, Locale» ««6 provinzielles.
Gießen, 23. December 1891.
— Sitzung Großh. Handelskammer vom 18. December 1891. Anwesend waren die Herren: Koch, Gail, Heichelheim, Homberger, Katz, Klingt por,Kraatz, Wortmann. Die Kammer beschließt zur Tagesordnung der nächsten Eisenbahnrathssitzung zu Frankfurt a. M. den Antrag auf Beseitigung der Ausnahmetarife für Kohlen einzureichen. Die Kammer wird hierbei von der Handelskammer zu Mühlhausen, als Mitantragstellerin, unterstützt werden. Die Königliche Cisenbahn-Direction Hannover theilt der Kammer aus einen von derselben diesbezüglich gestellten Antrag hin mit, daß für das am 1. Mai 1892 neu herauszugebende Berzeichniß der zusammenstellbaren Fahrscheinhefte ein directer Fahrschein Cassel-Gießen zur Wiedereinführung gelangen werde. — Seitens des Reichs-Commissars für die Weltausstellung in Chicago 1893 sind der Kammer neuere Mittheilungen über die Ausstellung, insbesondere über die Frage des Transports der Ausstellungsgüter und die Seitens der Bahnverwaltungen gewährten Vergünstigungen zugegangen. Wir machen Interessenten hierauf aufmerksam mit dem Anheimgeben, sich über den Inhalt dieser Mittheilungen durch Einsicht derselben auf dem Bureau der Kammer näher in- formiren zu wollen. Von Interessenten ist der Kammer eine an den Kreis-Ausschuß in Biedenkopf gerichtete Eingabe zur Unterstützung übersandt worden, in welcher die Erbauung einer Normalspurbahn Gießen-Kinzenbach-Rodheim-Bieber- Gladenbach-Wilhelmshütte angestrebt wird. Die Kammer hat sich diesem Anträge unterstützend angeschlossen.
— Neues Theater. Die für gestern Abend angesetzte Vorstellung, „Der Störenfried", mußte wegen Mangel an Theilnahme in letzter Stunde abgesagt werden. Wir wollen von Herzen wünschen, daß dieser Ausfall kein schlechtes Omen für das beginnende zweite Abonnement ist.
— Geschäftsfeier. Es wird weitere Kreise interessiren, gU vernehmen, daß die im In- und Ausland rühmlichst bekannte Maschinenfabrik und Eisengießerei von Heyligen- staedt & Comp. hier heute die 50OOOfte Maschine zum Versandt gebracht hat. Vor Verladung derselben vollzog sich in den Fabrikräumen eine kurze Feier, bei welcher die Beamten und Arbeiter der Firma ihrem Chef, Herrn Commerzienrath L. Heyligenstaedt, durch Ueberreichung einer von der Brühl'schen Druckerei geschmackvoll ausgeführten Adresse aus Pergament und Widmung eines silbernen Pokals ihren Glückwünschen freudigen Ausdruck gaben. Wir unsererseits beglückwünschen die rührige Firma ebenfalls aufs Beste und wünschen ihr noch viele solcher glänzenden Erfolge zum Besten ihres gesummten Geschäfts- und Arbeiterpersonals und zu Ehren unserer Stadt.
— Die hiesige Ruder-Gesellschaft vereinigt an jedem Mittwoch Abend eine stattliche Anzahl von Mitgliedern in ihrem Vereinslocal „Cafe Ebel". In den letzten vier Wochen wurde eine Reihe von Vorträgen: 1) Der Rudersport und seine Entwickelung, 2) Die Hauptpflegestätten des Rudersports, 3) Der außerordentliche Rudertag zu Cassel, gehalten, welche sich eines solch lebhaften Zuspruchs erfreuten, daß die Räume sich als zu klein erwiesen. Vergangenen Samstag vereinigten sich die Mitglieder zu einem bescheidenen Abendessen im „Hotel zum Rappen", welches gewürzt durch Toaste, ernste und heitere Ausführungen einen sehr animirten Verlaus nahm. In der letzten General-Versammlung wurde beschlossen, am 3. Weihnachtsfeiertage im Saale des „Hotel zum Prinz Carl" eine Weihnachtsfeier mit Nachtessen zu veranstalten und am 23. Januar die Stiftungsfeier durch ein großes Ballfest in „Steins Garten", wofür bereits die hiesige Regiments-Capelle gewonnen ist, festlich zu begehen, -h.
— 992 883 Einwohner zählte unser Großherzog- th um am 1. December 1890, was gegen den 1. December 1885 einen Zuwachs von 36 272 Personen bedeutet. Hat im verflossenen Jahre die Bevölkerung gleich stark zugenommen, so zählt jetzt Hessen 1 Million Einwohner.
— Die Großherzogliche Regierung hat zur Frage der Errichtung von Madchengymnasieu und Zulassung des weiblichen Geschlechts zum Univerfitatsstudium in Beantwortung eines entsprechenden Ersuchens des deutschen Frauen-Vereins Stellung genommen. In der ausführlichen Begründung des Antrags war namentlich auch daraus hingewiesen, daß das . italienische Cultusministerium zu Ostern in Rom ein Mädchen- Gymnasium errichte, daß in der Schweiz dem weiblichen Geschlecht der Besuch der Knabengymnasien freistehe und in Oesterreich die Regierung derartige Bestrebungen wohlwollend ausgenommen habe. Die Großh. Hess. Regierung hat dem Anträge gegenüber ihre Stellung dahin präcisirt, daß die Frage der Errichtung von Mädchen-Gymnasien bezw. die Zulassung des weiblichen Geschlechts zur Ablegung der Reifeprüfung an den bereits bestehenden Gymnasien doch wohl nicht von einem einzelnen deutschen Staate von den Verhältnissen des Großherzogthums für sich allein werde gelöst werden können, und daß die Großh. Regierung jedenfalls zur Zeit nicht in der Lage sei, sich' für Genehmigung des gestellten Ersuchens auszusprechen.
— Einer Uebersicht über die Erutertrage von Roggen und Weizen im Jahre 1891 entnehmen wir u. a. folgende Ziffern, wobei die im Jahre 1890 endgiltig ermittelten Mengen in Klammern beigefügt sind: Im Großherzogthum Hessen wurden geerntet: 71295,4 Tonnen Roggen (109 966,0 Tonnen), was einen Durchschnittsertrag im Jahrzehnt 1881/90 ergibt von 89 514,8 Tonnen. Der Ertrag an Weizen beziffert sich auf 21 237,7 Tonnen (70 264,2), im Durchschnitt des Jahrzehnts 1881/90 59 852,3 Tonnen.
— Die Absperrung der preußischen Bahnhöfe, die in Berlin und seinen Vororten bereits durchgeführt ist, soll vom nächsten Etatsjahre (1. April 1892) ab allmälig auch auf allen übrigen Stationen der preußischen Staatsbahnen zur
Einführung gelangen. In den Etat 1892—93 ist für diesen Zweck eine größere Summe eingestellt, nach deren Bewilligung man mit den nöthigen Vorarbeiten unmittelbar vorzugehen beabsichtigt. Da die Mittel für die Absperrung sämmtlicher Bahnhöfe nicht ausreichen, ein großer Theil vielmehr noch für spätere Jahre wird zurückgestellt werden müffen, so sollen zunächst die Hauptverkehrsstrecken, namentlich die von Berlin ausgehenden, dem Durchgangsverkehr dienenden Linien in Angriff genommen werden.
+ Obbornhofen, 21. December. Heute Morgen brach in der Hofraithe des hiesigen Bürgermeisters Leschhorn Feuer aus und brannten im Laufe des Tages Scheuer und Stallung nieder. Das Feuer soll durch Unvorsichtigkeit beim Austhauen der eingefrorenen Pfuhlpumpe entstanden sein.
Butzbach, 21. December. Herr Oberförster Weigand zu Butzbach hat in anerkennenswerther Weise veranlaßt, daß Großh. Ministerium die drei oberhalb Münster im Jsselthal gelegenen, schon Jahrhunderte alten sogen. „Forellenteiche", welche seit ca. 50 Jahren trocken lagen, an Herrn Fabrikanten Hermann Küchel zu Butzbach als Stauteiche und zur Fischzucht verpachtet hat, so daß unsere nächste Umgebung wieder um eine landschaftliche Zierde und einen schönen Ausflugsort reicher geworden ist.
Schwalheim (bei Friedberg), 21. December. Heute hat sich hier ein gräßliches Unglück ereignet. Der Sohn des Mühlenbesitzers Christian Meyer, der 22jährige ledige Hermann Meyer, kam bei der Beschäftigung in der Mühle einem sich mit sehr bedeutender Geschwindigkeit um seine Achse drehenden eisernen Cylinder zu nahe, wurde mit den Kleidern erfaßt und in kreisender Bewegung um die in nächster Nähe befindlichen Mahlgänge geschleudert, so daß infolge innerer Verletzung der Tod augenblicklich eintrat.
Darmstadt, 22. December. Heute Nachmittag fand das Leichenbegängniß des verstorbenen Oberbürgermeisters Ohly unter ganz außerordentlich zahlreicher Betheiligung aus allen Kreisen der Bevölkerung unserer Stadt und aus deren näherer und weiterer Umgebung statt. Alle Turn-, Gesangs- und Geselligkeitsvereine, voran eine Abtheilung der freiwilligen Feuerwehr, die Innungen, die Lehrkörper der städtischen Schulen und sämmtliche städtischen Beamten gingen dem Leichenwagen vorauf, diesem wurden zahlreiche, dem Andenken des langjährigen verdienstvollen Leiters unserer Stadtverwaltung gewidmete Lorbeerkränze, Palmzweige rc. jnach- getragen. Nächst dem sungirenden Geistlichen und den Anverwandten folgten im Zuge die Beigeordneten und nahezu vollzählig die Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung, die Geistlichkeit aller Consessionen, die Vertreter der benachbarten Städte, die Spitzen der Civil- und Militärbehörden, der Stadtcommandant und zahlreiche Offiziere aller Waffengattungen. Zahlreich waren auch die Mitglieder der Zweiten Kammer vertreten und aus allen Gauen des Odenwaldes waren Vertreter gekommen, um dem wegen Förderung ihrer heimathlichen Interessen hochverdienten Todten das letzte Geleit zu geben. Der Lehrkörper der Technischen Hochschule hatte, wie die einzelnen Korporationen derselben, Deputationen entsandt, ebenso waren die Lehrkörper der Gymnasien und Realschule 2C. im Zuge, der durch eine weitere Abtheilung der Feuerwehr abgeschlossen wurde, betheiligt. Die von Vereinen und Korporationen mitgeführten Fahnen waren umflort, die städtischen Gebäude hatten am heutigen Tage Halbmast geflaggt. Noch bevor der Trauerzug den Ariedhos erreicht hatte, schlossen sich der Großherzog und die Prinzen Heinrich und Wilhelm den Leidtragenden an. Am Grabe sprach Pfarrer Guyot, der in beredter Weise die Verdienste Ohlys auf den mannigfachsten Gebieten schilderte und außer diesem Beigeordneter Lauteschläger Namens der Stadt, Buchhändler Bergsträßer im Namen der Stadtverordneten, Rector Schweisgut für die städtischen Schulen, Professor Landsberg für die Technische Hochschule, Juwelier Müller für den Gesammt- odenwaldclub rc. Die Gesangvereine brachten unter Senffts Leitung einen erhebenden Grabgesang zu Gehör. Fr. Ztg.
Groß-Gerau, 21. December. Von Herrn Jul. Wolff dahier wurde zu Patent angemeldet eine „die Haut belichtende, belüftende und erwärmende Bekleidung".
Mainz, 19. December. Eine Rabenmutter. Vor einiger Zeit wurde der Staatsanwaltschaft die Mittheilung gemacht, die unverehelichte Wilhelmine Kegel mißhandele ihr vierjähriges Bübchen in einer empörenden Weise. Die Untersuchung gegen die Kegel wurde eingeleitet und die Person heute vor das Schöffengericht gestellt. Es wurden in der Untersuchung wahrhaft grauenvolle Dinge zu Tage gefördert, am ganzen Körper des unglücklichen Kindes war kein Plätzchen zu finden, welches nicht Spuren von Mißhandlungen aufwies, theilweise waren große Hautabschürfungen zu sehen, am Kopfe, auf dem Schädel dicke Beulen. Die Nachbarn con- statirten, daß das Bübchen häufig nichts zu essen erhalten, verlangte es am Morgen zu trinken, so hielt ihm die Mutter das mit Harn 'gefüllte Nachtgeschirr entgegen und schlug das arme Kind, wenn es sich zu trinken weigerte, mit einer Flasche in das Gesicht- nach einer solchen Mißhandlung waren dem Kinde die Augen so verschwollen, daß es vier Tage nicht sehen konnte. Nahmen sich mitleidige Nachbarn des kleinen Dulders an, so warf es die Mutter aus den nackten Fußboden und ließ es dort die Nacht über liegen. Fußtritte gegen Rücken und Leib, Redensarten wie: „Ich wollte, Du verrecktest!" „Ich werfe Dich die Stadtmauer hinunter!" waren an der Tagesordnung. Ein Kind der Kegel ist vor einigen Jahren gestorben, vielleicht auch in Folge ähnlicher Behandlung, ein anderes Kind der Person befindet sich in städtischer Pflege, und auch dieses hat jetzt die Stadt übernommen. Der Amtsanwalt beantragte acht Monate, das Schöffengericht erkannte auf drei Jahre Ge- sängniß.
vermischtes.
* Berlin, 21. December. Das Königliche Eisenbahn- Detriebsamt theilt mit: „Heute früh entgleisten vom Eil
güterzuge 802 zwischen den Stationen Jävenitz und Mieste. der Berlin—Lehrter Bahn die drei letzten Wagen in Folge Radreifenbruches. Die beiden letzten Wagen sind am westlichen Ende des Bahnhofs Gardelegen umgestürzt, haben dabei die Wärterbude umgerissen und den Wärter getobte!. Der drittletzte Wagen steht zwischen Gardelegen und Mieste- Beide Geleise waren von 230 bis 6 Uhr früh gesperrt. Personenzüge 11 und 14, sowie Schnellzug 5 haben dadurch geringe Verspätung erlitten; im Uebrigen sind Personen nicht verletzt worden."
Schiffsnachrichten.
Bremen, 22. December. sPer transatlantischen Telegraph.1 Der Schnelldampfer Ems, Capt. R. Sander, vom Norddättschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. December von Bremen und am 12. December von Southampton abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Wöchentliche Neberficht der Todesfälle in Gieße«.
50. Woche. Vom 13. December bis 19. December 1891.
Einwohnerzahl: 20 611 (incl. 1600 Mann Militär).
Sterblichkeitsziffer: 25,24 9/oo bezw. 20,19 nach Ausschl. der Ortsfremden.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
Rachenbräune 2 (1)
Lungentuberkulose 1
Acute entzündliche Erkrankungen der Ath- mungs-Organe 1
Selbstmord 1
Andere bekannte
Krankheiten 5 (1)
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr:
2 (1)
1 — —
1 —
1 —
2 (1) 3
Summa: 10 (2) 5 (1) 3 2 (1)
Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von Auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen
rttrchliche Anzeige« der Stadt Giesten.
Evangelische Gemeinde.
Gottesdienst.
Donnerstag, 24. December:'!
Nachmittags SVe Uhr: Chrtstbefcheerung der Kinder-- kirche. Pfarrer Schlosser.
1. Weihnachtsfeiertag, Freitag den 25. December:
Vormittags 91/« Uhr: Pfarrer Schlosser.
Abends 5 Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Collecte für die Kleinkind er-Bewahr anstatt.
2. Weihnachtsfeiertag, Samstag den 26. December:
Vormittags 9Vz Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Abends 5 Uhr: Liturgischer Gottesdienst unter Mitwirkung be£ Kirchengesangvereins und der Chorschule. Pfarrer Dingeldey.
Collecte für die Armen der Gemeinde.
Sonntag nach Weihnachten, 27. December:
Vormittags 91/» Uhr: Pfarrer Dingeldey.
Abends 5 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Sylvestergottesdienst am 31. December, Abends 6 Uhr.
Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 27. December bttz 2. Januar besorgt Pfarrer Dingeldey.
Katholische Gemeinde.
Weihnachten, den 25. December:
Donnerstag: Nachmittags um 3 Uhr und Abends um V*8 Uhr Gelegenheit zur hl. Beichte.
Freitag: Morgens um 5 Uhr feierliche Cbristmette; nach Beendigung der Christmette werden noch zwei hl. Messen gelesen: um VaS Ubr Milttärgottesdienst mit Predigt; um 8/<10 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 1/83 Festandacht; nach Beendigung dieser Andacht Gelegenhett zur hl. Beichte.
Fest des hl. Stephanus, den 26. December:
Samstag: Morgens von 8/<6 Ubr an Gelegenhett zur hl. Beichte; um 6 Uhr Frühmesse; um Vt8 Uhr Milttärgottesdienst; um ®/410 Uhr Hochamt mit Predigt. Nachmittags um V-3 Uhr Festandacht; nach Beendigung derselben Gelegenheit zur hl. Beichte.
Fest des hl. Johannes, den 27. December:
Sonntag: Morgens von 8/<6 Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte; um 6 Uhr erste Frühmesse; um V>8 Ubr zweite Frühmesse; um 8/410 Uhr Ho-bamt. Nachmittags um 123 Uhr Christenlehre und Andacht.
Briefkasten.
H. St. in R. Für Gedichte haben wir keine Verwendung.
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