Tochter des Kaufmanns Sauerbrei (Frau Anni Reiners) hatte freilich „die Sache mehr 'raus". Sehr richtig characterisirte Herr Director Reiners den in jeder Beziehung großen Kaufmann und Stadtverordneten Sauerbrei, groß sowohl zu Hause als Pantoffelheld, als in der Stadtverordnetensitzung mit seinem Mundwerk, als in der leidigen Verwechselung des „Mir und Mich". Bezüglich des Mundwerks und sonstiger guten Eigenschaften eines rtchttgen Hausdrachens war ihm seine liebe Frau, Rosalie (Frau Lindemann) doch bei weitem über. Sowohl diese Eigenschaften als auch die der spießbürgerlichen Klatschbase wurden von der Darstellerin sehr drastisch und recht hübsch veranschaulicht. Abgesehen von dem Stadtverordneten Pieper (Herr Albert Ro senow), der für seine Eigenschaft als Radaubruder auch das richtige Organ besaß, dürfte als komische Rolle noch die des Hampel zu erwähnen sein. Herr Jaroczynski, welchen wir größtentheils in der Eigenschaft als Don Juan gesehen, zeigte in dieser Rolle, daß er auch ebenso gut den komischen Stadtboten spielen kann- Der Sanitätsrath Moll (Herr Karl Fischer) hätte jovialer aussehen und formvollendeter auftreten müssen, Herr Adolph Peickner, welcher den Baumeister Reimann gab, muß sich die leidigen Lautzusätze abgewöhnen. Von den übrigen Rollen müssen wir wegen Raummangels absehen. Wir können nur constatiren, daß sie richtig vertheilt und auch im Ganzen richtig durchgeführt wurden, wie überhaupt die ganze Darstellung des „Hypochonder" als eine gelungene bezeichnet werden darf, so daß wohl bei event. Wiederholung ein volles Haus zu erwarten steht.
Friedberg, 25. November. Sonntag den 6. December, Nachmittags 4 Uhr, findet in Niederweisel in der Gastwirth- schasr zum Adler eine Versammlung des Oberhessischen Obstbauvereins, Vereinsbezirks Friedberg statt. Tagesordnung: Vortrag des Vorstehers der pomologischen Gärten in Friedberg C. Reichelt über Baumschnitt.
Vermischtes.
* Brussel, 26. November. Der bekannte Kistenreisende Schneider Hermann Zeitung, kam heute in einer Kiste von Amsterdam in Brüssel an. Zeitung verbrachte über achtzehn Stunden in der Kiste, deren Inhalt als „Harmonium" bezeichnet war. Als Arbeiter dieselbe heute im Entrepot öffnen wollten, entstieg er mit dem Rufe „Vive la Belgiquel* Zeitung, der zu seiner neuen Kistenreise durch eine Wette veranlaßt war, befindet sich jetzt hier in Polizeihaft, weil er keinen Erwerb nachweisen kann. (F. Z.)
* Kindermund. Aus Mainz wird folgendes Ge- schichtchen mitgetheilt: Ein junger Lehrer an der Töchterschule genießt bei seinen sechs- bis achtjährigen Schülerinnen großes Vertrauen. Eine der Kleinsten kommt zu ihm mit der Bitte, ihr Höschen, welches sich an einer Seite losgeknöpft hat, wieder zu befestigen. Nachdem er die Bitte erfüllt hat, fragt er die Kleine, warum sie sich dies nicht von der Lehrerin, die vorher das Zimmer verließ, habe machen lassen, worauf sie erwidert: „Ich habe mich so vor dem Fräulein genirt!"
Verkehr, Land, «n- Volkswlrthschast.
— Kalkdüngung im Garte«. Der Landwirth weiß genau, welche Vortheile die Kalkdüngung darbictet, daß mit derselben nicht nur den Pflanzen ein notbwendiger Nährstoff zugeführt wird, sondern daß vornehmlich andere Pflanzennährstoffe durch dieselbe aufgeschloffen, somit den Pflanzen nutzbar werden. Der Kalk lockert ferner dm Bodm, indem er durch Zersetzung der humosen Stoffe Gase ent- wickelt, welche wieder zur Löslichmachung anderer Nährstoffe (Kohlen- saure) beitragen. Weit mehr wie auf dem Acker kommt es aber im Garten darauf an, größere Mmgen leichtlöslicher Pflanzennährstoffe im Boden zu haben, da die Ansprüche, die an das Gartenland gestellt werden, bedeutmd höhere find als beim Acker, auch ist die Gefahr, daß Pflanzennährstoffe, die in größeren Mengen in leichtlöslicher Form vorhanden sind, ausgewaschm werden, im Garten weit geringer als auf dem Acker, da das Gartenland durchschnittlich bedeutend reicher an HumuSsubftanz ist. Namentlich in Obstgärten ist eine Kalkdüngung oft von besten Erfolgen begleitet; der Kalk verbeffert nammtlich auch die Qualität des ObsteS und soll auch die Aepfel rothwangiger machen. Darum versäume man während des Winters nicht, überall dort dem Garten eine Kalkdüngung angedethen zu lassen, wo man nicht von dem gmügenden Kalkgehalt deS Bodens überzeugt ist und sich eine solche zu angemessenem Preise bewerkstelligm läßt, was bet unseren heutigm Verkehrsmitteln und den hochprocenttgen Kalkdüngern fast überall der Fall ist. Bet größeren Entfernungen vom Bezugsort ist der gebrannte Kalk die practischste Form, bei den anderen Formen muß man die Transvortkosten für eine größere Menge von chemisch gebundenem Wasser (Kalkhydrat) oder von Kohlensäure (Kalkmergel usw.) mitbezahlen. Wo man hochprocentige Mergel in der Nähe haben kann, da wende man diese an.
Citeratur und TCunft
„ Im Verlage der Haube & Spener'schen Buchhandlung in Berlin erschien soeben in eleaantester Ausstattung der »Samt«* tllmanad) für daS Jahr 1892*. Preis 2 Mk. - Wir können das nützliche und pracrtsche kleine Buch namentlich als Festgeschenk für Damen sehr empfehlen.
. - Schade« «nd Ruhe« deS TabakSgennfseS. Etne hy- gieinische Studie von Dr. med. Otto Gotthilf ist soeben im Verlage von Friedrich Ernst Fehsenfeld in Freiburg t.B. erschienen (Preis 50 Pfg). Der durch verschiedene hygietntsche Abhandlungen, so durch die vor Kurzem im gleichen Verlage erschienene: „Medictnische Winke
und hygieiutsche Regeln für Biertrinker" (Preis 60 Pfg.) bekannte Verfasser gibt in klarer und erschöpfender Form allen Rauchern und Schnupfern Winke, wie sie ihrem süßen Laster fröhnen dürfen mit möglichst geringem Schaden für ihren Körper. Er betont den Nutzen, den diese Narcottca ebenso wie der Alkohol in mäßigem Gebrauche den Menschen in unserer nervösen, nicht Ruhe noch Rast kennenden, nach Glück jagenden Zeit zu bringen im Stande ist. Jeder dem Tabakgenusse in irgend einer Form Huldigende wird die kleine Ab- handlupg zur Belehrung und zum Nutzen für Geist und Körper lesen. Wir empfehlen dieselbe auf« Beste.
— Die Berliner Börse. Recht zeitgemäß in dieser Aera der financiellen Ueberrafchungen kommt ein Artikel über die Berliner 8»rse in dem neuesten Hefte (VII) von .Zur Gt««-e* (Berlin W. 57, Deutsches VerlagshauS Bong & Co.). Ein Zeitbild betitelt der Verfasser, HanS Land, seinen Aufsatz, der reich ist an fesselnden Characteristiken und lebensvollen Bildern. Der Artikel ist mit interessanten Illustrationen geschmückt, welche das Aeußere und Innere des stolzen Börsengcbäudes zur Darstellung bringen. „Die vereideten Makler", „Dav Kündigungszimmer", „Die Nische Bletch- röder", „Es wird fest" u. a. m. sind Bilder von actuellstem Interesse, deren Lebenswahrheit kein Kenner der Berliner Börsenoerhältnisse abstretten wird. Nicht minder interessant ist ein anderer Aussatz deffelben Heftes: „Aus dem Leben eines Thierbändtgers" von Paul Dobert, der im Hinblick auf die vielfachen neuen Producttonen auf diesem Gebiete gewiß Interesse erregen wird.
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Gießen, den 25. November 1891. 10473 Großherzogliche Direktion.
Montag den 30. November,
Nachmittags 21/« Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die dm Erben der Jacov Magel Eheleute« in Gießen gehörigen Grundstücke: Flur 4 Nr. 20 - 2319 Meter Acker am Krofdorferwea,
Flur 5 Nr. 30 - 1038 Meter Wiese in den Weiden,
Flur 5 Nr. 31 — 1825 Meter Wiese daselbst,
Flur 5 Nr. 439 — 1038 Meter Acker über dem Fabricischen Acker auf den Fluthgraben,
Flur 22 Nr. 20 — 1081 Meter Acker am obersten Bachweg links der Chaussee,
Flur 23 Nr. 153 — 1125 Meter Acker auf dem Aulweg hinter dem Weiher
freiwillig meistbietend versteigert werden.
Gießen, 21. November 1891.
Großh. Ortsgericht Gießen.
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