Grenoble, 27. October. Nach neuerer Feststellung gab es bei der gestrigen Eisenbahnkatastrophe bei Bahnhof Moirans 15 Todte und 40 Verwundete.
London, 27. October. Nach einer Lloyddepesche aus Falmouths rannte gestern der englische Dampfer Boston das Barkschiff Charlwood im Canal La Manche an, das Barkschiff sank, 16 Personen ertranken.
totaler utt6> provinzielles.
Gießen, 27. October.
— Neves Theater. Wie uns der Theaterzettel von gestern verräth, befindet sich das berühmte Werk realistischer Richtung von Ernst v. Wildenbruch, „Die Haubenlerche", auf der hiesigen Bühne in Vorbereitung. Man hat sich lange hin und her gestritten, welches Stück der sogenannten neuen Richtung den meisten litterarischen Werth besitzt, die „Ehre" von Hermann Sudermann oder die „Haubenlerche" von Wildenbruch. Wir, die doch das Werk auch sehr gut kennen, sind der Meinung, daß die „Haubenlerche" der „Ehre" sich getrost an die Seite stellen kann. Wie nun dies ausgezeichnete Werk dazu gekommen ist, in vielen Städten Deutschlands und Oesterreichs verboten zu werden, ist uns offen gesagt ein unaufgeklärtes Räthsel- unserer Meinung nach hätte dann eher noch das Sudermann'sche Werk „Die Ehre" verboten werden müssen, denn so viel wir uns erinnern können, kommt in der „Haubenlerche" nichts vor, das ein Verbot der Aufführung hätte rechtfertigen können. Am Königstädtischen Theater in Kaffel wurde das Werk erst nach der sechsten Aufführung verboten und nach einigen Tagen aber wieder freigegeben, nachdem man sich überzeugt hatte, daß das großartige Opus weiter nichts als einen tiefen Werth in sich birgt. Wir sind daher auch der festen Ueber- zeugung, daß die „Haubenlerche" vor dem kunstverständigen Publikum Gießens denselben Erfolg haben wird, den das gleichwerthige Stück von Sudermann, „Die Ehre", in voriger Saison zu verzeichnen hatte.
— Der Gesangverein S'äugerkrauz beabsichtigt am Sonntag den 8. November d. I., Nachmittags 5 Uhr in Steins Sa al bau eine Mendelssohnfeier zu veranstalten und studirt für dieselbe die Chöre der Tragödie Antigone und So- phocles ein. Die Aufführung findet nicht, wie dies oft geschieht, als eine solche mit dazu verfaßter verbindender Dichtung statt- dieselbe wird vielmehr eine Recitation des ganzen Dramas in der Donner'schen Bühnenbearbeitung mit den herrlichen Melodramen und schwerwiegenden, großartigen Chören umfassen. Wir kommen später nochmals darauf zurück.
— Erledigte Stellen für Milit'aranw'ärter im Bezirke des 11. Armeecorps. Frankfurt a. M. Ober-Landesgericht, zwei nichtständige Hilfsgerichtsdiener, je 800 Mk. jährlich Diäten. Homburg v. d. H., Kreisausschußverwaltung des Ober-Taunus- kreises, Hauswart für das Kreishaus, verbunden mit der Stelle eines Bureaudieners des Kreisausschusses, auf 4wöchige Kündigung, 800 Mk. jährlich neben freiem Schlafzimmer. Bezirk des Königl. Eisenbahn-Betriebsamts Wiesbaden, zwei Telegraphen - Aspiranten, aus Widerruf, Anfangsgehalt je 1020 Mk. jährlich. Daselbst drei Lademeister-Aspiranten, zunächst auf Widerruf, je 85 Mk. monatlich. Eisenbahn- Betriebsamt zu Kassel, drei Weichenwärter, auf 1 monatliche Kündigung, 800 Mk. Jahresgehalt und der tarifmäßige Wohnungsgeldzuschuß (60 bis 180 Mk. jährlich) bezw. Dienstwohnung. Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Gießen, Großh. Ober-Staatsanwaltschaft Darmstadt, Gefangenwärter am Provinzial-Arresthaus in Gießen, auf Widerruf, eine baare Remuneration von 800 Mk. jährlich.
— Die „Offenb. Ztg." enthält ein „Eingesandt", dessen Inhalt, weil für jede andere Gemeinde zutreffend, beherzigens- werth ist. Das Eingesandt lautet: Aus Anlaß des letzten Brandes ist von einem hiesigen Herrn eine kleine Rundfrage in Scene gesetzt worden, um einmal annähernd festzustellen, wie weit die Nichtverficherung gegen Feuerschaden in unserer Stadt wohl noch gehe. Dabei hat sich denn das bedauerliche Resultat herausgestellt, daß noch sehr viele Familien beständig in Gefahr schweben, ihr kleines Eigenthum ohne jede Aussicht auf baldigen Ersatz einzubüßen, weil es nicht versichert ist. Vielfach ist es Nachlässigkeit, vielfach auch bewußte Handlungsweise- erhielt doch ein Fragesteller von einem ein Einkommen von ca. 1200 Mk. habenden Meister einer hiesigen Fabrik, einem braven und sonst recht intelligenten Manne, die Antwort: „Er habe so lange die Groschen umsonst bezahlt, daß er die Lust verloren habe, zu versichern." Gott behüte den Mann vor einem Brandschaden- es wäre eine furchtbare Lehre für ihn. Es kann nicht eindringlich genug an jeden Familienvater die Mahnung gerichtet werden: „Versichere dein Hab und Gut gegen Brandschaden!" Es kostet bei den allgemein für Offenbach üblichen billigen Prämien ja die Versicherung von 1000 Mk. kaum 1 Mk. im Jahre, und so viel ist doch die beruhigende Gewißheit werth, welche die Versicherung von Hab und Gut gegen Feuerschaden gewährt.
Ostheim bei Butzbach, 25. October. Am 20. October wurde an einem Birnbaum dahier der Leimring angelegt und am 24. October wurden an diesem Ringe nicht weniger als 105 Weibchen und 76 Männchen des Frostnachtspanners von Herrn Bürgermeister Schneider und dem Obstbaumwärter Herrn I. Schneider gezählt. Diese 105 Weibchen hätten allein schon genügt, den Baum mit ca. 25 000 Eiern zu belegen und eben so viele Raupen zu erzeugen, die sowohl die Blätter und Blüthen dieses Baumes gänzlich aufgefressen und somit auch die nächstjährige Ernte wiederum vernichtet hätten. An diesem einen Baume dürften sich die Zweifler, welche das Anlegen der Leimgürtel als Schwindel betrachten, ein Beispiel nehmen.
Friedberg, 26. October. Am verflossenen Sonntag wurde von einigen jungen Leuten ein älterer Knecht von hier be
trunken gemacht und dann aus dem Wirthslocal hinausgebracht. Hierbei gab einer der jungen Leute dem Knechte einen Stoß, sodaß derselbe wider einen Stein fiel. Nachdem nun der Knecht im Laufe der Woche gestorben, wurde eine gerichtsärztliche Section angeordnet, welche ergab, daß der Tod in Folge eines Schädelbruches eingetreten ist. Hierauf wurde der junge Mann, der den verhängnißvollen Stoß aussührte, Seitens der Staatsanwalt verhaftet.
Darmstadt, 26. October. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde von einigen Nachtschwärmern ein schweres Verbrechen verübt. Der Lumpensammler Muntermann nächtigte, wie üblich, in einem Gartenhause in der Nähe der Rosenhöhe. Als sein kleiner Hund anschlug, wurde M. und dessen Frau von fünf bis sechs Leuten überfallen und beide, namentlich aber Muntermann, arg zugerichtet- er empfing mehrere gefährliche Stiche, das Hündchen wurde gelobtet. Die Messerhelden sind erkannt und wird ihnen hoffentlich eine recht empfindliche Strafe werden.
Darmstadt, 26. October. Die hiesige Staatsanwaltschaft erläßt betreffs der Ermordung des Kartoffelhändlers^Peter Arndt von Mörfelden hinter dem muthmaßlichen Mörder, den Schuhmacher Christian Kuhmichel aus Schierstein einen Steckbrief. Der Verbrecher wird als ein Mann von etwa 25 Jahren, kräftig und untersetzt geschildert. Er ist 1.60 bis 1.65 Meter groß, besitzt ein volles Gesicht, einen struppigen Stoppelbart und trug weißen Umlegekragen, röth- liche lange Halsbinde, weichen schwarzen Schlapphut und dunklen Anzug. Kuhmichel ist erst dieser Tage aus dem Zuchthaus entlassen worden. Am 23. October sah man ihn in Frankfurt. Er ist ein gewaltthätiger Zuhälter, der schon einmal drei Jahre Zuchthaus wegen Straßenraubes verbüßt hat. An seiner linken Hand ist der Mittel- und Goldfinger am unteren Glied zusammengewachsen. Aus der linken Backe hat er eine kleine Narbe und am Hinterkopf zwei weiße Haarflecke.
Oppenheim, 26. October. Die Weinlese beginnt in Dienheim am 28. October, im hiesigen Berg am 2. November. Der Gartenwein ist sämmtlich verkauft, der anfangs bezahlte Preis bis Mk. 35 pro Aiche ä 64 Liter konnte sich nicht } erhalten, als Durchschnittspreis kann Mk. 3P/2 angenommen werden. Das Mostgewicht schwankt zwischen 75—85 Grad Oechsle. Portugiesertrauben wogen bis 95 Grad.
vermischtes.
* Frankfurt a. M., 26. October. Der heutige Polizeibericht meldet: Gestern Abend 10 Uhr wurde auf den Treppenstufen des Hauses Untermainkai Nr. 4 ein Findelkind aufgesunden. Das Kind, ein Mädchen, etwa 14 Tage bis 3 Wochen alt, ist mit einem weißen Jäckchen bekleidet und war in einen braunen Unterrock, sowie in ein Stück alter, gelb und roth gestreifter Pferdedecke eingewickelt. Es fand im städtischen Krankenhause Aufnahme. Die Mutter ist noch nicht ermittelt.
* Fulda, 20. October. Das „Fuld. Kreisbl." schreibt: Auf Grund divergirender Nachrichten in der Presse über den angeblichen Zigeunerraub auf dem Sulzhos (s. Nr. 246 d. Bl.) haben wir mit dem Vater des verschwundenen Kindes selbst Rücksprache genommen und hat dieser uns mit umflortem Auge und mit öfters erstickter Stimme Folgendes erzählt: „Seit acht Tagen nun sind die Meinen und ich abwechselnd auf der Suche nach dem Kinde, dessen Verlust mir unsagbar nahe geht- lieber wäre ich um meinen ganzen Hof gekommen und würde ich betteln müssen. Jedem leisen Winke, und mag er auch noch so unwahrscheinlich zur Leitung auf eine mögliche Pfadfindung zum rätselhaften Verbleib des kleinen Kindes geschienen haben, bin ich gefolgt. Mehrere Nachbargemeinden haben in rührender Weise sich zu meinen Diensten gestellt und haben eine Massensuche veranstaltet- ich reiste nach Hanau und machte in Begleitung eines keine Anstrengungen scheuenden Gendarmen aus Fulda den Weg von dort zu Fuß zurück- nichts Verdächtiges ist uns entgangen, jede Kleinigkeit haben wir beachtet. Darauf streifte ich mit fünf (3 preußischen und 2 hessischen) Gendarmen fast das ganze Vogelsgebirge ab, wobei ich an einem Tage 56 Kilometer über Stock und Stein zurückgelegt habe- bei Lauterbach stieß meine Begleitung, die sich noch um einen Bürgermeister vermehrt hatte, und ich auf einen Zigeunerzug von 4 Wagen. Die Zigeuner, übrigens durchaus nicht widerspenstig, ließen wir bis auf das Bettstroh und den letzten Lumpen auspacken, letzteres um vielleicht das Kleidchen des Kindes wiederzuerkennen.--
Alles vergeblich. Ich ließ xdie centnerschweren Steinplatten auf meinem Hofbrunnen abheben, in den Schacht steigen und noch vieles Andere thun, was man mir rieth — wieder Alles vergebens! Nun habe ich alle Hoffnung verloren, mein Kind wieder zu erhalten", schloß er, und wir haben diesem Nichts weiter hinzuzufügen.
* In Rappoltsweiler wird zur Zeit ein neues Reichs- postgebäude ganz in altelsässischem Stil aufgeführt, lieber dem Portal hat der Staatssecretär Dr. v. Stephan das in Stein gehauene Reliefbildniß des im Jahre 1801 in Rappoltsweiler geborenen berühmten Physikers Karl August von Steinbeil, welcher sich bekanntlich durch seine Entdeckung, die Erde zur Rückleitung der Telegraphierströme zu benutzen, unsterbliche Verdienste um die Entwickelung der Telegraphie erworben hat, anbringen und allen noch lebenden directen Verwandten Steinheils ein Lichtdruckbild des Gebäudes übersenden lassen.
* Mülhausen, 20. October. Gestern Morgen geriethen hier zwei über 70 Jahre alte Männer im Rausche mit einander in Streit, wobei der eine den anderen tödtete, nachdem er ihn zuvor gewürgt hatte. Beide waren Jahre lang Freunde gewesen, wohnten zusammen, schliefen in einem Bett, und arbeiteten auch in der gleichen Fabrik neben einander.
* Berlin, 21. October. Die Ähnlichkeit vieler Mieths- casernen in den neuen Straßen führt nicht selten zu fatalen Jrrthümern. Ein junger Jurist schlug sein mit allem
Comfort ausgestattetes Junggesellenheim am 1. Juli in einem Hause der Lübeckerstraße zwei Treppen hoch, rechts auf, und begab sich, als der Umzug vollendet war, auf eine Reise in fcie Alpen. Vor einigen Tagen traf er am Abend in Berlin wieder ein und die Droschke bringt ihn an das von ihm bezeichnete Haus. Der Ankömmling steigt mit seiner Reisetasche die zwei Treppen hinauf, langt den wohlverwahrten Corridorschlüssel aus der Tasche hervor und will öffnen. Aber der Schlüssel versagte seinen Dienst und der junge Mann, dessen größte Tugend die Geduld gerade nicht ist, begibt sich schleunigst auf die Sttaße, um einen Schlosser §u suchen. Er kehrt auch bald mit einem solchen an die Corridorthür zurück und hurtig beginnt der Meister mit den Dietrichen seine Arbeit. Das Schnepperschloß ist vorzüglich und die mit einigem Geräusch verbundene Oeffnung nimmt eine geraume Zeit in Anspruch. Endlich hat die Geschicklichkeit des Schlossers gesiegt. Die Thür wird zurückgestoßen und — da steht mit angeschlagenem Revolver ein entschlossen aussehender, bärtiger Mann vor den Beiden. Der Schlosser prallt zurück, und der Jurist ruft dem Revolvermann entgegen: „Was haben Sie hier zu suchen, Sie Einbrecher?" Und der Revolvermann schreit: „Spitzbubengesindel, jetzt folgt Ihr mir zur Wache, oder ich gebe Dampf!" Der Lärm führt die Flurnachbarn herbei, und durch deren Zwischenreden gelingt es, die beiden Parteien über die Lage aufzuklären. Der Jurist stand nicht vor seiner Wohnung, sondern zwei Treppen rechts im Nachbarhause, vor der eines fremden Herrn. Das Abenteuer verlief mit Heiterkeitsausbrüchen bei den Zeugen des Vorfalls und mit vielen Entschuldigungen der Hauptbetheiligten gegen einander.
* Einbeck, 18. October. Ein psychologisch merkwürdiger, leider tragischer Vorfall macht hier viel von sich reden. In Sülbeck hatte der 16jährige Sohn einer Bauernfrau in letzter Woche so sehr seine Freude an einem Kälbchen, das eine Kuh geworfen, daß er bat, dieses aufziehen zu dürfen. Die Mutter verkaufte aber das Thier, während der Sohn abwesend, zum Schlachten. Hierüber war Letzterer, als er heimkehrte, so erregt, daß er aus den Boden stieg und sich erhängte. Die Mutter fand ihn bereits leblos, bemühte sich aber mit ihrer Tochter um ihn durch Wiederbelebungsversuche. Diese waren allerdings von Erfolg- indessen blieb der Unglückliche geistig umnachtet und mußte nun in ein Irrenhaus ausgenommen werden.
* Erstes deutsch-akademisches Sängerfest in Salzburg. Zu Pfingsten (4., 5. und 6. Juni) 1892 soll in Salzburg ein deutsch-akademisches Sängerfest stattfinden, als dessen Theil- nehmer alle an deutschen Hochschulen (des Deutschen Reiches, Oesterreichs und der Schweiz) bestehenden akademischen Gesangvereine, Studenten - Liedertafeln u. s. w. gedacht sind. Es ist ein Begrüßungsabend, ein großes Concert in der Aula academica, eine Delegirtenversammlung, ein Gartenfest, eine Hauptversammlung, ein Ausflug nach Berchtesgaden-Königssee und ein Commers in Aussicht genommen. Bei der großen Bedeutung, welche dieses Fest für das gesammte, deutsche akademische Leben und insbesondere für die künstlerischen Bestrebungen der Studentenschaft zu haben scheint, ist eine zahlreiche Betheiligung wohl zu erwarten. Auch viele Alte Herren akademischer Gesangvereine dürften diesen Anlaß zu einer Pfingstfahrt nach Salzburg willkommen heißen. Der Gemeinderath der Stadt Salzburg hat in seiner Sitzung vom 7. September dss. Js. den Plan, dieses Fest ins Leben zu rufen, freudigst begrüßt und die Absicht ausgesprochen, demselben alle Förderung zu Theil werden zu lassen. Die Anregung ging vom Wiener Akademischen Gesangverein aus.
* Eine heitere Verordnung ist vor einigen Tagen von den englischen Eisenbahn-Verwaltungen erlassen worden. Junge und alte Engländer, mit und ohne Spleen, haben die löbliche Gewohnheit, ihre Füße auf Stühle, Tische, Fauteuils und sonstige nützliche und für ganz andere Zwecke bestimmte Möbelstücke zu legen, wenn sie es sich recht bequem machen wollen, und das wollen sie meistens immer. Natürlich machen die Engländer von dieser schönen Sitte auch auf Reisen Gebrauch und die Plüschsitze in den Eisenbahnwaggons erster und zweiter Klasse nehmen in Folge der zärtlichen Fußtritte der Gentlemen gewöhnlich so rasch ein schäbiges Aussehen an, daß sie meistens schon verbraucht sind, bevor sie ihren eigentlichen Zweck, „besessen" zu werden, erfüllt haben. Die Eisenbahn-Verwaltungen, die von der Abnutzung der Sitze ein trauriges Lied zu fingen wissen, haben nun unlängst in den einzelnen Coupes gelbrothe Zettel an- schlagen lassen mit der herzbewegenden Inschrift: „Die Herren Reisenden werden höflichst und freundlichst ersucht, ihre Füße nicht auf die gegenüberliegenden Sitze zu legen. Unter den Sitzbänken stehen kleine Fußschemel." Die Einführung der Fußschemel war jedenfalls sehr gut gemeint, aber trotzdem nicht geeignet, die Herren Reisenden zufrieden zu stellen. Diese kümmerten sich wenig oder gar nicht um die „höfliche Bitte" und legten ihre Füße nach wie vor aus die gegenüberliegenden Sitze. Da kam die Eisenbahn -Direction in Glasgow aus einen genialen Einfall, der sofort den Beifall der anderen Bahn-Verwaltungen fand. Seit einigen Tagen fand man in den Coupes erster und zweiter Klasse fast aller englischen Bahnzüge folgende Worte, die wieder auf rothen Zetteln prangen: „Die Herren Reisenden werden höflichst ersucht, sich aus die Erde zu setzen, und ihre Füße aus die Fauteuils zu legen." Anfangs ärgerte man sich über die komische Verordnung, dann lachte man darüber, und jetzt soll man schon so weit gekommen sein, gegen dieselbe zu handeln. Man setzt sich wieder auf die für das Sitzen bestimmten Polster und stellt die Füße fein manierlich dorthin, wohin sie gehören, auf den Fußboden.
Univerfitäts - Nachrichten.
Jena, 25. October. In der Kreissynode Naumburg-Pforta berichtete der Vorsitzende vr Witte-Pforta, daß er sich zu Pfingsten 1890 mit dem alljährlich in Kösen zusammentreffenden Congresse deutscher Corpsstudenten in Verbindung gesetzt habe, um ein Aergerniß zu beseitigen. Gerade am Pfingstsonntage früh findet auf der


