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1891
Sonntag den 30. August
Erstes Blatt.
Nr. 201
Gießener A nzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
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Bicrtilidlnrigtt >l»wiemcwtsiittUi 2 Mark 20 Pfg. uwft Bringerlobn. Durch bie Post bezog« 2 Mark 60 Pf,.
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Amts- und Anzeigeblatt fflr den Kwb Gielzen
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»anahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den vriynben Tag erfcheinmden Nummer bl» Bonn. 10 Uhr.
2lmtlid?er Theil.
Bekanntmachuna.
Zu der Donnerstag, 3. September l. I-, Vor- mittags IO*/, Uhr, in Steins Garten zu Gießen mit nachstehen- der Tagesordnung stattfindenden constituirenden Generalversammlung des Oberhessischen Obstbauvererns beehre ich mich, die Mitglieder des Obstbauvereins und die Freunde des Obstbaues aus dem Vereinsbezirk Gießen freundlichst einzuladen.
Tagesordnung:
1) Berathung und Feststellung der Satzungen.
2) Wahl des Präsidenten und Vicepräsidenten.
3) Wahl der Ausschußmitglieder.
4) Wahl des Directors der Geschäftsstelle und der Geschäftsführer.
5) Festsetzung des Voranschlags pro 1891/92.
6) Ernennung der Beamten des Vereins.
7) Mittheilungen über die Obstausstellung in Gießen.
Gießen, 27. August 1891.
Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen.
Nebel, Amtmann.__
' " Wieseck, den 28. August 1891.
Betr.: Den Gang des Decanatsboten im September 1891.
Das Großh. evangelische Decanat Gießen
an die evangelischen Pfarrämter des Decanats.
Sie werden hiermit benachrichtigt, daß verschiedener Gründe halber der Decanatsbote seinen nächsten Rundgang schon Montag, den 31. August und Mittwoch, den 2. September l. I. machen wird.
________Wahl.___________________
Gefunden: 1 seidenes Halstuch mit Fransen, 1 Geldstück, 2 Armbänder, 1 Halstuch, 1 Leine, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Armkettchen, 1 Handschuh, 1 Marktnetz, mehrere geschliffene und ungeschliffene Agatsteine.
Zugelaufen: 2 Hunde.
Zugeflogen: 1 Huhn.
Gießen, den 29. August 1891.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
politische Wochenschau.
Gießen, 29. August.
In Sachen der Getreidezölle und Lebensmittel- vertheuerung hat die vergangene Woche nichts Neues gebracht, ohne daß deshalb der Kampf um die Aufrechterhaltung der Brodzölle inzwischen nachgelassen hätte. Mittlerweile ist das neue Brod für die Armee zum ersten Male in Berlin dem Gardecorps beim Ausmarsch zu dem Manöver verabfolgt worden. Das Gebäck, welches der Soldatenwitz sofort mit dem Namen „Caprivibrot" belegt hat, besteht zu gleichen Theilen aus Roggen und Weizen und wird, weil es leichter trocknet, nicht wie das seither eingeführte Brod alle vier Tage, sondern immer für zwei oder drei Tage gebacken. Für die gesummte Volkswirthschast in Deutschland erwächst aus der Durchführung der schon länger geplanten Einrichtung kein nennenswerter Vortheil, da die Ersparniß an Roggen in Folge der Verwendung von Weizen im Ganzen nur 50000 Tonnen Roggen im Jahre beträgt, d. h. also nur etwa den 15. Theil derjenigen Roggenmenge, welche seither aus Rußland nach Deutschland jährlich exportirt wurde. — Im Reichsanzeiger ist der Entwurf zu einem Trunksuchtsgesetze nebst ausführlicher Motivirung letzthin veröffentlicht worden. Ein Trunksuchtsgesetzentwurf war dem Reichstage schon 1881 ein Mal vorgelegt worden, wurde damals aber bereits in der betreffenden Commission begraben. Der neue Entwurf schließt sich in einzelnen Bestimmungen an jenen alten an. Er fixirt zunächst den Begriff Kleinhandel, indem er als solchen denjenigen Handel mit Branntwein oder Spiritus gelten läßt, welcher anders als mit Gefäßen von mindestens 50 Litern Inhalt betrieben wird. Den Kleinhändlern wird verboten, Branntwein oder Spiritus in Mengen von weniger als 1/2 Liter abzugeben. Gast- und Schankwirthe müssen nach dem Entwurf neben den geistigen Getränken stets auch nichtberauschende Getränke feil halten und dafür sorgen, daß in ihren Localen kein Uebermaß im Genuß geistiger Getränke Platz greift. Vor 8 Uhr morgens soll nur in Ausnahmefällen eine Verabreichung alcoholhaltiger Trinkwaaren gestattet sein. Personen, welche das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, dürfen nur bei Erfüllung besonderer Bedingungen mit geistigen Getränken versehen werden. Auf ’ Borg solche Getränke zu verabfolgen, ist, wenn sie zum I augenblicklichen Genuß bestimmt sind, in der Regel untersagt. I Der Wirth, welcher dieser Bestimmung entgegen handelt, hat
auf die Erstattung des geschuldeten Betrags keinerlei rechtlichen Anspruch. Offensichtlich Betrunkenen darf ein Wirth geistige Getränke unter keinen Umständen abgeben. Ueber- tretungen der angeführten Bestimmungen werden mit Geldstrafen von 30—60 Mark oder mit Hast bis zu 14 Tagen geahndet. Wer sich bei Gelegenheit einer Feuersgefahr und ähnlicher Vorkommnisse, statt den ihm zukommenden Posten gewissenhaft auszufüllen, berauscht, kann mit einer Geldstrafe bis zu 100 Mark belegt werden. Einer gleichen Strafe setzen sich Diejenigen aus, welche in einem selbstverschuldeten Zustand ärgernißerregender Betrunkenheit an einem öffentlichen Orte betroffen werden. Schließlich wird noch bestimmt, daß Gewohnheitstrinker in einer Trinkerheilanstalt unterzubringen sind und entmündigt werden können, wenn sie durch ihre Trunksucht sich oder ihre Familie der Gefahr des Roth- standes aussetzen oder die Sicherheit Anderer gefährden.
Der internationale socialistische Congreß in Brüssel ist am letzten Samstag geschlossen worden, nachdem zuvor noch einige recht lebhafte Discussionen stattgefunden hatten. Namentlich hatte sich bei der Frage der Stellungnahme des Socialismus zu den Anforderungen des Militarismus ein leidenschaftlicher, durch eine scharfe, persönliche Rede des deutschen Delegirten Liebknecht geschürter Streit erhoben- dazu waren noch Meinungsdifferenzen in Bezug auf die Maifeier und den Werth des Parlamentarismus gekommen, so daß der Congreß ein recht deutliches Bild von den innerhalb der socialistischen Partei sich bekämpfenden Gegensätzen gewährte, wiewohl alles aufgeboten war, um nach außen hin den Eindruck vollendeter Einmüthigkeit zu erzielen. — Das französischeGeschwader des Admirals Gervais ist am Donnerstag vor acht Tagen mit feinem Kommandanten in Portsmuth eingetroffen, um der englischen Regierung einen Besuch abzustatten. An den programm- ! mäßigen Festlichkeiten hat die Königin von England in Person \ theilgenommen und damit ihren Gästen eine ähnliche Aus- - zeichnung erwiesen, wie sie ihnen in Cronstadt durch den Zaren zu Theil geworden ist. Indessen fehlt hier jeder politische Hintergrund, so daß auch kein Anlaß zu lebhafteren nationalen Evolutionen gegeben ist und Europa nicht schon : wieder in feiner mühsam gesammelten Ruhe gestört wird. — In Chile scheint die Revolution sich ihrer Crisis nunmehr endgiltig genähert zu haben. Seit letztem Freitag ist es im Norden von Valparaiso zwischen den streitenden Parteien mehrfach zu blutigen Kämpfen gekommen, die bis jetzt noch
Feuilleton.
Die Familie Knüppel.
Von Ernst Lenbach.
(1. Fortsetzung.)
Die Frau Lehrerin, die wir in einem recht freundlichen, in den Wald hineingelehnten Wirthsgärtchen hinter einem wahren Ungethüm von Kaffeetopf fanden, erwies sich schon im Aeußeren als das passendste Seitenstück zu ihrem Gatten: eine runde, kleine Dame mit freundlichen Zügen und köstlichen Schalksaugen. Die Erzählung von unserem „Zusammenfallen" gab den Anlaß zu einem neuen Lachausbruch, der diesmal im Duett und durch meinen Zutritt bald im Trio erfolgte, — es war eben nicht möglich, von einem solchen ansteckenden Lachen frei zu bleiben.
Ich stellte mich nun endlich geziemendermaßen vor. „Ach ja," meinte der Alte, „Sie müffen nun aber auch meinen Namen erfahren. Ich heiße Quöppel. — Ja, sehen Sie, der Name überrascht Sie, nicht wahr? Es ist ein merkwürdiger Name. Schön ist er nicht, aber ich habe ihn jetzt schon so lange, daß wir uns aneinander gewöhnt haben. Meine liebe Frau kann ihn noch nicht recht leiden- sie sagt lieber Quöps." — „Aber Quöps," bemerkte die Gattin, „der Herr ist hungrig und durstig, er will sich etwas bestellen. Du kannst ja hernach erzählen, während ich an den Socken für unseren Jungen stricke." — Nun erhob sich ein kleiner freundschaftlicher Zwist der beiden, da mir jeder eine besonders zuträgliche Erfrischung empfehlen wollte. Schließlich einten sie sich dahin, daß Herr Ouöppel das Getränk und Frau Quöppel die Speisen — Eierkuchen mit Schinken — für mich aussuchte, und ich fand, daß sie beide vortreffliche Berather seien.
Dann saßen wir beisammen und plauderten, uno es ließ sich sehr gut mit ihnen plaudern: über Jugenderziehung, über die Volksart und Volkssagen der Gegend, über die schönsten Partien des Waldes erhielt ich eine Fülle herrlicher Weisheit, alles bescheiden und mit köstlichem Humor vor
getragen. Dazu aßen und tranken sie weidlich, der alte Quöppel rauchte seine „Wald- und Wiesenpfeife", verschmähte aber auch eine meiner Jmportirten nicht. Ihr Leibthema aber, von dem sie gar nicht müde wurden, war „ihr Junge". Ich erfuhr, daß der „Junge" nun feit neun Semestern auf der Universität Philologie studiere, — „das heißt," erläuterte Vater Quöppel, „die ersten drei Semester war er eigentlich Hauslehrer, um sich das Geld für drei Semester Studium zu sparen, in Bonn hat er dann zugleich sein Jahr gedient, und jetzt ist er wieder seit drei Semestern Hauslehrer beim Grafen Sartern auf Wolkenburg. Nächsten Herbst macht er sein Examen und dann wird er ein Herr Doctor Quöppel. Darauf freut sich meine Frau schon feit zwanzig Jahren." „Das heißt," meinte Frau Quöppel, „Du freust Dich daraus, lieber Quöps." Und dann lachten sie beide selig. Es war klar, daß sie sich beide unbändig auf das Ereigniß freuten, am meisten aber freute sich jedes über die Freude des andern. Es wäre grausam gewesen, diese Seligkeit durch den leisesten Ausdruck des Zweifels am Erfolge eines so lückenhaften Studienganges zu trüben.
Ich müßte die Nacht durch sprechen, wollte ich alles aufzählen, was diesen beiden alten Lebenskünstlern Stoff zur Erheiterung gab. Es fiel kein Käfer in den Kaffee und keine Raupe kroch über den Tisch, ohne daß die beiden sich über den Zwischenfall ergötzten und sich und mir nachwiesen, welche Weisheit der Gottesschöpsung sich auch in diesen kleinen Wesen offenbare. — „Liebe Frau," sagte Herr Quöppel plötzlich, indem er ein altersgraues Portemonnaie hervorzog und den Inhalt höchst unbefangen nachzählte, „jetzt könnten wir gerade noch ein zweites Fläschchen von dem Johannisbeerwein trinken, aber es fehlen zwanzig Pfennige."
Ich bin schon von allerlei Leuten angeschnorrt worden und habe jetzt das Absahrenlasfen so ziemlich heraus, aber hier, dieser Naivetät gegenüber, war für mich die einzige Verlegenheit, wie ich mich zur Lieferung der zwanzig Pfennige oder vielmehr der Flasche bereit erklären sollte. Frau Qöppel aber löste auch diese Schwierigkeit. „Der Herr Doctor", so unterbrach sie meine verwirrten Anerbietungen, „gibt das Fläschchen zum Besten und dafür ist er dann hernach in der
Stadt unser Gast. Weißt Du, Quöps, wir haben noch fünf Flaschen von dem Mosel, den unser Junge uns neulich schickte, da seßen wir ein Böwlchen an." „Juchhe," lachte Herr Quöppel, „das wird ein lustiger Abend!" Und es wurde auch ein sehr lustiger Abend, so lustig, daß ich nur bedauern konnte, schon am nächsten Tage den Ort verlassen zu müssen, wo ich ein paar so fröhliche alte Leutchen kennen gelernt.
Wie wir aber an jenem Tage zur Stadt gelangten, das war einfach unbezahlbar. Mitten auf dem Wege überraschte uns ein Gewitter. Die beiden Alten begrüßten dieses Ereigniß wie etwa zwei ausgelassene Schulkinder und sie fanden es unendlich ergötzlich, daß wir uns unter eine alte, halb verfallene Feldhütte vor dem Regen flüchten mußten. Dabei waren sie aber zärtlich für einander und mehr noch für mich besorgt, „ob ich auch keine nassen Füße bekommen", —- und bann freuten sie sich wieder recht herzlich, wie schön nach diesem Abenteuer uns die Bowle schmecken würde. Schließlich, als nach dem schwersten Regenschauer das Tröpfeln gar nicht nachließ, nahmen Herr Quöppel und ich eine breite Holzplanke von der Hütte weg. „Ich schicke sie morgen," sagte er, „dem Besitzer wieder hinüber- er wohnt dicht bet uns und nimmt mir so etwas nicht Übel!" — und indem wir diese Planke auf unseren hineingesteckten Stöcken balan- cirten, wandelten wir, Frau Quöppel in der Mitte, unter dem hölzernen Schirmdach triumphirend dem Palazzo Quöppel zu, der glücklicherweise ziemlich am äußersten Saume des Städtchens lag.
Im Früh-Herbste lernte ich dann bei einem Hochzeitsfeste , dem ich — hauptsächlich in meiner Eigenschaft als Dichter und Regisseur des Festspiels — auf Schloß Wolkenburg beiwohnte, auch den „Jungen" kennen. Es war ein frischer, hübscher Bruder Studio von freiem, einnehmendem Wesen und voll rührender Verehrung für seine Eltern - übrigens zeigte sich aber auch bei ihm durchaus deutlich jene Leichtlebigkeit der Lebensauffassung, welche er von ihnen ererbt hatte.
(Fortsetzung folgt.)


