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Freitag den 28. August
1891
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2ltntlichev Cheil.
Nr. 25 des Reichs - Gesetzblattes, ausgegeben den 21. d. M., enthält:
(Nr. 1973.) Übereinkommen zwischen dem Deutschen Reich und Belgien zum Schutze verkuppelter weiblicher Per- sonen. Vom 4. September 1890.
(Nr. 1974.) Handelsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und Marokko. Vom 1. Juni 1890.
Gießen, den 26. August 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Jost._________
Bekanntmachung,
die Schafräude zu Stangenrod betreffend.
Nach Mittheilung Großh. Kreisveterinäramts Grünberg ist nunmehr auch unter den Schafen der Herde des Schäfers Jost zu Stangenrod die Räude ausgebrochen. Die durch unsere Bekanntmachung vom 25. Juli l. I. (Anzeiger Nr. 173) über die Gemarkung Stangenrod bereits angeordnete Sperre bleibt bestehen.
Gießen, am 26. August 1891.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
___I- V.: Jost.___
Bekanntmachung.
Der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird
Montag den 21. September 1891 auf dem Viehmarktplatze (Grassee) zu Hungen eine Ausstellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisverthei- lung, veranstalten, für welche die nachstehenden Bestimmungen getroffen sind:
I. Bezüglich der von dem landwirthschaftlichen Bezirksverein zur Ausführung der Viehpreisvertheilung zur Verfügung gestellten 550 Jt.:
1. An der Ausstellung können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter, Viehhändler ausgenommen, betheiligen.
2. Sämmtliche aufzustellende Thiere sind bis Morgens 9 Uhr aus dem Viehmarktplatze (Grassee) zu Hungen aufzutreiben und von den Besitzern auf den ihnen von der Commission angewiesenen Ständen aufzustellen.
Nur preiswürdige Thiere werden prämiirt und zwar: a. Bullen im Alter von 1—2j/2 Jahren, b. Rinder, welche sichtbar trächtig und c. Kühe, die sichtbar trächtig sind oder frisch gekalbt haben.
3. Diese Thiere müssen selbstgezüchtet oder zum Zweck der Zucht mindestens 2 Monate vor der Preisvertheilung erworben sein und
4. folgenden Raffen angehören:
a. der reinen Vogelsberger Raffe; Mutterthiere, welche eine hellere Färbung am Euter zeigen, werden erst in zweiter Linie prämiirt,
b. der Simmenthaler Raffe und zwar dürfen aa. Bullen nur der reinen Simmenthaler Raffe
angehören, «
bb. dagegen können Mutterthiere auch dann prämiirt werden, wenn solche wenigstens ausgesprochen des Simmenthaler Typus sind.
5. Unter solchen gleichen Verhältnissen erhalten selbstgezüchtete Thiere bei der Prämiirung den Vorzug.
6. Hinsichtlich der Bullen Simmenthaler Raffe ist urkundlich nachzuweisen, daß solche entweder direct aus dem Simmenthal eingeführt worden sind oder daß dieselben aus einer Reinzucht stammen.
7. An Preisen werden aus Vereinsmitteln gewährt:
1. für den schönsten Bullen, Simmenth. Raffe 45 <X
2. „ „ „ Vogelsberger „ 45 „
3. ein Preis a 40 „
4. „ „ a 30 „
5. zwei Preise ä 25 50 „
6. „ „ ä 20 „ 40 „
zusammen 8 Preise — 250 JL
8. Für Rinder und Kühe:
1. zwei Preise ä 35 70
2. „ „ a 30 „ 60 „
3. „ „ a 25 „ 50 „
4. „ „ ä 20 „ 40 „
5. „ „ ä 15 „ 30 „
6. fünf „ ü 10 „ 50 „
zusammen 15 Preise — 300 «X
II. Bezüglich der von der Stadt Hungen zur Ausführung der Viehpreisvertheilung zur Disposition gestellten 200 gelten ebenfalls vorstehende Bedingungen, jedoch sollen aus diesen Mitteln auch nicht im Kreise Gießen wohnende Züchter bei Vorführung von preiswürdigem Vieh mit Prämie bedacht werden. H
III. Es bleibt dem Ermeffen der Prämiirungs-Commission überlassen, die bestimmten Preise innerhalb des Gesammt- betrages je nach der Güte der ausgestellten Thiere jeder Gattung auch zu übertragen.
Gießen, den 18. August 1891.
Der Vorstand des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Negierungsrath.
Deutsches Reich.
Darmstadt, 26. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden am Samstag den 29. d. M. hier nochmals Audienzen ertheilen, sowie Vorträge entgegennehmen und im Lause des Nachmittags nach Romrod abreisen.
Berlin, 26. August. Die gedrückte wirth schaft- liche Lage in unserem Vaterlande kommt auch in unseren industriellen Verhältnissen mehr und mehr zum Ausdruck. Hauptsächlich aus den Kreisen der Textil-Jndustrie kommen viele Klagen über mangelnde Aufträge. So müssen die Textilfabriken in Crefeld wegen mangelnder Aufträge den Betrieb wesentlich einschränken und unausgesetzt Arbeiter- Entlassungen vornehmen; in einzelnen Fabriken ist die Arbeitszeit um die Hälfte oder auch Zweidrittel verringert worden. In vielen Arbeiterfamilien herrscht bittere Noth. Die Zahl der subsistenzlosen Fabrikweber soll sich aus Tausende belaufen. Auch in Färbereien und in Appreturanstalten sind Stockungen eingetreten. Die bedeutende Schwarzfärberei von Beckerath entließ einen großen Theil ihrer Arbeiter. Auch in andern Theilen Deutschlands ist die Lage der Textilindustrie — ebenso aber auch diejenige anderer wichtiger Industriezweige — theilweise eine sehr gedrückte und scheint es hiermit leider noch nicht so bald besser werden zu wollen. Ebenso wird in vielen anderen gewerblichen Unternehmungen über anhaltende Geschäftsflauheit geklagt, die natürlich weite Kreise der Bevölkerung in empfindliche Mitleidenschaft zieht. Dabei halten sich die Getreide- und Brodpreise noch immer aus ihrer außerordentlichen Höhe, und umsomehr muß gewünscht werden, daß sich die Ernte-Ergebnisse in Deutschland doch noch günstiger gestalten, als ursprünglich anzunehmcn war- das nun eingetretene, etwas beständigere Wetter dürfte denn auch in dieser Beziehung noch Manches gut machen.
Frankfurt a. M., 26. August. Der Einladung der Stadt Frankfurt zur Veranstaltung einer Versammlung deutscher Städteverwaltungen aus Anlaß der gegenwärtig hier stattfindenden Internationalen Electro- technischen Ausstellung folgend, sind heute die Vertreter zahlreicher deutscher Städte eingetroffen. Nach dem ausgegebenen Verzeichniß sind von folgenden 149 Städten Vertreter angemeldet: Aachen, Allenstein, Altenburg, Altona, Augsburg, Bamberg, Barmen, Bautzen, Bayreuth, Berlin, Bielefeld, Bochum, Bockenheim, Bonn, Braunschweig, Bremerhaven, Breslau, Bromberg, Burg, Cannstadt, Cöthen, Colmar, Danzig, Darmstadt, Dessau, Dortmund, Dresden, Düren, Düsseldorf, Duisburg, Eisenach, Eisleben, Elberfeld, Elbing, Elmshorn, Erfurt, Erlangen, Eschweiler, Essen, Flensburg, Forst, Frankfurt a. O., Freiberg, Freiburg i. B., Fürth, Gelsenkirchen, Gevelsberg, Gießen, Glauchau, Gleiwitz, Gmünd, Gnesen, Görlitz, Göttingen, Gotha, Hagen i. W., Halberstadt, Halle a. S., Hamburg, Hamm, Hanau, Hannover,
Feuilleton.
Im L s ? a r e t h.
Von Gottfried Qucll.
(Schluß.)
Der verhängnißvolle Brief aber hatte so gelautet: „Verehrtestes Fräulein! Verzeihen Sie, wenn Ungenannter es übernimmt, Sie zu warnen. Derselbe will nur verhindern, daß ein Mann Sie täuscht, der Sie nicht liebt und der nicht Werth ist, Ihre Liebe zu besitzen. Ihr Geliebter, der Student Jorg, ist so weit entfernt, Sie zu lieben und Ihrer werth zu sein, daß er, wie ich beschwören kann, die schmutzige Gesellschaft einer Verworfenen genießt. — g."
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel war auf den Unschuldigen dies Verdammungsurtheil gefallen. Verleumdet, verschmäht, verworfen! Kurz daraus mußte er zum Dienst auf den Schießstand gehen, und hier hatte ihn das Unglück vollends zu Boden geworfen.
Nun ist er vielleicht aus immer ein Krüppel und em Unglücklicher. — Ach, wenn er wenigstens den Schurken, der ihn verleumdet und so unglücklich gemacht, kennte oder doch ahnte! Er stöhnt laut auf, so sehr packte ihn das Bewußtsein seines Jammers. Da kommt der Lazarethgehilse leise und mit zarter Hand legt er ihm Eis auf die brennende, fieberglühende Stirn und gibt ihm kühles Wasser zu trinken und wischt die fließenden Thränen sorglich ab, und der Arme streichelt ihm dankbar mit der Hand den hilfreichen Arm.
Da horch, plötzlich beginnt der Kranke daneben, der von einem unglücklichen Lanzenstich in der Brust schwer verwundete Ulan, leise zu röcheln und zu sprechen. Seit drei Tagen
in die prächtige Fernsicht, über den schimmernden Strom hinüber bis an die blauen, waldigen Berge — im Mai, im wonnigen Mai! Erstanden vom Schmerzenslager hier zu sitzen und zu träumen und zu fühlen, wie wieder Leben und Kraft, Hoffnung und Freude einziehen in den schwachen Körper, in das klopfende Herz, — ja, zu genesen, zu erstarken ist hier der rechte Ort.
Da und dort sitzen die von mancherlei Leiden genesenden Soldaten in ihren weißen, leinenen Lazarethuniformen — lauter junge, vor Kurzem so blühende Gestalten. Der trägt den Arm in der Binde, der einen Verband um das Haupt - aber die meisten rauchen, schwatzen, lachen schon wieder. — Jugendkraft und Jugendmuth heilen ja so schnell- glücklich, wer nur erst wieder das Bert verlassen durfte.
Dort an der Gartenbrüstung lehnt unser junger Unteroffizier allein und schaut träumerisch in die Ferne. Seit nunmehr einer Woche ist ihm die schwere Binde von den Augen genommen worden. „Licht! Licht!" hat er gejubelt, „ich sehe! ich sehe!" hat er gejauchzt — ja, um eines Haares Breite ist diesmal Elend und Noth an ihm vorübergegangen. Aber nach dem ersten Rausche des Glückes ist er wieder ernst und still geworden, denn an jenem Abend, der ihm den Verbrecher an seinem Glück offenbarte, haben ihn Schrecken und entsetzliche Ausreguug zu tief erschüttert. Der Unglückliche, einst sein Freund, der ihn so elend verrathen nnd beschimpft, ist nicht mehr. Er hat gräßlich gebüßt — nun ruht er da drüben, wo die Soldaten ihren ewigen Schlummer halten. De mortuis nil nisi bene!
Das hat sein Glück gedämpft und darum schaut er mir feierlicher, andächtiger Stimmung in den lachenden Frühling hinaus. — „Ob Louise meinen Bries bekommen und gelesen hat? Ob die schmählich Betrogene in ihrem unseligen Jrr- thum ihn nicht vielleicht ungeöffnet zurückschickt?" Das ist
schon ist er ausgegeben von den Aerzten, schon einmal hat er im Todeskampfe gelegen- jetzt beginnt wieder der schreckliche Zustand.
„Was soll ich thun, was soll ich thun?" flüsterte er fieberschauernd. „Hier in der Brust, sieh her, das ist der Lohn! Ha, ha, Fritz, der Lohn!" brüllt er und reißt mit den Händen am Verband. „Keinen Schuß Pulver werth bin ich Hund, — erstechen muß man den Schurken, den Lügner, den Mörder!--O, ich hab ja meinen Freund
auch hinterrücks erstochen, so recht feig mit der spitzigen Feder ---0/ ich hab ja ihn und seine Liebe erstochen mit der Feder, mit der Feder, ha, ha, ha!" heulte er laut und gräßlich. ,
Voll Entsetzen hören ihn die beiden anderen. Sem Nachbar aber richtet sich plötzlich, von einem wüthenden Gedanken durchzuckt, hoch auf im Bette und tastete mit zitternder Hand nach dem Rasenden. „An wen hast Du geschrieben, wen hast Du getroffen mit Deiner spitzigen Feder? Sprich oder ich erwürge Dich wie einen Schurken, wie einen Lügner, einen Mörder!"
„Ach, bist Du's, Karl? Ja, ich muß sterben. Dich hab ich giftig verleumdet, Dich um Dein Glück gebracht, Dich und Deine Louise! Denn ich hasse Euch beide und darum bin ich wegen Euch beiden zum Lügner, zum Meineidigen geworden--ha, ha, ha, jetzt fahr ich zum Teufel!"
— Und schäumend in der Fieberhitze springt der Todtwunde aus dem Bette, der Wärter auf ihn zu . . . Da schlägt er zuckend auf den Boden, Blut strömt aus dem Munde, langsam recken sich die Glieder — er ist tobt.
Wie köstlich ist der Maimorgen hier oben im Park ! Wie lieblich duften die Blumen, wie freundlich rauschen die ehrwürdigen Linden! Und hinunterzuschauen ins weite Thal,


