Ausgabe 
30.4.1891
 
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Der W|tw Mlrtget erscheint täglich, «U Ausnahme de- MontagS.

®k Gießener D««tNen-ltt1er werden dem Anzeiger ^Leattich dreimal Mgdegt

Donnerstag den 30. April 1391

Meßmer Anzeiger

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rlintlichev The?!.

Bekanntmachung,

den Ankauf von Remonten für 1891 betreffend.

Zum Ankauf von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren sind im Bereiche des Groß- herzogthums Hessen für dieses Jahr nachstehende, Morgens 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden und zwar:

am 25. Juni d. I. in Niederwöllstadt

13. Juli ,, Großbieberau

// 14. ,/ ,, Bickenbach

/, 15. Lampertheim

// 16. Gernsheim

// 17. ,/ H // // Großgerau.

Die von der Remonte-Ankaufs-Commission erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt. Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung des Kaufpreises und der Unkosten zurückzunehmen, ebenso Krippensetzer und Klophengste, welche sich in den ersten zehn bez. achtundzwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigentümlich gehören, oder durch einen nicht legitimirten Bevollmächtigten der Commission vor­gestellt werden, sind vom Kauf ausgeschlossen.

Die Verkäufer sind verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfter von Leder oder Hanf mit zwei mindestens 2 Meter langen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben.

Um die Abstammung der vorgesührten Pferde feftstellen zu können, sind die Deckscheine resp. Füllenscheine mit­zubringen, auch werden die Verkäufer ersucht, die Schweife der Pferde nicht zu coupiren oder übermäßig zu verkürzen. Ferner ist es dringend erwünscht, daß ein zu mäßiger oder zu weicher Futterzustand bei den zum Verkauf zu stellenden Remonten nicht stattfindet, weil dadurch die in den Remonte- depots vorkommenden Krankheiten sehr viel schwerer zu über­stehen sind, als dies bei rationell und nicht übermäßig gefütterten Remonten der Fall ist. Die auf den Märkten vorzustellenden Remonten müssen daher in solcher Verfassung sein, daß sie durch mangelhafte Ernährung nicht gelitten haben und bei der Musterung ihrem Alter entsprechend in Knochen und Muskulatur ausgebildet sind.

Kriegsministerium Remontirungs-Abtheilung. v. Arnim.

Bekanntmachung.

Die Berichtigung der im April d. I. gerichtlich erkannten Forst» und Feldstrafen hat in den ersten 25 Tagen des Monats Mai d. I. und zwar mit Ausschluß des 12., 13. und 14. an die Großh. Districts-Einnehmerei Gießen I bei Meidung der Beitreibung zu erfolgen.

Gießen, den 23. April 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth.

Bekanntmachung.

Durch Neueinrichtung der Unteroffizier-Vorschulen Jülich und Wohlau können durch den entstehenden Mehrbedarf Frei­willige zum 1. October d. Js. eingestellt werden.

Auch können junge Leute, welche im October d. Js. das 16. Lebensjahr überschritten haben, noch zur Einstellung gelangen; dieselben würden bei guter Führung und Brauch­barkeit nur ein Jahr auf der Unteroffizier-Vorschule zuzu­bringen haben.

Nähere Auskunft wird von dem unterzeichneten Com- mando, sowie dem Hauptmeldeamt Gießen, dem Meldeamt Alsfeld und der Bezirkscompagnie Schotten ertheilt bezw. Anmeldungen entgegengenommen.

Gießen, den 18. April 1891.

Großherzogliches Bezirks-Commando Gießen.

I. V..

Wolter, Second-Lieutenant und Bezirks-Adjutant.

Seiet»,

Berlin, 28. April. Durch das Ableben Moltkes ist die i Stelle eines Präsidenten der Landesvertheidi- gungs-Commissioy zur Erledigung gelangt. Man nimmt an, daß nunmehr Feldmarschall Graf Blumenthal auf diesen Posten berufen werden wird.

Berlin, 28. April. Die kaiserliche Familie gedenkt im Laufe dieser Woche aus dem Berliner Residenzschlosie nach dem Neuen Palais bei Potsdam überzusiedeln.

Berlin, 28. April. Die Trauerfeier für Moltke. Unter den Sonnenstrahlen eines schönen Frühlingstages hat Moltkes Leichenfeier sich vollzogen. Die ausgedehnten Anlagen des großen und kleinen Königsplatzes, die im ersten Frühlingsgrün schimmern, mit der Siegessäule in der Mitte, bildeten, in weitem Umkreise gegen den Andrang des Publikums abgesperrt, einen großartigen Raum für die Entfaltung der Trauerfeier, wie man ihn stimmungsvoller nicht denken kann. Die breiten Wege dieses Schmuckplatzes waren von beiden Seiten von Truppen des Gardecorps zu Pferde und zu Fuß, in Paradeaufstellung besetzt. Die nächste Umgebung des General­stabsgebäudes war für die Generalität, die Reichs- und Staats­behörden, Parlamente und Deputationen der Offiziercorps frei­gehalten. Dort gruppirte sich schon von 10 Uhr an eine glanz­volle Versammlung. An der Front, zunächst dem Portal, vor dem ein königlicher Leichenwagen hielt (derselbe, auf dem der erste deutsche Kaiser hinausgefahren wurde), nahm die Generalität Ausstellung. Ihr schlossen sich zwischen der Moltke- und Alsen- straße die Mitglieder des Reichstags und des Landtags an. Gegenüber standen mit den Abzeichen ihrer Würde die Ver­treter der Städte, deren Ehrenbürger Moltke war, und hohe Beamte des Staates. Ihnen reihten sich in langen dichten Linien Offiziere aller Truppengattungen an. Adjutanten der Garde-Regimenter hielten in liebenswürdiger Weise die Ord­nung aufrecht. Der Front des Portals gegenüber nahm die erste Compagnie des ersten Garde-Regiments, die Riesen­gestalten mit den historischen Grenadiermützen, Ausstellung, und diese glänzende Versammlung unter heiterem blauen Himmel wartete nun fast eine Stunde lang auf die Auffahrt der Fürstlichkeiten, der Ritter des Schwarzen Adlerordens, der Deputationen der fremden Armeen, der Minister, die zu der engen Feierlichkeit im Saal der Moltke'schen Wohnung er­schienen waren. Zuletzt pünktlich um 11 Uhr erschien der Kaiser mit dem König von Sachsen, die Kaiserin mit den kleinen Prinzen, der Prinz Georg von Sachsen, die Prinzessin Friedrich Karl und Andere.

Die Trauerfeier innerhalb des Hauses, bei welcher die Parlamente nur durch die Präsidenten vertreten waren, dauerte fast eine halbe Stunde. Der Feldprobst Richter hielt die Leichenrede. Ehrenposten von Offizieren des Generalstabes standen zu Häupten des Sarges- auch Mannschaften vom Grenadier-Regiment des Verstorbenen, ein Matrose von der (SorbetteMoltke", Mannschaften des See-Bataillons.

Gegen halb 12 Uhr wurden aus dem Portal prächtige Kränze auf den Leichenwagen getragen. Acht Generalstabs- Osfiziere, auf Kissen die Orden und den Feldmarschallstab des Entschlafenen tragend, schritten heraus. Von Unteroffizieren getragen nahte der Sarg. In diesem Augenblick erschollen Com- mandos über den gan§enPlatz. DieCompagnie des ersten Garde- Regiments präsentirte, die übrigen Truppen folgten, Tromm­ler schlugen dumpfe Wirbel, Musik empfing den Sarg mit Jesus meine Zuversicht", alle Musikcorps, bis in die weite Ferne, nahmen den Choral auf, und über den ganzen Platz tönten, in Dissonanzen und um so ergreifender die getragenen Töne des Chorals, Truppen präsentirten, Offiziere falutirten, Häupter entblößten sich. So wurde der Sarg begrüßt, der die sterbliche Hülle des großen Feldherrn barg. Der einfache Sarg, dessen Deckel der Marschallstab, der Helm und die Epauletten bedeckten, wurde auf dem Leichenwagen schnell be­festigt. Die Offiziere mit den Ordenskissen traten voraus, Stabsoffiziere mit Palmen und Kränze tragend (auch einen des Fürsten Bismarck) traten zur Seite. Die Leichen­parade, die trotz dem Wunsche des Entschlafenen stattfand, setzte sich in Bewegung. Sämmtliche Musikcorps, die in Spalier und Parade standen, fielen gleichzeitig fern und nah ein. Trauermärsche, Choräle, dumpfe Wirbel ertönten. Ein combinirtes Cavallerie-Regiment setzte sich an die Spitze, 3 Bataillone folgten, dann 3 Batterieen. Der Leichenwagen mit seiner Begleitung setzte sich in Bewegung, und auf den Balkon des Portals trat die Kaiserin mit den kleinen Prinzen und den weiblichen Angehörigen der Familie Moltke. Hinter dem Leichenwagen schritt der älteste Neffe, der Erbe des Feld­marschalls, zwischen dem Kaiser und dem König von Sachsen. Andere Verwandten folgten, ferner die Prinzen, die Fürst­lichkeiten, die Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Gene­

ralfeldmarschälle, der Kriegsminister, die commandirende« Generäle, sämmtliche actioeu und inactiven Minister, die Präsidenten des Reichstags, die Deputationen fremder Armeen, die Offiziere des Generalstabs, die Generalität. An diese schlossen sich in großer Zahl Mitglieder der Parlamente (alle Parteien außer den Socialdemokraten), Regierungsdeputatione» und ein langer Zug Offiziere sämmtlicher Waffengattungen, zuletzt Studenten. In weitem Umkreis, zwischen den präsen- tirenden Truppenspalieren hindurch, umschritt der Zug den Königsplatz mit der Siegessäule, ging durch die Alsenstraße und über die heute zum ersten Male enthüllte, mit prächtigen Trauerdecorationen gezierte neue Moltke-Brücke bis zum Lehrter Bahnhof, in dessen Fürstenzimmer der Sarg beigesetzt wurde, während eine Batterie dem tobten Feldherrn die letzten Grüße nachdonnerte.

In dem in eihe Trauercapelle umgewandelten Fürsten- zimmer wird der Sarg, von Ehrenposten des Seebataillons und des Kolberger Grenadier-Regiments bewacht, bis morgen früh stehen- er wird dann mit einem Extrazuge, von der Familie und Deputationen begleitet, nach Kreisau befördert werden. (Frkf. Ztg.)

tteuefte Nachrichten.

WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 28. April. Anläßlich der Trauerfeier Moltkes bietet das Innere der Stadt ein sehr bewegtes Bild bei herrlichstem Frühlingswetter. Amtliche und private Gebäude haben halbstock geflaggt. Truppen in Paradeuniform rücken von allen Seiten auf den Königsplatz, Deputationen von Verbindungen aller hiesigen Hochschulen und Krieger­vereine treffen mit umflorten Fahnen ein. Die neue, gestern völlig fertiggeftedte Mvltke-Brücke ist in Trauerschmuck- die Figurengruppen und Candelaber (mir brennenden Flammen) sind umflort. Die Büste Moltkes über die Wölbung des Mittelbogens, sowie der Name sind grün decorirt. Der Lehrter Bahnhof ist auf der Südseite völlig geöffnet und mit Trauerflaggen geschmückt; über dem Eingang zum Fürsten- zimmer ist ein schwarzer Baldachin. Der Kaiser begab sich kurz vor 11 Uhr im Galawagen mit Vorreitern zum Trauer­hause, nachdem Prinz Heinrich mit dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel Fritz vorher eingetroffen waren.

Berlin, 28. April. DasMilitärwochenblatt" veröffent­licht einen warmen, schwungvollen Nachruf an Moltke, welcher schließt:

So hat der Feldmarschall sein langes Leben dem Dienste des Kriegsherrn, der Größe der Armee, dem Wohle des Vaterlandes gewidmet. Die glänzenden Eigenschaften seines Geistes machten ihn zu einem Feldherrn, den die Geschichte in die Reihe jener großen Kriegsmeister stellen wird, zu denen wir mit staunender Bewunderung emporblicken. Seine Be­scheidenheit, sein Pflichtgefühl, feine Arbeitskraft, fein Arbeits­wille, sein Muth und seine Beharrlichkeit sind soldatische Eigenschaften, die der deutschen Armee immerdar ein Vorbild bleiben müssen, wenn sie den Ruhmeskranz bewahren will, den ihr Moltke geflochten hat.

Berlin, 28. April. DerReichsanzeiger" meldet: Um eine Uebereinftimmung der Eisenbahnbetriebsregle­ments Deutschlands und Oesterreich-Ungarns auch bei Umarbeitung der Reglements, anläßlich der dem- nächstigen Einführung des internationalen Eifenbahnfracht­verkehrs, aufrecht zu erhalten, begannen hier am 27. April commiffarische Berathungen, woran auch ein bayerischer Ver­treter theilmmmt.

Dortmund, 28. April. Die Rheinischen Stahlwerke in Mei der ich nehmen schon morgen den Betrieb in vollem Umfange wieder auf.

Köln, 28. April. Infolge spärlicher Kohlenzufuhr sind verschiedene Werke im Siegerlande kohlenlos. Sechs Puddel- und Walzwerke bei Geisweid und Weidenau stellten gestern den Betrieb ein.

Esten, 28. April. Nach derRheinisch-Westfälischen Ztg." machte sich Nachmittags ein weiteres Abnehmen des Strikes bemerkbar.

Der Vorstand des allgemeinen Knappschafts­vereins gibt auch den Belegschaften bekannt, daß nach de« Paragraphen 24 und 25 des Statuts die Mitglieder der dritten Klaffe sofort, die Mitglieder der ersten und zweiten, wenn sie länger als einen Monat feiern, die Mitg lied- schaft verlieren.

Gelsenkirchen, 28. April. Im ersten Schacht der Grube Bismarck" (Braubauerschacht) wurde heute Vormittag durch einen Bruch des Cylinders die Fördermaschine voll­ständig zertrümmert- das Pumpwerk blieb intact. Es ' ist kein Menschenverlust zu beklagen, aber die zahlreiche Beleg-