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Die Verstimmung an der Börse hat in dieser Woche noch zugenommen, und die Course sind entsprechend weiter zurückgegangen. Aber während früher von den Speculationsgebieten der Druck ausgtng, so ist jetzt der Rentenmarkt an deren Stelle getreten und statt der speculativen Abgaben drücken Effecttv-Verkäufe des Publikums. Man täusche sich nicht über die Tragweite dieser Veränderung. Das Publikum verkauft nicht mit kleinen Verlusten, mit der größten Zähigkeit hält es in widrigen Zeitläufen die einmal gekauften Werthe fest, und erst wenn es seinen Besitzstand mehr und mehr zusammenschwinden sieht, entschließt es sich zu Verkäufen. Daß diese jetzt tatsächlich vorliegen, beweist, ganz abgesehen von dem Einblick, welcher den Geschäftsvermittlern zu Gebote steht, der Umstand, daß die Baiffe- posittonen plötzlich verschwinden und einem Stückeüberfluß Platz machen, während die Course weiter zurückgehen. Es muß also ein Angebot effectiver Stücke stattgefunden haben, das der Contremlne nicht nur Gelegenheit gab, sich zu decken, sondern noch darüber hinaus einen Ueberschuß lieferte, welcher nur unter neuen Preiseoncessionen Unterkommen finden konnte. Damit erscheint die Möglichkeit eines Rückschlags aus Deckungskäufen der Contremine in weite Ferne gerückt, und Alles wird nun davon abhängen, ob die Verkäufe aus dem Publikum heraus zu größeren Dimensionen anwachsen.
Es wird vorausichtltch nutzlos sein, darauf hinzuweisen, daß bei dem niedrigen Coursstand der Papiere die Risicoprämte groß genug geworden ist, um eher eine Rcsortirung der Bestände als einen Verkauf ä tont prix rathsam erscheinen zu lassen, denn das Publikum folgt heute geradeso seinen eigenen Jnstincten wie damals, da es dieselben Papiere zu immer höher steigenden Coursen den Emissionshäusern und Zwischenhändlern aus den Händen riß, und die Geschäfte, die abmahnende Rathschläge ertheilten, mit dem Verlust seiner Kundschaft belohnte. Zum Trost kann vorläufig nur gereichen, daß die Verallgemeinerung, obgleich sie bereits besteht, nicht schon so wett getrieben wird, daß wie Griechen, Portugiesen und Mexicaner, so auch Serben, Türken, Rumänier und Russen ebenso sehr die Ungunst der Zett erfahren. Thatsächltch erstreckt sich diese Verallgemeinerung bereits auf Mexicaner, obgleich nicht verschwiegen werden kann, daß hier eine Beeinflussung des Publikums mit allen Mitteln angestrebt wird. Die Gerüchte, die heute von einer Conversion der Staatsschuld in eine 3 Vs o/oige Anleihe zu erzählen wissen, morgen den verdienten Präsidenten der Republik auf das Krankenlager strecken, haben sich sämmtlich als erfunden erwiesen, und die Finanzlage des Staates bietet keinen Grund zu größerer Vorsicht als vorher. Besorgntßerregend bleiben aber die Zustände in Portugal. Die Beunruhigung ist von hier ausgegangen und sie kehrt immer wieder auf diesen Punkt zurück. Mit welchem Eifer der neue Finanzminister die Reorganisation der Finanzen in die Hand genommen hat, ist bekannt, bisher aber haben seine Maßregeln keine Beruhigung erzielt, und das Mißtrauen ist statt zu schwinden nur gewachsen. Das Baargeld zieht sich immer mehr aus dem Verkehr zurück, das sicherste Zeichen, daß die Lage im Lande selbst die schwersten Bedenken erweckt. Während in Lissabon auf Gold- und Stlbermünzen 10, 15, ja selbst 25o/o Agio bezahlt werden, während die Arbeiter drohend die Auszahlung ihrer Löhne in klingender Münze verlangen und die Regierung alle Kräfte anspannt, um Baarmttel aus dem Ausland heranzuztehen, flüchtet sich das Prioatcapital scheu aus dem Lande, nach England hinüber. Bei solchen Zuständen kann natürlich von einer Wiederaufnahme eines regelrechten Handelsverkehrs überhaupt nicht die Rede sein, und doch wird gerade hiervon Alles abhängen, denn der Handel ist es, der in Zöllen und Abgaben die Summen aufbringen soll, die zur Zahlung der Coupons nothwendig sind, und mit jedem Tag um den sich die Wiederkehr geordneter Verhältnisse verzögert, verringert sich die Möglichkeit, daß ohne neue Anleihen die nothwendigen Gelder aufgebracht werden können. Die Erkenntniß dieser Lage hat von Tag zu Tag in stärkerem Maße auf die Course gedrückt und dieselben am Freitag wieder auf den je erreichten tiefsten Stand zurückgeworfen, und noch scheint der Rückgang nicht beendet, denn die auswärtigen Märkte leiden ebenfalls unter einer Verstimmung, die ihrerseits auf die Course drückt. Paris ist mit Exemtionen von Portugiesen vorangegangen und in London hat die Zurückhaltung wieder überhand genommen, weil die argentinische Krisis ein neues Opfer in der English Bank of River Plate gefordert hat. Die Zahlungseinstellung vollzog sich zwar ohne sonderliche Erschütterung des Marktes, vermuthlich weil sie nicht ganz unerwartet kam, aber die alten Wunden wurden doch wieder aufgeriffen, ein anderes Haus wurde in den Concurs htneingezogen, man dachte wieder an die noch sehr mißliche Lage des Hauses Murtetta und die Verstimmung stieg noch, als auch gleichzeitig der Geldpreis anzog, sodaß eine Erklärung der Bankrate bereits als sicher angenommen wurde. Das Letztere ist glücklich vermieden worden durch bic unerwartete Rücksendung von einer Million Gold, die bereits nach Petersburg abgeführt war, und diese glückliche Wendung hat auch auf den deutschen Markt zurückgewirkt und die Lage des Geldmarktes auch bei uns etwas leichter gestaltet. In den ersten Tagen der Woche hatte die Nachfrage nach Geld noch zugenommen und die Course der 3% Anleihen waren dementsprechend beträchtlich weiter gesunken, sodaß nicht einmal der Cours 84 behauptet werden konnte. Die leichte Besserung der Geldverhältniffe erst hat hier eine kleine Erholung bewirkt.
Nichtsdestoweniger bleibt der Geldmarkt ein empfindlicher Punct der Börse und wird fortgesetzt die größte Aufmerksamkeit erheischen. In der Liquidation stellte sich der Satz auf 43/*°/o. Das ist immerhin viel für diese Jahreszeit, namentlich in Anbetracht der stark zusammengeschmolzenen Engagements.
Die Course sind natürlich auch auf den Speculalionsgebieten zurückgegangen. Wie bewegungslos auch Banken sind, die ungünstige Markttendenz läßt ihre Course ständig abbröckeln, und an ausgesprochen flauen Tagen sind auch hier größere Einbußen zu verzeichnen. Die Verluste der Woche betragen für die deutschen SpeculationS- banken etwa 2 ®/o, und sie stiegen bei den beiden Creditactien auf etwa 3 fl., ohne daß indessen in Wien stärkere Abgabe gewesen wäre.
Die Wiener Realisationen fielen Lei Bahnen bedeutender in das Gewicht. Die Ungewißheit über die Frage der Ernteexporte, die neuen Tarife, Realisationen mit Rücksicht auf die Ferienzeit, das Alles wirkt zusammen und summirt die täglichen Verluste zu ansehnlichen Beträgen. Es verloren Böhmische Westbahn 4 fl., Nordbahn 2 fl., Buscktherader 10 fl. und Duxer 16 fl.; auch Lombarden büßten 2 fl. I
ein, während Staatsbahn unverändert erscheinen; es liegt aber zwischen den beiden Vergleichscoursen eine Reprise von 3 fl., die wieder verloren ging. In Schweizer Bahnen vollziehen sich unausgesetzt Realisationen der Berliner Speculation, und die Course sind allmälig auf ein Niveau herabgesunken, das lange nicht gesehen wurde. Centralbahn, Nordost und die Vereinigten Schweizer Bahnen haben je 4% verloren und die letzteren sind damit unter pari herabgegangen.
Der Montanmarkt ist verhältnißmäßig noch fest, obgleich der Zuschlag bei der bekannten Breslauer Schienensubmisston nicht ertheilt wurde. Nur Bochumer sind wieder tief herabgedrückt auf neue Versionen über die Stempelangelegenheit. Im Allgemeinen resultirt auch hier eine leichte Ermäßigung des Niveaus.
Privatdiscont 38/4°/o-
Course der Frankfurter Börse.
Staatsanleihen.
Cours vom 17./VII. 24./VII.
Conr* vom 17./VII.24./VII.
40/0 Hessische Obligation.
104.30
104.—
4Vs°/oPortug.-A.88u.89 |
64.80
59.—
„ Bauern ....
105.—
104 90
50/0 amort. Serb. Gold-
„ Baven.....
103.20
103.15
Rente .... 5o/oSerbtscheEisenbahn-
88.60
88.40
30/0 Sächsische Rente. .
85.75
85.20
92.-
3Vt°/o BremerStaatsanl.
96.30
96.60
Hyp.-Obl. k. .
92.—
„ Hamb.Staatsrente
96.60
96.55
4o/oSchwed.Oblig.l880r
101.65
101.30
40/oOestr. Goldrente .
„ GriechischeMonopol-
95.85
96.40
l°/o Türken conv. Ltt. D.
18.30
18.25
5% Argent. Gold - Anl.
44.10
40.70
Anleihe . . .
65.80
64.70
v. 1887 ...
5% Rumänische Rente .
99.45
98.85
3Vt°/o Egypt. priv. Anl.
92.60
92.45
4o/o Ruff. Consols ©.III
—.—
97.75
Eisenbahn-PrioritLten.
40/0 Pfälz. Ludwigsbahn
5o/q Südbahn Lombarden
104.50
104.10
(Bexbach) . . .
101.70
101.80
40/0 do. do.
97.05
96.10
„ Hessische Ludwigsb.
3% do. do.
64.05
64.40
68/69 garant. .
101.50
101.55
40/0 Prag-Duxer Gold .
99.80
99.45
ff Elisabethb. steuerfrei
, Rudolf Gold (Salzk.)
99.90
99.95
Gold ....
100.10
100.25
„ Franz-Josef Silber
83.70
—.—
5% Oestr. Staatsbahn.
105.95
105.85
3°/o staatl. garant. Jtal.
55.95
40/0 do. do.
99.85
99.70
Eisenbahn . .
56.10
3°/o do. do.
30/0 Livorneser . . .
63.70
63 40
I.—VIII. Emiff.
85.75
86.25
40/0 Ruff. Südw Eisenb.
96.50
96.10
30/0 do. Ergänzungsnetz
50/0 Nordwestbahn Gold
82.50
82.60
106.10
4o/g Wladikawkas garnt.
4% gar. Sardtn.Sec.ftst.
96 50
81.50
95.90
81 —
Eisenbahn-Aktien.
Ludwigshafen-Bexbach.
Hessische Ludwigsbahn'.
225.—
224.90
Galiz CarlLudw.-B.-Act.
183.—
182.—
114.25
113.—
Oest. Nordw.-Bahn Lit.ö.
186 25
185.50
Pfälzische Nordbahn .
Lübeck-Büchner . . .
114.45
154.—
11450
152.60
Gotthardt.....
Jtal. Mittelmeer . .
133.40
100.20
133.35
99.90
Vank-Aetien.
Deutsche Reichsbank .
Berlin. Handelsgesellsch.
145.50
145.40
Dresdener Bank. . .
139.20
138.60
135.50
134.90
Mitteldeutsche Creditb. .
103.—
103.10
Deutsche Bank . . .
150.50
150.50
Wiener Bank-Verein . Württemb. Vereinsbank
97Vb
96.2 j
DeutjcheGenossenschftsb.
125.—
124.60
v.Soergel,ParrisiusLCo.
123.—
123.—
Deutsche VereinSbank .
108.—
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101.—
101.20
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95.45
95.30
3Vs Vo do......
3 V;0/0 Rhein. Hyp.-Bank-
Pfandbr. . . .
95.20
95.20
4°/oPreutz.Hvp.-Act.-Bk- Psanvbr. . . .
101.60
101.60
93.60
93.50
3WVo do......
40/oPreuß. Centr.-Bod.-
95.30
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40/, Meininger Pfandbr.
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100.90
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