Verlag des Biblio­graphischen Instituts in Leipzig zu beziehen sind.