1891
Sonntag den 29. März
Erstes Blatt
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Amts- und Anzeigeblatt für den 'Kreis (Stefeen.
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Ausland.
Paris, 26. März. Die Königin Victoria richtete aus Grasse an den Präsidenten Carnot folgendes Telegramm: „Ich danke von ganzem Herzen für die sehr liebenswürdige Depesche und bin tief gerührt von dcm herzlichen Empfange auf der Durchreise durch Frankreich und bei der Ankunft hier in diesem entzückenden Lande."
Rouen, 26. März. Eine zahlreich besuchte Versammlung Industrieller beschloß einstimmig eine Resolution, in der die Negierung und die gesetzgebenden Körper ausgefordert werden, in dem neuen Zolltarif alle Zweige der nationalen Arbeit wirksam zu schützen. Die Versammlung beschloß ferner, auch Massenpetitionen unter den Industriellen, den Landwirthen und Arbeitern der dortigen Gegend zu veranstalten.
Brüssel, 26. März. Die „Resorme" meldet gerüchtweise, die Regierung unterhandle wegen Ausnahme einer Anleihe von 240 Millionen.
Brüssel, 27. März. Eine Abordnung der strikenden Arbeiter aus den Walzwerken wurde heute von den Arbeitgebern empfangen. Dieselben weigerten sich, den Streikenden irgend ein Zugeständniß zu machen. Die Arbeiter beschlossen daher, die Arbeitseinstellung bis zum 10. April zu verlängern.
CocaUs tmfc provinzielles.
Gießen, 28. März.
— Die Gymnafial'Reifeprüfuug für solche, welche nicht Schüler eines Gymnasiums sind, wird in diesem Jahre an dem Großh. Gymnasium zu Gießen abgehalten werden und Dienstag den 28. Juli, Vormittags 8 Uhr, ihren Anfang nehmen. Gesuche um Zulassung zu dieser Prüfung sind, unter Nachweisung des seitherigen Bildungsganges und sittlichen Verhaltens, sowie unter Vorlage der letzten Schul- oder Privatzeugnisse, bis spätestens zum 27. Juni bei Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, einzureichen.
— Ein recht unbehagliches, zu den bevorstehenden Oster- feiertagen gar nicht willkommenes Schneetreiben hat sich am Donnerstag Abend eingestellt und seitdem säst ununterbrochen angehalten. Wenn angesichts dieser weißen Ostern die bekannten „ältesten Leute" behaupten, solche noch nicht erlebt zu haben, so muß man ihnen wohl glauben. Wenn es während der Feiertage nicht noch zu Schlittenfahrten kommt, so liegt es sicherlich nur an der Temperatur, die den reichlich sallenden Schnee nicht auf den Straßen, sondern nur im freien Felde liegen läßt. Da auch die Osterfesttage zu denjenigen gehören, die man nicht verlegen kann, sondern sie feiern muß, wie sie fallen, so bleibt allen Denen, „die sie sich so ganz
Alle Annoncen-Bureaux be8 In- unb An-lanbe- nehm» Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der Oichen-r Anzeiger erscheint täglich, ekt Lu-nahme be- MontagS.
Die Gießener WOmtttenßlLiier «erd« bcm Anzeiger ^sLchattlich bretmal beigelegt.
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Zum Bezug des „(Siebener Anzeiger" für Las 2. Vierteljahr 1891 laden wir hiermit ergebenst ein. — Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer objectiver Ucbersicht zur Kenntnis; seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten des Wolff'schcn telegraphischen Correspondenz- Bureaus sowie zahlreiche Mitthcilungcn aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz O b e r h e s s e n ansässige Berichterstatter, ist der „ Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so sriihzcitig wie möglich zur ’ Kenntnis; seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Thcile des Anzeigers zu Thcil werden. Der in der Provinz Oberhessen betriebenen Land wirt Hs ch aft wird der Anzeiger durch Vervsfcntlichung von allem Aiissens- werthcn aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Thcil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhalt;,ngsstoff bieten. Außerdem werden die
Gietzener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden und die stets ein gcivähltcs Feuilleton als Unterhaltungsstvff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. .. .
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen Neuhinzutretende erhalten vom Tage der -Bestellung bis 1. April den Anzeiger kostenfrei zu- gcstcllt wie wir aiich gerne bereit sind, Probe- Exemplare nach auswärts postfrei zu versenden Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger iveitersenden nnb den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger"
Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).
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Schkohgasse 18.
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Mons, 26. März. Die Arbeitseinstellung der Kohlengrubenarbeiter in den verschiedenen Gruben im Borinage ist beendet. Für den 1. April werden zahlreiche kleinere Arbeitseinstellungen erwartet, obwohl die Arbeiterpartei bemüht ist, die Proclamirung des allgemeinen Strikes hinauszuschieben.
Petersburg, 26. März. Dem Redacteur des hebräischen Journals „Woskhod" (Ascension) sowie der Beilage der Wochenchronik des „Woskhod" wurde seitens des Ministers des Innern gemäß einem Beschluß des Conseils der Oberpreßverwaltung die dritte Verwarnung ertheilt und die Herausgabe für sechs Monate untersagt. Der Verkauf einzelner Nummern der „Nowoje Wremja" ist wieder erlaubt.
Belgrad, 26. März. Die hiesigen Kaufleute und Gewerbetreibenden übersandten der Skupschtina und der Regentschaft eine Petition gegen die projectirte staatliche Consumsteuer, welche dem Interesse des Handels verderblich sei und die Steuerzahler überbürde. Es ist eine Versammlung von Vertretern des Handels auf den 27. März einberufen worden. In den Handelskreisen befürchtet man, daß die Consumsteuer einen starken Einfluß auf die Colonial- und Specereigeschäste ausüben, eventuell ein allgemeines Moratorium nothwendig machen werde. Die fremden Vertreter protestirten ebenfalls gegen die Consumsteuer als vertragswidrig.
Cettinje, 23. März. Die Fürstin Milena ist schwer erkrankt.
Bukarest, 26. März. Anläßlich des zehnten Jahrestages des Erhebung Rumäniens zum Königreich fand in der Kathedrale ein feierliches Tedeum statt. Daraus nahm der König die Glückwünsche sämmtlicher Minister und der Vertreter des diplomatischen Corps entgegen. Außerdem trugen zahlreiche Persönlichkeiten ihren Namen in die im königlichen Palais ausliegendcn Listen ein. Die Stadt hat festlichen Fahnenschmuck angelegt.
Athen, 26. März. Der Antrag, betreffend die Versetzung des früheren Ministerpräsidenten Tricupis in den Anklagestand, ist der Kammer heute zugegangen. Derselbe ist von 29 Abgeordneten der ministeriellen Partei unterzeichnet.
Athen, 27. März. Die Kammer wird Montag in die Berathung über den Anklageantrag gegen den vormaligen Ministerpräsidenten Tricupis eintreten.
Rewyork, 26. März. Nach einer Meldung des „Herald" aus Chicago greift die Influenza in größerem Umfange um sich- die Todesfälle hätten sich bis 150 täglich gemehrt, zahlreiche Aerzte seien erkrankt. Aus Pittsburg werden 10000 Erkrankungsfälle und aus Cleveland in Ohio 2000 gemeldet. 160 Newyorker Polizeiagenten sind erkrankt.
Nenefte Nachrichten.
WolffS telegraphisches Lorresponbmz-Bureau.
Berlin, 28. März. In Sofia feuerte gestern Abend ein Attentäter drei Revolverschüsse auf die Minister S t a m b u l o s f und B alt sch ew. Baltschew blieb sofort todt. Der Attentäter ist entflohen. — Bei Abbazzia kippte bei einer Spazierfahrt infolge stark bewegter See em Ruderboot um, in welchem sich die beiden Grasen Frieß, die Gräfin Frieß und der Graf Kesselstadt befanden- letztere beiden ertranken.
auch anstatt des frischen Grüns des Frühlings die Natur uns ein winterliches Kleid zeigt, so bedeutet trotzdem der Klang der Osterglocken den Einzug des Frühlings. Der Anbruch einer besseren Jahreszeit wird beginnen, ihr Kommen wird neu beleben ben gesunkenen Muth. In der alten Mutter Erde, die im Winterschlaf starrend geruht, regt sich doch das neue Leben.
Doch im Geläute der Osterglocken klingt nicht nur die Ankündigung des holden Knaben Lenz, in ihm tönt vielmehr als Grundton der Erlösungsruf der ganzen Menschheit. „Christ ist erstanden, freue dich, freue dich, o Christenheit!" Was Weihnachten uns verheißen, Ostern bringt erst die Erfüllung.
Was wäre die Welt ohne Ostern? Was sie einst war ohne Christus, ein der Selbstsucht dienender Cultus, der in Nacht und Barbarei versank, „dem das erste Fundament jeder wahren Civilisation mangelte: die Achtung des Menschen vor dem Menschen, und jener edelste Zug, der allein uns vor den Ueberwucherungen der Selbstsucht zu bewahren vermag: das Mitleid mit dem Unglück und der Hilflosigkeit."
Seit Menschen die Erde bevölkern, war keine größere welthistorische Umwälzung da, als sie in Ostern durch das Leben und Wirken Jesu Christi herbeigeführt wurde- sein Werk hat nicht nur die letzten Spuren des altjüdischen Staates, nicht nur den Zusammenbruch des ungeheuersten Reiches, das je die Erde gesehen — des Römerreiches — überdauert, an ihm sind auch die furchtbaren Zeiten der Völkerwanderung, die lange Nacht des Mittelalters spurlos vorübergegangen. So oft auch die Religion der Liebe in ihr Gegentheil verkehrt wurde, die Menschheit muß immer zur reinen Lehre Jesu Christi zurückkehren. Alle philosophischen Systeme, die vom grauesten Alterthum an sich bildeten und eines das andere verdrängte, tragen den Stempel des Vergänglichen an sich- was Jesus von Nazareth lehrte, ist ewig, fein Werk ist unvergänglich. Und diesem seinem göttlichen Werk hat er die Krone aufgesetzt durch seine Auferstehung.
Und wer sollte drum nicht einstimmen in den Jubelruf der Osterglocken? Wer sollte sich nicht freuen an dem Feste, das wir zur Erinnerung an das größte Heil, welches der i Menschheit widerfahren, wieder feiern ?
Freilich die Selbstsucht, der Eigennutz, das Rennen und Jagen nach Reichtümern, Genüssen und Ehren hat in gar manchem Herz, ja in ganzen Gesellschaftsklassen den Glauben und die Beachtung der göttlichen Lehren des Menschensohnes verloren gehen lassen und ihren unersetzbaren Werth verschätzen gelernt. Ja, wenn diese Lehren in ihrer unverfälschten Reinheit Gemeingut würden in der Hütte wie im Palast, im Herzen des Armen wie des Reichen, dann wäre Ostern erst das rechte Auferstehungsfest. In diesem Sinne, lieber Leser, fröhliche Ostern!
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Deutsches Reich.
Altona, 26. März. Fürst Bismarck ist um 1V2 Uhr zum Besuche des Grafen Waldersee hier eingetroffen- er kehrte um 5*/2 Uhr nach Friedrichsruh zurück.
Wilhelmshaven, 26. März. Mittelst kaiserlicher Cabinets- ordre vom 24. März wurde Capitän zur See Geiseler von der provisorischen Wahrnehmung der Geschäfte eines Gouverneurs I entbunden und mit derGeschäflswahrnehmung desCommandanten I von Helgoland beauftragt. ____________
Amtlicher Theil.
Gefunden: 1 Wagenkette (3 m lang), 1 schwarze Schürze, 1 Firmenschild.
Gießen, den 28. Marz 1891.
Großherzogliches Polizeramt Großen. Fresenius.
Ostern!
-ck. Wenn auch Weihnachten das p°°s"U°Us" und Pfingsten das „liebliche" Fest . unter ben brel b’‘n
lichen Gedenktagen nicht ohne tiefen Grund g oftetn ntüflen, so hat doch das zwischen beiden liegende Fest der Ostern eine Bedeutung, die eS, im rechten Lichte betrachtet, als das höchste der christlichen Feste erscheinen läßt. Wir meinen damit fein Symbol der Auferstehung wie fürs Reich der Natur, so fürs Reich des Geistes. Das eben ist dav Besondere, Eigenartige bei dem Osterfest, daß bei ihm das Reale und Ideale Hand in Hand geht. Seit es Geschichte aibt, hat es kein schöneres, bedeutungsreicheres Fest gegeben, $ei dem Natur und Religion so schön mit einander harmonisch Vieh verbanden. , , ,
Wenn auch noch nicht der Bann des Winters gebrochen, der diesmal ein besonders strenges Regiment geführt, wenn


