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Mittwoch den 26. August

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

®k Gießener Gamitten-tttle» rjjrttn dem Anzeiger nLchnttlich dreimal brigdrgt

Der

Ktchener

«scheint täglich, eit LnSnahme bei

Montags.

1891

Vierteljähriger AßonaemenisPrei» t 2 Mark 20 Pfg. wM Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pf,.

Redaktion, Expedttin und Druckerei:

Sch»lstr«ßeMr.K Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gietzen.

Annahme len Anzeigen zu der Rachmittagß für dm LNgerlken Tag erscheinenden Nummer bis Corrn. 10 Uhr. .....1

chrattsöeitage: Gießener Kamikienökätter

Alle Annoncen-Bureau^ des In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entge?m.

AimtlLcher Theil.

Bekanntmachung, den Wiederbeginn des Unterrichts an der landw. Winterschule Alsfeld betreffend.

Die landw. Winterschule Alsfeld wird den Unterricht in den beiden Gurfen der Schule Montag den 2. Novern- ber, Vormittags 11 Uhr, beginnen. Indem wir hiermit zu einem recht zahlreichen Besuch einladen, bemerken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirthen diejenigen theoretischen Kenntnisse, welche heute zur rationellen Bewirth- ^chaftung bäuerlicher Güter nothwendig sind, in zwei fünf­monatlichen Winter - Cursen zu vermitteln. Zur Erreichung dieses Zieles ist die Schule mit den nöthigen Lehrkräften und Lehrmitteln zweckentsprechend ausgerüstet.

Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 bis 18 Jahren, welche die Elementarschule besucht und das Unterrichtsziel derselben erreicht haben; in den oberen Cursus nur solche, welche schon den unteren Cursus der Schule be­suchten, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Cursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirthe können als Hospitanten ausgenommen werden.

Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer, sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Mionen zu 3040 pr. Monat durch den Vorsteher der Schule, Herrn Landwirthschaftslehrer Leithiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt 25 v4L

Anmeldungen sind an den Aufsichtsrath oder an Herrn Landwirthschaftslehrer Leithiger zu richten, welcher auch be­reit ist, speciellere Anfragen zu beantworten.

Alsfeld, 17. August 1891.

Der Aussichtsrath der landw. Winterschule Alsfeld.

v. Grolman.

Deutsches Reich.

Berlin, 24. August. Die osfieielle Liste derjenigen Fürst­lichkeiten, welche bei den Kaisermanövern in Thü- tingen die Gäste des Kaisers sein werden, liegt nunmehr vor. Aus ihr ist der Name des Herzogs Ernst von Coburg nicht mit ausgeführt, woraus also zu schließen ist, daß der eoburgische Monarch den großen Herbstmanövern bei Erfurt sernzubleiben gedenkt, obwohl sein Truppencontingent mit zum Verband der Manövertruppen gehört. Mit den Nachrichten über eine zwischen Kaiser Wilhelm und Herzog Ernst bestehende Spannung scheint es demnach doch wohl seine Richtigkeit zu haben, obwohl denselben erst unlängst noch von halbamtlicher Seite von Coburg widersprochen worden ist.

lieber die Geschichte des Rücktrittes des Fürsten Bismarck machen zur Zeit wieder einmal Mit- Lheilungen die Runde durch die gesammte in- und ausländische Tagespresse. Dieselben entstammen der MünchenerAllg. Ztg." und sind durch eine kleine Polemik dieses Blattes mit derNational-Zeitung" angeregt worden. Sie bestätigen in Ihrem Kernpunkt die alsbald nach dem Rücktritte Bismarcks -rufgetauchte Version, der Altreichskanzler habe sich zur Ein­reichung seines Demissionsgesuches erst infolge wiederholter Aufforderung des Kaisers, die ihm durch Vertrauensmänner des Monarchen mündlich überbracht wurde, entschlossen. Von dritter Seite wird versichert, daß diese Mittheilungen des Münchener Blattes vollkommen dem wahren Sachverhalt der Dinge entsprächen.

Berlin, 23. August. Wie diePoft" vonsonst gut unterrichteter Stelle" hört, wird der Gesetzentwurf, betreffend die Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Getränke, demnächst dem Bundesrathe zugehen, der sich alsdann damit in einer der nächsten Sitzungen, welche zu Ende des nächsten Monats wieder ausgenommen werden, beschäftigen wird. Dem Entwurf wird ein umfangreiches Material, Gesetze und Gesetz- entwürse anderer Staaten beigefügt.

Anstand.

Paris, 23. August. Heute fand in Bonetable die Ent­hüllung eines Denkmals für die im Jahre 1870 bei Bone- lable gefallenen, aus den Departements Orne und Charente gebürtigen Krieger statt. Der Präsect und zahlreiche Vereine wohnten der Feier bei. Der royalistische Deputirte Herzog La Rochesoucauld hielt eine Ansprache, in welcher er aus- führte, daß Frankreich den Frieden wolle, sollte jedoch ein Krieg ausbrechen, so würden sich alle Franzosen unter einer

Fahne sammeln - in patriotischen Fragen gebe es keine Parteien.

Bergerac, 23. August. Heute sand die feierliche Ent­hüllung eines Denkmals für die 1870 Gefallenen statt. Der Ches des russischen Generalstabs, Obrutschew, traf heute hier ein und wurde von den Spitzen der Behörden empfangen. Die Stadt ist festlich geschmückt. Dem General wurde ein Ehrentrunk geboten, wobei der Maire einen Toast auf den Kaiser von Rußland, die kaiserliche Familie und Obrutschew ausbrachte. Letzterer erwiderte mit einem Toast auf die französischen Osfiziere. Der Toast wurde mit Hoch­rufen aus den Helden von Plswna begrüßt.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Eorrespondcnz-Bureau.

Potsdam, 24. August. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin traten heute Vormittag 11 Uhr 30 Min. mittels Sonderzuges die Reise nach Merseburg an.

München, 24. August. DerAllgemeinen Zeitung" zu­folge trifft Se. Majestät der Kaiser am 7. September Abends hier ein, die Wiederabreise erfolgt am 11. September Vormittags. Die große Parade findet am 8. September, die Manöver finden am 9. und 10 September statt.

München, 24. August. DerAllgemeinen Zeitung^ zu­folge setzte die Zolleonserenz gestern und heute in je dreistündigen Nachmittagsplenarsitzungen die erste Lesung des Vertragsentwurfs fort Bei dem gestern von der italieni­schen Gesandtschaft den Delegirten gegebenen Diner toastete Staatsrath Mayr namens der bayerischen Regierung aus die Delegirten, worauf Malvano dankte. Die Meldung der Blätter über alternirende Sitzungen der deutschen beziehungs­weise österreichischen Delegirten mit den italienischen stellt sich als nicht zutreffend heraus.

Schwerin, 24. August. Das Befinden des Groß­herzogs war gestern ein leidlich gutes. Der Appetit hob sich. Die Anfälle von Athemnoth waren seltener und schwach. Der Kranke hat in der Nacht gut geschlafen.

Graz, 24. August. Heftige Wolkenbrüche in Steiermark ließen die Mur stark steigen. Die Userschutz­bauten sind stellenweise beschädigt und der Verkehr ist unter­brochen. Viel Vieh wurde zu Grunde gerichtet.

Paris, 24. August. Nach der Flottenrevue in Ports­mouth sandte die Königin Vietoria von England ein Telegramm folgenden Inhalts an Garnot:Ich habe den lebhaften Wunsch, dem Präsidenten der Republik die Freude auszusprechen, welche mir durch den Empfang des Admirals Gervais und der französischen übrigen Offiziere in Osbvrne bereitet worden ist, und wie sehr ich das französische Ge­schwader bewundere, das ich soeben Revue passiren ließ." Carnot erwiderte:Ich bitte Eure Majestät, meinen auf­richtigsten Dank entgegenzunehmen für den huldvollen Em­pfang, welcher dem Admiral Gervais upd den Offizieren zu Theil geworden ist, sowie für die Gefühle und Meinungen, die Eure Majestät hinsichtlich des französischen Geschwaders ausgesprochen haben."

Paris, 24. August. Auf Martinique beträgt die Zahl der bei dem Orkan Getödteten 340, ungerechnet die bei den vielen Schiffbrüchen umgekommenen Seeleute. Da fast alle einheimischen Schiffe der Inseln verloren gegangen sind, versorgen fremde Schiffe die Inseln mit Lebensmitteln.

Saint Diö, 24. August. Bei dem gestern aus Anlaß der 50jährigen Jubelfeier des Bestehens des hiesigen land- wirthschaftlichen Vereins stattgehabten Festmahl hielt Jules Ferry eine Rede, in welcher er sich zu Gunsten des Schutz­zollsystems aussprach und dem Wunsche Ausdruck gab, daß der landwirthschaftliche Verein von Saint Die nach wei­teren 50 Jahren die Feier des hundertjährigen Jubiläums in unveränderter Blüthe begehen möge; die Enkel der jetzt Lebenden würden dann reich sein und sich denLuxus" ge­statten können, Freihändler zu sein.

Mondovi, 24. August. Gestern sand die Enthüllung des Denkmals Carl Emanuels I. statt in Gegenwart der Minister Rudini, Ferrari und Pelloux, sowie von Senatoren und Deputirten. Nachmittags hielt der König eine glänzende Revue über 8000 Alpenjäger und Gebirgsartillerie ab und unterzeichnete ein Amnestie-Decret für die Stellungsflüchtigen der Jahresklassen 18481872. An dieser Amnestie nehmen circa 40,000 Personen Theil.

London, 24. August. Dem Vernehmen nach hätte die englische Regierung beschlossen, Vorstellungen gegen die Ver­fügung der Zollbehörde in Odessa zu erheben, wonach jedes mit Roggen beladene Schiff, welches den Hasen am 26. August nicht verlassen hätte, wieder ausladen sollte.

Nach einem Berichte desStandard" aus New-Iork ist der gemeldete Einsturz eines Hauses durch das Ge­wicht der Druckmaschinen herbeigeführt worden, die sich in den oberen Etagen befanden.

Kopenhagen, 24. August. Der Zar und die Zaren­familie sind um 2^2 Uhr Nachmittags hier eingetroffen. Der König und der Kronprinz von Dänemark, sowie der König von Griechenland waren auf demDanebrog", eScortirt von einem Panzergeschwader, dem Zaren entgegengefahren. Zum Empfange waren an der von einer zahlreichen Menschenmenge dicht besetzten Landungsstelle anwesend die dänische Königs- samilie, die Prinzessin von Wales, das diplomatische Corps und die Minister. Die kaiserliche und die königliche Familie begaben sich unter lebhaftem Willkommenrufen der Menge nach Schloß Fredensborg.

Newyork, 24. August. Nach einer Meldung des New- york Herald" aus Valparaiso vom 22. August sind dort sechs Kriegsschiffe der Congressisten erschienen. Die Forts eröffneten das Feuer auf die Schiffe, welche sich jedoch noch außerhalb der Schußweite befanden und sich zurück­zogen, ohne das Feuer zu erwidern. Die Armee Balmacedas habe am 22. August die Stadt verlassen, um Vorbereitungen für eine Schlacht im Norden zu treffen, die unmittelbar bevor­stehen dürste.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 24. August. Der Minister der Landwirthschast hat die Vorstände der landwirthschaftlichen Vereine schriftlich ersucht, die Berichte über die Ernte nicht wie früher erst von Mitte October bis Anfangs November einzusenden, sondern in Anbetracht der ungünstigen Conjunctur des Getreide­marktes und der ungünstigen Ernte-Aussichten ihre Vermitte­lungen schleunigst anzustellen. Das Ergebniß der Roggen­ernte sei bis zum 1. September, das für Weizen und Hülsen­früchte bis zum 8. September und das für die Kartoffelernte bis 20. September einzusenden.

DieAllg. Reichs-Corr." meldet aus Hamburg, die Einführung des für Berlin geplanten Vorortetarifs fei auch für Hamburg vorgesehen, es scheine sonach, daß für sämmtliche großen Städte und Zentren des Reichs ein billigerer Vororteverkehr zu erwarten sei.

Wie demBerl. Tagebl." berichtet wird, soll ein des Raubmordes in Spandau Verdächtiger in Neustadt an der Dosse festgenommen und bereits auf dem Wege nach Spandau sein.

Berlin, 24. August. Nach einer Meldung desLoc. Anz." aus Lissabon ist in Portugal die Influenza aus- gebrochen. In Oporto allein sind über 2000 Personen schwer erkrankt.

Spandau, 24. August. Der Kausmann Hirschfeld wurde gestern Abend in seinem Comptoir ermordet. Der Mörder raubte für 3000 Mark Coupons und eine Remontoir- uhr. Auf die Ergreifung des Thäters ist eine Belohnung von 600 Mark ausgesetzt.

Merseburg, 24. August. Die Ankunft der Ma­jestäten erfolgte punkt 3 Uhr; der Empfang war ein enthusiastischer. Bei der Fahrt des Kaisers vom Bahnhof gingen die Pferde des königlichen Landraths Weidlich durch und stürmten in die Menschenmasse. Nur dadurch, daß der Wagen an einem Baume hängen blieb, wurde ein Unfall ver­hütet. Der Wagen wurde total zertrümmert. Nachmittags um 4 Uhr sand in der großen, prachtvoll decorirten Festhalle das Festdiner des Provinziallandtages statt. In der Fest- Halle waren außer der Kaisertafel mit 45 Gedecken 12 andere Tafeln ausgestellt; insgesammt 270 Geladene nahmen andern Diner Theil. Bei der Tafel hatten neben dem Kaiser die Fürstin Stolberg-Wernigerode, neben der Kaiserin Gras Stolbcrg-Roßla Platz genommen; gegenüber dem Kaiserpaare saß Fürst Stolberg-Wernigerode, zu dessen Rechten und Linken Oberpräsident v. Pommer-Esche und der commandirende General v. Hänisch Platz genommen hatten. Nachdem Fürst Stolberg-Wernigerode dem Kaiserpaar für dessen Erscheinen gedankt und in einem historischen Rückblick die treue Gesinnung der Provinz Sachsen dargelegt, sowie auf das Kaiserpaar ein Hoch ausgebracht hatte, dankte der Kaiser für diesen Ausdruck der treuen Gefühle, die felsenfeste Gesinnung der Bewohner der Provinz betonend. Er habe oft Gelegenheit gehabt, diese Provinz zu besuchen und mit ihr in Verkehr zu treten. Es sei ihm Bedürsniß, Allen für die freundliche Aufnahme zu danken und für Herbeiführung der Gelegenheit, in ihrer Mitte zu erscheinen. Die treue Gesinnung der Provinz für das Königshaus fei bekannt, die Fürsorge und Mithülfe ber Provinz hätten sich stets bewährt, die Provinz nehme einen hohen Platz im Vaterlande ein bezüglich ihrer Industrie und Landwirthschast. Der Kaiser hofft bei festem Vertrauen.