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Hin typischer Zug, den die Musik des Nordens oft aufweist, ist bei beiden Componisten erkennbar, nämlich ein Zug von geheimnißvoll, elegisch ernster Färbung. Die Sinfonie von Guilmant ist in ihrer Art epochemachend. Schon die Zusammenstellung von Orgel mit dem vollen Orchester wirkt an und für sich großartig. Hierzu kommt aber noch der Um­stand, daß Guilmant wirklich ein Componist von eminenter Begabung ist. Man darf ihn sehr wohl den französischen Rheinberger nennen. Die beiden geistlichen Sieber von Winterberger paffen ihrem ganzen Character nach trefflich in den Rahmen dieses Concertes, ebenso die Arie von Gade mit ihrer farbenreichen Orchesterbegleitung. Herr Stroebel aus Marburg ist ein früherer Schüler des Raffconservatoriums und hat bereits seit einem Jahre in mehreren Städten als Concertsänger guten Erfolg gehabt.

DasRegierungsblatt" vom 25. Juli verkündigt ein Gesetz, wodurch das bisherige Civilbeamtenpenfionsgesetz einen bemerkenswerthen Zusatz erhält. Danach kann nämlich in die Dienstzeit ganz oder theilweise die Zeit eingerechnet werden, während welcher ein Beamter als Rechtsanwalt oder Notar thätig war- es soll jedoch in keinem Falle dem Beamten durch diese Einrechnung ein höheres Dienstalter als solchen seiner Dienstcategorie, welche gleichzeitig mit ihm die Staats­prüfung bestanden haben, eingeräumt werden. Als Ueber- gangsbestimmung ist noch beigefügt, daß mit landesherrlicher Genehmigung bei Beamten, welche vor Erlaß dieses Gesetzes aus dem Stande der Rechtsanwälte oder Notare in den Staatsdienst übergetreten sind, die endgiltige Anrechnung der Dienstzeit durch Beschluß des vorgesetzten Ministeriums inner­halb drei Monaten nach Eintritt der Gesetzeskraft dieses Gesetzes erfolgen kann.

Internationale elektrotechnische Ausstellung in Frank- ffurt a. M. 1891. Die Arbeiten an der Linie für die elec- irische Kraftübertragung von Lauffen a. N. nach Frankfurt a. M. sind in vollem Gange. Eine Reihe von Arbeiter- colonnen sind unter Leitung von Beamten der Reichspost und der württembergischen Telegraphen-Verwaltung mit der Auf« stellung der Stangen, Befestigung der Isolatoren und Spannung der Leitungsdrähte beschäftigt. Die gesammte Linienanlage, sowie^die zum Betriebe derselben erforderlichen Maschinen sollen bis gegen Mitte August fertig sein. Inzwischen ist dem Vorstande der Internationalen electrotechnischen Aus­stellung eine Mittheilung des Herrn Reichskanzlers (Reichs­amt des Innern) zugegangen, in welcher kundgegeben wird, daß der Reichskanzler Werth darauf legt, über die Ein­richtung der Kraftübertragungsanlage und über die bei ihrem Betriebe sich ergebenden Beobachtungen und Erfahrungen ge­nau unterrichtet zu werden. Der Reichskanzler hat mit der Besichtigung der Pläne und Einrichtungen, mit den erforder­lichen Prüfungen und Messungen die physikalisch - technische Reichsanstalt beauftragt. Diese Arbeiten werden voraussicht­lich in Verbindung mit der wlssenschastlich-technischen Prüfungs­commission ausgeführt werden, welche bekanntlich unter dem Ehren-Vorsitze des Präsidenten der Reichsanstalt, Geheimrath v. Helmholtz, sich dieser Tage constituirt hat. Mit der Theil- nahme an den Arbeiten der Prüfungscommissiou hat Herr v. Helmholtz die Herren Director Dr. Löwenherz, Dr. Lummer, Dr. Brodhun beauftragt. Seitens der Prüfungscommission sind die Herren Professoren Dietrich Stuttgart uud Weber- Zürich mit den Vorbereitungen für die Prüfung der Lauffener Kraftübertragung betraut worden.

§ Vom oberen Vogelsberg, 28. Juli. Die Heuernte geht jetzt hier ihrem Ende entgegen. Was die Quantität an- belcmgt, so ist das Resultat doch hinter den Hoffnungen zurück­geblieben. Die besseren Wiesen sind im Winter erfroren und hat dieses Fehlende noch lange nicht den Mehrertrag der trockenen höher gelegenen Wiesen gedeckt. Im Ganzen ist die Ernte eine Mittelernte zu nennen. Was an Heuernte zurück­geblieben ist, wird uns hoffentlich die Frucht- und Grummet­ernte wieder ersetzen.

Friedberg, 25. Juli. Heute erhängte sich in einer hiesigen Scheuer ein Jlbenstädter Oeconom, angeblich aus unglücklicher Liebe. Er hatte ein Mädchen gerne, das weniger Vermögen besaß als er selbst und deßhalb wollten seine Angehörigen nichts von der Heirath wissen, dies setzte sich der Unglückliche so in den Kopf, daß er sich schon wieder- holentlich tagelang umhertrieb, ohne daß man seinen Aufent­halt wußte. Auch hier soll er sich schon einige Tage in der Scheuer aufgehalten haben, ohne daß der Besitzer der Scheuer etwas davon ahnte.

Bad-Nauheim, 26. Juli. Einen gräßlichen Fund machte gestern der Gendarm Steinbach von hier auf einem Gange durch den Wald. Er wurde auf eine Menge Raben aufmerksam, die alle um einen Baum herumflogen. Bei näherem Hinzugehen entdeckte er dann, hoch im Geäst -es Baumes, einen menschlichen Körper, der bereits stark in Verwesung übergegangen war. Der Gendarm holte rasch Hilfe und bald gelang es, den Leichnam loszubinden und auf die Erde zu bringen. In dem Selbstmörder erkannte man den schon seit 14 Tagen vermißten 13jährigen Sohn des Taglöhners Sohl, der sich aus Furcht vor Strafe vor der genannten Zeit von seinen Angehörigen wegbegeben hatte, und von dem seither jede Spur fehlte.

Rieder-Weisel, 28. Juli. Das Sprichwort:Der Mensch kennt seinen Ausgang, aber nicht seinen Eingang", hat sich gestern wieder dahier in schrecklicher Weise bewahrheitet. Der Metzger Johs. Maas von hier fuhr gestern Nachmittag gegen sechs Uhr nach Hochweisel, um ein Schwein zu holen. Kaum in der Hofraithe des Landwirths Scheppler dort- selbst angekommen, wo er das gekaufte Schwein holen wollte, sagte Maas,es wird mir nicht gut" und mit diesen Worten war er schon eine Leiche. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein jähes Ende gemacht. Der Wagen, den er vor kaum zwei Stunden geschäftlich fuhr, brachte ihn gegen acht Uhr als Leiche.

Bingen, 25. Juli. Dieser Tage wurde in Büdesheim eine an Milzbrand erkrankte Kuh geschlachtet. Ein Metzger und ein Schmiedemeister, welche das Schlachten vor­

nahmen, wurden von dem Milzbrand angesteckt und ist an dessen Folgen der Schmied bereits gestern gestorben; der Metzger ist noch in ärztlicher Behandlung.

Worms, 27. Juli. Fabrikinspector Moeser hat an die Fabrikbesitzer feines Bezirks ein Schreiben gerichtet, worin er folgende Maßregeln zur Fürsorge für die Arbeiter­schaft empfiehlt: 1. das Verbot der Verunreinigung der Fußböden und der Wände durch Ausspucken- 2. das Verbot des Spuckens in Taschentücher - 3. die Ausstellung großer, zum Theil mit Wasser, nicht aber etwa mit Sand oder Sägespähnen gefüllter Speibecken in möglichst großer Zahl in den Fabrikräumen sowie aus Treppenabsätzen und in Ab­orten - 4. die häufige und regelmäßige Entleerung der Spei­becken und deren Reinigung mit kochendem Wasser durch hierzu besonders angewiesene Personen - 5. die feuchte Reinigung des Fußbodens und das Verbot des trockenen Aufwischens. 6. Das Aufhängen besonderer Anschläge über bie, Verbote unb 7. Belehrung ber Arbeiter über bie Bebeutung ber Behanblung bes Auswurfes für die Lungenschwindsucht durch die Arbeitgeber oder deren Vertreter unter Mitwirkung der Kassenärzte.

Vermischtes.

* Berlin, 26. Juli. Wieder hat ein alberner Scherz den Tod eines jungen Mädchens herbeigeführt. In der Familie des am Grünen Weg wohnenden Versicherungs­beamten K. wurde am Donnerstag Abend der Geburtstag der einzigen achtzehnjährigen Tochter Emma gefeiert. Es waren zahlreiche Freunde und Bekannte geladen, bie Stimmung war recht fröhlich unb alle befanben sich in bester Laune. Leiber sollte bem traulichen Familienfest ein recht jähes Enbe bereitet werben. Zwei Freunbinnen bes jungen Mäbchens waren aus ben Einfall gekommen, biefer burch einen selbst- verfaßten Brief einenSchreck einzujagen". Das junge Mäbchen hat einen Unteroffizier vom 35. Regiment in Branben- burg a. H. zum Bräutigam, ber aber am Geburtsfeste seiner Braut aus bienstlichen Rücksichten nicht theilnehmen konnte. Nun überreichte bie eine Freunbin ber Braut einen Bries, ber ihr, wie sie angab, von anberer Seite zugesteckt worben sei. Als bas junge Mäbchen ben Bries geöffnet unb einige Zeilen in bemselben gelesen hatte, stürzte es mit dem Auf­schrei:Allmächtiger Gott, er hat mich betrogen!" nach ber Küche, wo es sich mittels eines Messers bie Pulsabern ber linken Hanb öffnete, so baß bas Blut hervorquoll unb bas Mäbchen bewußtlos zufammenbrach. Trotzbem sofort ein Arzt herbeigeholt würbe, kam Hilfe bennoch zu spät- bas arme Mäbchen hatte sich bereits verblutet unb seinen Geist aufgegeben. Der Brief enthielt benScherz", baß jener Unteroffizier ein anberes Verhältniß angeknüpft habe. Die beidenFreundinnen", welche das junge Mädchen durch ihre Albernheit in den Tod getrieben hatten, verließen bald die Gesellschaft, weil sie den durch sie heraufbeschworenen Jammer der Eltern nicht mit anzuhören vermochten.

* Aus Bayern, 27. Juli. Bei dem gestrigen Abend- Personenzuge Bamberg-Nürnberg riß unterwegs zweimal die Kuppelung der Wagen, das eine Mal bei der Ein­fahrt in Baiersdorf, das zweite Mal bei der Ausfahrt aus Erlangen. Die losgeriffenen Wagen sind in beiden Fällen ruhig stehen geblieben. Durch die ben beiben Unfällen vorhergehenden Stoße waren die Fahrgäste aufs äußerste erschreckt, so daß viele aus den Wagen heraussprangen. Im Studentenwäldchen bei Bayreuth erm ordete ein Soldat feine Geliebte, eine 17jährige Fabrikarbeiterin, um in den Besitz von 17 Mark zu gelangen, welche das Mädchen als Wochenlohn bei sich trug. Der Soldat henkte bie Leiche an einen Baurn, um an Selbstrnorb glauben zu machen.

* Aachen, 24. Juli. Heber bas grausige Geschick, welches gestern Abenb ben Schaffner Joseph Noppen bes nach 10 Uhr von hier nach Jülich sahrenben Personenzuges ereilte, wirb noch gemelbet: Noppen würbe beim Abnehmen ber Fahrkarten auf ber Strecke bes Viabucts hinter ber Park­straße burch einen Fahrgast, ber keine Fahrkarte besaß, vom Trittbrett hinuntergestoßen unb fiel über bie Brüstung bes Viabucts aus einer Höhe von etwa 20 Meter auf bie Erbe. Durch bas schmerzliche Stöhnen bes Herabgestürzten kam balb Hilfe herbei. Der Unglückliche ist gräßlich zugerichtet, ber Unterleib ist aufgeriffen u. f. w. Trotz ber gräßlichen Ver­letzungen konnte der Verunglückte noch bie Angabe machen, baß er beim Abnehmen ber Fahrkarten einen Passagier ohne Fahrkarte angetroffen habe, ber ihm auf wiederholtes Ver­langen statt der Fahrkarte einen Hieb auf die Hand, mit der er sich an der Abtheilthüre hielt, versetzt und gleich daraus einen Stoß vor die Brust gegeben habe, in Folge dessen er vom Trittbrett des Wagens herabgeworfen worden sei. Das Opfer einer brutalen Rohheit ohne Gleichen ist ein braver, pflichtgetreuer Beamter unb Vater von brei Kinbern. Nach einem weiteren Berichte befanben sich in bem Abtheil fünf junge, bem Arbeiterstanbe angehörige Burschen von 17 bis 20 Jahren. Zwei berselben zeigten sofort ihre Fahrkarten vor, bie anberen brei aber sahen zur entgegengesetzten Seite zum Fenster hinaus. Auf bie Aufforberung bes Schaffners, bie Fahrkarten vorzuzeigen, brehte sich einer berselben kurz um unb versetzte bem Schaffner einen Stoß gegen bie Brust, baß er rücklings vom Wagen herunterstürzte.

* Paris, 27. Juli. Im Hospital Trousseau liegen brei bei bem Eisenbahnunglück von Saint-Manbe verletzte kleine Mäbchen, ein einjähriges, ein sechsjähriges unb ein breijähriges, alle mit schweren Verletzungen. Keines ber Kinber war im Stanbe, einen Namen zu nennen. Um bie Mittagsstunbe kamen bie Arbeiter eines Möbeltischlers, bereu Meister mit ber Familie verschwunben war, unb erkunbigten sich, ob sich nicht vielleicht bie Kinber baselbst in Pflege be- fänben. In ber That erkannten sie Juliette unb Emma Pabby, beten Eltern, wie man jetzt hort, sich unter ben Tobten befinben. Die Jbentitat be5 breijährigen Mäbchens konnte noch nicht sestgestellt werden. Unter den Pfleglingen des Hospitals Beauson befindet sich der Almosenier des

Hauses, Abbe Menassieux, welcher seinen Freund, den Pfarrer von Saint-Mande besuchte, ehe er seine Ferienreise antreten wollte. Er mußte mit seiner Haushälterin im Packwagen ben Heimweg antreten unb würbe gleich biefer verletzt. Heber bie Hälfte ber Verwunbeten befanben sich gerabe in biefent Wagen, ber vorschriftsmäßig leer bleiben sollte.

* Schwäbischer Trinksprnch.Meine Herten! Wenn ich bas sage wollt', was ich an diesem saumäßig feschtliche Tag alles sage könnt, so wüscht ich wahrlich gar not, was ich all sage sollt. Na, ich sage auch gar nix! Aber, was ich sage wollt! Das muß ich sage- es hat auch gar nix zu sage, daß wer not weiß, was mer sage soll. Denn das muß mer sage, dieses Fescht, meine Hette, spricht für sich selber !"

liniverfitäts - Nachrichten.

Aus Leipzig wird berichtet: Zum Rector der hiesigen Universität wurde für das nächste Studienjahr der Professor der Philologie Dr. Lipsius gewählt.

Aus Bonn wird gemeldet: An Stelle des verstorbenen Sternwarten-Directors Professor Schönfeld ist der Observator an der Berliner Sternwarte Dr. Küstner an die hiesige Universität berufen worden.

Marburg, 28. Juli. Zum ersten Male seit ihrer Einweihung diente am vorigen Samstag die neuerbaute Universitäts-Aula ihrer Bestimmung. Es fand in ihr die Wahl des Rectors für das Jahr 1891/92 statt. Gewählt wurde im dritten Wahlgange der Director des pathologischanatomischen Instituts, Herr Professor Dr. Marchand; les verlautet jedoch, daß eine Neuwahl nöthig sein werde, da Herr Prof. Marchand die Wahl abgelehnt habe.

Schlffsnachrichten.

Hamburg, 27. Juli. Das Hamburg-Newyorker Postdampss schiffGellert", Capilän Kaempff, von der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, ist am 26. Juli, 9 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen. Der Hansa-Dampfer Steinhöft", Capitän Rehse, ist am 23. Juli in Quebec angekommen.

Bremen, 27. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.j Der Schnelldampfer Aller, Capitän H. Christoffers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 18. Juli von Bremen und am 19. Juli von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Literatur uud Nuust.

Katechismus der Malerei. Von Karl Raupp. Mit 48 in den Text gedruckten und 4 Tafeln Abbildungen. 158 Seiten. Preis in Original-Letnenband 3 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. In dem unter Betheiltgung hervorragender Münchener Künstler als Mitarbeiter von Professor Raupp herausgegebenen und mit einer stattlichen Anzahl werthvoller erklärender Abbildungen versehenen Katechismus der Malerei sind im Rahmen künstlerischer Praxis nützliche Winke für die Ausübung der verschiedensten Zweige der Malerei niedergelegt, welche dem angehenden Kunstbeflissenen, sei er Künstler oder Laie, sich fördernd und lehrreich erweisen werden. Zeichnen, Oel- und Pastellmalerei, letzteres nach Miltheilvngen von Professor Piglhein, sind von dem Herausgeber, Aquarellmalerei von Hans von Bartels, Fächermalerei von Max Ebersberger, die Per­spective von Georg Dehn bearbeitet. Den Schluß des Buches bildet eine kurze Erläuterung über die Anwendung des photographischen Apparates und der Camera lucida für künstlerische Zwecke. Die Verfaffer haben sich bei ihrer Arbeit von jeder einseitigen Anschauung fern-, und bei ihren Erklärungen allein an die zu allen Zeiten giltigen Principien und Grundsätze bei der Gestaltung malerischer Darstellung gehalten. So ausgestattet, wird der Katechismus der Malerei als ein Rathgeber in allen Fällen, auch in unbedeutenden Nebendingen, Gebrauch des Materials, technischen und mechanischen Hilfsmitteln, erklärend und fruchtbar wirken und überall eine freundliche Ausnahme finden.

Verkehr, £mtb* utt6 VolksrorrLhdch^f^

Frankfurt, 28. Juli. Viehhändler aus Königsberg brachten gestern zum ersten Male einen größeren jTransport gemästeter Schweine auf den hiesigen Viehmarkt; darunter befanden sich, ab­gesondert in einer Abtheilung, sechs Exemplare, welche zusammen nicht weniger als 42 Centner wogen und von den Marktbesuchern allgemein bestaunt wurden.

S Bermuthshain, 28, Juli. Der heute hier abgehaltene Viehmarkt war ziemlich gut befahren, meistens mit jungen Ferkeln im Alter von 57 Wochen; das Paar wurde mit 2535**; bezahlt, ältere Ferkel kosteten 4050**; das Paar. Frühjahrs-Ferkel, sogen. Einlege-Schweine, waren viel begehrt, jedoch nur ca. 30 Stück vor­handen, das Paar wurde mit 80100 JL. bezahlt. Wegen ungünstiger Witterung war der Handel etwas gedrückt.

Der LebensverficheruugS- und Ersparnitz-Bank in Stuttgart sind im Monat Juni 685 Versicherungs-Anträge über 41500U0 Maik zugegangen. Der Versicherungsstand hat sich auf 334 Millionen Mark gehoben- Die Sterblichkeit ist mäßig. Durch die im Jahre 1891 zur Vertbeilung kommende Dividende werden die gewöhnlichen Prämien um 40pCt., die alternativen Zufatzprämien um 20pCt. und beim Bezug der Dividende in steigender Form gegen voriges Jahr um weitere 3vCt. vermindert.

Bei Überreich tragenden Bäumen müssen die zu zahlreichen Früchte abgepftückt werden, wenn die Bäume regel­mäßig reich tragen und mchr erheblich leiden sollen. Das diesjährige Frühjahr ist meistens sehr günstig für die Baumblüthe gewesen, der Fruchtansatz daher allgemein ein sehr guter, theilweise überreich«. Hat man sich überzeugt, daß die Früchte nicht von selber abfallen, was man erkennen kann, wenn sie ca. V- ihrer Größe erreicht haben, so pflücke man so viel ab, daß je nach Größe der Apfel- oder Birn-- sorte 5 bis 15 Früchte auf jeden Meter eines Astes stehen bleiben, wobei die Verthetlung der Früchte an dem Aste eine untergeordnete Rolle spielt. Hat ein Bäumchen z. B. nur fünf ca. 2 Meter lange Aeste, so dürfen an jedem der fünf Aeste nur 10 bis 30 Früchte, also in Summa 50 bis 150 Früchte zur Entwicklung gelangen, wobei jedoch noch zu bemerken ist, daß je jünger das Bäumchen, desto weniger Früchte darf es tragen.

Wöchentliche Keberfichtder Todesfälle in^ Gießen

29. Woche. Vom 19. Juli bis 25. Juli 1891.

Einwohnerzahl: 20 611 (incL 1600 Mann Militär). Sterblichkettsziffer: 15,14A» bezw. 10,09 nach Ausschl. der Ortsfremdem Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.15.Jahr: Rachenbräune 1 (1) 1 (!)

Gewaltsamem Tod

durch Verunglückung 1(1) 1(1) 1

Andere bekannte

Krankheiten_________4_________2__________2_________

Summa: 6 (2) 3 (1) 3 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern flehen an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen

Temperatur der Lahn und Lust

gemeffen am 29. Juli, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 14'/», Lust 15 Grad Reaumur.

L. Chr. Rübsamen Wwe.