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Donnerstag den 26 Februar
1891
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
8ierte(|ätyngei MsxwmtwUtulM 2 Mark 20 Pfg. u» Bringerlohn. Durch die Post bezag« 2 Mark 50 Pf,.
Äebection, rrpedwt» und Druckerei:
Ferntzerecher 51.
Hunts* unb Anzeigeblatt für den Nreis Gieren.
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Alle Annoncen.Uureanx bt» In- und Auslandes atfitw« Anzeigen für den ^Gießener Anzeiger^ mtgegea.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betreffend den Neubau einer katholischen Kirche zu Ober-Roden.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Großherzogliche Ministerium des Innern und der Justiz dem katholischen Kirchenvorstand zu Ober-Roden auf deßfallfigen Antrag die Erlaubniß ertheilt hat, die in Aussicht genommene Collecte zum Besten des rubrieirten Kirchenneubaus anstatt innerhalb der ersten Hälfte des laufenden Jahres, in den letzten sechs Monaten dieses Jahres zu veranstalten.
Gießen, den 23. Februar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Nachdem die Schaftäude zu Steinheim und Trais-Horloff als erloschen gilt, werden die angeordneten Sperrmaßregeln wieder ausgehoben.
Gießen, den 23. Februar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
o. Gagern.
Bekanntnrachung.
Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der auf den 3. März L I. angesetzte Gießener Viehmsrkt nicht abgehalten werden wird, daß dagegen der Vieh- und Krämermarkt, welcher aus den 4. März l. I. ausgeschrieben ist, stattfindet.
Gießen, den 27. Januar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Am 11. März und am 21. April finden je 10 tägige Uebungen der mit dem neuen Gewehr noch nicht geübten Reservisten und fäwmtlicher Wehrlerrte I. Aufgebots der Infanterie statt
Da Befreiung hiervon diesmal nur ganz ausnahmsweise und nur in den allerdringendsten Fällen, wie z. B. bei persönlicher Krankheit, stattfindet, so rathe ich von der Einreichung etwaiger Gesuche im Voraus ab, wenn solche der genannten Voraussetzungen entbehren.
Gesuche, welche dem Bezirke commando dirett, mit Um- gehung des Meldeamts oder der Compagnie eingereicht werden, bleiben unberücksichtigt und unbeantwortet.
Wer überhaupt keine Antwort erhält, hat dies als abschlägige Antwort zu betrachten.
Gießen, am 23. Februar 1891.
Caspary, Oberstlieutenant z D. und Commandeur.
Bekanntmachung.
Mittwoch des« 11. März 1891, Nachmittags 3 Uhr, wird auf Lonys Felsenkeller in Gießen eine Generalversammlurug des landwirthfchaftlicheu Bezirksvereins Gießen abgehalten werden
Alle Mitglieder des landw. Bezirksoereins und der landw. Ortsvereine sowie alle Freunde der Landwirthschaft werden zu dieser Versammlung hierdurch ergebenst eingeladen.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, den in ihren Gemeinden wohnenden Mitgliedern des Vereins von dieser Einladung Kenntniß zu geben und aus zahlreichen Besuch der Versammlung htnzuwirken.
Tagesordnung:
1) Vortrag des Herrn Landwirthschaftslehrers Leithiger über Schweinezucht
2) Berathung über Hebung der Rindviehzucht,
3) ,, „ „ „ Schweinezucht.
f) „ ,, „ ,, Ziegenzucht.
5) « n ii // Geflügelzucht.
6) Berathung über den Antrag des Thierschutzvereins auf Anpflar zung von Hecken auf Wüstungen zum Schutze der Singvögel.
Gießen, den 23. Februar 1891.
Der Director des landwirthschastlichen Bezirksveretns Gieße«. Jost, Regierungsrath.
Die Rede des Kaisers
bei dem Festmahl des Brandenburgischen Provinzial-LandtageS am Freitag den 20. Februar hat folgenden Wortlaut:
In Meinen Dank für die freundlichen Worte des Herrn Vorsitzenden möchte Ich zunächst das tiefe Bedauern und den innigen Schmerz einschließen, der Mein und, Ich bin fest überzeugt, Ihrer Aller Herzen durchzogen hat bei dem Verlust eines Ihrer werthesten Mitglieder,- Ich meine des Herrn von Nochow-Plessow. Ihm, einem alten märkischen Edelmann von treuem, festem Schrot und Korn, einem Vorbild aller ritterlichen Tugenden, der seinem Fürstenhause treu ergeben war bis zum letzten Athemzuge seines Lebens, möchte Ich als König noch nachträglich Meinen Dank aussprechen für das lange Leben treuen Arbeitens, welches er für Meine Vorfahren und für Mich im Dienste der Provinz zugebracht hat.
Brandenburgische Männer! Ich freue Mich von ganzem Herzen, daß es Mir vergönnt ist, wieder einen Abend unter Ihnen zuzubringen, denn es ist Einem immer wohl, mit Männern sich zusammenzufinden, von denen man weiß, daß man mit ihnen übereinstimmt und daß man sich miteinander eins fühlt.
Wir stehen gewiffermaßen noch unter dem Schatten jenes Tages, den wir vor kurzer Zeit gefeiert haben, Ich meine des Jubiläums jenes großen Brandenburgers, von dem Ich so oft und gern zu Ihnen gesprochen habe, des Großen Kurfürsten, jenes Mannes, der mit feinem vollsten Herzen und allen Fibern an seinem Heimathlande hing und mit unermüdlicher, rastloser Thätigkeit dafür sorgte, daß aus tiefer Noth und tiefem Elend die Mark Brandenburg zu einem festen, einigen Ganzen emporstieg. Es ist der Vorfahre von Mir, für den Ich die meiste Schwärmerei habe, der von jeher Meiner Jugend als Vorbild vorangeleuchtet hat.
Ich weiß sehr wohl, daß in dieser Zeit und im vergangenen Jahre Manches geschah und sich ereignet hat, was Ihre Herzen und Gemürher bewegt. Ich freue Mich, daß Meiner Aufforderung zum gemeinsamen Arbeiten, zum einigen Thun im Lande, welche Ich damals in Schleswig-Holstein und später in Schlesien aussprach, so gerne und willig in jeder Beziehung in der Bevölkerung entsprochen worden ist, ebenso auch hier in der Mark Brandenburg. Ich meine aber zu gleicher Zeit einen gewissen Stillstand wahrnehmen zu können, ein gewisses Zagen und ein gewisses Zaudern,- Ich meine zu sehen, daß es den Herren nicht leicht wird, den Weg zu erkennen, den Ich beschreite und den Ich Mir vorgezeichnet habe, um Sie und uns Alle zu Meinem Ziel und zum Heil des Ganzen zu führen.
Wenn wir Schritte thun und arbeiten wollen zum Heile des Ganzen, so müssen wir dieses auch immer im Auge haben. Zu diesem Zwecke thut es wohl gut, sich zuweilen in unsere Geschichte rückblickend zu vertiefen.
Ich habe im vorigen'Jahre an einer Stelle gestanden, die uns Allen theuer, lieb und werth, Ich möchte sagen geheiligt erscheint,- es ist der Boden von Memel. Ich bin in dem Hause gewesen, wo meine Urgroßeltern gelebt und ihre Zeit in schwerer Anfechtung und Sorge zugebracht haben, da unser Land zerschmettert am Boden lag, den Eroberer in sich walten und schalten sehend, ohne Hoffnung auf die Zukunft. Und gerade von dort aus, da Niemand wußte und Niemand sich denken konnte, daß das Land sich jemals wieder erheben würde, von dort aus sind die ersten Anfänge zur Größe unserer Jetztzeit ausgegangen. Das Fürstenhaus, festhaltend an Gott, am Glauben, an der Treue zu seiner Pflicht - das Volk, fest vertrauend der Hand seines Führers: sie sanden sich Beide wieder zusammen, und in diesem Vertrauen liegt die Größe, darin liegt das Geheimniß der Größe unseres Vaterlandes.
Ich weiß sehr wohl, daß es in der Jetztzeit versucht wird, die Gemüther zu ängstigen. Es schleicht der Geist des Ungehorsams durch das Land- gehüllt in schillernd verführerisches Gewand, versucht er die Gemüther Meines Volkes und die Mir ergebenen Männer zu verwirren - eines Oceans von Druckerschwärze und Papier bedient er sich, um die Wege zu verschleiern, die klar zu Tage liegen und liegen müssen für Jedermann, der Mich und Meine Principien kennt. Ich lasse Mich dadurch nicht beirren. Es mag Meinem Herzen wohl wehe thun, zu sehen, wie verkannt die Ziele sind, die Ich verfolge - aber Ich hege das Vertrauen, daß alle Diejenigen, die monarchisch gesonnen sind, die es gut mit Mir meinen, und daß vor allen Dingen die brandenburgischen Männer nicht einen Augenblick wankend geworden sind und nie gezweifelt haben an dem, was Ich that.
Wir müssen vorwärts streben, wir müssen arbeiten und im Innern kämpfen. Aber wenn das Ganze gedeihen soll,
so, seien Sie sich dessen klar, müssen hier und da im Einzel« interesse Opfer gebracht werden.
Unsere jetzigen Parteien sind gegründet auf Interesse« und verfolgen dieselben oft zu sehr, eine jede für sich. ES ist ein hohes Verdienst Meiner Vorfahren, daß sie sich nie zu den Parteien gestellt, sondern daß sie stets darüber gestanden haben und daß es ihnen gelungen ist, die einzelnen Parteien zum Wohle des Ganzen zu vereinigen. Nun, Sie sehen ja, wie der Erfolg diese Bemühungen gekrönt hat zum Heil des Ganzen, zum fortschreitenden Gedeihen unserer Arbeit.
Ich hoffe und spreche die feste Zuversicht aus, daß ein Jeder von Ihnen in feiner Arbeit und in seinem Wirkungskreis verstehen wird, daß er für das Ganze wirken und arbeiten soll, daß er Mir treu zur Seite stehen und Mir Helsen muß. Ich glaube nicht, daß die brandenburgischen Männer zaudern werden, Mir zu folgen aufzben Bahnen, die Ich beschreite.
Sie wissen, daß Ich Meine ganze Stellung und Meine Aufgabe als eine Mir vom Himmel gesetzte auffasse, daß Ich im Auftrag eines Höheren, dem Ich später einmal Rechenschaft abzulegen habe, berufen bin. Deshalb kann Ich Sie versichern, daß kein Abend und kein Morgen vergeht ohne ein Gebet für Mein Volk und speciell ein Gedenken an Meine Mark Brandenburg.
Nun, Brandenburger! Ihr Markgraf spricht zu Ihne», folgen Sie Ihm durch Dick und Dünn auf allen den Wege», die Er Sie führen wird! Sie können versichert sein, es ist zum Heil und zur Größe unseres Vaterlandes.
In dieser Gesinnung rufe Ich: Es lebe die Provinz Brandenburg, hurrah! hurrah! zum dritten Male hurrah!
Deutsches Reich.
nn. Darmstadt, 24. Februar. Zweite Kammer b er Landstände. Die Verhandlungen über das Staatsbudget 1891—94 werden auch heute fortgesetzt.
Nach Verkündigung neuer Einläufe, darunter eine Eingabe der Handelskammer zu Gießen bezüglich der Abschaffung der Weinsteuer, einer solchen von Weinbergbesitzern in Bensheim wegen Ausschank von Wein, sowie Revision wegen Aushebung des Volksschulgesetzes fährt die Kammer mit Cap. 111, Localbaubeamten, fort.
Nachdem im vorigen Budget für die zur Zeit vorhandenen 14 Kreisbaumeister eine Erhöhung von 3000—4500 Mk. eingetreten war, fordert die Regierung heute 3600—4800 Mk. (Durchschnitt 4200 Mk.)
Der Ausschuß dagegen hält den gegenwärtigen Augenblick, in welchem eine allgemeine Classification der ganzen Beamtenschaft und das Aufsteigen nach Dienstalter innerhalb der einzelnen Klassen erstrebt wird, zu einer einseitigen Erhöhung des Gehalts dieser Beamten, aus welcher zweifellos nur die Erhebung weiterer Ansprüche von anderen nicht gleichmäßig bedachten Branchen entstehen werde, für durchaus ungeeignet. Außerdem schlägt der Ausschuß vor, eine Verminderung der Kreisbaumeisterstellen eintreten zu lassen. Außerdem soll eine Übertragung der Staatsstraßenunterhaltung auf die Kreisverwaltung in Aussicht genommen werden.
Ministerialrath Schäffer weist aus die geringe Bezahlung unserer Baubeamten gegenüber den preußischen Beamten hin und warnt davor, einen Strich nach dieser Richtung hin zu machen. Die Folge davon könne die Bauverwaltung nicht tragen. Wenn man fortfahre, nicht zu berücksichtigen, daß hier eine Nothlage unter den Baubeamten bestehe, fo werde es dahin kommen, daß die Bauabtheilung für die Folge keine richtigen Beamten mehr erhalten, resp. bezahlen könne. Was das Eingehen von zwei Kreisbauämtern betrifft, so könne er nur hiervon entschieden abrathen, da die Summe der Arbeit für diese 14 Kreisbauämter im Lande größer ist als dieselben bewältigen können.
Finanzminister Weber befürwortet ebenfalls die Erhöhung der Gehalte in dem der Kammer vorgeschlagenen Betrage. Was die Verminderung der Kreisbauämter betreffe, so müffe er entschieden Front dagegen machen, daß die Kammer durch den Strich zweier Kreisbauämter in die Organisationsrechte der Regierung und der Krone eingreife. Es weise aber auch die Regierung jede Verantwortlichkeit von sich ab, welche durch die geplante Verminderung der Kreisbaumeister herbeigeführt werde. Er bittet um Annahme der Regierungsforderung und unbedingt von einem Strich zweier Bauämter abzusehen, was ohnehin ein Eingriff in die Organisation der Regierung sei.
Für die Regierungsvorlage sprechen die Abgeordneten v. Rabenau, Hechler,Berg st räßer, Erk, Heinzer-


