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25.3.1891
 
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Mittwoch den 25. März

1891

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Hretze«er A«zei-er »rschcmt täglich, »4t AuSnohmr deS Montag».

Die Bießener »«Utcnirittlt »«den dem Anzeiger »Schmtlich brtimel d eigelegt.

Weßener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Bierteljährtger A5o«neme«tsprei» r 2 Mark 20 Psg. m« Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Expeditio» und Druckerei:

-chutßrateVr.^ Aerusprecher 61.

Amts- ttttb Anzeigeblatt tot? den KreU Gieren.

Aunahmr den Anzeigen zu der Nachmittags für den fetgrnbtn Tag erfcheinmdm Nummer bis vorm. 10 Uhr.

chratisöeitage: chießmer Jamikienblätter

AKe Annoncen-Bureaux deS Fn- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Anrtlrchrv Sherl.

Bekanntmachung.

Degen Erkrankung des Großh. Districts - Einnehmers Herr« Euler zu Laubach wird der Großh. Steueraffeffor Herr Blum daselbst die dasige DistrictS-Emnehmerei bis auf Weiteres verwalten.

Gießen, den 23. März 1891.

Großherzogliches Rentamt Gießen.

Welcker, Domänenrath.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. März. Die preußische Regierung ist in die Zwangslage versetzt, in diesen Wochen bis An­fang April, etwa zwölftausend Arbeiter aus den Militärwerk­stätten zu entlassen. Am durchgreifendsten ist die Betriebsein­stellung in den Gewehrsabriken zu Spandau, Danzig und Er­furt. Alle drei arbeiteten seit ungefähr 2^ Jahren mit einem Personalbestände von 3500 Mann an der Herstellung der Gewehre Modell 88. Es wurde ununterbrochen, Tag und Nacht, gearbeitet. Außer diesen drei staatlichen Fabriken, die vierte in Amberg arbeitet für die bayerischen Truppentheile, erhielten s. Z. Bestellungen auf Gewehre noch die Commandit- gesellschaft auf Actien Loewe u. Co. in Berlin und die Werndl'sche Waffenfabrik in Stehr. Die jetzt in den preußischen Gewehr­sabriken erfolgten Entlassungen zeigen an, daß der Bedarf an Gewehren für die Armee gedeckt ist, und nicht allein für die active, sondern auch für die Reserve und Landwehr. Aber nicht allein für die Infanterie, sondern auch für die anderen Truppencategorien sind die erforderlichen Ausrüstungen fertig gestellt, und daher stehen zum Beginn der Inventur, anfangs April, auch in den übrigen staatlichen Fabriken, namentlich aber in den Artilleriewerkstätten, größere Entlassungen bevor.

Berlin, 23. März. DerReichsanzeiger" enthält das folgende Kaiserliche Handschreiben: Ich habe aus Ihrem Be­richte vom 10. dss. Mts. mit lebhaftem Interesse von der bedeutenden Steigerung, welche der Geschäftsverkehr der Reichsbank in allen Zweigen ihrer Verwaltung im abgelaufenen Geschäftsjahre erfahren hat, Kenntniß genommen. Obwohl biefe dem Gefchästsumsatz wie der Höhe des Reingewinns nach bisher nicht erreichte Entwicklung nicht als Zeichen einer besonders günstigen Lage der allgemeinen wirthschaft- lichen Verhältniffe betrachtet werden kann, insofern sie nicht sowohl in einem Aufschwung von Handel und Industrie, als vielmehr in einer dem Creditbedürfniß nicht entsprechenden

Feuilleton.

In der Hrimalh.

Eine Oster-Erzahlung von Marc. Doyen.

(Nachdruck verboten.)

Nimm Dem Röckchen in Acht, Lena!"

Die Kleine wendete ihr frisches Gesichtchen lachend zurück-

Es ist nur Wasser unter den Eisstücken, Tante Marie!" ries sie und pochte mit den derben Füßchen auf die morsche Eisdecke der Pfütze. Das junge Mädchen griff nach dem Kinde, der Mann an ihrer Seite aber trat rasch vor und nahm die Kleine auf den Arm.

Sieh nur, Schwager, wie das Wasser im Mühlbach hoch steht," sagte Marie.

Der Bauer blickte gleichmütig darüber hin.

Es ist schon gefallen," sagte er,aber die Uferränder sind überall ganz unterwaschen."

Heinrich Schröder, der hier am Charfreitag Vormittag mit Schwägerin und Kind von der Kirche zurückkehrte, war seit der Geburt Lenas Wittwer- er hatte seitdem die Sorge für Wirtschaft und Kind in die Hand einer jüngeren Schwester der Verstorbenen übertragen und befand sich äußerlich ganz wohl dabei.

Hör den Vogel singen, Vater," rief das Kind,hör nur, er singt immer lauter."

Das ist eine Lerche," lächelte Marie,die Lerchen müssen doch schon lange singen, nicht, Schwager?"

Der Bauer rückte seine Pelzmütze zurecht.Ich habe nicht danach gehorcht," sagte er.

Ein Zug von Spott glitt über Mariens Gepcht.

Ich glaube, Du achtest außerhalb Deines Hofes nur noch auf die Wittwe Ulrich," dachte sie bei sich, indem sie die Thür aufstieß, welche den Zugang bildete zu den sich hier längs des Mühlbachs hinziehenden Gemüsebeeten, hinter denen bas Hans Schröders lag.

Flüssigkeit der Circulationsmittel ihre vornehmlichste Ursache hat, so ist doch andererseits gerade der Verwaltungsbericht des verflossenen Jahres Mir ein erneuter Beweis dafür, daß die Reichsbank auch unter schwierigen Verhältnissen es ver­steht, den an sie herantretenden Anforderungen des Credit- verkehrs in vollem Umfange gerecht zu werden und den Platz, der ihr als dem ersten Creditinstitut im Reiche zugewiefen ist, auszufüllen. Auch das überaus günstige finanzielle Er- gebniß zeugt ebensowohl von der Umsicht in der Leitung als von der Pflichttreue in der Ausführung. Ich beauftrage Sie, allen Betheiligten Meine Anerkennung und Zufriedenheit aus­zusprechen.

Berlin, den 18. März 1891.

Wilhelm J. R.

An den Rejchskanzler.

Berlin, 23. März. Die Wiederkehr des 2 2. März, des Geburtstages weiland Kaiser Wilhelms I., ist gestern in Berlin durch die Grundsteinlegung zu jener Kirche gefeiert worden, welche den Namen des unvergeßlichen Heldenkaifers führen wird. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie der Groß­herzog und die Großherzogin von Baden waren bei der Feier zugegen. Ferner fand am Sonntag im Mausoleum zu Char- lottenburg ein stiller Gedächtnißgvttesdienst statt.

Hcucfie Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Eorrespondenz-Bureau.

Berlin, 23. März. DieTimes" meldet aus Phila­delphia, die deutsch-amerikanischen Verhandlungen wegen Auf­hebung des Schweineeinsuhrverbots ständen still - das Washingtoner Cabinet erwäge die Angelegenheit. Der Präsident werde wahrscheinlich den deutschen Rübenzucker mit einem Retorsionszolle belegen, falls Dentschland das Verbot nicht aufhebe.

Berlin, 23. März. DieAllgemeine Fleischer-Zeitung" erfährt aus bester Quelle, der Wortlaut der amerikanischen Bill und der Einzelbestimmungen über strengere Unter­suchung des Schweinesleischexportes sei dem hiesigen amerikanischen Gesandten noch nicht zugegangen, liege somit auch noch nicht dem Bundesrathe vor, der überdies durch die österreichisch-deutschen Verhandlungen stark in An­spruch genommen fei. Günstigenfalls dürste bis zur Ent­schließung des Bundesraths über die Aushebung des Schweine­fleisch-Einfuhrverbots noch einige Zeit vergehen.

Berlin, 23. Mürz. In der königlichen Prüfungsanstalt für Baumaterial (Charlottenburg) wurde heute in Gegenwart

hervorragender Fachleute und von Vertretern der Civil- und Militärbehörden eine Feuerprobe mit dem von Kapserer, Köster u. Co. in Mannheim hergestellten Schilfbretter- System Girandt (Material zur Herstellung für seuer- und schallsichere Zwischenwände und Decken) vorgenommen. Die Probe hatte einen durchschlagenden Erfolg.

Dresden, 23. März. Der Kriegsminister v. Fabrice ist in Folge eines inneren Halsabscesses erkrankt. Nach dem Bulletin ist der Kräftczustand bei künstlicher Ernährung be­friedigend und das Fieber mäßig.

Karlsruhe, 23. März. Se. Majestät der Kaiser zeigte dem Großherzog in einem Handschreiben an, daß Allerhöchft- derselbe den Erbgroßherzog zum Chef des 113. Infanterie- Regiments ernannt habe, als dessen Commandeur der Erb­großherzog sich in so hohem Grade bewährt habe. Se. Majestät spreche die Ernennung an dem Tage aus, welcher der Erinnerung des hochseligen Kaisers Wilhelm 1. geweiht fei und welcher die innigen Beziehungen Sr. Majestät zu dem Großherzog und dem Grobherzoglichen Hause in beson­derer Weise hervortreten lasse, um dem Großherzoge einen erneuten Beweis wahrer Verehrung und Dankbarkeit zu geben.

Hamburg, 23. März. Der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actiengesellschaft hat Se. Majestät der Kaiser z« der glücklichen Rückkehr des DampfersAugusta Victoria" von der Rundfahrt im Mittelmeer telegraphisch Allerhöchstseine Glückwünsche aussprechen lassen. In Bergedorf sand gestern die feierliche Uebergabe des Denkmals für Weiland Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm statt.

Bern, 23. März. Bei der gestrigen Ersatzwahl zum Nationalrath im Wahlkreise Bern erhielt kein Candidat die Mehrheit.

Gens, 23. März. Bei Gelegenheit des Vortrags, den der frühere Hos- und Domprediger Stöcker aus Berlin in einem hiesigen Saale gestern Abend über die Berliner Stadt- mission halten wollte, wurde derselbe schon bei feinem Er­scheinen mit Lärmen empfangen. Nach dem Gebet und Ge­sang, der dem Vortrag voraufging, erfolgte erneut weiterer Lärmen, welches Stöcker am Reden hinderte. Als darauf die Polizei einfchreiten wollte, kam es im Saale zu einer heftigen Schlägerei. Eine Anzahl der Lärmmacher wurde mit Gewalt aus dem Saale entfernt. Um Mitternacht wurden drei der Rädelsführer, und zwar zwei aus Württem­berg, einer aus Preußen, nachdem sie polizeilich verhört waren, ins Gefängniß abgeführt.

Paris, 23. März. Im Auftrage des Kriegsministers besichtigte General Jamontz eingehend die festen Plätze an der Ostgrenze und nahm in Luneville und Nancy Mobili-

Und wenn die Lerchen singen, dann blühen wieder die Blumen und alle Menschen werden wieder lustig, sagt Tante Marie," krähte Lenchen laut auf, dann barg sie plötzlich er­schreckend den Kopf an des Vaters Schulter.

Am jenseitigen Ufer des Flusses, über den hier ein schmaler Steg führte, hatte sich ein Mann vorgebeugt, der dort an dem alten Weidenbaum gelehnt haben mochte. Hein­rich Schröder pfiff verächtlich vor sich hin.Bist auch wieder da?" brummte er vor sich in den Bart, während er rasch vorwärts schritt, das Mädchen, das den Kopf nach dem Manne wendete, vor sich kurz ins Haus schob und die Thür zuschlug.

Der Manu dort am Weidenbaum blickte nach dem Hause hin. Ja, er war wieder da, er war ein Jahr lang fort gewesen, weit von hier in einer anderen Gegend und er hatte dort bei einem Chauffeebau Anstellung gefunden und bald so­gar die Stelle eines Aufsehers erhalten, und doch hatte ihn eine Art von Heimweh für die Festtage hierher gezogen. Er stand hier an dem Weidenbaum, der sein eigen war, der wuchs auf dem kleinen Strich jetzt unbebauten Ackers, dem Rest des elterlichen Besitzes, den Martin Zobel in wenig Jahren verlottert hatte. Was noch sonst sein Eigenthum ge­wesen, war im Besitze von Heinrich Schröder, mit dem er als Knabe und junger Bursche nachbarlich verkehrt hatte- der hatte damals die Lena Hofmeister geheirathet, an die auch der leichtsinnige Martin sein Herz gehängt hatte, und im ver­wundeten Stolz war dieser hingegangen und hatte kurzweg die schöne Tochter der alten Kathrin zum Weibe genommen, die kein anderes Erbe mitbekam als den Fluch einer schlechten Erziehung und den Trieb zu lasterhaftem Leben. So war nur zu bald bei ihm alles anders geworden, als drüben auf dem Hofe des Heinrich Schröder- zwischen ihnen war jetzt jede Gemeinschaft aufgehoben. Schröders Besitz wuchs im ehelichen Glück bei gedeihlicher Arbeit, Zobels Besitz und Habe schmolz unter der Hand der dem Trünke ergebenen Frau. Fast am gleichen Tage ward auf beiden Höfen ein

erstes Kind geboren, bei Heinrich Schröder trug man die junge Mutter auf den Kirchhof und zog in Thränen ein an­fangs schwächliches Kindchen aus, bei Martin lachte ein Pracht­kind in der Wiege, das der verzweifelte Vater als eine An­wartschaft auf bessere Tage begrüßte und mit heißer Liebe umfaßte. Doch in wenig Monaten starb das Kindchen unter - der schlechten Obhut der gewissenlosen Mutter, die dann, immer tiefer sinkend, endlich auch dem Tode erlag. Martins Aecker waren verkauft, er hatte es nicht hindern können, daß sie schließlich alle in Schröders Besitz übergingen- er hatte es auch trotz erbitterten Rechtsstreites nicht erzwingen können, daß Schröder die Benutzung des kleinen Steges verboten werden konnte, der vor Jahren zu Zeiten des guten Ein­verständnisses von den Nachbarskindern selbst hergerichtet worden war.

Der frische Märzwind wehte dem Manne das Haar über die Stirn. Warum war er denn eigentlich zurückgekommen? Marttn seufzte, er wußte sich keine Antwort auf diese Frage. Er war auch heute in der Kirche gewesen und hatte dort Heinrich gesehen und die Marie, die jetzt der verstorbene« Schwester so ähnlich sah, und neben ihr das kleine liebe Mädchen. Warum waren sie denn alle so stumm an ihm vorübergegangen? War er denn auch jetzt keines Grußes mehr werth? Er sah mit zögerndem Blick uw sich her, dort über die Stelle, wo sein Haus gestanden, war im Herbste schon der Pflug gegangen und da, an der anderen Seite des Mühlbachs, hatte seitdem das Haus Schröders einen stolzen Giebelaufsatz bekommen. Martin strich sich mit der Hand über die Augen - man hatte ihm nm Dorfe erzählt, daß der Heinrich auf Freiersfüßen ginge - da würde er wohl die Marie Hofmeister heirathen, die damals, als Marchi sich um die Lena bemühte, so ein lachendes Ding von fünfzehn Jahren war. Eine Weile noch lehnte Martin an dem Baume, dann sah er einen Vorhang an dem Hause drüben sich bewegen, da wandte er sich und ging dem Dorfe zu.

(Fortsetzung folgt.)