Dienstag den 29. September
1891
Nr. 226
D«
cttd)ihxt täglich, ■M LuLnahm« de- Monragr.
im Pichen er
dem Lnzeiß«
«»ch«rlich dreimal btittüeL
Gießener Anzeiger
viertNjährigeB >lo**e«t*UfteU 2 Mark 20 Psg. veS Bringerlohru Durch die Post bejefü
2 Mark 50 Pf,.
Rcdactton, ExpedW« und Druckerei^
Keneral-Mnzeiger.
AchutstratzeAr^
Kerufprecher 5JL
Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.
> -------- |-------- - ---- ■ --------------------------------■ - ..... - _______ ____________
loieieee |u der Nachmittag für dm 1 imtft <ttf «nnoacm-Bureaux des In- und Ausländer nehm--
e^md« Lag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. | ^UWUHCUVIUU«. Anzeigen für den „Gießener Anzeige^ entgeh-,
MMlI»,MtSW»WSWW»M^W>WWSSMSVSS»«WSSMWch»MWWNSWNWM^MW«»WWWSS>^SSWW«WWWMW«>^!.MS^MM^WSSSMJ Lll'i MMBMWMHMMMPMMMW»
Theil.
Bekanntmachung,
die Viehpreisvertheilung zu Hungen betreffend.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß bei der am 21. l. M. durch den landwirthschaftlichen Bezirksverein Gießen zu Hungen veranstalteten Viehpreisvertheilung die nachverzeichneten Viehzüchter für Vorführung preiswürdiger Thiere die beibemerkten Preise erhalten haben.
Gießen, den 25. September 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
I. Für Fasel (Simmenthaler Rasse.)
1. Aus dem Kreis Gießen.
Gemeinde Langsdorf..........25
Gemeinde Bellersheim.........20
Nikolaus Neusel, Bellersheim.......20
Balthasar Metz, Holzheim ........20
Phil. Noth, Langsdorf.........20
Pachter Klingelhöffer, Hof-Graß......20
Metzger Seibert, Hungen........15
Konrad Schäfer, Langsdorf.......15
Joh. Bender, Langsdorf.........15
Phil. Wirth, Langsdorf.........15
Bürgermeister Ronthaler, Langd......10
2. Außerhalb des Kreises Gießen.
Roth, Cyriaksweimar bei Marburg.....15
Heinrich Huber, Wölfersheim.......15
Georg Reitz, Echzell..........10
Weller, Melbach...........10
Döll, Borsdorf...........10
Michel, Ober-Mockstadt.........10
Döll VII., Borsdorf ..........10
Mk.
V n u n ti u ff tf ff tf
tt ff // ff ff ff n
II. Für Fasel (Vogelsberger Rasse).
Zimmer, Bingmühle bei Lauter......25 „
Derselbe............20 „
Gemeinde Hasbach..........20 „
III. Für Kühe (Simmenthaler Rasse).
Bürgermeister Bopp, Bellersheim, führt die schönsten Thiere vor, kann jedoch, da dieselben erst neu angekauft, nach der Prämiirungsordnung einen Preis nicht erhalten.
Christian Seiber, Hungen (Kuh mit Rind)... 35 Mk.
von Oven, Hungen..........30 „
Georg Hahn, Bellersheim........25 „
Heinr. Schudt II., Muschenheim......15 „
Bürgermeister Weiß, Ober-Widdersheim.... 15 „
Hermann Petri, Lich..........15 „
IV. Für Rinder (Simmenthaler Rasse).
Wilh. Neusel, Bellersheim........25
Georg Hahn, Bellersheim........15
Heinr. Strauch I., Borsdorf.......15
Georg Balser, Borsdorf........15
Bürgermeister Kühn, Ober-Bessingen.....10
Hermann Jhring, Lich.........10
Zoh. Jox, Ettingshausen........10
V. Für Kühe (Vogelsberger Rasse).
Heinrich Kneipp, Langsdorf ........35
Ernst Zimmer, Bingmühle bei Lauter .... 30
Friedr. Steul, Bellersheim........30
Ludw. Weisel, Birklar.........20
n tt ft // // n n
tr n n n
VI. Für Rinder (Vogelsberger Rasse).
Ernst Zimmer, Bingmühle........25 „
Georg Hofmann, Grünberg.......„
Karl Christ, Grünberg.........™ „
Georg Keil, Grünberg.........1U "
Deutsches Reich.
Darmstadt, 26. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Provinzialdirector fr-rhrn. v. Gagern von Gießen.
Darmstadt, 26. September. Wegen des Ablebens Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Alexandra von Rußland, geb. Prinzessin von Griechenland, tft aus Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom Heutigen bis zum 9. October l. I. einschließlich angeordnet worden.
Berli», 26. September. Der Sarkophag für Kaiser Friedrich ist, wie die „Nordd. Allg. Ztg." mit
theilt, am Dienstag aus Italien hier eingetroffen und in das Atelier des Prof. Begas überführt worden. Er ist aus carrarischem Marmor und an 200 Gentner schwer.
Berlin, 26. September. Wie für Roggen, so haben auch für die Ernte in Weizen Ermittelungen auf Grund des Probeerdrusches stattgefunden. Nach denselben stellt sich, wie die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet, die Weizenernte Preußens für 1891 auf 18 408 000 Doppelcentner, während diejenige des Vorjahres 17 523000 Doppelcentner betrug. In Weizen, d. h. Sommer-, und Winterweizen zusammen, beziffert sich also die diesjährige Ernte um rund 1 Million Doppelcentner höher als die vorjährige.
— Im Interesse der Betriebssicherheit hat, wie die „Köln. Ztg." berichtet, jüngst der Minister für öffentliche Arbeiten die Königlichen Eisenbahn-Directionen angewiesen, in geeigneter Weise Vorsorge dafür zu treffen, daß in Zukunft Hilfsbedienstete und Arbeiter, auch wenn sie es im Interesse der Erhöhung ihres Verdienstes wünschen sollten, während ihrer Ruhezeit zu Dienstleistungen nicht herangezogen werden können.
Berlin, 26. September. Die bisherige Ausnahme des sogenannten Trunksuchtsgesetzes durch die öffentliche Meinung ist im Allgemeinen keine sonderlich günstige gewesen und diese Wahrnehmung wird schwerlich ohne Rückwirkungen auf die fernere Gestaltung des Gesetzentwurfes bleiben. Es heißt, daß man in Regierungskreisen wohl auf Schwierigkeiten in der Frage des Trunksuchtsgesetzes gefaßt gewesen sei, daß man jedoch nicht einen so lebhaften Widerspruch erwartet habe, wie er dem Entwürfe vielfach entgegentrete. Finanzminister Dr. Miquel, welchem ein wesentlicher Antheil an dem Zustandekommen des genannten Entwurfes zugeschrieben wird, soll deshalb gesonnen sein, auf manche Punkte desselben, die am meisten Verurtheilung erfahren haben, zu verzichten. Jedenfalls wird der ganze Entwurf einer gründlichen Umarbeitung unterzogen werden müssen, wenn er dem Reichstage mit einiger Aussicht auf Annahme unterbreitet werden soll.
— Der Versuch, eine Anzahl polnischer Volksschullehrer nach dem Westen der preußischen Monarchie zu versetzen, soll vollständig gescheitert sein. Die polnischen Lehrer haben sich in ihrer neuen Heimath fast durchgängig unglücklich gefühlt, namentlich bei den Lehrerfrauen soll das Heimweh geradezu Erkrankungen veranlaßt haben. Ein kleiner Theil der betreffenden Lehrer ist bereits nach Posen und Westpreußen zurückgekehrt, resp. zurückversetzt worden, ein anderer Theil steht noch mit der Regierung wegen der Rückkehr in Verhandlung. Die einschlägigen Verhältnisse sollen in der nächsten Session des preußischen Landtages^zur Sprache gebracht werden.
Berlin, 26. September. Nach der „Post" treten die commandirenden Generäle des siebenten, des Garde- und des zweiten Armeecorps demnächst in den Ruhestand, Waldersee erhält das Gardecorps, Blume das siebente, Krosigk das zweite Corps. Blomberg erhält das neunte Corps,
— Das „Tagebl." meldet aus Daar-Es-Salam' Die deutsche Schutztruppe wird um 800 Sudanesen und 500 Zulus vermehrt. Der Conflict mit den Wadigos wegen der Palmkernsteuer ist beigelegt. Wismann tritt am 3. October mit dem Dampfer „Lowedes" seine Rückreise nach Europa an.
Neueste Nachrichten.
VolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 27. September. Der heute im reich geschmückten Festsaale des Rathhauses stattgehabten Festsitzung des Stolze-Tages wohnten unter anderen Finanzminister Dr. Miquel, Stadtrath de Neve, Director Dr. Schwabe und der Sohn des Begründers des Systems bei. Geh. Ober- Regierungsrath Blenck feierte in einem Vortrage die Stenographie als Factor des culturellen Fortschritts, gab eine kurze Geschichte derselben und theilte mit, daß der Kaiser dem Fest- comite sein Interesse an den stenographischen Bestrebungen habe ausdrücken lassen. Hierauf begrüßte Stadtrath de Neve die Festversammlung im Namen der Stadt. Dr. Hempel hielt alsdann die Festrede über die culturhistorische Bedeutung der Stenographie.
Cassel, 27. September. Ihre Majestät die Kaiserin wohnte heute dem Gottesdienste in der Hof- und Garnisonkirche bei.
Metz, 27. September. Bei der heutigen Wahl zum Bezirkstage für die Stadt Metz wurde Heister (Altdeutscher) gegen Lallemant (Einheimischer) mit 200 Stimmen Mehrheit wiedergewählt.
Paris, 27. September. Der gestrige „Lohengrin"- Vorstellung ist völlig ohne Zwischenfall innerhalb und außerhalb des Opernhauses verlaufen.
Bapaume, 27. September. Bei der heutigen Enthüllung des Denkmals für den General Faidherbe hielt der Minister des Auswärtigen Ribot eine Rede, in welcher er zunächst auf die militärischen Tugenden hinwies, von denen Faidherbe ein Beispiel gegeben habe, und die sich in der Armee wie in der Marine wiederfänden, sodann aber der Besuche gedachte, die die französische Flotte abgestattet habe. Europa habe Frankreich endlich Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ein Souverain, vorausschauend und fest in seinen friedlichen Absichten, wie dies auch Frankreich selber sei, habe öffentlich die tiefen Sympathien bekundet, die sein Land mit Frankreich verbänden. (Lebhafter Beifall und Rufe: „Es lebe der Czar!" — „Es lebe Frankreich"). Die russische Nation habe sich ihrem Kaiser angeschlossen, um Frankreich herzliche Freundschaft zu bezeugen. Jedermann wisse, wie die Gefühle erwidert worden seien. Die Vorgänge von Kronstadt hätten in den kleinsten Ortschaften Frankreichs Widerhall gefunden. Unvergessen dürfe aber auch nicht bleiben, weder das, was vorausgegangen, noch das, was daraus gefolgt fei. Ueberall hätten die französischen Matrosen den Namen Frankreichs höher geachtet, ja geliebt gefunden und in Dänemark, Schweden und Norwegen die rührendsten Kundgebungen erlebt. In Portsmouth, wo die Königin selbst die französische Flotte habe Revue passiren lassen, sei derselben die großartigste und liebenswürdigste Ausnahme zu Theil geworden. Alle Welt habe einen Eindruck bekommen, der nicht erlöschen werde. (Lebhafter Beifall.) Es ergebe sich hieraus, daß sich Frankreich in einer neuen Lage befinde, was aber nicht etwa bedeute, daß es sich einer neuen Politik anzupassen habe. Die bisher befolgte Politik sei eine so günstige gewesen, daß man sie nicht aufgeben dürfe an dem Tage, wo ihr Werth vor aller Augen zu Tage trete und wo Frankreich beginne, die Früchte derselben einzuernten. Frankreich, im Bewußtsein seiner Stärke und voll Vertrauen auf die Zukunft, werde fortfahren, die Klugheit und das kalte Blut zu zeigen, die ihm die Achtung der Völker verschafften und dazu beitrügen, ihm den Rang wiederzugeben, den es in der Welt einnehmen müsse. — Die Rede RibatS wurde mit fast ununterbrochenem Beifall und mit Hochrufen auf Ribot, auf die Republik, auf Frankreich und auf Rußland ausgenommen.
©ent, 27. September. Bei dem von der Presse veranstalteten heute Nachmittag hier stattgehabten Feste brach ein Theil der für ba§ Publikum erbauten Tribünen ein, die Zahl der dabei zu Schaden gekommenen Personen soll eine erhebliche fein. Nähere Details waren noch nicht festzustellen.
Depeschen des „Bureau Herold".
Hamburg, 27. September. Der hiesige Kaufmann Korkus wurde zum Generaldirector der von Baron Hirsch gegründeten Actiengesellschaft für jüdische Colonisation ernannt.
Bern, 27. September. Internationaler Congreß betr. Arbeits-Unfälle. Die letzte Congreßsitzung begann um 11 Uhr unter dem Präsidium von Linder-Paris. Folgende Beschlüsse wurden ohne Discussion angenommen: 1. Die Zukunftsbenennung: Congreß und permanentes Comite betreffend die Betriebsunfälle und die Socialversicherung. 2. Es ist die Pflicht der Jetztheit, Vorbeugungsmaßregeln gegen Betriebsunfälle und Berufskrankheiten zu ergreifen und deren Folgen zu mildern. In Verbindung der Privat- thätigkeit mit solcher von Genossenschaften und des Staates bezüglich der Vorbeugungmaßregeln scheint zur Sicherstellung der Entschädigungen der Bersicherungsweg angezeigt und ist die Verbindung der leichten Unfälle mit der Krankenversicherung zweckmäßig. In den Staaten, welche eine Altersund Jnvalidttätsversicherung besitzen, ist die Verbindung derselben mit einer Versicherung für Berufskrankheiten und schwere Unfälle von Vortheil. 3) Der Congreß wünscht, die Staaten möchten in methodischer Weise Erhebungen über die Betriebs-Unfälle veranstalten und bestätigt den Auftrag an das permanente Comite, das Studium über die einheitliche Anlage einer internationalen Unfallstatistik fortzusetzen. Der nächste Congreß soll frühestens in 2, spätestens in 4 Jahren stattfinden - es wird dem Comite überlassen, Ort und Zeit zu bestimmen. Nach einem Rückblick des Bundesrathes Droz auf die Arbeiten des Congresies, welche schöne Arbeiten zu Gunsten der Arbeiter aufweisen, und einem Dank an Droz und Linder durch Cheysson und Bödicker wird der Congreß aufgelöst.
Osnabrück, 28. September. Der Reichskanzler Caprivi erklärte, der „Köln. Ztg." zufolge, auf die Begrüßung durch den Bürgermeister im Friedenssaale des Rathhauses: die Befürchtungen, ob der gegenwärtige Zustand erhalten werde, seien unbegründet. Keiner der regierenden Fürsten


