Mr. 119
1891
Mittwoch den 27. Mai
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Gießener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den ALreis Gieren.
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kargenden Lag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr. | ^1UlWWUU|j€. ^|UUllUCU9lUUU. | Anzeigen für den „Gießener Anzeiger» mtgege».
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Nr. 15 des Reichs-Gesetzblattes, ausgegeben den 22. d. M., enthält:
(Nr. 1950.) Gesetz, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Strafgesetzbuchs. (Vom 13. Mai 1891).
(Nr. 1951.) Gesetz, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüffe der Handfeuerwaffen. (Vom 9. Mai 1891).
(Nr. 1952.) Bekanntmachung, betreffend die Zuthellung der Insel Helgoland zu dem 5. Wahlkreise der preußischen Provinz Schleswig-Holstein. (Vom 16. Mai 1891).
Gießen, 26. Mai 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen. ___v. Gagern.__
Bekanntmachung,
Errichtung eines chemischen Untersuchungs-Amtes für die Provinz Oberheffen betreffend.
Unter dem Namen „chemisches Untersuchung-- Amt für die Provinz Oberheffen" ist in Gießen (Liebigstraße 12) eine Provinzial - Anstalt zur technischen Untersuchung, namentlich von Nahrungs- und Genußmitteln, sowie Gebrauchsgegenständen, errichtet worden. Sowohl den Staats- und Gemeinde-Behörden als auch Privatpersonen steht die Inanspruchnahme dieser Anstalt gegen Bezahlung der tarifmäßigen Gebühren frei.
Für Untersuchungen, welche im Auftrage der Kreisämter aber Gemeinden der Provinz in amtlicher Eigenschaft oder für amtliche Zwecke veranlaßt werden, wird nur die Hälfte der Tarifsätze berechnet. Der Tarif kann von den Großh. Kreisämtern oder direct von dem Untersuchungs-Amte bezogen werden und ist in demselben auch angegeben, welches Quantum von den einzelnen Untersuchungsgegenständen einzusenden ist.
Die Einsendung von Untersuchungsgegenständen kann vom 13. Mai d. I. an erfolgen und hat portofrei an das chemische Untersuchungs-Amt in Gießen zu geschehen; für persönliche Einlieferung derselben Seitens des Publikums sind die Stunden von 10—12 Uhr Vormittags und 3—5 Uhr Nachmtttags (mit Ausnahme der Sonn- und Festtage) bestimmt.
Gießen, den 25. April 1891.
Großherzogliche Provinzialdirection Oberheffen.
v. Gagern.____
Gießen, am 6. Mai 1891.
Betreffend: Errichtung eines chemischen Untersuchungs- Amtes für die Provinz Oberhessen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die GroHherzoglicheu Bürgermeistereien und Polizeibehörden deS Kreises.
Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung rubr. Betreffs empfehlen wir Ihnen dringend die Benutzung des Untersuchungsamtes zu den durch das Reichsgesetz vom 14. Mai 1879 vorgeschriebenen Untersuchungen von Nahrungsmitteln, Genußmitteln und Gebrauchsgegenständen. Ein Exemplar des Tarifs lassen wir Ihnen k. H- zugehen.
___________v. Gagern.________________
Bekanntmachung.
Der Obstbautechniker Metz von Friedberg wird Mittwoch den 27. Mai l. I. nach Odenhausen, Donnerstag den 28. Mai l. I. nach Rüddingshausen, Freitag den 29. Mai l. I. nach Geilshausen, Samstag den 30. Mai l. I. nach Lumda, Sonntag den 31. Mai l. I. nach Beltershain kommen, um den Landwirthen in den Baumstücken Anleitungen über Pflanzen, Schneiden, Behandeln der Obstbäume zu geben und im Anschluß hieran Vorträge über Obstbau halten. Die Anleitungen in den Baumstücken finden zu noch näher zu bestimmenden Stunden statt, die Vorträge sind mit Ausnahme derjenigen zu Treis und Beltershain, welche um 3 Uhr Nachmittags abgehalten werden, auf Abends 8V2 U§r anberaumt.
Alle Mitglieder des Obstbauvereins, alle Landwirthe und Freunde des Obstbaues sind zu diesen Versammlungen freund- lich und dringend eingeladen.
Gießen, den 21. Mai 1891.
Der Vorsitzende der Section Gießen des Wetterauer Obstbauvereins:
Nebel, Amtmann. . LLF. L!B----!-—■ —UL.
Deutsches Reich.
nn. Darmstadt, 25. Mai. Der seit Anfang Mai d. I. rn Großh. Centralstelle für die Gewerbe und den Landes- zewerbeverein in den Räumen der Landesbaugewerkschule
eingerichtete Sommercursus für fachgewerbliches Zeichnen hat die erfreuliche Thatsache zu verzeichnen, daß derselbe von 23 Theilnehmern aus allen Theilen unseres Großherzogthums, darunter eine Anzahl früherer Schüler der Baugewerkschule, besucht wird. Constructionen, speciell für die gewerbliche Thätigkeit der Schüler berechnet, sowie die Lehre der practischen darstellenden Geometrie bilden die Unterrichtsgegenstände dieses Cursus, welcher von Herrn Ingenieur Ackermann geleitet wird. Durch die Einrichtung dieses Unterrichtscurses während des Sommers ist einem längst gehegten Wunsche der Baugewerbetreibenden Seitens Großh. Centralstelle für die Gewerbe in dankenswerther Weise entsprochen worden.
Aus Oberschlefieu wird der „Franks. Ztg." geschrieben: Von jeher hat Rußland es sich angelegen sein lassen, den Grenzverkehr nach Möglichkeit zu erschweren. Neuerdings hat die russische Regierung angeordnet, „daß aus den russischen Grenzmärkten deutsche Käufer Lebensmittel erst dann einkausen dürfen, wenn die einheimischen Käufer befriedigt sind und kein deutscher Käufer mehr als 10 Mark an Geld mitbringen darf." Wie schwer diese Einschränkung des Grenzverkehrs von denjenigen Grenzbewohnern empfunden wird, welche auf das steuerfreie Einbringen von Butter, Eiern, Fleisch, das jenseits der Grenze nm die Hälfte billiger ist, angewiesen, ist begreiflich.
Ausland.
Paris, 24. Mai. Die Syndicatsvereinigung gegen die bewilligten Vergünsttgungen bei der Einfuhr von geschlachtetem Vieh hielt heute eine Versammlung ab, welcher 2000 Personen, darunter mehrere Deputirte und Municipal- räthe, beiwohnten. Die Versammlung nahm eine Resolution an, in welcher eine Gleichstellung der Zölle bei geschlachtetem und lebendem Vieh gefordert wird. Die Resolution verlangt ferner, daß die nach Frankreich eingeführten Thiere zerlegt seien und daß das Verbot der Einfuhr von Hammeln aufgehoben werde.
Pau, 24. Mai. Der Präsident Carnot ist heute früh, von der Bevölkerung aufs Lebhafteste begrüßt, hier eingetroffen. Bei dem ihm von der städtischen Behörde dar- gebotenen Frühstück hob der Präsident in seiner Rede hervor, daß die Politik der Regierung, welche dem Lande eine Aera friedlicher Arbeit sicherte, eine glänzende Anerkennung durch das allgemeine Stimmrecht erfahren habe. Die Regierung werde ihr Werk der Beschwichtigung und der Reformen in dem doppelten Bestreben der Größe des Vaterlandes und der socialen Gerechtigkeit fortsetzen.
Rom, 24. Mai. Der Papst empfing heute die Kronprinzessin von Schweden.
Amsterdam, 24. Mai. Heute fand hier eine Versammlung zu Gunsten des Allgemeinen Stimmrechts statt, in welcher mehrere socialdemokratische Führer, darunter Domela Nieuwenbuis und Fortuyn, Ansprachen hielten. Ruhestörungen sind nicht vorgekommen.
Athen, 24. Mai. Die Mitglieder des Wiener Männergesangvereins sind hier heute früh eingetroffen und festlich begrüßt worden.
Lissabon, 24. Mai. Nach einem Privattelegramm aus Rio nahm die brasilianische Regierung das Decret, wonach die Erhebung der Zölle in Gold verfügt wird, zurück, setzte jedoch eine Zuschlagsteuer von 50pCt. auf die gegenwärtigen Zölle fest. Sämmtliche Zölle werden in Papier gezahlt werden können.
Die Wohnungsfrage in Deutschland.
Die zunehmende Bevölkerungsdichtigkeit in Deutschland hat allmählig eine Wohnungsnoth entstehen lassen, über deren einschneidende sociale, volkswirthschaftliche und hygienische Bedeutung nirgends mehr ein Zweifel herrscht. Längst haben sich daher hervorragende Volkswirthe und Socialpolitiker mit der Lösung der Wohnungsfrage, die ja ein nicht unwesentliches Stück des großen socialen Gesammtproblems darstellt, beschäftigt, ohne freilich bis jetzt zu einem befriedigenden Resultate zu gelangen. Einer durchgreifenden Beseitigung der herrschenden Wohnungsnoth nach ihren verschiedenen Richtungen hin stehen eben ungewöhnlich große praktische Schwierigkeiten entgegen, und zu deren Hinwegräumung müssen sich eilte Reihe von Factoren vereinigen, was bis jetzt noch nicht zu ermöglichen gewesen ist. Unzweifelhaft muß aber hierbei die Reichsgesetzgebung mit eingreifen, darüber sind sich alle competenten Beurtheiler der Wohnungsfrage klar- das Gebiet des Wohnungswesens ist ein so wichtiges, daß das Reich
dasselbe unbedingt in seine gesetzgeberische Competenz mit ein- zubeziehen hätte. Vor Allem müßte die civilrechtliche Seite der Wohnungsfrage von rechtswegen geregelt werden, daneben würde es erforderlich erscheinen, ein besonderes Reichsgesetz über die Verpflichtung der Gemeinden zur Instandhaltung und Erweiterung der Städte und ländlichen Orte zu erlassen. Der Erlaß einer Bauordnung und einer Wohnordnung von rechtswegen könnte vielleicht ebenfalls zu den Aufgaben des Reiches bei der Lösung der Wohnungsfrage gerechnet werden.
Trotz dieses Eingreifens der Reichsgewalt würde den Landesgesetzgebungen auch fernerhin noch genug Einfluß aus dem Gebiete des Wohnungswesens verbleiben, man braucht hierbei nur an die wichtige Frage der Besteuerung der Wohnungen und des Grundes und Bodens zu denken. Als den Gemeinden zusallende Aufgaben zur Beseitigung der Wohnungsnoth wären zu bezeichnen Aufstellung geeigneter Bebauungspläne, Herstellung guter Straßen, Fürsorge für billige öffentliche Verkehrsmittel u. s. w. Neben den Gesetzgebungen des Reiches und der Einzelstaaten und neben den com- munalen Verwaltungen ist jedoch auch die private Erwerbs- thätigkeit zur Lösung der Wohnungsfrage mit berufen. Vermag doch gerade die Privatwirtschaft allein Wohnungen m ausreichender und auf die verschiedenartigsten Bedürfnisse und Ansprüche Rücksicht nehmender Weise zu beschaffen, nur ist es freilich ein wesentlicher Punkt der Wohnungsfrage, in welcher Art die Selbsthilfe zur Beschaffung geeigneter Wohnungen einzutreten hätte. Es haben sich an diesem Problem schon Actiengesellschasten, Genossenschaften mit beschränkter und unbeschränkter Haftpflicht, Vereine mit dem Recht der juristischen Persönlichkeit und andere Vereinigungen versucht, ohne indessen von ihrer Thätigkeit bis jetzt durchgreifende Erfolge zu erzielen. Letztere ließen sich aber gewiß erhoffen, wenn die private Bauthätigkeit mit Gesetzgebung und Verwaltung kräftig Hand in Hand gehen könnte, wenn sich alle die zur Beseitigung der Wohnungsnoth berufenen Factoren zusammenschlössen, denn mit solchen vereinten Kräften müßten schließlich alle Schwierigkeiten, welche heute einer practischen und befriedigenden Lösung der Wohnungsfrage noch entgegenstehen, siegreich überwunden werden.
Jedenfalls kann die Wohnungsfrage nicht von einem begrenzten Standpunkte aus behandelt werden, wie z. B. von dem des Vermiethers, ebensowenig handelt es sich um Abschaffung der Wohnungsnoth als solcher allein, wenngleich letzterer Punkt natürlich eine hervorragende Rolle in der ganzen Frage spielt. Dieselbe begreift vielmehr die Regelung eines nothwendigen und naturgemäßen Zustandes im Volksleben, des Wohnens überhaupt, in sich und kann daher nicht durch einseitiges Vorgehen zum Austrag gelangen. Es muß zwar anerkannt werden, daß es verschiedener Mittel bedarf, um für Reich und Arm die Lösung zu erzielen, dennoch kann eine solche ans befriedigende Weise nur durch gleichzeitige Thätigkeit der Gesetzgebung, der Gemeinden und der Privaten erzielt werden.
Heuefte Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Lorrespondmz-Bureau.
Berlin, 25. Mai. Der Statthalter von Elsaß-Loth- ringen, Fürst Hohenlohe, ist heute von Ihrer Majestät der Kaiserin im Neuen Palais empfangen und zum Frühstück geladen worden. — Der Major von Wißmann ist heute hier eingetroffen. — Die „Kreuzztg." schreibt: „Aus Regierungskreisen wird mitgetheilt, der einzige Grund zum Rücktritte des Ministers Maybach seien Gesundheitsrücksichten, welche eine weitere anstrengende Thätigkeit untersagen.
München, '25. Mai. Die „Allg. Ztg." erfährt von zuverlässiger Seite aus Berlin, die preußische Regierung würde dem Anträge aus Wiederzulassung der Redemptoristen, falls ein solcher an den Bundesrath gelange, nicht zu- stimmen.
Wien, 25. Mai. In der heutigen Sitzung des Welt- post-Congresses wird der Eintritt der australischen Colonien in den Weltpostverein berathen. Eine Commission schlägt im Einvernehmen mit den Vertretern Australiens vor, daß die australischen Colonien dem Weltpostverein beitreten, mit einer Stimme für die Gesammtheit der Colonien, einschließlich Neuseelands, unter der Bedingung, daß bis zum nächsten Congresse die Seetransitgebühren und die Einheitsportosätze für Briese dieselben bleiben.
Wien, 25. Mai. Australien ist dem Weltpostverein beigetreten. In der heutigen Plenarsitzung des Post- congresses wurde die Berathung dieser Frage auf Grund Berichts der betreffenden Commission beendet. Die Vertreter von Neusüdwales, Victoria, Queensland, Westaustralien, Süd-


