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1891

Dienstag ucn 29. December

Nr. 302

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Meßmer Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

JUemieamiUpreta ' 2 M«rk 20 Pfg. rtÄ vnngcrlohre.

Durch die Post begifw- 2 Mark 50 Pf«.

Redaktion, LxpediS«,. und Drucker«:

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Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gietzen.

w&SQfxMKmi uniMWli MU 11 I! II wirw'F^^.Mr-naixumMW Knesset een Anzeigen zu der Rachsüttag» für dm j^gwdeN Lag erscheinend« Rümmer bis vor«. 10 Uhr.

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Anrtlichev Therl.

Bekanntmachmlg,

die directe Verbindung der Bahnhöfe zu Gießen mit dem süd­lichen Stadttheil am Seltersberg betreffend.

Nachdem die Stadt Gießen zur Herstellung der rubr. Wegverbindung die Enteignung des nachverzeichneten Geländes des Justus Lenz zu Gießen:

54 jH Meter von Flur XVII Nr. 2855/10 u. 2856/10, Grabgarten an der Hollergaffe,

beantragt hat, so wird der Plan mit Anlagen nebst dem An­trag der Stadt Gießen

von Mittwoch den 30. December 1891 bis Mitt­woch den 13. Januar 1892

auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde zu Jedermanns Einsicht offen gelegt und wird Tagfahrt vor der Localcommission auf Mittwoch den 13. Januar 1892, Vormittags 9 Uhr, aus das neue Rathhaus zu Gießen zur Verhandlung über den Plan und die zu leistende Entschädigung hierdurch an­beraumt.

Der Eigenthümer des obenbezeichneten Geländes und etwaige Nebenberechtigte werden hierdurch aufgefordert:

a) Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Aus­schluffes und Annahme der Einwilligung in die be­anspruchte Abtretung oder Beschränkung,

b) Erklärung auf die angebotene Entschädigungssumme bei Meidung der Unterstellung der Annahme des Angebotes,

c) Anträge auf Ausdehnung der Enteignung bei Meldung des Ausschlusses mit solchen,

d) Anträge auf Aufrechterhaltung bestehender Lasten (Art. 19) bei Meidung des Ausschlusses mit solchen,

.e) Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen im Sinne des Art. 14,

f) etwaige noch unbekannte Ansprüche und Rechte an das zu enteignende Grundstück,

in dem Termin vorzubringen.

Wenn in dem Termin Einwendungen gegen den Zweck und den Plan, sowie die damit in Verbindung stehenden An­träge nicht vorgebracht werden sollten, dann wird in dem ge­nannten Termin

Mittwoch den 13. Januar 1892, Vormittags 9 Uhr, zugleich über die Höhe der Entschädigung und die mit ihr zu­sammenhängenden Fragen verhandelt werden.

Gießen, den 22. December 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Polizei-Vorschrift

betreffend die Benutzung der Kreisstraße von Büdingen nach Rinderbügen mit schwerem Fuhrwerk.

Nach Anhörung der Localpolizeibehörden und mit Zu­stimmung des Kreisausschusses des Kreises Büdingen wird mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 19. October 1891 zu Nr. M. I. 27571 hiermit angeordnet:

§ 1. Die Räder der Lastfuhrwerke, welche die Kreis­straße von Büdingen nach Rinderbügen von der Station der Drahtseilbahn der Zeche Hedwig an bis zur Stadt Büdingen gewerbsmäßig oder regelmäßig, wenn auch nur zeit­weise, mit Braunkohlen oder Basaltsteinen befahren, müssen eine Felgenbreite von mindestens 10 Ctm. haben.

§ 2. Die Eigenthümer der unter $ 1 bezeichneten Fuhrwerke, deren Räder die erwähnte Felgenbreite nicht haben, werden nach § 366 pos. 10 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Geldstrafe bis zu 60 Mk. oder mit Haft bis zu 14 Tagen beftrait Gegenwärtige Vorschriften treten mit dem 1. April 1892 in Kraft.

Büdingen, den 20. October 1891.

Großherzogliches Kreisamt Büdingen.

Klietsch.

Deutsches Reich.

Berlin, 27. December. Die weihnachtliche Stille in der inneren deutschen Politik ist durch kein be- meckenswerthes Ereigniß unterbrochen worden und voraus­sichtlich wird erst die Wiederaufnahme der parlamentarischen Arbeit nach Neujahr von Neuem einen lebhaften Pulsschlag in unsere inneren Angelegenheiten bringen. Es tritt als- ibnnn auch der preußische Landtag in Thätigkeit, zwei Tage

nach der am 12. Januar erfolgenden Fortsetzung der Reichs­tagsverhandlungen, so daß wir uns dann mit einem Male vor der parlamentarischen Hochfluth sehen werden. Im Reichstage wird man sich zunächst mit dem deutsch­schweizerischen Handelsverträge und hieraus mit der Fort­setzung der Etatsberathung beschäftigen. Von wichtigeren Gesetzentwürfen harrt vor Allem noch die Novelle zum Kran­kenkassengesetz ihrer definitiven Erledigung in dritter Lesung, ebenso das Telegraphen-Monopol-Gesetz. Dabei sind einige andere in Aussicht gestellte Vorlagen, wie das Weingesetz, das Trunksuchtsgesetz, der Entwurf über die Revision des Unterslützungswohnsitzgesetzes u. s. w. noch gar nicht an den Reichstag gelangt. Außerdem harren noch eine ganze Anzahl von Initiativanträgen sowie verschiedene kleinere Vor­lagen der Erledigung. Wenn der Reichstag dieses gesammte Material wirklich bis Ostern, zu welchem Zeitpunkt sein Schluß erfolgen soll, aufarbeiten will, so wird er sich tüch­tig rühren müssen, selbst dann aber dürste noch die eine oder die andere Sache unerledigt bleiben.

In Betreff einer Meldung der Braunschweigischen Landeszeitung, wonach der Reichskanzler in einer Fracüons- sitzung der Conservativen hätte formell erklären lassen, daß, so lange er Reichskanzler sei, werde von dem Kornzoll von 3,50 Rmk. nicht abgewichen werden, bemerkt dieNord­deutsche Allgemeine Zeitung", allem Anscheine nach liege die willkürliche Variation einer in einem Privatgespräche ge­fallenen Aeußerung vor, wo die Frage über die Dauer des gegenwärtigen Getreidezolles mit dem Hinweis auf die Ver­träge beschieden worden sei.

Ausland.

Bern, 24. December. Der Bundesrath hat für sämmt- liche Artillerie-Geschütze die Einführung des rauchschwachen Pulvers beschlossen.

Brüssel, 24. December. Die Sectionen der Deputirten- kammer beriethen heute die Vorlagen über die Handels­verträge. Nach dem nunmehr bekannten definitiven Re­sultate wurden in den sechs Sectionen der Deputirten- kammer 22 Stimmen für und 21 Stimmen gegen denselben abgegeben. Zwölf Mitglieder enthielten sich der Abstimmung. Drei Sectionen haben sich für und drei gegen den Vertrag ausgesprochen.

Brüssel, 26. December. Der Finanzminister Beernaert empfing heute Vormittag Abgesandte derUnion eyndicale, welche bei demselben betreffs gewisser Abänderungen des deutsch-belgischen Handelsvertrags vorstellig wurden. Die Union syndicale wünscht, daß auf Baumwollgewebe spe- cifische Zölle an Stelle der Zölle ad valorem treten möchten und daß die Zölle auf Baumwollgewebe, soweit es sich um rohe Waare handelt, gänzlich aufgehoben oder doch sehr stark herabgesetzt, dagegen für Baumwollgewebe je nach dem Grade ihrer Vervollkommnung oder Vollendung zum Vertriebe durch den Handel erhöht werden.

Paris, 26. December. Der Senat berieth in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwurf betreffend die Verlängerung der Handelsverträge. Der Deputirte Griffe führte aus, daß die Regierung nicht unter dem Minimaltarif ver­handeln könne. Der Minister des Auswärtigen, Ribot, er­klärte, die Regierung wolle sich ihre Freiheit wahren, ohne die Rücksichtnahme aus das Parlament zu vergeffen. Hierauf wurde der Gesetzentwurf angenommen.

Stockholm, 24. December. Der König ist seit meh­reren Tagen an der Influenza erkrankt.

Washington, 23. December. Die demokratische Mehr­heit der Commission für die Staatseinkünfte ist entschieden gegen eine Revision des Zolltarifs, würde aber Zollfreiheit für bestimmte Artikel gewähren.

Netteste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Lorrespsadm^BurcaL.

Berlin, 27. December. In der ersten Nachmittagsstunde brach im Passage-Panoptikum Feuer aus, das von der wegen der Gefährlichkeit des Brandherdes in beträchtlicher Stärke herbeigeeilten Feuerwehr nach kurzer Arbeit unter­drückt wurde, ehe es erheblicheren Schaden angerichtet hatte. Zerstört wurde lediglich ein größeres Panoramabild, eine Gruppe von Wachsfiguren wurde beschädigt. Die Entstehung des Brandes ist noch nicht aufgeklärt. Man glaubt, daß die Ursache in der Heizvorrichtung oder in der electrischen Be­leuchtungsanlage zu suchen ist. Das Panoptikum konnte nach kurzer Unterbrechung für den Besuch des Publikums wieder geöffnet werden. DaS Bekanntwerden des Vorfalls hatte eine zahlreiche Menschenmenge herbeigezogen.

Depeschen deSBureau Herold".

Berlin, 28. December. DieVoss. Ztg." meldet aus Wien, polnischerseits verlautet, daß weitere wichtige innere Ereignisse bevorstehen. Die nationalliberalen Mitglieder deS Polenclubs befürworten den Bruch mit dem Hohenwarth- club. Die conservativen Polen sind dagegen, in Folge dessen droht Jaworski mit dem Rücktritt. DieVoss. Ztg." meldet aus Wien: Der japanesisch en Gesandtschaft wurde gemeldet, daß die Auflösung des Repräsentantenhauses am Freitag erfolgte.

Wirthschaftliche Wahrheiten.

Die Regierungen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und Italiens haben ihren Völkern mit den neuen Handelsverträgen und den damit verbundenen gegenseitigen Zollermäßigungen und Handelserleichterungen ein Weihnachtsgeschenk gemacht, dessen Werth gewiß in der Hauptsache richtig gewürdigt und auch zur Beseitigung so mancher wirthschastlichen Calamitäten einen guten Theil beitragen wird. Wie alle politischen und wirthschastlichen Errungenschaften haben aber auch die neuen Handelsverträge ihre Schattenseiten, sie konnten nur durch gegenseitige Opfer zu Stande kommen, die Producenten wie Consumenten werden an den Zollermäßigungen zu tadeln haben, theils weil die Zollermäßigungen nicht groß genug sind, um der darniederliegenden Industrie zu einem wirk­lichen Aufschwünge zu verhelfen, theils deßhalb, weil man durch die Zollermäßigungen die inländischen Productions- bedingungen erschwert zu haben glaubt, ohne daß das Brod und Fleisch wirklich billiger wird. Solchen entgegenstehenden Meinungen und niemals ganz zu befriedigenden Ansprüchen gegenüber glauben wir ausführen zu müssen, daß es auch der besten Wirthschasts- und Handelspolitik niemals gelingen wird, alle Interessenten zu befriedigen, weil nämlich die wirthschastlichen Interessen der Producenten untereinander und dann auch diejenigen der Händler und Consumenten jenen der Producenten entgegenstehen. Alle Producenten wünschen im Allgemeinen hohe Preise oder doch selche gute Bezahlung für ihre Producte, daß sie reichlich dabei verdienen können, die Händler aber, welche großen Absatz ^erzielen wollen, be­gehren mit Vorliebe billige Einkaufspreise und billige Ein­kaufspreise ersehnt auch stets das große kaufende Publikum. Eine Wirthschaftspolitik, welche hohe Schutzzölle zur Hebung der inländischen Production einführt, wird also schon den Producenten gefallen, aber niemals den Consumenten, und eine Wirthschaftspolitik, welche durch Freihandel der aus­ländischen Concurrenz Thür und Thor öffnete, mag ja den Beifall der Consumenten finden, weil der Freihandel sehr geeignet ist, die Preise zu drücken, aber den inländischen Pro­ducenten wird er als gefährlicher Nachtheil erscheinen. Da­bei ist in einem Industrie- und Ackerbauftaate wie Deutsch­land oder Oesterreich noch mit dem Umstande zu rechnen, daß die Interessen der Fabrikanten und Landwirthe, also der Producenten, nicht einmal dieselben sind. Wenn die Land­wirthe Kornzölle zum Schutze vor der ausländischen Con­currenz begehren, so hat der Fabrikant, um mit seiner Leistungsfähigkeit auf dem Weltmärkte zu bestehen, ein In­teresse daran, daß seine Arbeiter billiges Brod haben, um auch bei niedrigen Löhnen noch bestehen zu können. Nicht anders als durch Handelsverträge, welche die Zölle einiger­maßen den Productionsbedingungen und Import- wie Export­handel anpaffen, ist also dieser Jnteressenkampf zu mildern, und in dieser Hinsicht ist mit den neuen Handelsverträgen sicher ein guter Schritt vorwärts gethan worden, wenn sie auch nickt alle Wünsche erfüllen.

Locales uttö provinzielles.

Gießen, 28. December 1891.

Neues Theater. Dienstag den 29. December kommt ein ausgezeichnetes Lustspiel,Die Leibrente" von G. v. Moser, zur Aufführung. Das Stück, welches unseres Wissens hier in Gießen noch nicht gegeben wurde, ist eines der besten der Moser'schen Schöpfungen und hat seiner Zeit am Wallner- theater in Berlin einige hundert Aufführungen erlebt.

Diebstahl. Am 24. d. Mts. stahl ein junger, mit Eismachen amFelsen" beschäftigter Mensch aus Wismar dem gerade abwesenden Maschinisten auf der dort liegenden Rübsamen'schen Baggermaschine die Taschenuhr aus der Kajüte. Der requirirte Schutzmann fand die Uhr im Ranzen des Beschuldigten und verhaftete ihn.

Herberge zur heimath. Ungefähr hundert Handwerks- burschen übernachteten vom heiligen Abend auf den ersten Feiertag auf der Herberge zur Heimath. Nach einer an sie gerichteten Ansprache wurde ihnen ein Nachtessen mit Bier