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Nr. 301 Freitag den 25. Deeember

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Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

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2 Mark 20 Psg. «O Bringerloh».

Durch die ^ost bctzos» 2 Mark 50

Äebactton, (EpetrtlfiW und Druckerei:

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Amt»« ttnö Anzeigeblatt fih? den 'Kvtte Gieren.

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rlintliehev Thril.

Gießen, den 22. December 1891.

Betreffend: Ausführung der Landesfeuerlöschordnung.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

sm die «rotzh. Bürgermeiftereie« des «reise-.

Wir beauftragen Sie, in Zukunft alsbald nach Ausbruch eines Brandes in Ihrer Gemeinde ein Verzeichniß, aus dem die Beantwortung folgender Fragen hervorgeht, an uns ein­zusenden :

1) Welche Gemeinden haben dem Brandorte Brandhülfe geleistet?

2) Welche dieser Gemeinden stehen mit dem Brandorte im Brandhülssverbande?

3) Welche derselben wurden um außerordentliche Brandhülfe gebeten und aus welchem Grunde geschah dies?

4) Um wie viel Uhr traf die Feuerwehr jeder einzelnen Hülfe leistenden Gemeinde ein, um wie viel Uhr war die eigentliM Hülfeleistung beendet und um wie viel Uhr rückte sie wiederum ab?

5) Mit wie vielen Spritzen und in welcher Stärke war die Feuerwehr einer jeden Gemeinde am Brandplatz an­wesend?

6) Wurde von Ihnen die Anordnung getroffen, daß die Spritzen einer oder mehrerer Gemeinden mit Rücksicht auf die Gefahr des Neuausbruchs des Feuers auf dem Brandplatz nach gelöschtem Brande Zurückbleiben sollten? Welche Zahl von Mannschaften der fremden Gemeinde wurde von Ihnen hierzu commandirt und wann rückten dieselben ab?

v. Gagern.

Bekamitmachung,

die directe Verbindung der Bahnhöfe zu Gießen mit dem süd­lichen Stadttheil am Seltersberg betreffend.

Nachdem die Stadt Gießen zur Herstellung der rubr. Wegverbindung die Enteignung des nachverzeichneten Geländes des Justus Lenz zu Gießen:

54 sliNuthen von Flur XVII Nr. 2855/10 u. 2856/10, Grabgarten an der Hollergasse,

beantragt hat, so wird der Plan mit Anlagen nebst dem An­trag der Stadt Gießen _

von Mittwoch den 30. December 1S91 bis Mitt­

woch den 13. Januar 1892

auf dem Bureau der unterzeichneten Behörde zu Jedermanns Einsicht offen gelegt und wird Tagfahrt vor der Localcomnnsston auf Mittwoch den 13. Januar 1892, Vormittags 9 Uhr, auf das neue Rathhaus zu Gießen zur Verhandlung über

den Plan und die zu leistende Entschädigung hierdurch an­beraumt.

Der Eigenthümer des obenbezeichneten Geländes und etwaige Nebenberechtigte roerben hierdurch aufgefordert:

a) Einwendungen gegen den Plan bei Meidung des Aus­schlusses und Annahme der Einwilligung in die be- anspruchte Abtretung oder Beschränkung,

b) Erklärung auf die angebotene Entschädigungssumme bei Meidung der Unterstellung der Annahme des Angebotes,

c) Anträge aus Ausdehnung der Enteignung bei Meidung des Ausschlusses mit solchen,

d) Anträge auf Aufrechterhaltung bestehender Lasten (Art. 19) bei Meidung des Ausschlusses mit solchen,

e) Anträge auf Einrichtung und Unterhaltung von Anlagen im Sinne des Art. 14,

f) etwaige noch unbekannte Ansprüche und Rechte an das zu enteignende Grundstück,

in dem Termin vorzubringen.

Wenn in dem Termin Einwendungen gegen den Zweck und den Plan, sowie die damit in Verbindung stehenden An­träge nicht vorgebracht werden sollten, dann wird in dem ge­nannten Termin

Mittwoch den 13. Januar 1892, Vormittags 9 Uhr, zugleich über die Höhe der Entschädigung und die mit ihr zu­sammenhängenden Fragen verhandelt werden.

Gießen, den 22. December 1891.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

_______v. Gagern._________________,

Gießen, den 22. December 1891.

Vetr.: Die Abhaltung von Wandervorträgen in den Ge­meinden des Kreises Gießen.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

In dem Voranschlag des landwirthschaftlichen Bezirks­vereins Gießen pro 1891/92 sind 200 Mk. für Abhaltung von Wandersvorträgen in den Gemeinden des Kreises Gießen in Ausgabe vorgesehen.

Ich ersuche Sie um gefällige Mittheilung, ob Sie wünschen, daß ein Wanderlehrer im nächsten Jahre in Ihrer Gemeinde einen Vortrag und in welchem Locale, über welches Thema und zu welcher Zeit abhält.

____Jost.___________________________

Bekanntmachung.

Wilhelm Stein in Gießen hat die Concession als Dienstmann mit der Dienstnummer 14 erhalten.

Gießen, den 23. December 1891.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Weihnachten.

Weihnachten, das uralte, wonnige Fest der Religion und des Herzens, hält wiederum seinen fröhlichen Einzug in den christlichen Häusern, und dieses erhabene Fest, in welchem sich das schönste Gedenken der Christenheit bei uns mit herr­licher altgermanischer Poesie verwebt, soll einmal auf einige Tage die Alltags-Sorgen und Mühen vergessen machen und, wie es sein treffender Name sagt, eine weihevolle, erhebende Stimmung in allen empfänglichen Gemüthern verbreiten.

Was die religiöse Bedeutung der Weihnachtsfeier an­betrifft, so könne es allerdings nicht die Aufgabe der Tages­presse sein, in dieser Hinsicht Erörterungen und Ermahnungen zu geben, denn aus diesem Gebiete haben Kirche und Schule ihres Lehramtes zu walten, aber das große, schöne Weihnachts­fest in der rechten Weise seiern zu Helsen, dazu kann auch die Zeitung beitragen.

Weihnachten ist und bleibt vor allen Dingen ein Fest des Friedens, denn die ewige Liebe des Schöpfers offenbarte sich an dem ersten Weihnachtsseste der in tieser Barbarei und schnöder Herzlosigkeit erstarrten alten Welt. Daraus erkennt man ohne Weiteres den Werth und die Bedeutung der Weih­nachtsfeier für die Völker, für die Familien und für jeden einzelnen Menschen.

Zwar wird noch nicht in allen Ländern Weihnachtsfest gefeiert, aber die Weltgeschichte, die nach des Dichters Wort das Weltgericht ist, zeigt uns deutlich, in welcher bejammerns- werthen Barbarei und geistigen Finsterniß diejenigen Völker geblieben sind, welche noch kein Weihnachten kennen, und je weiter die Menschheit in der auf christlichen Grundlagen ruhenden Cultur vorwärts schreitet, umsomehr wird auch kund und offenbar werden, daß nur in der Weihnachtsbotschaft, in der Liebe und in dem Frieden, das wahre Heil der Mensch­heit zu suchen und zu finden ist.

Als eine hochersreuliche Thatsache darf es auch hervor­gehoben werden, daß gegenwärtig und voraussichtlich auch für das kommende Jahr die allgemeine Weltlage dem christlichen WeihnachtsgrußeFriede auf Erden!" entspricht und daß vor wenigen Tagen diejenigen Völker, welche sich schon seit Jahren zu einem mächtigen Friedensbunde die Hände gereicht haben, nun auch einen weiteren Schritt des Entgegenkommens für die Förderung ihrer inneren Wohlfahrt thaten. Möge diese Weihnachtsspende segensreich wirken und die guten Hoffnungen erfüllen, die man auf sie setzt.

Neueste Nachrichten.

WolfiS telegravhischeö Korrespondenz-Bureau,

Berlin, 23. December. DerReichsanzeiger" meldet, dem Landtag werde voraussichtlich bald nach Beginn seinec Verhandlungen eine Novelle zum allgemeinen Berggesetz zugehen.

obgleich die jüngste derselben, Louise, von Böswilligen im Geheimendie Hopfenstange" genannt, stets nahe daran war, in Ohnmacht zu fallen, wenn ein leichtfertiger Drehorgel­spieler in ihrer Nähe das berühmte Mantellied spielte: Schier dreißig Jahre rc."

Die Unterhaltung also war belehrend gewesen, und ich armer, junger Doctor der Philosophie, dessen ganzes Ver­dienst in diesem Titel, seiner Ehelosigkeit und einem kleinen Vermögen bestand, warHörer allein" des Wortes oder besser der Worte gewesen. Nur als man von den Ballen der Residenz sprach, hatte ich Gelegenheit gesunden, auch mein bescheidenes Lämpchen leuchten zu lassen- hatte ich doch dort ästhetische Thees, Diners und Bälle mitgemacht, hatte ich doch mit so mancher Geheimrathstochter gewalzt, theils aus Neigung, theils aus Pflichtgefühl, und war ich doch erst seit Kurzem aus der Sphäre der Residenz in das stille Teterow versetzt.

Man legte also Werth aus meine Mittheilungen, man lauschte meinen Worten, ja die Frau Kreisphyfikns drückte mir unter dem Tisch die Hand, ais ich ihr Höflich versichert-, dah sie in den Salons der Residenz entschieden eine Rolle -u spielen im Stande sein, und ihre Tochter, Frida durch ihre elegante Figur Furore machen würde. Ich hatte die Bemerkung gemacht, halb im Ernst, halb im Scherz, daß es in der Hauptstadt zum guten Ton gehöre, bei Em -düngen -u spät zu kommen, und dah ^eder vor allen Dingen zir vermeiden suche, als Erster aus dem Ball oder m der Gesell.

ui erscheinen. Nach allen Seiten war dav Schema dann besprochen worden, und als ^ endlich ausbrach, ahnte ich nicht die furchtbare Saat, die ich ln dem Herzen d Teterowerinnen ausgesäet hatte.

ifemUcton.

Der Ball r« Teterow.

Humoreske von A. C. M.

^Nachdruck verbolen.j

Di- Unterhaltung in der Gesellschaft der Frau Kreis- Mier war sehr geistreich und belehrend gewesen. Ich hatte dort ersahren, daß die Frau Kreisrichter eine geborene "h- mann sei und sieben sehr glückliche verhe,r-thete Schwestern habe; daß die Frau Amtmann sieben Facher und Herr Pastor drei Pferde besitze- daß Goethe bessere Gedichte als Schiller gemacht, und daß die Dienstboten weder ,m Allgemeinen noch hu Besonderen etwas taugten. Ich hatte gelernt, wer am besten Gurken einzumachen verstehe, und wer ine feinste Toilette im Städtchen mache; ich wußte nun, tote lange die Stiere Feindschaft zwischen Apothekers und Doetors bestand, und daß Mozart schwerlich alle die schonen Opern ljatte com- voniren können, wenn er nicht Musiker gewesen wäre. Bon der Oper war das Gespräch aus den Ball gekommen, der nächstens bevorstand und das ganze Städtchen seit sie en WoL und drei Tagen in fieberhafter SpannungJett. Dieser Ball soll der glänzendste werden, aus dem iem Wohnerinnen Verheerungen angerichtet hatten. Die Gu besitzer der Umgegend hatten saft alle ' Oberamtmann hatte schon von der Frau Bürgermetster, der tonangebenden Dame des Städtchens, Ertaubn ß"halten, ftatt im Frack, den er nie besessen hatte, tm Ueberrock er- r. . hnrfpn csattt er doch, trotz seines Reichthums,

n°ch"7eine Ä u toK aber hatte die Frau Bürgermeister "ei hoffnuAvolle .junge Töchter", wie sie dieselben nannte,

Der langersehnte Tag nahte heran. .. Ganz Teterow war wie von der Tarantel gestochen- was Hände und Füße hatte, rührte und rüstete sich zum Ball. Der Magistrat hielt in der ganzen Woche keine Sitzungen, die Stadtmusi- kanten übten Tag und Nacht- alle Näherinnen, Wäscherinnen, Putzmacherinnen, Frisirmädchen, Kaufleute, Modehändler, Schneider, Hut- und Handschuhmacher, Schuhflicker, Barbiere, Laufjungen, Commis liefen und rannten durcheinander- die Damen hielten Musterungen und Conserenzen und suchten "Hauben, Blumen, Kränze, Bänder, Roben und Schleier her­vor, nähten, strickten, wuschen und plätteten, zankten und schwatzten, und versalzene Suppen, verbrannte Braten und harte Kartoffeln drohten den Frieden von mehr als einer Familie zu erschüttern. Die einzig ruhigen Seelen des aufgeregten Städtchens waren der Assessor Wind und ich. Waren wir Beide doch, als Kinder der Residenz, daran ge­wöhnt, wo die Teterower mit allem Enthusiasmus provin­zieller Gemüther schwärmten und hofften.

Endlich war der Balltag da. Die wenigsten Familien hatten h'eute, wie sonst, zu Mittag gegessen. Linchen Pieseke, die Tochter desSeifenpieseke", hatte den ganzen Tag am Clavier viel geseufzt und noch mehr declamirt von unver­standener Wehmuth und dem kleinen Gott mit dem Pfeil und Bogen, vonfreudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein". Dann waren zwei kostbare Thränen über ihre Wangen ge­rollt und gerade auf den Baßschlüssel auf der ersten Seite desJungsernkranzes" gefallen, und der prosaische Vater hatte gemeint, die Thränen verdürben das weiche Papier, und es würde zerreißen. Ach! er ahnte nicht, daß ihr Herz, das siebenzehnjährtge, mehr zerrissen war, als eS die Frei­schützpartitur jemals werden tonnte! Hatte sie doch gesehen.