Ausgabe 
25.1.1891 Zweites Blatt
 
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seit Kurzem bei Münster eröffnete Braunkohlenberg­werk. Nachdem im vergangenen Sommer die Mächtigkeit deö Kohlenlagers, das an verschiedenen Stellen eine Stärke bis zu zwölf Meter erreicht, durch Bohrversuche constatirt worden war, schritt mau dazu, Stärke und Ausdehnung des­selben durch Abteufen eines Schachtes und durch Treiben von Strecken genauer zu erforschen. Von dem Resultate dieser Arbeiten wird es abhängen, ob das Kohlenlager ausgebeutet wird oder nicht. Nach den bisherigen Resultaten scheint das Lager mit dem alten Bergwerk in Verbindung zu stehen. Wenn sich diese Annahme bestätigt, dann ist das Fortbestehen des Bergwerks auf viele Jahre gesichert. Da die Qualität der Kohlen, welche bereits in kleineren Quantitäten abgegeben werden, eine vorzügliche ist, so kann man dem Unternehmen einen sicheren Fortbestand nur von ganzem Herzen wünschen.

+ Hungen, 22. Januar. Der Gemeiudeschäser von dem benachbarten Orte R., welcher vor einigen Monaten wegen Schafdiebstahl und sonstigen Betrügereien flüchtig geworden war, ist plötzlich von Paris, wo er gewesen sein will, freiwillig zurückgekehrt und hat sich sofort der Gerichts­behörde in Nidda gestellt.

Vermisste«.

* Nieder Roden, 15. Januar. Ein Schasheerdebesitzer aus Westfalen ließ kürzlich durclx seinen Hirten mit einer großen Heerde die in Pacht genommene hiesige Winter- Schafweide beziehen. Wegen der herrschenden Kälte sperrte der Schäfer die Heerde während der vorletzten Nacht in eine hiesige Scheuerteune. In der Nacht aber drangen zwei Hunde in die Scheune ein und verursachten unter den ge­ängstigten Thieren schweres Unheil. Nicht weniger als 52 Schafe waren so zugerichtet, daß sie sofort abgeschlachtet werden mußten. Der Schaden beläuft sich auf etwa 1100 Mk. Die Frage, wer für den entstandenen Schaden auszukommen hat, wird zum gerichtlichen Austrage gebracht werden. (D. Z.)

* Berlin, 20. Januar. Die Beiträge für das dem Fürsten Bismarck in Berlin zu errichtende National­denkmal haben bereits die Summe von 913 000 Mark überschritten.

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Beiträge zur Obstbaumpflege.

ArrS Oberhelsen, Mitte Januar.

W-nn man an einem Bauernhause vorbeigeht, an welchem die Laden schief hängen, die Fensterscheiben zersprungen, die Löcher mit Papier verklebt oder gar mit Lumpen verstovft sind, wenn der Pfuhl aus dem Hofe lauft, während er auf Wiese und Acker vortrefflich düngen könnte, dann hat Einsender immer das Gefühl, als mutzte er den Bauer am Aermel schütteln und sagen: Guter Freund, hier läuft Euch ein großer Theil des Milchrahmes fort; wollt Ihr ihn nicht auffangenV Es kostet nur geringe Mühe.

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Ganz dasselbe Gefühl beschleicht uns, wenn wir an einer Reihe von Obstbäumen vorübergehen, die krebsartige Wunden, Moose und Pilze und Misteln sehen lassen. Mit Anpflanzung von Obstbäumm auf Grundstücken errichtet der Bauer ein zweites Stockwerk aus seinem E'genthum. Wer die Bäume verkümmern, erkranken und verderben läßt, dem hängen im zweiten Slocke die Läden schief, dem sind die Scheiben eingestoßen und die beste Milch läuft ihm davon.

Meine heutigen Zeilen gelten der Mistel (viscum album). Was der Bandwurm vet Menschen und Thieren ist, das ist die Mistel bei Birn- und Apfelbäumen, die sich aber auch lauf Eichen und Nadelhölzern ansiedelt. Daß der Strauch 1 bis 2 Fuß hoch wird, grünlichgelbe, sehr astige, sparrige gabelförmig zerthcilte Stengel, lanzettförmige, lederartige, gegenüberstehende glatte, ganzrandige Blätter und durchscheinende, glatte, kugelrunde, weiße, mit klebrigem Schleim gefüllte Beeren hat, wissen die meisten freundlichen Leser, glicht so bekannt ist die Art und Weise der Fortpflanzung des schäd­lichen Strauches.

Die Fortpflanzung geschieht dadurch, daß sich die reifen Samenkörner der Mistel an die Rinde der Bäume anlegen und sehr bald Wurzel treiben, mit denen sie sich festhalten und immer tiefer etndringen. Der Baum muß so den Schmarotzer ernähren und dieser nimmt die besten Bissen weg, wie der junge Kuckuck im Neste eines anderen Vogels den eigentlichen Hauskindern (sit venia verbo) Nahrung und Unterschlupf verkümmert. Am meisten wird die Mistel durch Drossln, Blutsinken und Kernbeißer verbreitet. Diese Vögel fressen im Winter die Mtstelbeeren; die in den Beeren enthaltenen Samenkerne gehen jedoch unverdaut durch den Darm der Vögel und haften alsdann leicht auf den Aesten und Zweigen der Bäume.

Wie schädlich die Mistel wirkt, hat die Chemie, die in der neuesten Zeit in die heimlichsten Schlupfwinkel der Unkräuter und des Ungeziefers hineindringt, in hochinteressanter Weise gezeigt. Der kleine Landwirth kann nicht Chemie studiren; ich will ihm die uns hier interessirende Sache aber doch in populärer, klarve» stündlicher Weise erklären. Damit ein Baum, sagen wir ein Apfelbaum, tüchtig Samen bringen, also Aepfel tragen kann, muß er seine Portion Phosphorsäure haben. Die Chemie hat nun festgestellt, daß die Asche des Apfelbaumes 4pCt. Phosphorsäure enthält; sie hat aber auch sestgestellt, daß die Asche der Mistel, welche auf diesem Apfelbaume wächst, 17pCt. Phosvhorsäure enthält, d. h. mehr als das Vierfache. Ist das nicht enorm? Habe ich nicht Recht, wenn ich sage: Die Mistel ist der Bandwurm des Baumes.

Woher hat sie die große Masse der Phosphorsäure? Sie hat sie dem Baum abgezapft, abschmarotzt; deshalb heißt sie mit Recht eine Schmarotzerpflanze. Der freundliche Leser wird darum gerne zugeben, daß derjenige Bauer, der einige Mistelstauden aus seinen Bäumen wachsen läßt, manchen Centner Obst zum Fenster hinaus­wirft.

Ebenso schädlich wie die Mistel sind die Moose und Flechten auf den Baumstämmen. Wie die Mistel, so enthalten auch Moose und Flechten eine ungewöhnlich große Portion Phosphorsäure, welche sie den Bäumen ausfaugen. Darum sind auch Moose und Flechten richtige Schmarotzer.

Hieraus ergibt sich, daß der Bauer der Mistel, den Moosen und Flechten den Krieg erklären und sie vertilgen muß, wo er sie erblickt.

Es ist bekannt, daß unter unserem Landvolke (auch hier und da unter manchen Städtern) noch eine hübsche Portion Aderglande steckt. Bis auf den heutigm Tag wird die Mistel als Mittel g;gen Epilepsie angesehen und angewandt. Sie bildete einen Hauptbeftand- theil des sogenanntenMarkgrafenpuloers", von den die älteren Leute vielleicht noch gehört haben.

Der Abglaube hinsichtlich der Mistel ist aber schon über zwei­tausend Jahre alt und stammt von den Druiden, bei denen sie ein bochbedeutsames Symbol war. Der Druidenpriester schnitt die Mistel von der Eiche, nachdem er vorher ein weißes Gewand anaelegt hatte. Der Mond durste erst sechs Tage alt sein; es wurden Opfer geschlachtet, die Mistel wurde zerkleinert und in einem Tranke herum- gcreicht. Dieser Trank galt als allgemeines Gegengift und sollte jibem lebendigen Geschöpfe Fruchtbarkeit verleihen. Mit der Ein­führung des Cbristenthums verschwanden die Opfer und Gebräuche der Druidenpriester. Der Aberglaube in Bezug auf die Mistel stammt aber sicher von den althetdniscken Gebräuchen her und wer weiß, ob nicht mancher Bauer seine Scheu vor der Mistel von seinem Urgroßvater überkommen hat.

In England spielt der Mistelzweig auf Weihnachten und bet anderen Feierlichkeiten beute noch eine Rolle. Bet uns in Deutsch­land ist die Mistel völlig überflüssig geworden und je eher sie ver­schwindet, desto besser ist es für den Baumwuchs.

Nachschrift. Im Begriff, meinen Aufsatz zu schließen, erhalte ich die Nr. 12 Ihrer Zeitung vom 15. d. M. mit dem schönen Auf­sätze von W. Petter aus derAllgem. Deutschen Zeitung für Land- wtrihschast". Dieser Aussatz behandelt die Obstbaumpflege ganz all­gemein. Meine Winke und Nathschläge über Mistel, Moose und Flechten und deren Beseitigung werden dadurch nicht allein nicht überflüssig, sondern sie treten dadurch nur noch deutlicher hervor. In meiner letzten Besprechung über Milchwirthschaft und Molkerei habe ich darauf hingewiefen und den kleinen, intelligenten Landwirth angeregt, auszurechnen: Wie viel'wirft eine ungeschickte, wenig rein­liche Bäuerin in ihrer Milchwirthschaft während einer dreißigjährigen Wirksamkeit zum Fenster hinaus. Heute möchte ich zu einer anderen Berechnung anregen; ich wünsche eine annähernde Berechnung über das Exempel: Wie viel wirst ein träger Bauer, -er seine Obstbäume nicht von Moosen, Misteln, Flechten und Un­geziefer reinigt, während einer dreißigjährigen Wirksam­keit zum Fenster hinaus?

Die Antwort soll für beide Fragen schon heute, wenn auch nicht in Zahlen, so doch in gemeinverständlicher Weise gegeben werden^ nämlich: Die Bäuerin wirst nach und nach eine kleine Scheuer und der Bauer nach und nach ein kleines Bauernhaus zum Fenster hinaus!

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Citeratttr uuf 2Cnnft

Soeben erschien die zweite Lieferung von Bechholds Hand­lexikon der Naturwissenschaften und Medicin, bearbeitet von A. Velde, Dr. W. Schaut, Dr. V. Löwenthal und Dr. I. Bechhold, ca. 10 Lieferungen a 80 Pfg. (Verlag von H. Bechhold, Frankfurt am Main). Dieselbe enthält die AusdrückeAusscheidung" bis Casein". Aufs Neue bekundet sie die schon früher hervorgehobene vorzügliche Bearbeitung und Vollständigkeit, die von keinem anderen derartigen encyklopädischen Werke erreicht wird. Werfen wir nur einen Blick in das Werk, so fallen uns sogleich einige Artikel von allgemeinem Interesse ins Auge, die mit einer geradezu frappanten Klarheit behandelt sind. Der ArtikelBacterien" gibt ein anschau­liches Bild von der Entwickelung und dem Leben dieser niedersten Organismen, deren Bedeutung erst in neuester Zeit gewürdigt wird. Heber dasBier" und seine Darstellung finden mir einen Artikel, der an Uebersichtlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Wir be­merken nur noch, daß das Werk die Aufmerksamkeit, welche man ihm allgemein schenkt, voll und ganz verdient, denn es füllt eine wirklich bestehende Lücke in unserer Literatur aus.

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Gießen, den 20. Januar 1891.

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