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30.8.1891 Zweites Blatt
 
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Nr. 201. Zweites Blatt. Sonntag den 30. August

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Die neue evangelische Kirche zu Aießen.

er evangelische Kirchenvorstand hat nach langer, reiflicher Prüfung nunmehr e n d- giltigüber dieWahldesEntwurfs entschieden, der für den Neubau einer zweiten evangelischen Kirche in Gießen zur Ausführung kommen soll.

Dem Preisgericht waren infolge des angeregten allgemeinen Wettbewerbs 38 Entwürfe zur Prüfung und Auswahl vorgelegt worden. Unter diesen befand sich auch ein Entwurf der Herren Architecten Stein L Meyer zu Gießen- derselbe stellte dar eine im Neurenaissance-Baustil auszuführende dreischifsige Hallenkirche mit östlichem Thurm, gerade geschlossenem westlichen Chor und hinter demselben gelegten Confirmandensaal. Dieser Entwurf wurde unter die zehn in zweiter Linie zu berücksichtigenden Entwürfe, deren durchschnittliche Tüchtigkeit anerkannt wurde, ausgenommen, konnte aber bei der engeren Wahl nicht mehr in Betracht gezogen werden. Das Preisgericht hatte sich überhaupt zur unbedingten Empfehlung eines einzigen Entwurfs nicht entschließen können- es hatte vielmehr gemäß den Wettbewerbsbedingungen zwei Entwürfe, nämlich den der Herren Architecten Grisebach und Dinklage zu Berlin und den des Herrn Regierungs­und Stadtbaumeisters Schultze zu Friedrichshagen bei Ber­lin wegen ihrer annähernden Gleichwerlhigkeit mit gleichen Preisen von je 1600 Mk. gekrönt, und es hatte außerdem die Entwürfe des Herrn Dozenten an der technischen Hoch­schule Vollmer zu Berlin und des Herrn Architecten Hehl zu Hannover dem Kirchenvorstand zum Ankauf empfohlen.

Anfangs stand in Aussicht, daß nach der einstimmig ausgesprochenen Empfehlung unserer größeren Kirchenbau­commission und unter kund gewordener Zustimmung vieler anderer Gemeindeglieder der Kirch e n v o rstan d ohne weitergehende Verhandlungen sich für den G r i s e b a ch'schen Entwurf entscheiden werde, nachdem zumal der Verfasser die von dem Preisgericht vorgeschlagenen und noch weiter von dem Kirchenvorstand selbst gewünschten Aenderungen des Ent­wurfs bereitwilligst, unter Fertigung eines neuen Grund­risses und Neuzeichnung des Thurmes, vorgenommen hatte. Allein im Kirchenvorstand wurde darnach doch noch der Wunsch ausgesprochen und zum Beschluß erhoben, daß vor jeglicher Entscheidung auch die Entwürfe der Herren Schultze und Vollmer nach bestimmt gefaßten Vorschlägen und Wünschen abgeändert, und daß dann diese drei verbesserten Entwürfe, also insbesondere auch der Vollmer'sche, der zu diesem Zwecke angekauft wurde, gleichmäßig zur engeren Wahl ge­stellt werden möchten. Herr Vollmer nahm die Aenderungen, einen neuen Grundriß liefernd, alsbald vor- Herr Schultze erhob betrests einiger Punkte Bedenken und machte zunächst nur auf Grund kleinerer Zeichnungen besondere Vorschläge. Die drei Entwürfe wurden nunmehr nochmals den Herren Oberbaurath vr. v. Leins in Stuttgart und Geh. Bau­rath Professor Wagner in Darmstadt mit der Bitte um ein Gutachten vorgelegt. Beide Herren erklärten überein­stimmend, daß sie den Schultze'schen Entwurf, so wie er vorliege, trotz seiner großen Vorzüge im Einzelnen, zur Aus­führung nicht empfehlen könnten. Einer derselben entwarf ausgedehnte Aenderungen, die freilich auch in wesentlichen Stücken einer völligen Umarbeitung gleichkamen und bei einem Verfasser, der selbst Meister ist, kaum auf Annahme rechnen durften. Unter der Voraussetzung dieser Umänderung glaubten beide Herren Sachverständigen den Entwurf allerdings in erste Linie stellen und vor den beiden ersten empfehlen zu müssen. Betreffs des Grisebach'schen und des Vollmer'schen Entwurfs entschied sich Herr v. Leins unter warmer An­erkennung der großen Vorzüge des ersteren und mu der aus­drücklichen Erklärung, daß er die Baustilverschiedenheit und die mehr oder weniger geschmackvolle Formengebung ganz außer Acht lassen und nur die innere Eintheilung ins Auge fassen wolle, für ' den Vollmer'schen Entwurf. Herr Wagner dagegen, der früher schon dem Grisebach ichen Plane den Vorzug gegeben hatte und der nun nochmals hervorhob, daß bei einem Gotteshaus doch auch der ästhetischen Form­bildung ihr Recht zu wahren sei und daß es bei einer Kirche zu Gießen auch auf den für die Oertlichkeit passenden Bau­stil, den äußeren Ausbau und die ganze architectomsche Er­scheinung und Wirkung des Baues ankomme, blieb unter wiederholter Anerkennung der Vorzüge der inneren Ein­

theilung des Vollmer'schen Planes bei seiner Empfehlung des Entwurfs von Grisebach um so entschiedener, als auch die innere Einrichtung dieses Planes alle nur zu wünschenden Verbesserungen erhalten hatte.

Dem Kirchenvorstand lag nun wiederum die Ent­scheidung ob. Derselbe beschloß zunächst, von weiterer Berücksichtigung des Schultze'schen Entwurfs abzusehen, haupt­sächlich, weil die Mehrheit in keinem Falle für denselben sich entscheiden wollte. Darauf entschied sich der Kirchen­vorstand endgiltig dahin, den Entwurf der Herren Grisebach und Dinklage zur Ausfüh­rung anzunehmen.

Pie neue evangelische Kirche zu Gießen. .

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Grundrisse.

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Damit war der schon Monate lang währenden Qual der Wahl zu allseitiger Befriedigung ein Ende gemacht. Und der Kirchenvorstand hegt die Zuversicht, daß auch die getroffene Wahl selbst die allgemeinste Zustimmung in unserer Gemeinde finden werde, zumal, wie schon erwähnt, die Kircheubau- commission bereits zum Voraus ihre Empsehlung des gewähl­ten Entwurfs einstimmig ausgesprochen und zahlreiche Ge­meindeglieder ihre Zustimmung kuudgegebcn hatten.

Wir halten es nunmehr für geboten, der Gemeinde eine Beschreibung der zu erbauenden Kirche darzubieten. Die obenstehende Zeichnung, die der Druckerei dieses Blattes von der Deutschen Bauzeitung in Berlin zur Verfügung gestellt wurde, gibt ein Gesammt- bild von der äußeren Gestaltung der Kirche und von ihrer inneren, der Grundriß-Eintheilung, wie beides ursprünglich von ' den Herrn Verfassern entworfen und vorgeschlagen woroeu war.

Die ar chit ec tonische Ausbildung der Bau­stil der Kirche beruht auf dem mittelalterlichen Con- structionsprinzip, folgt aber in der Formgebung der im Re­formationszeitalter bei uns in eigenartiger Weise zum Durch­bruch gekommenen Renaissance. Es sind die frischen, neuen Renaissance-Formen, in denen die innere und äußere Architektur des Baues erdacht und sehr geschmackvoll durchgebildet worden ist. Dabei sei angesichts unseres Bildes bemerkt, daß infolge besonderer Vorschläge der Thurm in seinem Obertheil eine weitere verschönernde Ausbildung, be­sonders durch Gallerien für Posaunenbläser, erhalten hat.

Aus dem vorgesehenen Bauplatz im Schmidt'schen Garten an der Südanlage soll die neue Kirche derart gestellt werden, daß sic ihre Längsrichtung von Osten nach Westen, parallel mit der Südanlage, erhält. Der Thurm steht an der südöstlichen Ecke, also nach der Ecke zwischen der Südanlage und der verlängerten Goethestraße hin. Der Haupteingang befindet sich auf der Ostseite. Der Chor, sowie neben ihm die Sakristei sind an der West­seite angeordnet. Endlich wird seitwärts von dem Chor, außerhalb der Kirche, südwestlich von ihr, als besonderer An­bau ein Confirmandensaal errichtet, der in sehr zweck­mäßiger und ansprechender Weise angeordnet, den westlichen Theilen des ganzen Baues eine malerische Gruppirung ver­schafft. Ein solcher Confirmandensaal, der auch zu Bibel- und Andachtsstunden benutzt werden soll, ist für unsere Ge­meinde ein dringendes Bedürfniß.

Betreffs der inneren Einrichtung der Kirche sei angesichts der Zeichnung zum Voraus bemerkt, daß der Grundriß mit Bankeintheilimg einige wesentliche Aenderungen, beziehungsweise zweckmäßige Verbesserungen erhalten hat. Von Osten her gelangt man durch den Haupteingang zunächst in die Vorhalle, die durch Schiebfeuster nach dem Kirchen- raum hin auch noch nach Bedürfniß zu Stehplätzen für die Besucher der Kirche verwendet werden kann. Von der Vor­halle aus betritt man das Hauptschiff. Dieses hat zwei gleichmäßig gestaltete Bankreihen mit einem Durchgang in der Mitte, einem Seitengang an der nördlichen vorn Ein­gang aus nach rechts gelegenen Wand und einem Seiten­gang entlang dem südlich gelegenen Ncbenschiff. Die vorder­sten Bankreiben in diesem Hauptschiff sind, eigenartig einge­richtet und abgetheilt, für die Confirmanden bestimmt. Vor diesen Bankreihen liegt der erhöhte Chor, der aus dem halben regelmäßigen Achteck gebildet ist. Nördlich, also vom Haupteingang aus rechts vom Chor, soll die Kanzel ange­bracht werden, da, wo der Chor mit mäßiger, 1 m betra­gender, Hinausschiebung der nördlichen Seidenwand anders als auf unserem Bild gezeichnet ist in das Hauptschiff übergeht.

Das Neben schiff, südlich vom Langhaus, von der Vorhalle ans links gelegen, hat allerdings eine beträchtliche Diese 7 m gegenüber 11 m Breite des Hauptschiffs, allein es hat auch eine so entsprechende Höhe erhalten 41/2 m in der Gewölbmitte, 3,7 m bei den Gurtbogen, daß alles Beengende und Drückende bei ihm beseitigt ist. Zu­dem hat es nach dem Hauptschiff hin nur Einen Pfeiler, so­daß man fast von seinen sämmtlichen Plätzen aus bequem nach Altar und Kanzel sehen kann.

Die Kirche ist demnach eine zweischiffige, Langhaus mit einseitigem Nebenschiff an der Südseite. Der Chor ist überwölbt, auch das Langhaus soll eine Gewölbedecke er­halten.

Die eine seitliche Emporbühne lieg: über dem Neben- schiff, hat eine angemessene Bankeimheilung und gestattet von allen Plätzen aus freie Aussicht nach Kanzel und Altar.

Die Orgelbühne befindet sich dem Chor gegenüber über der Vorhalle - sie wird zur Aufnahme eines größeren Sängerchores eingerichtet.

An Sitzplätzen sind zur ebenen Erde 550 bis 570 vorgesehen, außerdem Raum für einige hundert Stehplätze, die nach Bedürfniß mit besonders hergerichteten leichten Stühlen bestellt und dadurch doch auch als Sitzplätze verwen­det werden sollen. Auf der Seitenempore sind Sitzplätze für gut 200, auf der Orgelbühne für 100 bis 120 Personen eingerichtet, sodaß die Kirche insgesammt 850 bis 890 Sitz Plätze und Raum für einige hundert Stehplätze bieten wird.