Nr. 147. Erstes Blatt.
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Sonntag den 28. Juni
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1891
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M Meßmer QPielCitelCittft ®*Atn dem Anzeiger «Dchmtlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
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AnrMchen Lhell.
Gefunden: 1 schwarze Schürze, 1 Kinderstrumpf, 1 Halsbinde, 2 Stück Leder, 1 Düte Nägel, 1 Jäckchen, 1 Büchelchen, 1 Messer, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Tischdecke, 1 Vroche und 1 Kinderschuh.
Zugelanfen: 1 Mopshund.
Gießen, den 27. Juni 1891.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Neueste Nachrichten.
WvlsiS telegraphische» EorrespLNderir-Vureau.
Kiel, 26. Juni. Der Kaiser ging heute um 10 Uhr 'auf dem „Meteor" in See. Der Prinz und die Prinzessin Heinrich folgten auf der Kreuzercorvette „Irene".
Metz, 26. Juni. Durch den gestern Abend niedergegangenen Wolkenbruch ist der Eisenbahndamm zwischen Courcelles und Pange unterwaschen. Bei Teterchen ist der Tunnel zugeschwemmt. Beide Strecken sind unfahichar.
Basel, 26. Juni. Ueber den gestern gemeldeten Z u- sam menstoß zweier Züge im Bützberg - Tunnel wird weiter gemeldet: Der Personenzug war Abends 6 Uhr von Brugg nach Basel abgefahren. Im Bötzberg-Tunnel, fünfhundert Meter von dem südlichen Ende, wurde die Maschine defect und versagte den Dienst. Der Zug fuhr nach längerem Stillstände rückwärts dem Tunnelausgange entgegen. Inzwischen war von Brugg ein Güterzug abgelassen worden, weil man glaubte, der Personenzug habe die Strecke längst passirt. Hierbei fuhr die Güterzugmaschine in das Ende des Personenzuges, wo sich der Postwagen befand. Der Unfall verlies verhältnißmäßig günstig, weil der Güterzug in Folge des starken Ansteigens der Strecke sehr langsam fuhr Verwundet wurden ein Conducteur und ein Postangestellter ernstlich (Arm- und Beinbruch), ein Engländer leicht am Kopse. Der Post- und Gepäckwagen von dem Personenzug, sowie die Güterzugmaschine sind beschädigt.
Bern, 26. Juni. Die Linie Bern-Luzern wird des Hochwassers wegen bei Langenau etwa zwei Tage unpassirbar sein. Auch die Emmenthalbahn ist theilweise beschädigt und im Betriebe gestört.
Bern, 26. Juni. Der Nationalrath verzichtete bezüglich der vom Ständerath abgelehnten Amnestirung der
Tessiner Aufständigen daraus, neue Beschlüsse zu fassen. Die Prozesse nehmen ihren Fortgang.
Brugg, 26. Juni. Der gestrige Zusammenstoß im Bötzberg-Tunnel soll nach neuester Darstellung erfolgt sein, weil ein heftiger Nordwind gerade den Rauch nach Süden blies, so daß dadurch die rothe Signallaterne nicht sichtbar war.
Budapest, 26. Juni. In Folge eines Versammlungsverbots hatten aus ständige Arbeiter hier den Behörden gegenüber heute eine drohende Haltung angenommen. Durch den Aufmarsch einer Compagnie Infanterie wurden weitere Ausschreitungen verhindert. Auch nach Sajteng wurden in Folge der Arbeiterbewegung Truppen beordert. In Batonya kamen neue Verhaftungen vor.
Paris, 26. Juni. In der heute abgehaltenen Versammlung der Bäckergesellen wurde ein Antrag angenommen, welcher an die Gesellen, die in vergangener Nacht gearbeitet haben, die Aufforderung richtet, sich heute den Streikenden anzuschließen. — Ein Schlächter theilte in dieser Versammlung mit, die Schlächtergesellen in den Schlachthäusern würden morgen ebenfalls aus ständig werden.
Paris, 26. Juni. Der Bäcker st rike scheint nicht allgemein zu werden. Nur größere Bäckereien sind genöthigt, ihren Brodbedarf bei anderen zu bestellen. Nirgends wird die Arbeit gehindert. Die Bäckereien werden polizeilich bewacht. Die Truppen sind consignirt für den Fall, daß Ruhestörungen stattfinden.
Grenoble, 26. Juni. Der Bischof von Grenoble, Fa v a, richtete heute an den Clerus seiner Diöcese einen Hirtenbrief, worin er die Republik als Regierungsform Frankreichs anerkennt.
London, 26: Juni. Im Unter Hause erklärte Hamilton es für unmöglich, ein genaues Datum und eine genaue Stunde für die Ankunft des Deutschen Kaisers auf der Themse anzugeben. Es hänge das von des Kaisers Bestimmung ab. Eine Flotteninspection an der Themsemündung sei nicht beabsichtigt.
Gießen, 27. Juni.
— Sitzung der Stadtverordneten vom 26. Juni. Anwesend : Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Beigeordneten Keller und Langsdorff, von Seiten der Stadtverordneten die
Herren Georgi, Grüneberg, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Heyligen- staedt, Homberger, Keller, Löber, Dr. Ploch, Schiele, Schmoll, Schopbach, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels. Das Gesuch des Herrn Bernhard Schmidt um Ertheilung der Concession zum Wirthschastsbetrieb im Hubler'schen Hause (Brandgasse) wird durch Bejahung der Bedürfnißfrage betr. des Ausschanks von Branntwein befürwortet,- ebenfalls befürwortet wird das Gesuch des Herrn I. Heck um Ertheilung der Concession zum Branntwein-Verkauf über die Straße in dem seither von Herrn Jordan (Bismarckstraße) innegehabten Laden. — Die Baugesuche der Herren Herm. Schäfer und Emil Harms haben Erledigung in der Baudeputation gefunden, weshalb die Stadtverordneten-Versammlung darüber nicht mehr zu verhandeln hat. — Herrn Rentner L. Bersch soll auf erstattete Anzeige hin aufgegeben werden, die den Bestimmungen des § 2 der Localpolizei - Verordnung nicht entsprechende Einfriedigung vor einem Bauplatze an der Alicestraße durch eine vorschriftsmäßige zu ersetzen. — Der siebente Punkt der Tagesordnung „Erbauung des Hardt- wegs" hat Erledigung durch einen Beschluß der Baudeputation gefunden. — Die Garnison-Verwaltung hat um pachtweise Ueberlassung eines 1300 HI Meter großen, zur Aufbewahrung von Kohlen dienenden Lagerplatzes nachgesucht. Es wird beschlossen, dem Gesuche nicht stattzugeben, da die in Aussicht genommene Lage des Platzes (zwischen Kaserne und Schützenhof mit Längsrichtung parallel zur Grünberger- straße) wie die projectirte Einfriedigung mit hohem Bretterzaun weder aus Schönheits- noch aus praktischen Gründen sich empfehle. Der von der Baudeputation in Vorschlag gebrachte Acker zwischen der Kaserne und dem Lärchenwäldchen wurde von der Versammlung aus gleichen Gründen für ungeeignet erklärt. Es soll der Garnison-Verwaltung anheim gegeben werden, ihr Gesuch unter Angabe eines anderen Platzes zu erneuern. — Die Großh. Handelskammer hat in einer Zuschrift an die Bürgermeisterei um Unterstützung eines an das Großh. Ministerium wie an den Reichstag zu richtenden Gesuches in Betreff eines Gesetzentwurfs über das Telegraphenwesen des DeutschenReiches gebeten. Danach sollen 1) die Telegraphen- und Fernsprech-Anlagen so angelegt werden, daß sie gegen die Einwirkung benachbarter electrischer Einrichtungen und Leitungen, mögen dieselben bestehen oder erst in Zukunft hergestellt werden, in sich selbst geschützt sind,- 2) die Festsetzung der Telegraphen- wie Fernsprech-Gebühren durch Reichsgesetz erfolgen,- 3) Theil- nehmer von Fernsprech-Anlagen, welche außerhalb eines Ortsbestellbezirks wohnen, zur Zahlung von Beiträgen zu den
Feuilleton.
Afrika.
Eine allgemeine Uebersicht.
(1. Fortsetzung.)
Die übrigen Grenzen Afrikas sind leicht sestzustellen, da eben der Continent überall vom Meere umflossen ist. Noch zu Ende der Tertiärzeit muß Afrika mit Europa an zwei Punkten zusammengehangen haben, einmal zwischen Tunis und Sicilien und zweitens zwischen Ceuta und Tarisa. Eine bis zu 324 Meter tiefe Straße trennt aber jetzt das Kap Bon von der großen unterseeischen Fortsetzung Siciliens im Süd- westen, der Adventure^Bank. Diese Tiefe ist fast genau gleich derjenigen der Straße von Gibraltar, die jedoch nur 14 Km. breit ist, während die Breite der Straße zwischen Tunis und Sicilien 150 Km. beträgt. Im Atlantischen Ocean rechnet man die vorwiegend vulkanischen Inseln Madeira, die Kanaren, die Kapverden, Fernando Poo, Principe, St. Thome und Annobom zu Afrika. Sie stehen alle noch auf dem Sockel des afrikanischen Festlandes, wenngleich sie zum Theil, wie die Kapverden, weit vom Continent entfernt liegen. Aber allen ist der Umstand gemeinsam, daß erst außerhalb derselben die über 4000 Meter betragenden großen Oceantiefen beginnen. Dahingegen liegen die Inseln St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha mitten im Atlantischen Ocean. Die beiden letzteren erheben sich auf dem Rücken, welcher die östliche und westliche Tiefenrinne des Atlantischen Oceans scheidet, während St. Helena aus einer Tiefe von weit über 4000 Meter aufsteigt. Obwohl daher diese Inseln am besten als oceanische zusammengesatzt und von den afrikanischen abgetrennt würden, werden sie gewöhnlich doch noch zu Afrika gerechnet. Als eigentliche Grenze Afrikas im Westen muß nach alledem die tiefe Rinne bezeichnet werden, welche, den Umrissen des afrikanischen Con- tinents folgend, in der Form eines 8 den östlichen Theilen des Atlantischen Oceans von der Küste Madeiras bis nach
dem Kap der Guten Hoffnung den Charakter einer echten Tiefsee gibt.
Eine weitere Reihe von Inseln ist Afrika im Osten vorgelagert. Dieselben sind weniger eng an den Sockel des Kontinents gebunden als die atlantischen Inseln- doch müssen sie, obwohl theilweise von halb indischem Typus, zu Afrika gerechnet werden, weil sie durch große Nähe an den Erdtheil gekettet sind. Diese Inseln sind das große Madagaskar, das durch eine sehr schmale, aber 3000 Meter Tiefe übersteigende Rinne von Afrika getrennt ist, ferner die Komoren, Aldabra, die Farquhar- und Providence - Inseln, die Amiranten und Seychellen, sowie Mauritius und Reunion, welche mit den Seychellen durch die großen Bänke Saya de Malha, Nazareth und die Cargados-Klippen in Verbindung stehen. Auch zwischen den Seychellen und der Saya de Malha-Bank ist das Meer über 4000 Meter tief und eine ebensolche Tiefe liegt zwischen Mauritius und Rodriguez. Von diesen Inseln sind vulkanisch die beiden letzteren und Reunion, alle drei zusammen die Maskarenen genannt, sowie die Komoren; die übrigen kleineren sind Korallengebilde, Madagaskar dagegen ein Stück alten Festlandes, vom afrikanischen Continent 400 Km. entfernt, also nicht so weit wie die Kapverden. Die Bänke östlich der Seychellen nähern sich schon den Tschayosinseln, welche über die Malediven auf Indien Hinweisen. Trotz der versuchten Reconstruction eines angeblichen alten Festlandes, Lemuria, zwischen Madagaskar und Indien, wird es richtiger sein, die Grenze Afrikas im Osten in das tiefe Meer zwischen den Seychellen und Tschagosinseln zu verlegen, wenn man nicht allen eben besprochenen Inseln sammt Madagaskar eine Sonderstellung als oceanische Inseln gleich St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha anweisen will.
Zu Afrika gehören weiter an der Ostküste die Inseln Mafia, Zanzibar, Pemba, Lamu und zahlreiche kleinere, ferner Sokotra als Fortsetzung des Hornes der SomabHalb- insel, und im Rothen Meere Massaua und andere. Endlich wollen wir die südöstlich von Afrika im Indischen Ocean gelegenen Crozet-Marion-Kerguelen-Jnseln, sowie die einsamen
Vulcane St. Paul und Amsterdam noch zu Afrika rechnen, obwohl dieselben als oceanische Inseln im Grunde auch völlig selbstständig betrachtet werden können.
Infolge des Umstandes, daß Afrika auf allen Seiten vom Meere begrenzt ist, fällt es nicht schwer, die Größe dieses (Kontinents zu berechnen, wogegen z. B. bei Europa die Frage, wie weit der Erdtheil als solcher sich namentlich nach Osten erstreckt, zu verschiedenen Ansichten über das Areal desselben führen kann. Nach den genauen Berechnungen in Behm und Wagners „Bevölkerung der Erde" (1882) muß das Areal des afrikanischen Festlandes auf 29,283,390 Q.-Km. oder 531,817 deutsche geographische Quadratmeilen angegeben werden. Damit erhält Afrika den zweiten Platz unter den (Kontinenten, wenn man Nord- und Südamerika als gesonderte Festländer auffaßt. Rechnet man dagegen die beiden letzteren als Gesammtsestland, so tritt Afrika in die dritte Stelle zurück. Jedenfalls ist es der größte der drei Süd- continente und der zweitgrößte der die Ostfeste bildenden Erdmassen. Zu der Hauptmasse Afrikas treten aber noch die Inseln hinzu, welche zusammen 626,054 Q.-Km. oder 11,369,7g geographische Q.-Meilen Areal haben. Von ihnen nimmt Madagaskar, die drittgrößte Insel der Erde, allein 591,563 Q.-Km. oder 10,743,41 geogr. Q.-Meilen ein, ist also größer als Deutschland. Der Rest des Jnselareals ver- theilt sich auf die sämmtlichen übrigen afrikanischen Inseln einschließlich derjenigen im südlichen Indischen Ocean und der Eilande Ascension, St. Helena und Tristan da Cunha. Zieht man nur diese drei Inseln hinzu und läßt die des südlichen Indischen OceanS weg, so ergibt sich für Afrika ein Areal von 29,621,191 Q.-Km. Mit allen Inseln zusammen hat aber Afrika ein Areal von 29.904,254 Q.-Km. — 543,192,5 geogr. Quadratmeilen oder rund 30 Mill. Q.-Km. Das Verhältniß der Inseln zu dem Hauptstamm ist gleich 1 : 47, demnach ein sehr ungünstiges, während es für Europa 1 : 21 beträgt, selbst wenn man Spitzbergen, Nowaja Semlja, Island und die Azoren nicht zu Europa rechnet.
(Fortsetzung folgt.)


