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27/09/1891 Erstes Blatt
 
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Nr. 225 Erstes Blatt. Sonntag den 27. September 1891

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Anrtlicliev Ttzeil.

ng sowie zur Wahl ihrer Vertreter für auf

rier l. Is., Nachmittags 3 Uhr hhaus zu Holzheim

q des Rechtsnachtheils, daß die Nicht- ichtabstimmenden als dem bean- nmend und mit der Wahl der hen und mit ihren Einwendungen z.ang später nicht mehr gehört

lichen öffentlic.

ont 29 demAt ficht üi Zei

> Besr

Bekanntmachung, tetr.: Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschast zur Entwässerung der Fluren XU, XIII und XIV der

-r der Großherzogl. Bürgermeisterei Holzheim icher Grundeigenthümer, deren Grundstücke >e Fläche fallen, offenliegen.

en diese Grundeigenthümer zur Verhand-

das uetirte Ve Mitwoch, 14 in d vorgeladen unter L erscheinenden sowie tragten Unternehme Vertreter einverstand', gegen die Art der werden.

Gemarkung Holzheim.

Nachdem zur Ausführung einer Entwässerung von Grund­stücken in den Fluren XII, XIII XIV der Gemarkung Holz­heim Antrag auf Bildung einer öffentlichen Waffergenoffen- schaft gestellt worden ist und die Großherzogliche Obere landwirthschaftliche Behörde als fachliche Centralbehörde das beabsichtigte Unternehmen als zweckmäßig und zulässig erachtet und die Einl-ttung des Verfahrens zur Blldung einer öffent- nossenschaft angeordnet hat, wird hiermit zur ntniß gebracht, daß die Vorarbeiten hierzu mber bis einschließlich 12. October l. Is.

Diejenigen Grundeigenthümer und Waffernutzungs- berechtigten, die an dem Unternehmen nicht unmittelbar be- theiligt erscheinen, werden hiermit aufgefordert, etwaige Einsprachen gegen das Unternehmen in der vorerwähnten Tagfahrt geltend zu machen, widrigenfalls die Einsprachen nach Ablauf der Frist nicht mehr berücksichtigt würden und nur noch privatrechtliche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend gemacht werden können.

Gießen, den 25. September 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend den Oberhessischen Obstbauverein.

Herr Obstbautechniker Metz von Friedberg wird

Samstag, 26. September d. I. Abends 8 Uhr zu Albach, Sonntag, 27. Nachm. 3 Beuern.

27. Abends 8 Gr.-Buseck,

Montag, 28. 8 Alt.-Buseck,

Dienstag, 29. ,, n 8 ,, ,, Rödgen,

Mittwoch, 30. 8 Wieseck

Versammlungen abhalten und in denselben über die Obst- Ausstellung in Gießen sprechen. Es werden jedoch aus An­regung der Versammelten auch andere den Obstbau betreffende Fragen zur Verhandlung kommen.

Herr M e tz wird außerdem Montag Vormittags zu Alten- Buseck, Dienstag Vormittags zu Trohe, Nachmittags zu Rödgen, Mittwoch Vormittags zu Wieseck in den Baumstücken prac- tische Anleitungen über Baumpflege geben.

Alle Mitglieder des Obstbauvereins und alle Freunde des Obstbaues sind zu diesen Versammlungen und Demon­strationen freundlichst eingeladen.

Gießen, den 25. September 1891.

Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen. Nebels Amtmann.

Gefunden: 2 Taschentücher, 1 Messer, 1 Sonnen­schirm, 1 Hundemaulkorb und 1 Beil.

Zugelaufen : 1 kurzhaariger schwarzer Hund, 1 junge graue Katze.

Gießen, den 26. September 1891.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

j)ollttsche Wochenschau.

Gießen, 26. September.

Die Getreidepreise, welche in der vorvergangenen Woche wiederum erheblich in die Höhe gegangen waren, haben diese Tendenz erfreulicher Weise in den letzten Tagen nicht weiter verfolgt, wiewohl auch jetzt noch keine Rede davon sein kann, daß die Preisbildung sich nunmehr definitiv in absteigender Richtung vollziehen werde. Vielmehr muß die

Lage des gesammten Weltmarktes in Brotgetreide augen­blicklich als eine unentschiedene bezeichnet werden. Aus der einen Seite drängen sich gerade jetzt starke Waarenmassen aus Amerika und die jüngst erfolgten Roggenausfuhren aus Rußland zusammen und übt das derart zu Stande ge­kommene reiche Angebot einen Druck aus die Preise aus. Andererseits aber verhehlt man sich nicht, daß dieser Getreide- Überfluß nur ein scheinbarer ist und beträchtlich hinter der­jenigen Menge an Brodfrucht zurückbleibt, welche sonst während des Verlaufes des ganzen Jahres nach und nach importirt zu werden Pflegt, diesmal aber, soweit wenigstens Rußland in Betracht kommt, wegen des russischen Roggen­ausfuhrverbotes nicht in gleicher Weise wie seither zugesührt werden konnte, so daß in Wahrheit die gegenwärtig in großem Umfange verfügbaren Roggenbestände mehr noch als sonst für die Nachfrage des ganzen Jahres in Rechnung ge­zogen werden müssen. Ganz ungewiß ist hierbei aber vor­läufig, in welchem Maße das Angebot später hinter der Nachfrage zurückstehen wird. So kommt es, daß man auch jetzt noch kein sicheres Urtheil über die Preisgestaltung der Folgezeit abzugeben vermag. Eine wichtige Maßnahme har die Regierung mit der Aushebung der Paßzwang- ordnung für Elsaß-Lothringen in den letzten Tagen eintreten lassen. Auch mit dieser Maßregel ist ähnlich, wie mit der Aufhebung des Schweineeinsuhrverbotes, eine heftig umstrittene Angelegenheit aus der Welt geschafft worden. Die Paßzwangordnung wurde bekanntlich am 22. Mai 1888 zum Zwecke einer besseren Controlle über den Character fremder, insonderheit französischer Reisender in Elsaß-Lothringen erlassen, hatte aber mancherlei Schädigungen des Erwerbs­lebens und andere Unzuträglichkeiten im Gefolge, welche die gute Absicht des Gesetzgebers, die Reichslande Frankreich zu entfremden und mehr an Deutschland heranzuziehen, in ihr gerades Gegentheil verwandelten. In Folge dessen wurde die Sache im deutschen Reichstage wiederholt zur Sprache gebracht und zwar zuletzt, wenn wir nicht irren, am 10. Juni 1890, wo der Abgeordnete Eugen Richter eine bezügliche Interpellation an den Reichskanzler richtNe. Dem freisinnigen Abgeordneten assistirte aus der nationalliberalen Partei der Abgeordnete Petri aus Straßburg, welcher aus Grund einer genauen Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse eine schleunige Aufhebung der Verordnung wünschte. Gleich-

Feuilleton.

Herbstnebel.

Von A. Her.

(Schluß.)

Der Eingang zum Nebenzimmer war mit einem braunen Borhange verhüllt, gewiß barg sich hinter demselben Wohl- hausens Heiligthum; jeden Augenblick konnte er erscheinen und jedenfalls neigte er zur Eifersucht.

Schien es doch dem Eindringling, als richteten die Augen des Bildes sich mit einem Ausdrucke des Hasses aus ihn.

Gestern war mein Geburtstag," sagte sie. Und dann schritt sie geschäftig nach einem Schrank und holte Wein, Gläser und Kuchen hervor.Nicht wahr, Sie machen mir die Freude und trinken ein Glas Wein?" Und sie sah ihn so holdselig an wie damals, die blauen Augen leuchteten, sie waren noch immer schön, nur so unendlich traurig, es sprach Kummer aus denselben.

Er nickte mit dem Kopse und nahm einen Anlauf, um zu sagen: Ihr Herr Gemahl aber die Worte blieben ihm -in der Kehle stecken. Er ist schuld, daß sie so traurig ist, und er ballte die Faust und ließ sie schwer aus den Tisch fallen. L ,, ,, ,

Sie sah ihn verwundert an und reichte ihm Kuchen.

Nebel, Nebel, ganz grau wallte es vor dem Fenster.

Er hätte gern nach ihren Kindern gefragt, aber er wußte nicht, ob sie welche habe- er sah keine Bilder, keine Spielsachen, keine Schulbücher, nichts, was auf die Anwesen­heit von solchen schließen ließ. Vielleicht hatte sie Sohne, die im Cadettencorps erzogen wurden.

Sein Glas war vollgeschenkt, sie hob das ihre, neigte ihm das Gesicht etwas zu und ließ die Kelche zusammen- Hingen.

Ihr Wohl!" Ihre Stimme zitterte.

Aus gute Nachbarschaft- ich wohne nebenan und bin heute eingezogen." _ c

Ah!" Sie erschrack ordentlich und setzte das Glav so heftig aus den Tisch, daß der Wein überfloß.

Seine Blicke wanderten wieder zu Wohlhausens Bild.

Sie bemerkte es und sagte:Es ist nicht sehr ähnlich." Doch, es ist sehr ähnlich," versetzte er mit Heftigkeit. So hart, streng und herzlos hatte er immer ausgesehen. Wie ist es Ihnen die Zeit über ergangen?"

Damals, als wir uns zum letzten Male sahen, blühten die Rosen und jetzt" sie schwieg und starrte in den Nebel hinaus.

Es liegt viel zwischen dem Einst und Jetzt." Fast hätte er hinzugefügt: Mein Glück und das Deine.

Sie reisten damals so Plötzlich ab und kamen nicht wieder," meinte sie.

Meine Mutter erkrankte."

Ihre Mutter! Ich wußte nicht, daß es der Grund war," und dann wandte sie sich hastig ab, so daß er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Einige Secunden später bat fie: Erzählen Sie mir doch von Ihren Reisen", und sie hielt die Lider gesenkt. Er entsprach diesem Wunsche, er schilderte seine Erlebnisse in fernen Ländern, seine Abenteuer, seine Eindrücke- er malte alles Schöne, das er gesehen hatte, mit lebhaften Farben aus und zum Schluß seufzte er:Es geht doch nichts über die Heimath! Eine heiße Sehnsucht führte mich zurück, aber ich bin zur Ueberzeugung gekommen, daß ich auch hier das bin, was ich in Zukunft immer sein werde: Einsam und verlassen!"

Sein Seufzer fand ein Echo.Es geht Ihnen wie mir. Oft muß ich weinen, daß ich kein liebes Gesicht um mich sehe, daß sich Niemand in meiner Nähe befindet, der mich versteht, Niemands dem ich mein Herz ausschütten kann, Niemand, der mich tröstet, wenn ich traurig bin. Ich kenne viele gute Menschen, sie kommen und gehen und sind freund­lich und wohlwollend, aber im innersten Wesen bleibt man sich fremd und jeder leidet für sich."

Und Ihr Herr Gemahl?" stieß er hervor. _

Sie wurde roth, lehnte im Stuhl zurück und schlotz einige Secunden die Augen.

- Er betrachtete sie und bemerkte einzelne weiße Haare, die wie silberne Streifen aus dem goldenen Blond hervor­schimmerten.

Ich bin nie verheiratet gewesen," sagte sie leffe,mein Bräutigam starb wenige Tage vor der Hochzeit infolge eines Sturzes mit dem Pferde."

Wie!" ries er aus.Einsam und allein lebten Sie hier, ich dort, während wir glücklich hätten sein können!" Er rückte den Stuhl zu ihr heran und ergriff ihre Hand. Louise! Ich habe Dich geliebt!"

In ihren Augen standen Thränen und sie flüsterte: Wir sind nicht mehr jung!" Sie trauerte um den Früh­ling, der vorüber war.

Unsere Herzen sind noch jung," versetzte er mit weicher Stimme. Und dann legte er seine Hand auf ihr Haar und sagte:Weine doch nicht- ich liebe Dich von ganzem Herzen und ich will Dich auf den Händen tragen, daß Du keinen Augenblick in Deinem Leben mehr traurig bist."

Ich möchte Ihnen etwas sagen, aber Sie dürfen mich nicht ansehen."

Er wandte den Kopf und blickte in den Nebel hinaus, aber dieser schien ihm nicht mehr so undurchdringlich, denn er vermeinte hinter dem grauen Schleier das Leuchten der Sonne zu erspähen.

Ich bin Dir immer gut gewesen," sagte sie.

Bei diesen Worten drehte er sich blitzschnell um, aber er konnte ihre Augen nicht sehen, denn sie hielt sie auf ein Körbchen mit Astern gerichtet, welches vor ihr stand.Wie Du nun damals so plötzlich abreistest und nicht wiederkamst, ohne daß ich den wahren Grund ahnte, dachte ich, daß ich Dir gleichgiltig sei. Von Anfang an hatten die Eltern die Bewerbungen des andern begünstigt und bestürmten mich, ihn zu erhören." Sie seufzte.In allen diesen langen Jahren habe ich stets an Dich gedacht," und sie drückte ihr Gesicht in die Astern hinein.

Meine Louise! Mein Liebling!"

Der Nebel zerriß, das Licht fluthete durch das Fenster herein, goldene Strahlen zitterten auf dem Fußboden, schienen in ihr Gesicht und warfen einen glänzenden Schimmer über dasselbe.

Sie schlug die Augen zu ihm aus und in ihnen spiegelte sich ihre Seele wieder, eine Fülle von Liebe und Hingebung.

Aus Deinen Augen strahlt der Frühllng!" rief er aus und schloß sie in seine Arme.Geschwunden sind die Nebel, wohl ist es Herbst um uns, aber ein sonniger, GlüL verheißender, gesegneter Herbst!"