Ausgabe 
26.4.1891 Erstes Blatt
 
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1891

Sonntag den 26. April

Nr. 96 Erstes Blatt

Der

rrlcheint täglich, *4t Ausnahme de- Montag».

Die Gießener

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Gießener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gieren.

chratisßeilage: Gießener KaimkienMtter

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Deutscher Reichstag.

107. Plenarsitzung. Freitag, 24. April 1891.

Eine Anzahl von Petitionen werden als zur Erörterung Im Plenum für nicht geeignet erachtet.

Der deutsch-dänische Vertrag betr. die Aufhebung deS Abschosses und Abfahrtsgeldes wird in dritter Lesung endgültig an­genommen.

Der Gesetzentwurf betr. die Prüfung der Läufe und Verschlüsse der Handfeuerwaffen wird in zweiter Lesung berathen.

Abg. Zangemeister (dfr.) beantragt, die obligatorische Prüfung auf Lang-Handfeuerwaffen zu beschränken, event. nach dem Auslande auszuführenbe Kurzfeuerwaffen der obligatorischen Prüfung nicht zu unterwerfen, wenn in den betr. Staaten ein Plüfungszwang nicht besteht.

Abg. Bock (Soc.) beantragt die Aufnahme einer Bestimmung, wonach bet der Prüfung etntretende materielle Verluste (durch Zer­springen der Läufe) nicht auf die Arbeiter abgewälzt werden düifen.

Abg. Graf Douglas (Rp.) bittet an der obligatorischen Prüfung festzuhalten.

Staatssecretär Dr. v. Bötticher hält es nicht für gerecht­fertigt, die Haftung der Arbeiter unter allen Umständen, also auch dann, wenn sie eine Schuld trifft, zu verbieten.

Die Anträge Zangemeister und Bock werden abgelehnt und die Vorlage in der Eommissionsfassung angenommen.

Es folgt zweite Berathung des zwischen dem deutschen Reich, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Nteoerlanden, Oester­reich-Ungarn, Rußland und der Schweiz abgeschlossenen Abkommens über den Eisenbahnfiachtoerkehr.

Abgg. Schrader (dfr.) und Bödiker (Ctr.) beantragen, den Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen.

Das Haus beschließt demgen äß.

Der Gesetzentwurf betr. den Schutz von Gebrauchsmustern wird in zweiter Lesung berathen.

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* 6 ahme Bon Anzeigen zu der Nachmittags für den ,.,q,iden Tag erscheinenden Nummer hi» Borm. 10 11 br

Ääe Annoncen-Hureaux deS In- und Auslandes nehm«« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen, . . .-----1--m

Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Ausschlusses und Annahme der Einwilligung in die beanspruchte Abtretung,

Erklärung auf die ai.gebotene Entschädigungssumme bei Meidung der Unterstellung der Annahme des Angebots,

Anträge aus Ausdehnung der Enteignung bei Mei­dung des Ausschlusses mit solchen,

Anträge aus Aufrechterhaltung bestehender Lasten bei Meidung des Ausschlusses mit solchen,

Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von An­lagen im Sinne des Art. 14 des Gesetzes vom 26. Juli 1884, betr. die Enteignung von Grund- eigenthum, ÄÄ

etwaige noch unbekannte Ansprüche und Rechte an das zu enteignende Grundstück

Nähere Auskunft wird von dem unterzeichneten Com- mando, sowie dem Hauptmeldeamt Gießen, dem Meldeamt Alsfeld und der Bezirkscompagnie Schotten ertheilt bezw. Anmeldungen entgegengenommen.

Gießen, den 18. April 1891.

Großherzogliches Bezirks-Commando Gießen.

I. V.i Wolter, Second-Lieutenant und Bezirks-Adjutant.

Bekanntmachung

Maul- und Klauenseuche zu Birklar betreffend.

Nachdem in einem Geböft zu Birklar der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgestcllt worden ist, haben wir die Sperre über das verseuchte Gehöft verfügt.

Es gelten für den betreffenden Besitzer die Bestimmun­gen unter I. und für die Gemarkung Birklar die Bestim­mungen unter II. unseres Ausscheidens vom 24. Juni v. I. Kreisblatt Nr. 146.

Gießen, den 24. April 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

Durch Neueinrichtung der Unteroffizier-Vorschulen Jülich und Wohlau können durch den entstehenden Mehrbedarf Frei­willige zum 1. October d. Js. eingestellt werden.

Auch können junge Leute, welche im October d. Js. das 16. Lebensjahr überschritten haben, noch zur Einstellung gelangen- dieselben würden bei guter Führung und Brauch­barkeit nur ein Jahr aus der Unterosfizier-Vorschule zuzu bringen haben.

cheneral- Teldmarschall Graf von Moltke *\*

3n srjjhcr Morgenstunde des heutige» Tages (25. April» hat der Telegraph die Trauer-Nachricht in die Welt getragen: General-Felvmarfchall Graf Moltke ist nicht mehr. Das uns zugegangene Telegramm hat folgenden Wortlaut:

General-Feldmarschall Moltke, welcher Nachmittags noch der Sitzung des Reichstags und des Herrenhauses beiwohnte, ist Abends 9% Uhr in Folge eines Herzschlages schmerzlos und sanst gestorben.

Was das deutsche Bolt in seinem Moltke verliert, läßt sich kur, znfammcnsasscn in die Worte: einen der größten Feldherr» aller Zeit, einen kriegerischen Helden einen scharscn Denker, einen pflichttreuen Volksvertreter, einen glänzciiden Schriststcllcr, einen seiner ersten Namen, einen guten Menschen.

Hclmuth Gras Beruh, von Moltke, preußischer Gencral-Feldmarschall, ist am 26. Oktober 1800 in Parchim geboren. Er trat 1822 in preußische Militär- dienstc qinfl später nach der Türkei, nahm dort am Feldzug gegen Mchemed-Ali von Aegypten thcil >.nd kehrte 1840 nach Berlin zurück. 1848 wurde Moltke Chef vcs Generalstabs de- 4 Armee-Corps, 1856 Ches des Gcncralstabs der preußischen Armee. Die Kriege gegen Dänemark, Oesterreich und Frankreich wurden »ach den von ihm entworfenen Plänen gesührt, mit welchem Erfolge, das lehr, die Geschichte in krästigen Züge,,. 1866 zum General der Jnsan.crie ernannt, wurde Moltke 1870 in den erblichen Grascnstand erhoben, 1871 General-Fcldmarschall. Als im vorigen Jahre Moltke seinen 1)0. Geburtstag beging, gingen ihn. von allen Seite», von den angesehensten Herrschern der Welt, wie namentlich ans de» Kreisen der ehemalige» Kampsgcnossen aller Grade, »»d nicht zum wenigsten ans allen Schichten des drntschen Volkes, so viele Beweise von Ehrerbietung und treuer Anhänglichkeit zu, wie sic wohl selten einem Sterblichen zu Thcil wurden. Die Moltke während seiner lange» Dienstzeit als Soldat zn Thcil gcwordcncn hohe» Ordciis-Äuszeichnungen waren so zahlreich, daß bei Gelegenheit seines 90. Ge­burtstages im vorigen Jahre der Kaiser eine solche dem greisen Fcldmarjchall nicht nicht verleihen konnte. Die Vorgänger nnscres Kaisers, die Könige Friedrich Wilhelm 111., Friedrich Wilhelm IV., Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich 111., unter denen Moltke im Dienste des Vaterlandes thätig gewesen, hatten bereits alle diese äußeren Zeichen ihrer Anerkennung dem großen Strategen vcrliehcn, dem persönlichen Danke, wie demjenigen der Armee und des ganzen deutschen Vaterlandes konnte der Kaiser nur noch dadurch Ausdruck verleihen, daß er in Gegenwart der erschienenen Bundesfürsten und höchsten Militärs dem Grasen Moltke einen prachtvollen Marschallstad überreichte, anßcrdem aber verfügte, daß für diesen Ehrentag die Fahnen and Standarte» der Berliner Garnison nach der Wohnung Moltkcs gebrach, wurden. Daß das deutsche Volk seinen nunmehr den Kaisern Wilhelm I. und Friedrich III., sowie einer Reihe hervorragender Heerführer j» die Ewigkeit gefolgte» Moltke nicht vergesse» wird, bedarf keiner Bcrsichernng; mit der Geschichte des dcntschcn Volkes wird fortan innig verknüpft bleiben der Name

Moltke!

Bekanntmachung,

die Enteignung des Grundstücks Flur II Nr. 182/10/ xelP- eines Theils desselben, Gemarkung Großen-Linden, von Seiten der Gemeinde Großen-Linden betr.

Nachdem die Gemeinde Großen-Linden zum Zweck der Anlage eines neuen Friedhofes Antrag auf Enteignung eines Theils des Grundstücks Flur II Nr. 18*/10 der Gemarkung Großen-Linden, zugeschrieben im Grundbuche dem Schaum, Heinrich II. PH., II. S., gestellt hat, so wird der Plan nebst dem Antrag in der Zeit vom 5. bis 20. Mai l. 3 auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Großen-Linden zu Jedermanns Einsicht offengelegt und wird Tagfahrt vor der Localcommission apf

Mittwoch dcku 20. BJlai, Nachm. V2S Uhr auf das Gemeindehaus zu Großen-Linden zur Verhandlung über den Plan undl die Entschädigung anberaumt.

Der Eigentümer des obenbezeichneten Grundstücks und etwaige Nebenberecht^igte werden hierdurch aufgefordert:

Termin vorzubringen.

Gießen, den 21. April 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.:

_______I 0 st, Regierungsrath.__________________

Gefunden: 1 Schraubenschlüssel, 1 Kette, 1 Waschbütte, Reisetasche, 1 Armband, 1 gold. Ring, 1 Silscheid, Packet alte Kleider und 2 Regenschirme.

Gießen, den 25. April 1891.

Großh. Polizeiamt Gießen.

Fresenius.