Ausgabe 
26.5.1891
 
Einzelbild herunterladen

folger Maybachs erhalten und dieselbe auch angenommen habe. Wann Herr Thielen sein neues Amt antritt, steht insofern dahin, als Herr v. Maybach die dritte Lesung des Etats im Landtage jedenfalls noch als activer Minister mitmachen wird. Man glaubt, daß mit dem Ministerwechsel im Ressort der öffentlichen Arbeiten und der Eisenbahnverwaltung auch die Frage der Tarisresorm in Fluß kommen wird, nur ist über bestimmte Pläne des neuen Eisenbahnministers in letzterer Richtung noch nichts Näheres bekannt.

Berlin, 23. Mai. DerReichsanzeiger" sagt, der Zu­sammenstoß der Eisenbahnzüge in Kirchlengern erfolgte, indem der dienstthuende Stationsbeamte vorschrifts­widrig das Einfahrtssignal gab und der Locomotivsührer des Personenzuges zu spät bremste. Der Stationsassistent wurde sofort verhaftet, gegen den Locimotivführer ist das Straf­verfahren eingeleitet worden.

Hannover, 23. Mai. Ueber den Zusammenstoß in Kirchlengern werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Wagen, in welchem die Familie Carrö und ein Theil des Personals saßen, wurde über den Packwagen hinweg auf den Tender geschoben, schlug dann um und fiel, mit den Rädern nach oben, aus die Böschung des Bahndammes hinab, wobei Director Carre hinausgeschleudert wurde und Verletzungen am Arm, am Knie und im Gesicht erlitt. Frau Carre wurde zerschmettert als Leiche unter den Wagentrümmern hervor­gezogen, drei Kinder sind leicht verletzt, ein zweijähriger Knabe fiel unter die Bank und blieb unverletzt. Vom Personal sind 17 Verwundete in dem hiesigen städtischen Krankenhause ausgenommen, mehrere sind sehr schwer verletzt, haben Bein­brüche, Verrenkungen und Verletzungen an der Brust und am Kopse erlitten; auch Verbrennungen durch Dampf sind vorgekommen. Ein sechsjähriger Knabe, dessen Mutter gleich­falls schwer verwundet ist, soll heute früh im Krankenhause gestorben sein.

Ueber die Folgen des Zusammenstoßes wird derFrks. Zeitung" aus Minden tclegraphirt: Der Extrazug von Herzogenbusch stieß um 2 Uhr 17 Min. mit dem Personen­zuge am Ausweichegeleise zusammen. Die Locomotivencylinder sind zertrümmert, der Packwagen und drei Personenwagen zerstört. Es gab vier Todte und 1518 Schwerverletzte,, ungerechnet die vielen Leichtverletzten. Todt sind Frau Direc­tor Carre, Betriebsrevisor Dierking, Zugführer Speltmeier und ein Schaffner. Letztere drei befanden sich in dem Pack­wagen, der hinter dem Tender lies. Aus dem Salonwagen flog Frau Karre durch das Coupefenster und blieb auf der Stelle tobt. Der Revisor Dierking hing an der rechten Tenderseite- der Kops war mit dem Halse aus dem Rumpfe gerissen und hing innerhalb des Tenders, der Brustkorb lag offen - die Kleidung war bis auf die Hose abwärts in Fetzen verwandelt. Der Schaffner lag unter den Trümmern im Tender vergraben und von dem Zugführer konnte man noch einen Fuß sehen. Das erste Coupe des Salonwagens ist vollständig zertrümmert und fast Alle, die mit Director Carre in demselben saßen, sind verletzt. Schwer verletzt sind: Frau Persina (complicirte Knochenbrüche), Schulreiterin Mary Grothe (seit dem 20. d. M. erst bei der Gesellschaft, schwerer Ober­schenkelbruch, Zersplitterung des Unterschenkels, sowie des Unterkiefers). Eine Dame vom Ballet mußte mittelst Am­putation des Beines aus den Trümmern befreit werden. Der Jockey Achilles und Frau, Frau Cholty, Frl. Adams, sowie drei Gebrüder Capini erlitten Verletzungen. Der Sohn Carres erlitt einen Schädelbruch. Leichter verletzt sind eine große Anzahl Mitglieder der Gesellschaft, in erster Linie der Director Carre selbst, der Verletzungen am Kopfe erlitt, die in einigen Wochen wohl geheilt sein werden. Auf der Unfall­stelle waren 14Aerzte aus den nächstliegenden Orten anwesend. Die Verwundeten wurden in benachbartenHäusern untergebracht. Gegen 7 Uhr konnte ein Theil der Aerzte den Ort ver­lassen. Einige der am schwersten Verwundeten werden wohl noch ihren Verletzungen erliegen. Man hörte kein Jammern. Von Minden langte kurz nach dem Zusammenstoß eine starke Arbeitercolonne an, die alsbald an die Ausräumungsarbeiten ging und das Geleise bis gestern Abend wieder frei machte. Gegen 10 Uhr Abends setzte sich der Sanitätszug, in dem sich auch die Leiche der Frau Carrä befand, nach Hannover in Bewegung- es war ein unsagbar betrübender Anblick. An dem werthvollen Pserdematerial ist nicht der geringste Verlust zu verzeichnen.

Eisenach, 23. Mai. Die fünfte Hauptversammlung des deutschen Vereins für Knabenhandarbeit wurde heute Morgen 11 Uhr von dem Vorsitzenden Lammers-Bremen eröffnet. Im Auftrage des Großherzoglichen Staatsministe­riums begrüßte Schulrath Eberhardt (Weimar), im Namen der Stadt Eisenach Bürgermeister Wittrock die Versammlung. Nach Erledigung des Geschäftsberichts sprachen die Lehrer- Hertel (Zwickau) und Kalb (Gera) über den Arbeitsunterricht für Knaben in dem Alter von 7 bis 10 Jahren. Eine von Groppler (Berlin) vorgeschlagene Resolution, in welcher die Nothwendigkeit einer Verbindung zwischen den Arbeiten des Kindergartens und der Schulwerkstatt betont und den deutschen Schüler-Werkstätten practische Versuche in dieser Richtung em- psohlen werden, gelangte einstimmig zur Annahme. Zum nächstjährigen Versammlungsorte wurde Königsberg i. Pr. bestimmt.

Köln, 23. Mai. Die Königliche Eisenbahn-Direction (rechtsrheinisch), welche die von den Zechen in der Kölner Kohlensubmission am 15. April abgegebenen Offerten zu 105 Mk. abgelehnt hat, forderte derKöln. Volksztg." zufolge die dem Kohlenverkaufsverein angehörigen Zechen auf, ihr freihändige Angebote zu machen und erließ zu diesem Behuse eine Einladung zu mündlichen Verhandlungen für den 26. Mai nach Esten.

Köln, 23. Mai. DieKöln. Ztg." meldet aus Amster- oam, der Minister des Aeußeren habe einer Abordnung der Untschen Turnvereine mitgetheilt, die Kaiserin werde den Kaiser bei seinem Besuche nach Amsterdam begleiten.

Saarbrücken, 23. Mai. Heute sind aus denselben Gruben, wie gestern, insgesammt 1831 Mann aus ständig.

München, 23. Mai. Der Philologentag ist heute geschlossen worden. Der nächste Congreß soll im Jahre 1893 in Wien stattfinden - für denselben wurden Hofrath Hartl (Wien) zum ersten und Rector Ecker (Wien) zum zweiten Präsidenten gewählt.

AnslQN-.

Wien, 23. Mai. Der Verein der Buchdrucker und Schriftgießer von Niederösterreich ist aufgelöst worden.

Wien, 23. Mai. Im Ministerium des Aeußeren fand heute die erste Sitzung der Vertreter Deutschlands und Oesterreichs mit den Delegirten der Schweiz in Betreff des Handelsvertrags statt.

Wien, 23. Mai. Dem heutigen Hosdiner wohnten auch der türkische Botschafter, der chinesische Gesandte, der deutsche Militärattache und die preußische Militärdeputation bei. Wißmann und Dr. Bumiller sind heute hier eingetroffen.

Paris, 23. Mai. Der Zar verlieh Freycinet und Ribot das Großkreuz des Alexander-Newski-Ordens.

Paris, 23. Mai. Bei dem Erfinder des Melinits, Tur p in, wurde im Zusammenhang mit der von diesem ver­öffentlichten Broschüre und der Verhaftung Tripponets auf Veranlassung des Kriegsministeriums eine Haussuchung vorgenommen.

Paris, 23. Mai. Der Abgeordnete für Marseille, Roux, empfing heute den Maire dieser Stadt, welcher die Lage des dortigen Mehlproductenhandels als eine höchst gefährdete bezeichnete. Für die Deputaten des De­partements liege die dringendste Nothwendigkeit vor, ohne Verzug für die bedrohten Interessen Marseilles bei der Re­gierung und der Kammer einzutreten.

Paris, 23. Mai. Abgeordnete der Sprits ab ri kant en baten das Handelsministerium um zeitweilige Zulassung von ausländischer Melasse und Mais mit der Begründung, daß alsdann französisches Fabrikat aus fremden Rohstoffen den fremden Alcohol von dem inneren Markte ausschließen und auf dem ausländischen Markte einen erfolgreichen Kamps der Franzosen gegen die deutsche Industrie ermöglichen werde.

Charleroi, 23. Mai. Ein großer Theil der Bergleute des hiesigen Beckens begehrt jetzt eine Lohnerhöhung und^den achtstündigen Arbeitstag.

Rom, 23. Mai. Der Papst wird, obwohl vollkommen wohl, nach dem Consistorium am 4. Juni, während der heißen Jahreszeit keine außerordentlichen Empfänge vornehmen.

Petersburg, 23. Mai. Der Kaiser begibt sich mit der gesammten kaiserlichen Familie am 25. d. M. zu zehntägigem Aufenthalt nach Moskau. In dieser Zeit wird in Gegenwart der kaiserlichen Familie die Grundsteinlegung zum Denkmal Alexander II. und die Eröffnung der ersten Ausstellung für mittelasiatische Producte stattfinden.

Belgrad, 23. Mai. Die liberale Partei und die Fort­schrittspartei protestiren dagegen, daß der Skupschtina-Beschluß betreffs der Königin Natalie zum Gesetz erhoben wird. Außer dem Polizeipräsecteu von Belgrad wurde auch der Gendarmeriecommandant wegen seines Verbaltens bei der Ausweisung der Königin Natalie in Untersuchung gezogen.

Aenefte Nachrichten.

WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Paris, 24. Mai. Anläßlich des Jahrestages der Kämpfe aus dem Psre Lachaise im Jahre 1871 fanden heute daselbst mehrere Kundgebungen statt. Einige Reden wurden gehalten. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen.

Amsterdam, 24. Mai. Heute fand hier eine Versamm­lung zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts statt, in welcher mehrere socialdemokratische Führer, darunter Domela Nieuwenhuis und Fortuyn, Ansprachen hielten. Ruhe­störungen sind nicht vorgekommen.

Petersburg, 24. Mai. Anläßlich der Ankunft des Großfürsten-Thronfolgers in Sibirien wird ein kaiserlicher Ukas an den Senat veröffentlicht, welcher den Verurtheilten erhebliche Strafumwandlungen und Begnadig­ungen bewilligt. Dasselbe wird den zu Zwangsarbeiten Ver­urtheilten,welche der Gnade würdig sind", in Gestalt eines Nachlasses von zwei Drittel der Strafe gewährt- um ebenso viel wird für die Verschickten die Zeit, während welcher sie sich bei den sibirischen Landbewohnern einschreiben lassen müssen, herabgemindert- nach zehn weiteren Jahren wird ihnen die freie Wahl ihres Aufenthalts, außer in den Haupt­städten, verstauet, und nach demselben Zeiträume werden ihnen die durch das Urtheil abgesprochenen besonderen Rechte zurück- gewährt. Die Jntemirten endlich treten nach 15 Jahren in den Vollbesitz ihrer Rechte zurück. Die Auswahl der dieser Gnadenbezeigung würdigen Personen soll den Gouverneuren zustehen. Zugleich wird ein kaiserlicher Erlaß an den Thron­folger veröffentlicht, durch welchen dieser bevollmächtigt wird, den Bewohnern Sibiriens den kaiserlichen Willen kundzugeben, das Land mit Rußland durch eine Eisenbahn zu verbinden und persönlich in Uffuri den ersten Spatenstich zu dieser Eisen­bahn zu thun. Schließlich wird der Thronfolger zum Chef des ersten ostsibirischen Jägerbataillons ernannt.

Buenos' Ayres, 24. Mai. Nach einer Meldung des Reuter'schen Bureaus sind in der Provinz Cordoba während des elfstündigen Kampfes bei den jetzt beendeten Unruhen 25 Personen getödtet worden.

Cocale» nn- provinzielles.

Gießen, 25. Mai.

Auf die heute und morgen Abend in Steins Garten stattfindenden Concerte des rühmlichst bekannten Zapf'schen Vocal'Künstler.Quartetts aus Wiesbaden sei an dieser Stelle besonders aufmerksam gemacht. Besondere Worte der Empfehlung über die Leistungen des Quartetts zu ver­

lieren, ist im Hinblick auf den guten Eindruck, den das Quar­tett von früher hinterlaffen hat, unnöthig- das Quartett hat, trotz seines 32jährigen Bestehens, in Deutschland noch keine Concnrrenz. Die Principien des Quartetts sind in erster Linie Pflege der deutschen Volkslieder neben der der edelsten Perlen der neuesten und älteren Dichtungen und Compositionen, heitere Lieder nicht ausgeschlossen. Das Quartett ist auf längere Zeit für die deutsche Ausstellung in London engagirt.

Die Zahl der Ferusprechauschlüffe in der Stadt be­trägt nach der neuesten Erweiterung zur Zeit 75. Neu an­geschlossen wurden folgende Firmen: Fillmann, G. PH., Glas- und Porzellanwaarenhandlung, Markstraße 17- Fischer. Joh., Kohlen und Coaks, Alicestraße 19- Goldenberg und Marcus, Fruchthandlung, Bahnhofstraße 15- Heimer, Fr. und Co., Metalllager, Brandplatz 10- Hettler, Heinr., Cafe und Con­ditorei, Frankfurterstraße la- Huhn, Carl, jun., Lohnkutscherei, Rittergasse 23- Kleinhenn, C. G., Delicatessen-, Fisch- und Geflügelhandlung, Bahnhofstraße 59- Lind, Eduard, Hof­conditor, Kirchenplatz 10- Metzger, Eberhard, Kaufmann, Neustadt 8- Reiber, Wilh., Möbelsabrik, Settersweg 38- Rosenthal, Nathan, Getreidegeschäft, Neuenweg 39- Stein­bach, Wilh., Maurermeister, Löberstraße 3- Derselbe, Dampf­ziegelei und Thonwaarenfabrik, Riegelpfad 27.

Die Nr. 12 des im Auftrage des Evangelischen Pfarr­vereins für das Großherzogthum Hessen von Herrn Pfarrer Dr. Naumann herausgegebenenHessischen Kircheublattes" hat folgenden Inhalt: 1. Ich weiß, an wen ich glaube. 2. Evangelische Landessynode in 1891. 3. Gesetz-Entwurf, betreffend Versetzung der Geistlichen in den Ruhestand. 4. Religions- und Confirmanden - Unterricht. 5. Wieder­besetzung der Mitprediger - Lehrerstellen durch Geistliche. 6. Dienstversehung der geistlichen Stellen durch besondere Stellvertreter. 7. Geistliche Wittwenkasse. 8. Katholische Praxis. 9. Windthorsts Lob. 10. Erfahrungen, betreffend Kirchenbuchs-Auszüge. 11. Zur Beseitigung der Eidesnoth. 12. Auswanderer aus Hessen. 13. Vom Büchertisch. 14. Mit­glieder des Pfarrvereins.

§ Rodheim (bei Hungen), 24. Mai. Des Meineids verdächtig wurden zwei hiesige Einwohner verhaftet und in das Untersuchungsgefängniß nach Gießen verbracht.

§ Vom höchsten Vogelsberg, 23. Mai. Die Butter, welche hier von den Landwirthen verkauft wird, hat zur Zeit einen so hohen Preis erreicht, wie er seit sehr langer Zeit nicht bezahlt wurde. In früheren Jahren war der Preis gewöhnlich nach Pfingsten per Pfund 70 Pf. und jetzt wird das Pfund hier von den Händlern zu Mk. 1,20 bis Mk. 1,30 angekauft, ein Preis, wie man ihn nicht höher auf den Märkten zu Gießen und Frankfurt a. M. findet. Von den verkaufenden Landwirthen wird diese Preissteigerung selbst­redend nur mit Freuden begrüßt.

A Trais-Horloff, 23. Mai. Der hiesige Ortsbürger und frühere Bürgermeister Sch. hat sich heute Nachmittag in seiner Wohnung erhängt. Abnahme der Geisteskräfte war bei dem alten Manne seit einiger Zeit zu bemerken, was wohl zu dieser That geführt hat.

Södel, 24. Mai. Die Feier des 50jährigen Dienst­jubiläums des Herrn Lehrers Loos dahier wird am 11. Juni d. I. stattfinden.

+ Bad-Nauheim, 23. Mai. Am Pfingstmontag kam es hier auf der Ortsstraße zwischen zwei Dragonern und einem Civilisten zu einem Wortwechsel. Der eine der .Dragoner schlug dem Civilisten mit seinem Säbel derart auf die Schulter, daß das Blut spritzte.

* Reimerod, 22. Mai. Der unverheirathete, 40 Jahre alte Privatier Georg Kalbfleisch dahier hat am ersten Pfingst- feiertag seinem Leben durch Erhängen in seinem Wohn­zimmer ein Ende gemacht.

Hochweisel, 23. Mai. Am Donnerstag Nachmittag gegen 4 Uhr zog ein schweres Gewitter über unsere Gegend. Leider wurde das Wetter für eine brave hiesige Familie, die erst vor einigen Jahren fast unerwartet einen hoffnungsvollen 18jährigen Sohn verloren hatte, recht verhängnißvoll. Am genannten Nachmittage waren die Johannes Zorn Eheleute auf einem unweit des sogen. Butzbacher Weges gelegenen Acker mit Kartoffelsetzen beschäftigt, als das Wetter losbrach. Rasch verließen Beide den mit Rindvieh bespannten Pflug und eilten dem in der Nähe befindlichen Wagen zu, um unter demselben Schutz vor dem starken Regen ^u suchen. Es währte nicht lange Zeit, wo sie sich des muthmaßlich schützenden Plätzchens erfreut hatten, da traf ein Blitzstrahl, dem rollender Donner folgte, den 47jährigen Zorn, welcher diesen sofort tödtete, dagegen seine Ehefrau nur vorübergehend betäubte und eine Seite derselben stark roth anlaufend lähmte. An dem vom Blitz erschlagenen Manne war nur das Versengen des Haares und ein rother Streifen dem Rücken entlang bemerkbar. Hoffentlich gelingt es der ärztlichen Wissenschaft, die arme Frau wieder vollständig herzustellen, damit den beiden acht- und elfjährigen Kindern, welche so plötzlich des Vaters beraubt wurden, die Mutter auch fernerhin erhalten bleibt. Aus diesem Unglücksfall, welcher unsere ganze Einwohnerschaft in eine große Aufregung versetzt hatte, mögen Alle, welche von einem Gewitter auf freiem Felde überrascht werden, die Lehre ziehen, lieber auf flachem Felde sich nieder­zusetzen und die auf sie fallende Nässe zu ertragen, als unter einem einzeln stehenden Baume, Wagen rc. Schutz vor dem Regen zu suchen.

öernrifdytes»

* Frankfurt a. M., 22. Mai. In letzter Nacht wurde auf dem Hasenpfad ein Raubmordversuch an einer 82 jährigen Frau gemacht. Der Thäter überfiel die alte Frau, knebelte sie, legte ihr ein Tuch um den Hals und zog es zu. In der Meinung, die alte Frau sei tobt, durchwühlte er nun die ganze Wohnung nach Geld, kam aber nicht an die richtige Schublade, in der 680 Mk. sich befanden - da er nichts sand, ging er davon. Die alte Frau kam wieder zu sich, stand mit ihren gebundenen Händen auf und ging zu.