Ausgabe 
28.1.1891
 
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1891

Nr. 23

Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger

Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren.

Hratisßeikage: chießmer Jamitienölätter

Mittwoch den 28. Januar

Alle Anrwncen-Bureaux deS In« und Auslandes ach«« Anzeigen für dmGießener Anzeiger" entgegen.

Redaction, Expetitt», und Druckerei:

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dm fslgmdm Tag erfcheinendm Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Äierteljährtgre Zd-nnewcatrprets; 2 Mark 20 Pfg. mh Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener W««ttie»StLtter verdm dem Anzeiger NSchentüch dreimal beigelegt.

Ter -ießrner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS MsntagS.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Die Berichtigung der im Monat Januar d. I. gerichtlich erkannten Forst- und Feldstrafen hat in den ersten 25 Tagen des Monat Februar 1891 und zwar mit Ausschluß des 12., 13. und 14. an die Großh Districtseinnchmerei Gießen I bei Meldung der Beitreibung zu erfolgen.

Gießen, den 27. Januar 1891.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen-

Gnauth.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 26. Januar. Se. Majestät der Kaiser hat aus Anlaß des hundertjährigen Stiftungsfestes des 4. Großh. Infanterie-Regiments (Prinz Carl) Nr. 118 folgende Gnadenbeweise eintreten lassen: Den Character als Generalmajor erhielt der Oberst z. D. Winter, zuletzt Commandeur des 3. Großh. Jnf.-Regts. (Leib-Regts.) Nr. 117, zum überzähligen Hauptmann wurde befördert der Premier­lieutenant Walter vom Regiment) Ordensdecorationen erhielten und zwar: den Rothen Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleift: der Oberst Kuchenbecker, Commandeur des Regiments, den Rothen Adler-Orden 4. Klasse: der Major Tauscher, der Hauptmann K ü l p vom Regiment; der Oberstabsarzt a. D. Dr. Groß, zuletzt im jetzigen 2. Großh. Jnf.-Regiment (Großherzog) Nr. 116; den Königl. Kronen-Orden 2. Klasse: der Generalmajor z. D. v. Grün dl er, zuletzt Commandant von (Solberg; den Königl. Kronen-Orden 3. Klasse: der Oberstlieutenant a. D. Hauß, zuletzt im jetzigen 2. Großh. Jns.-Regt. (Großherzog) Nr. 116; den Königl. Kronen- Orden 4. Klasse: der Premier-Lieutenant v. Wachter II. vom Regiment.

Berlin, 26. Januar. In Gegenwart sämmtlicher, zur Zeit in Berlin anwesenden Mitglieder des Kaiserhauses und der fürstlichen Taufgäste von auswärts fand heute Nach­mittag im entsprechend hergerichteten Speisesaal des Berliner Residenzschlosses die feierliche Taufe des jüngsten kaiserlichenPrinzen statt. Die heilige Handlung wurde durch Consistorialrath Dr. Dryander vollzogen. Nach Schluß derselben brachten sämmtliche Fürstlichkeiten der Kaiserin ihre Glückwünsche dar, woraus die hohe Frau im Audienzzimmer eine Defilircour der übrigen Taufzeugen entgegennahm. Als­dann folgte im Weißen Saale eine größere Galatasel. Bei derselben saßen rechts vom Kaiser die Kaiserin Friedrich in Heller Atlasrobe, der Herzog von Genua, die Prinzessin Wera und Prinz Heinrich; linkö vom Kaiser die Großherzogin Marie, der Erzherzog Eugen von Oesterreich und die Herzogin

Caroline Mathilde. Der Herzog von Genua und Erzherzog Eugen trugen beide das gelbe Band des heute erst verliehe­nen Schwarzen Adlerordens. Der Kaiser brachte das Hoch aus den Prinzeu Joachim von Preußen aus.

Berlin, 25. Januar. Die socialdemokratische Reichstags- fraction hat den Antrag im Reichstage eingebracht, die Apo­theken in die Verwaltung deS Reichs übergehen zu lassen.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Worms, 26. Januar. Das Personenboot der H e s s i sch e n L u d w i g s b a h n hat heute Nachmittag den Verkehr wieder ausgenommen.

Koblenz, 26. Januar. Das Rheineis hat sich beim Kammereck wieder gestellt. In St. Goar ist die Aufregung groß. Der Corpsgeneral v. Los ist dorthin gereist. Die Truppen sind hier consignirt, um sofort zur Hilft bereit zu sein. Der Rhein steigt rapid. Das Moseleis geht hier stark vorbei.

Köln, 26. Januar. DieKöln. Volksztg." veröffentlicht einen Bries deS Missionärs Schynse, datirt vom Südufer des Victoriasees,4.October 1890. Schynse zog der Expedition Emins zum Victoriasee voraus. Der Brief erwähnt, daß die Wangoni ganz Uniamwesi verwüstet hätten. Der Marsch unter deutscher Flagge sei ohne Schwierigkeiten erfolgt und die Häuptlinge hätten sich sehr zuvorkommend gezeigt, selbst da, wo früher der Marsch unter schweren Opsern erkauft werden mußte.

Speyer, 26. Januar. Der Oberrhein ist vollständig eisftei, das Wasser fällt langsam. Heute Nachmittag ist die Eisenbahn-Schiffbrücke eingefahren.

Karlsruhe, 26. Januar. Die Schiffsbrücke bei Maxau ist wieder aufgeführt und der Eisenbahnbetrieb darüber aus­genommen.

Braunschweig, 26. Januar. Die Generalcommission der hiesigen Socialiste» beschloß, in diesem Jahre von einer Feier des 1. Mai abzusehen, dagegen den ersten Sonntag im Mai zu feiern.

Helgoland, 26. Januar. Der Hamburger Dampfer Betty Sauber", Kapitän Schulz, mit Steinkohlen von Grimsby nach Hamburg, strandete im Nebel auf den Nathur- klippen. Die Mannschaft mußte wegen Explosionsgefahr das Schiff verlassen und wurde von einem Helgoländer Rettungsboot geborgen und gelandet. Der Seegang ist hoch, das Schiff Wrack.

Wien, 26. Januar. Die bisher angeordneten Abge­ordnetenwahlen finden in der ersten Hälfte des März statt, nur in Dalmatien sind sie bis zum 21. März hinaus-

geschobeu. Die Wahlen in den Städten Niederösterreichs sind wie in Wien aus den 5. Mürz festgesetzt.

Paris, 26. Januar. Der Zollausschuß beschloß, für reinseidene Gewebe 600 bezw. 400 Frs. Zoll zu befür­worten. Die Regierung hatte Zollfreiheit beantragt. Der Senator Baron Leguy ist gestorben.

Das Zuchtpolizei-Gericht verurtheilte vier der bei der anarchistischen Kundgebung am 2. d. M. Verhafteten wegen Landstreicherei und Waffentragen zu vier Tagen bis zu zwei Monaten Hast.

London, 26. Januar. Die Delegirten der Eisenbahn- Angestellten der Great Western Eisenbahn hielten in Gloucester eine Versammlung ab und erklärten nach einer Berathung mit ihren Auftraggebern die Antwort der Di­rectoren auf ihre Forderung wegen einer zehnstündigen Arbeitszeit an sechs Wochentagen für ungenügend.

Eine über Mexiko eingegangene Depesche aus Chile meldet, Präsident Balmaceda werde eine Zusammenkunft mit den Deputaten haben und sei bereit, einen Theil der Forde­rungen zuzugestehen. Wie verlaute, werde der englische Ministerrefident zwischen dem Präsidenten und dem Congreß zu vermitteln versuchen.

Greenock (Schottland), 26. Januar. Zahlreiche st r i k e n d e Eifenbahnarbeiter versammelten sich gestern in Folge der Wahrnehmung, daß ihre Stellen anderweitig besetzt waren. Sie zogen gegen Mitternacht zum Centralstrikebureau und griffen die herbeigeeilte Polizei an. Nachdem die Polizei bedeutende Verstärkung erhalten hatte, gelang es ihr erst gegen 2 Uhr, die Menge zu zerstreuen. Mehrere Polizeiagenten wurden durch Steinwürfe verwundet.

Glasgow, 26. Januar. Die Lage des Strikes der Bahnbediensteten ist unverändert. Indessen haben in Folge der Erleichterung des Verkehrs der Züge die meisten Bergwerke und Fabriken, die seit dem Beginn des Strikes feierten, heute die Arbeit wieder ausgenommen.

Antwerpen, 26. Januar. Als heute Nachmittag eine Rieseneisscholle am Hafendamm anlegte, wagten Hunderte von Personen sich daraus. Plätzlich brach die Scholle und viele Personen sanken in die Fluth.

Brüssel, 26. Januar. Der Kriegsminister beurlaubte in einem Circular zwei infolge der letzten Ereignisse einberufene Milizklassen aus einen Monat, indessen müßten sie sich stets bereit halten, aus Befehl wieder unter die Waffen zu treten.

Brüssel, 25. Januar. Zwischen dem Congo-Staate und den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, welch letztere bisher die Erklärung der Mächte bezüglich der Eingangszölle'sür den Congo-Staat noch nicht unter­zeichnet hatten, ist nunmehr ein Special-Ueberein- kommen getroffen worden, durch welches die Bereinigten

Feuilleton.

Haler Alexei, der Pope.

Eine russische Geschichte von Friedrich Meister.

(1. Fortsetzung.)

Ich woltte Dich bitten, Väterchen, mich wieder die Orgel in der Kirche spielen zu lassen," begann Iwan.

Das ist unmöglich," entgegnete der Priester kühl und abweichend.Ich habe Dich entlassen müssen, weil Du wieder­holt betrunken in die Kirche gekommen bist."

Ich will mich nie mehr betrinken," fiel Iwan ihm ins Wort,wenigstens nicht zur Kirchenzeit."

Das hättest Du Dir früher vornehmen sollen," sagte der Priester.Jetzt ists zu spät. August Hermann wird an Deiner Stelle die Orgel spielen."

Was? Der Hermann?" wiederholte Iwan zornig, den Genannten mit haßerfüllten Blicken messend, die ihm von demselben mit Zinsen zurückgegeben wurden.

Der Pope nickte.

Ja, ja, ich sehe, wie die Sache liegt!" rief der junge Nüsse in Wuth.Der Deutsche ist Dir von jeher lieber gewesen als ich, deßwegen hast Du ihn auch nur genommen und nicht wegen der paar salschen Töne, die ich gespielt! Was machst Du für ein Wesen davon, daß ich ein wenig betrunken gewesen bin? Wer betrinkt sich denn nicht? Ist j)enn etwa der große Czar selbst stets nüchtern? Wozu hat denn der Herrgott den Wutki geschaffen? Nein, Du hast an dem Deutschen einen Narren gesresftn, weil er Dir mehr zum Munde redet und Dir mehr Gefälligkeiten erweist als ich. Meine Braut, die Marfa Michailowna, hat er mir auch genommen, während ich damals nach Moskau verreist war

als ich noch hier war, da getraute er sichs nicht und nun hat er auch die Zeit abgelauert, wo ich betrunken ge­wesen bin, um mich um mein Orgelspiel zu bringen."

Wart, Du verwünschter Lügner!" rief der Deutsche, um de» Tisch herum und auf Iwan zuspringend. Der Pope aber erhob sich schnell und stellte sich ihm abwehrend ent­gegen, während Iwan einige Schritte zurückfuhr. Vater Alexeis Einmischung reizte Hermanns Zorn noch mehr; er umfaßte den Priester, um ihn auf die Seite zu schieben, waS ihm aber bei dem Widerstand desselben nicht sogleich gelang.

In diesem Augenblick öffnete sich die Thür des Neben- gemachs und Marsa Hermann erschien in derselben. Sie stand tief erschrocken, als sie den Zwist und das Ringen der Männer wahrnahm. Bei ihrem plötzlichen Erscheinen ließen Hermann und der Priester von einander ab und schauten ver­wirrt und verlegen drein.

Wie, August," sagte die junge Frau vorwurfsvoll,Du streitest Dich mit dem Vater Alexei? Schäme Dich! Was habt ihr miteinander? Was ist vorgefallen?"

August sah sich nach Iwan um, der aber war nirgends zu sehen.

DaS hätte ich nimmermehr von Dir erwartet, August," fuhr Marsa fort,vergib ihm, Vater Alexei, er kanns nicht so böse gemeint haben."

Ein hinter ihr beginnendes Kindergeschrei bewog sie, sich schleunigst zurückzuwenden; sie warf noch einen bittenden und beschwichtigenden Blick auf den Priester und dann schloß sie wieder hinter sich die Thür.

Dicht neben derselben, in der Ecke am Ofen, stand Jwav; derselbe hatte sich, als Marsa öffnete, hier versteckt.

Ich freue mich, zu sehen, daß Du doch noch etwas Schamgefühl in Dir hast, Iwan Iwanowitsch," sagte der

Priester ernst.Jetzt aber geh und verlaß das HauS. Geh! Hörst Du nicht?"

Der junge Russe that finster und stumm, wie ihm geheißen.

Als er hinaus war, setzte Vater Alexei sich wieder an den Tisch, um sein Glas Wutki auszutrinken.

Beruhige Dich, August Hermann," sagte er nach längerem Schweigen.Beruhige Dich. Der Mensch war wieder betrunken. Ich will nun auch gehen, es ist schon spät."

Ja, Väterchen, es ist spät," bemerkte August mechanisch. Dann hals er dem Priester in den langen, schweren Rock hinein und geleitete ihn zur Thür hinaus.

Ich sehe hier nur meine Spur von vorhin," sagte der Priester, auf den Schnee deutend.Der Iwan muß rechts heruntergelaufen sein, obgleich sein Haus doch entgegengesetzt liegt. Nun, er wird wieder in die Schenke getrabt sein. Gute Nacht, August Hermann!"

Gute Nacht, Väterchen!"

Der junge Deutsche trat langsam ins Haus zurück. Einer der Stühle war umgesallen, vorhin, als er aus den Russen zugesprungen; er bückte sich, hob ihn aus und schob ihn unwirsch aus die Seite, gegen den Ösen.

Plötzlich fuhr ihm ein eisiger Windhauch in den Nacken. Er wendete sich schnell herum. Ein Fenster stand weit offen, der Schnee wehte herein und am Tische stand ein Mann Iwan Iwanowitsch.

August Hermann verharrte starr vor jäher Wuth aus dem Flecke, die Fäuste geballt und die Augen sunkelnd aus den eingedrungenen Feind gerichtet.

Ich will Dir zeigen, Du deutscher Hund, was eS heißt, uns Russen die Weiber und das Brot zu nehme»," sagte Iwan mit zusammengebissene» Zähnen «ach einer un­heimlichen Pause. Damit griff er nach dem Revolver, den