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Bititu, 28. October.

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Dienstentlaßuvgen. Am 15. October wurde die Lehrerin an der höheren Mädchenschule zu Mainz Melanie Hessel aus ihr Nachsuchen, am 19. October wurde der Schullehrer an der Gemeindeschule zu Güttersbach, Kreis Erbach, Adam Sattler aus dem Dienste entlassen.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeinde­schule zu Frischborn, Kr. Lauterbach, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Langen, Kreis Offen­bach, mit einem nach dem Dienstalter sich bemeffenden jähr­lichen Gehalte von 10001800 Mk.

Lauterbach, 27. October. Dem Vernehmen nach wird die vor zwei Jahren eingegangene Abendschule im Locale der Handmerkerschule Anfangs November wieder eröffnet werden. Die Schüler werden nöthigen Falls von der Fort­bildungsschule entbunden werden.

*** Wolfersheim, 25. October. Ueber den bereits von Södel aus gemeldeten Jag dun fall in der hiesigen Ge­markung erfahren wir folgende Einzelheiten: Bei dem im hiesigen Walde abgehaltenen Treiben schoß ein Schütze einen durch das Gebüsch kommenden Mann, welcher sich an der Jagd als Treiber beteiligte, in einer Entfernung von etwa 30 Schritten. Als man nach dem Schuß großes Klagen hörte, eilte man nach der Stelle und fand den 65jährigen hiesigen Einwohner Dauernheim von etwa 16 Schroten ge­troffen im Blute liegen. Nach seiner Behausung verbracht, übernahm eine hier zufällig anwesende Diaconissin aus Darm­stadt die Pflege. Außer den beiden Friedberger Aerzten wurde noch Herr Medicinalrath Dr. Rouge von Hungen zur Behandlung zugezogen. Schwerverletzt liegt der Unglückliche darnieder. Der unglückliche Schütze, Beigeordneter und Land- wirth D. aus Berstadt, welcher dem Jagdvergnügen erst seit kurzer Zeit obliegt, ist ob dieses Vorfalls außer sich,- er hat sofort Großh. Staatsanwaltschaft in Gießen Anzeige erstattet. Gestern nahm hier die Gerichtsbehörde den Thatbestand auf.

Darmstadt, 27. October. Der Mörder des unglück­lichen Lanvwirths Arndt aus Mörfelden ist bis jetzt leider noch nicht verhaftet, trotzdem die Polizeiorgane allenthalben in angespanntester Thätigkeit sind. Arndt war in der Nacht vor der That zeitig von Hause weggefahren und hatte in Frankfurt Tags über seine Geschäfte erledigt. Vor der Rückfahrt hatte er wie gewohnt in der Funk'schen Wirth- schaft zu Sachsenhausen an der Mörfelder Landstraße Rast gemacht und dort wie üblich sein eingenommenes Geld nach­gezählt. Es wäre möglich, daß er hierbei von einem Indi­viduum beobachtet wurde. Für die am Freitag verkauften Kartoffeln hatte Arndt über 120 Mark eingenommen. Wie bereits gemeldet, war Arndt noch, wie dies die Fuhrleute gewohnt sind, bei Wirth Gumpert zu Mitteldick eingekehrt und hatte dort seinen Pferden Futter gegeben, sowie selbst eine Kleinigkeit verzehrt. Etwa um 5 Uhr fuhr er fort. Bald nachdem er mit seinem Fuhrwerk im Walde verschwun­den, sah Wirth Gumpert von der anderen Seite einen jun­gen Mann aus dem Walde heraustreten, der dem Wagen folgte. Er hatte ein frisch geschnittenes Stöckchen in der Hand, an dem er noch schnitzelte. Offenbar derselbe Mensch wurde schon zuvor an der Gehespitz beobachtet, wie er dem Fuhrwerk in einiger Entfernung folgte. Arndt, der sich, da seine Pferde den Weg genau kannten, auf die Säcke gelegt hatte und in seinem ermüdeten Zustande wohl bald einge- schlasen war, is^ jedenfalls im Schlafe von dem Mörder, der den Wagen leise bestiegen hatte, überfallen und ermordet worden. Schon der erste Stich in die linke Schläfe, der mit solcher Vehemenz geführt wurde, daß er über hand­lang in das Gehirn eindrang, dürfte den sofortigen Tod her­beigeführt haben. Der Ermordete scheint nicht einmal mehr die Hände geregt zu haben. Scheinbar ruhig schlummernd und die Peitsche noch im Arm wurde er von seinen entsetzten Angehörigen tobt ausgefunden, als die Pferde vor seinem Hause in Mörfelden hielten. Der Weg von Mitteldick bis Mörfelden ist etwa V/2 Stunden lang und wurde das Ver­brechen vermuthlich an der sog. Sandkaut, die noch über eine Stunde von Mörfelden entfernt ist, verübt. Aus das als­bald in ganz Mörfelden verbreitere Gerücht von der Schreckens- that versammelte sich eine große Menschenmenge vor Arndts Hause- unter dieselbe mischte sich auch em fremder junger Mann, auf den die Personalbeschreibung des Wirths Gum­pert und der Maurer, welche denselben bei der Gehespitz

beobachtet, genau paßt, und fragte verschiedene Leute:Gelt, da ist etwas passirt?" Später versuchte er in der Wirthschaft von Reis Nachtquartier zu erhalten, wurde aber abgewiesen. Der Carouffelbesitzer Hirschhäuser faßte Verdacht und als er denselben äußerte, suchte der junge Mann schleunigst das Weite. Derselbe soll am Samstag früh einem Groß-Gerauer Einwohner zwischen Woogsdamm und Groß-Gerau begegnet fein. Bemerkenswerth ist, daß offenbar derselbe Bursche am Freitag Abend gegen 6 Uhr am sog. Treburer Forsthaus, an dem die Frankfurter Landstraße vorbeizieht, die dortige Förstersfrau um Waffer bat- die Frau wies den Menschen an den Brunnen und beobachtete, daß er dort nicht trank, sondern sich die Hände wusch. Hoffentlich gelingt es bald, den ruchlosen Mörder zu ergreifen, damit ihm die verdiente Strafe zu Theil werde. Der Ermordete hinterläßt eine Wittwe mit 8 Kindern, von welchen das älteste 22 Jahre alte ist.

Seligenstadt, 25. October. Der Kartoffelexport nach den Rheinlanden und Westfalen hat auf hiesigem Bahn­hofe neuerdings einen riesigen Umfang angenommen. Gegen­wärtig wird beim Stationsgebäude sogar eine größere Bretter­halle aufgeführt, um die massenhaften Kartoffelquantitäten vor den Nachtfrösten 2c. zu schützen, zumal die rasche Erlangung der erforderlichen Anzahl von Güterwagen naturgemäß mit Schwierigkeiten verbunden ist. Gewöhnliche Speisekartoffeln werden gegenwärtig von den Händlern mit 6.10 Mk., bessere Sorten dagegen bis zu 8 Mk. per Doppelcentner bezahlt. Seit vielen Jahren war eine solche Kartoffeltheuerung in unserer ganzen Gegend noch nicht zu verzeichnen.

Bingen, 27. October. Gestern Abend fiel die Ehefrau des Capitäns Pfaff vom SchleppdampferRhenus 5" von einem Steg und ertrank im Rhein.

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Vermischtes.

* Eine Blutthat, die lebhaft an die Frauenmorde in Whitechapel erinnert, ist in der Nacht zum Sonntag gegen 1 Uhr zu Berlin im Keller des Hauses Holzmarktgasse 10 verübt worden. Dort haben die Schlächter Petsch'schen Ehe­leute eine Wohnung inne, von welcher ein Zimmer als sogenanntes Absteigequartier für Dirnen zur Nachtzeit Der- miethet wurde. Zu den nächtlichen Gästen dieses Schlupf­winkels gehörte namentlich die 25 Jahre alte unverehelichte Hedwig Nitsche, welche in der Mariannenstraße 15 wohnte, und eine unverehelichte Müller. Kurz vor 1 Uhr nun traf hier die erstere in Begleitung eines etwa 20jährigen Mannes ein, welcher mit der Nitsche in der Köpnickerftraße zusammengetroffen war, nachdem er schon vorher mehreren anderen Mädchen vergeblich seine Begleitung angeboten hatte. Als nicht lange darauf die Müller gleichfalls in Begleitung eines Mannes daffelbe Zimmer betreten wollte und die Thür öffnete, drängte sich ein Mann an ihr vorbei, sprang die Kellertreppe hinauf, stieß die dort befindliche Frau Petsch zurück und rief dieser zu:Na, die ist fertig". Dann lies er eiligst auf die Gasse. Kaum hatten nun die Müller und die Petsch den Raum betreten, als sich ihnen ein entsetzlicher Anblick bot. Vor der nur mit Matratze und Keilkissen versehenen Bettstelle lag vollständig bekleidet in einer großen Blutlache die Leiche der Nitsche. Der Hals derselben zeigte drei blutende tiefe Wunden, die von Messerstichen herrührten, von denen zwei den Kehlkopf links und rechts durchbohrt hatten, während der dritte unter der linken Kinnlade in den Hals gedrungen war. Bei näherer Besichtigung der Leiche fand man ferner, daß der Unterleib derselben in einer furcht­baren Weise durch einen bis zum Brustbein reichenden Schnitt vollständig aufgeschlitzt war, und daß in dieser Wunde sich zwei Handtücher befanden, die dorthin mir Gewalt hinein­gepreßt worden waren. Unter der Leiche lagen zwei mit Blut besudelte Messer, welche zum Haushalte der Petsch gehören, und von denen das eine stumpf, das andere spitz ist. Diese scheinen, da die Spitze des einen kein Blut zeigt, zum Ausschneiden des Leibes gedient zu haben, während die Hals­wunden mit einem Messer des Mörders, welches er nicht zurückgelaffen hatte, beigebracht worden sein dürsten. Eine Beraubung ist ausgeschlossen. Ein innerer Körpertheil fehlt. Die Halsstiche müssen der Nitsche beigebracht worden sein, als dieselbe neben dem Verbrecher stand - denn sie hielt ihre Handschuhe noch krampfhaft mit der Hand umspannt, während Hut und Schirm abgelegt worden waren. Die Polizei hat

eine Belohnung von 300 Mk. aus die Ermittelung des ThäterS gesetzt, der genau beschrieben wird. Die Beschreibung soll auf einen Kellner paffen, mit dem die Nitsche mehrfach verkehrt hat. Recht bezeichnet ist, daß der Inhaber der Wohnung, der Schlächter Petsch, sich, bevor die Polizei unter der Führung des Grafen Pückler am Thatorte erschienen, ein Gewerbe daraus machte, die Leiche dem herbeiströmenden Publikum gegen Entgelt zu zeigen.

Schrsssnach richten.

Hamburg, 23. October. Das Hamburg-Newyorker Post- DampfscbiffScandia", Capitän Kopff, von der Hamburg-Amerika­nischen Packetfahrt-Actien-Gesellschast, am 11. October von bier bittet nach Ncwyork expedirt, ist am 22. October, 1 Uhr Nachmittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Hamburg, 25. October. Der Hamburger Doppelschrauben- SchnelldampferColumbia", Capita» Vogelgesang, von der Ham­burg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, weicher am 17. October von Southampton abgegangen, ist am 25. October, 2 Uhr Morgens, wohlbehalten in Newyork angekommen.

Verkehr, Land» nnö Volksivirthschaft.

Arankf«rt, a. M., 27. October. Am gestrigen Hauptmarkt im städtischen Viehbof waren vorhanden unter den 952 Stück Horn­vieh 41 Ochsen und 6 Bullen aus Oesterreich und 28 Kühe aus Dänemark. Der Großoiehmarkt schloß mit einem unverkauften Rrst- bestand von 57 Stück Hornvieh.

Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in Gieße?.

42. Woche. Vom 18. October bis 24. October 1891. Einwohnerzahl: 20611 (incl. 1600 Mann Militär). SterblichkeitSziffer: 15,14 a/« bezw. 7,57 nach Ausschl. der Ortsfremden. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1. Lebensjahr: 2.Ib.Jahr:

Diphtherie 1 (1)

Entzündliche Erkrank-

1 (1)

ungen d. Athmungs- Organe 1

1

Andere bekannte

Krankheiten 4 (2)

2 (2)

2

Summa: 6 (3)

3 (2)

2

1 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.___________________________

^kirchliche Anzeige» der Stadt Gissten.

Katholische Gemeinde.

Hundertjähriges Jubiläum der Errichtung unserer Pfarrei.

Donnerstag: Morgens um 7 Uhr Rosenkranzmesse mit Segen. Abends um Vi8 Uhr Predigt und Andacht.

Freitag: Morgens um 7 Uhr Rosenkranzmeffe mit Segen. Nachmittags um 4 Ubr Gelegenheit zur hl. Beichte. Abends um V38 Ubr Predigt und Andacht, darauf Gelegenhett zur hl. Beichte.

Samstag: Morgens um 7 Uhr Rosenkranzmesse mit Segen. Nachmittags um 4 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte. Abends um V18 Uhr Predigt und Andacht, darauf Gelegenheit zur hl. Beichte. j

Sonntag (Fest Allerheiligen): Morgens von Vzb Uhr an Ge­legenheit zur hl. Beichte; um 6 Uhr Frühmesse; um Va8 Uhr Militär­gottesdienst mit Predigt; um 8/<10 Ubr Hochamt mit Predigt. Nach­mittags um Va3 Uhr Festandacht. Abends 6 Uhr Armenseelenandacht mit Predigt.

Montag (Allerseelen): Morgens um 7 Uhr Seelenamt für die Abgestorbenen der Gemeinde. Abends um 6 Uhr Armenseelenandacht.

Donnerstag, Freitag und Samstag, sowie Sonntag währenddes Hochamts wird P. Dominicus, Superior des Cölner Franziskaner-Klosters, predigen.

Verfälschte schwarze Seide. Man verbrenne ein Müfterchen des Stoffes, von dem man kaufen will, und die etwaige Verfälschung tritt sofort zu Tage: Aechte, rein gefärbte Seide kräuselt ofort zusammen, verlöscht bald und hinterläßt wenig Asche von ganz hellbräunlicher Farbe. Ver­fälschte Seide (die leicht soeck g wird und bricht) brennt langsam fort, namentlich glimmen dieSchußfäden" weiter (wenn sehr mit Farbstoff erschwert), und hinterläßt eine dunkelbraune Asche, die sich im Gegensatz zur ächten Seide nicht kräuselt, sondern krümmt. Zerdrückt man die Asche der ächten Seide, so zerstäubt sie, die der verfälschten nicht. Das Seidenfabrik-Dvpöt von G. Henne- berg (K. u. K. Hoflief.) Zürich versendet gern Muster von seinen ächten Seidenstoffen an Jedermann, und liefert einzelne Roben und ganze Stücke porto- und zollfrei ins Haus. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 9592

\Ä" werden darauf aufmerksam ge-

% ÄAA macht, daß man in dem Special-

Ifl Illi illr r Geschäft von Phil. Weiler,

W Markipl. 1, die orötzle Auswahl

* in Cigarren, Cigaretten und

Tabaken findet. Ew Versuch ^iat, dag jeloft dem verwöhntesten Gcfchmock Rechnung getragen werden kann. 9471

Donnerstag, den 29. und Freitag, den 30. Oktober, Nachmittags 2 Uhr,

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