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Nr. 222

Donnerstag den 24. September

1891

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cN^etnt täglich, ft LuAnaho»« des

Montags.

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Gießener Anzeiger

Keneral-Hknzeiger.

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Deutsches Reich.

Darmstadt, 22. September. Eine Sonderausgabe des Militär-Wochenblatts" veröffentlicht die Beförderung des Großherzogs zum Generalobersten der Infanterie mit dem Range eines General^Feldmarschalls.

Berlin, 22. September. In der Handhabung des Paß- zwanges inElsaß-Lothringen werden vom 1. October dieses Jahres ab nicht unbeträchtliche Erleichterungen eintreten. Der Patzzwangpflicht unterliegen, wie dasCentral- und Bezirksamtsblatt" in Straßburg bekannt macht, vom ge­nannten Zeitpunkt ab nur noch aclive Militärpersonen, ehemalige Offiziere, sowie Zöglinge von Militärschulen des Auslandes, ferner Personen, welche die deutsche Staats­angehörigkeit vor Erfüllung ihrer Militärpflicht verloren und das 45. Lebensjahr nicht überschritten haben. Die Er- theilung der Paßvisa erfolgt kostenfrei. Ausländer, die sich in den Reichslanden über 24 Stunden aushalten, sind zur Meldung bei der Polizei verpflichtet, widrigenfalls sie aus­gewiesen werden. DieStraßburger Correspondenz" bemerkt hierzu:Die Einführung des Paßzwanges im Jahre 1888 sei eine politische Notwendigkeit gewesen. Nachdem eine mehr als dreijährige Durchführung die Erwartung rechtfertige, der Eindruck werde ein nachhaltiger sein, halte die Regierung, vertrauend dem gesunden Sinne des überwiegenden Theiles der Bevölkerung, den Zeitpunkt für gekommen, ohne Beein­trächtigung der eigenen Interessen gegenüber der Mehrzahl der das Land betretenden Fremden auf den Paßzwang ver­zichten zu können. Alle Vernünftigen, auch die Einheimischen, billigten die Aufrechterhaltung der Paßmaßregeln gegenüber fremden Militärpersonen und solchen, welche sich der Wehr­pflicht entzogen hätten." Jedenfalls geht mit der angekün- dlgten theilweisen Aufhebung des Paßzwanges ein lebhafter Wunsch der elsaß-lothringischen Bevölkerung endlich in Er­füllung und darf man wohl erwarten, daß dieselbe das hierin bethätigte Entgegenkommen der Regierung zu würdigen wissen wird. Speciellen Dank aber schulden die Reichsländer ihrem Statthalter Fürsten Hohenlohe, welcher durch seine kürzliche Anwesenheit in Berlin diese weitgehende Milderung des Paß­zwanges erreicht hat. Fürst Hohenlohe ist am Montag Abend von Berlin nach seinen bayerischen Besitzungen ab­gereist.

Ne«este Nachrichten.

WotffS telegraphisches Lorrespondcnz-Bnreüu

Berlin, 22. September. DieNordd. Allg. Ztg." be­merkt zu der die Einschränkung des Paßzwanges im Reichslande betreffenden Maßregel, daß dieselbe gerade jetzt erfolge, sei ein Beweis des Vertrauens gegenüber der reichsländischen Bevölkerung und zeuge von einem eindrucks­vollen Sicherheitsgesühl unserer maßgebenden Kreise gegen­über der anderwärts herrschenden nervösen Disposition. Die Maßregel werde überall die Ueberzeugung wecken oder be­festigen, daß man von maßgebender deutscher Seite die reichs­ländischen Verhältnisse für consolidirt halte. Selbstverständ­lich werde in den gegenüber dem Reichslande zu beobachtenden Regierungsprincipien im Uebrigen keine Aenderung eintreten.

Berlin, 22. September. DemBerl. Tageblatt" wird aus Sansibar vom 21. ds. gemeldet, daß Krenzler, Com- mandant einer Abtheilung der deutschen Schutztruppe, sich mit Truppen von Tanga ins Innere begeben hat, wo ein Auf­stand der Wadigos ausgebrochen ist. Price, ein anderer Offizier der Schutztruppe, begab sich mit einer Anzahl aus­gewählter Zulu-Soldaten auf dem Wege von Saadani nach Mpwapwa ins Innere.

Berlin, 22. September. Heute fanden in den sechs hiesigen Reichstagswahlkreisen die Wahlen zum Erfurter socialdemokratischen Parteitag statt. Der erste Wahlkreis wählte nur Fractionsanhänger- der vierte drei Fractionshänger, darunter Frau Rhorlack, und einen Oppo­sitionellen, der zweite wählte zwei Fractionsanhänger, darunter Frau Ihrer- der sechste drei Fractionsanhänger, darunter Frau Hoffstetten- im fünften wurde die Versammlung wegen Lärm ausgelöst- der dritte Wahlkreis wählte zwei Fractions­anhänger.

Halle, 22. September. Heute fanden Sectionssitzungen der Naturforscher- und Aerzteversammlung statt. Die Abtheilung für innere Medicin beschäftigte sich mit der Koch'schen Behandlung der Tuberkulose. Der Vortragende Sanitätsrath Aufrecht-Magdeburg faßte sein Urtheil dahin zusammen: Das Tuberkulin sei ein unschätzbares Hilfsmittel, das in frischen Fällen und bei leichten Erkrankungen Heilung, in schweren Fällen mit großen Cavernen eine Verlängerung l>er Lebensdauer gewähre. Geheimrath Professor Weber

erkennt an, das Tuberkulin habe bei vorsichtiger Dosirung in leichteren Fällen Erfolg, im Uebrigen warte er weitere For­schungen Kochs ab. Heute Abend gibt die Stadt den Mit­gliedern der Versammlung ein Fest.

Königsberg i. Pr., 22. September. Der Kaiser ist früh Uhr mit einem Sonderzuge hier und um 11 Uhr in Theerbude angekommen.

Karlsruhe, 22. September. Die zwanzigste Jahres­versammlung deutscher For st männer wurde heute Vormittag eröffnet. Anwesend sind etwa 300 Theilnehmer. Namens des Localcomites begrüßte Oberforstrath Schuberg- Karlsruhe die Versammlung. Zum Vorsitzenden wurde Ober­forstmeister Danckelmann gewählt. Finanzminister Ellstätter begrüßte die Versammlung Namens der Großh. Regierung, Bürgermeister Schnetzler Namens der Stadt, sodann begannen die Verhandlungen.

Wien, 22. September. Die Blätter äußern sich über die Ergebnisse der eben geschlossenen gemeinsamen Minister­conserenzen sehr befriedigt.

Wien, 22. September. Der Ministerpräsident Taasf e hat sich eine heftige Erkältung zugezogen und wird mehrere Tage das Bett hüten müssen.

Messina, 22. September. Heute früh um 4 Uhr fand ein Erdbeben statt. Soweit bekannt, wurde kein Schaden angerichtet.

Kopenhagen, 22. September. Die Rückreise des Czare n ist dem Vernehmen nach bis zum 12. October ver­schoben worden.

London, 22. September. Gutem Vernehmen nach ließ nun auch die englische Regierung der Junta von Chile mittheilen, daß Großbritannien die gegenwärtige chilenische Regierung anerkenne.

Saratow, 22. September. Eine außerordentliche Land- schastsversammlung beschloß, bei der russischen Regierung um ein Verbot der Ausfuhr von Hafer und Hirse nachzusuchen.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 22. September. DasBerl. Tagebl." erklärt nach Anfrage an unterrichteter Stelle die Meldung derKöln. Ztg." über die Reise des Zaren nach Berlin als vor­läufig unzutreffend, da der Zar am 30. September direct nach dem Süden Rußlands reise.

DieVoss. Ztg." erhält aus Brüssel folgende Mel­dung derGazette" : Die belgische Regierung leitete Vorver­handlungen mit der französischen ein, um ein Handels­abkommen herbeizuführen.

DerKreuz-Ztg." wird aus Petersburg telegraphirt: Die neuerliche Vorschiebung größerer Cavalleriemaffen gegen die deutsche Grenze und der Bau, sowie die Miethe von Ka- sernements und Ställen ist eine unbedingte Thatsache. Die bisherigen Cavallerie-Garnisonen an der deutschen Grenze wurden durchschnittlich verdreifacht.

DiePost" meldet aus Weimar, es wurde beantragt, den europäischen Eisenbahnsahrplan-Congreß im Juni 1892 in London abzuhalten.

Berlin, 22. September. Die hiesige Criminalpolizei wird benachrichtigt, daß der Director der Züricher Lombard- und Discontobank, Dürrich, welcher Dieben als Abnehmer diente und namentlich französische und englische Werthobjecte ankauste und dieselben bei anderen Instituten lombardirte, flüchtig geworden ist.

Berlin, 22. September. DieNordd. Allgem. Ztg." bemerkt gegenüber der Meldung hiesiger Blätter, daß maß­gebende Regierungskreise sich mit der Untersuchung über den Terminhandel beschäftigen, entscheidende Schritte in ge­nannter Richtung seien noch nicht in absehbarer Nähe. Jeden­falls sind an verschiedenen Stellen, die in erster Linie in Betracht kommen, solche Schritte nicht bekannt. Dasselbe Blatt sagt dann weiter, es halte die Inanspruchnahme der Reichsbehörden bei einer Untersuchung über das Nothwendige und Zulässige der Grenzen des Terminhandels für selbst­verständlich.

Gleiwitz, 22. September. Gestern Abend stießen bei Wolbrom zwei Personenzüge zusammen. Zehn Personen sollen getödtet, viele verwundet sein.

Bern, 22. September. Internationaler Congreß betreffend Arbeitsunfälle. In der heutigen Vor­mittags - Sitzung präsidiren Deucher - Bern , Harle-Paris. Dr. Boediker-Berlin spricht über die Gestaltung der Unfall­versicherung in Deutschland und vertheidigt das Obligatorium derselben und die Befreiung der Arbeiter von den Lasten der Unfallversicherung, sowie die kostenlose Rechtsprechung. An der Diskussion betheiligen sich Kögler-Wien, welcher die Er­weiterung der Unfallversicherung und den Anschluß an die

Jnvaliditäts- und Krankenversicherung befürwortet. Wenzel- Berlin sieht in den Berufsgenoffenschaften ein Mittel zur Verhütung von Unfällen. Rostand-Marseille polemisirt gegen den Staatssocialismus. Dann sprachen noch Chefredacteur Bodenheimer und Unterstaatssecretär a. D. v. Mahr-Straß- burg, sowie Westeronen von Meeteren-Amsterdam. Es erfolgte keine Abstimmung. Im zweiten Vortrag reserirte Fabrik inspector Kulka-Wien über den Stand der Unfallsfrage in Oesterreich. Anschließend folgten einige Bemerkungen t>on Professor Chehsson-Paris, welcher den Standpunkt Frankreichs vertrat, also gegen Verstaatlichung war. Schluß der Sitzung. Auf eine Einladung des Bundesraths wird Donnerstag eine Excursion in das Berner Oberland stattfinden.

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Zur Statistik der evangelischen Kirche im Grostherzogthum Hessen im Jahre 1889.

Die Angaben in der nachstehenden Uebersicht beziehen sich auf die evangelische Bevölkerung des Großherzogthums mit Ausschluß der nicht zum Verbände der Landeskirche ge­hörenden Militärbevölkerung der Stadt Mainz.

Als Hauptresultate für das Großherzogthum ergeben sich folgende:

1. Die Zahl der von der evangelischen Landeskirche (formell) Getrennten betrug: Altlutheraner 505, Dissi­denten 43, Baptisten 2c. 955, Methodisten 23, Freiprotestanten 3824, zusammen 5350.

2. Im Jahre 1889 sind zur evangelischen Landeskirche übergetreten: von der katholischen Kirche 80, von anderen christlichen Confessionen 73, sonstige 10, zusammen 163- aus der evangelischen Landeskirche ausgetreten: zur katho­lischen Kirche 13, zu anderen christlichen Confessionen 3, zu anderen Religionen 0, ohne Uebertritt 0, zusammen 16.

3. Die Zahl der Communicanten war: im öffent­lichen Gottesdienst 353,972, privatim 6150, zusammen 360,122 oder 56,4 auf 100 evangel. Bewohner, in Starken­burg 36,9, in Oberheffen 82,5, in Rheinhessen 50/0. Wird der Berechnung der Procentzahlen die Zahl der Erwachsenen zu Grunde gelegt, so erhöhen sich, da nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1885 die Bevölkerung aus 33 pCt. Kindern unter 14 Jahren und 67 pCt. Erwachsenen (Personen von 14 Jahren und darüber) bestand, die angegebenen Pro­centzahlen der Communicanten um beiläufig die Hälfte.

4. Auf 100 bürgerliche Eheschließungen kamen 88,2 kirchliche Trauungen durch evangelische Geistliche- in Starkenburg 88,lz in Oberheffen 98,7, in Rheinhessen 74/0. Die Zahl der durch Geistliche anderer Confessionen voll­zogenen Trauungen von Evangelischen, also namentlich von Mischehen, ist hierunter nicht begriffen und konnte in zuver­lässiger Weise nicht angegeben werden. Ebenso war die Zahl der nur bürgerlich abgeschlossenen Ehen im Jahre 1889 nicht zu ermitteln.

5. Aus 100 Lebendgeborene kamen 89,0 von evangel. Geistlichen Getaufte- in Starkenburg 88,g, in Oberheffen 96/9, in Rheinhessen 79,2. Auch hier fehlen die Angaben der von Geistlichen 'anderer Confessionen Getauften aus Misch­ehen. Ferner kommt hier in Betracht, daß die Verhältniß- zahlen der Getauften zu den Geborenen höher sein würden, wenn die in den ersten Wochen nach der Geburt ungetauft gestorbenen Kinder außer Berechnung gelassen werden könnten.

6. Confirmirt wurden: aus rein evangelischen Ehen 14,197, aus Mischehen 801, zusammen 14,998.

7. Von 12,984 verstorbenen Evangelischen, worunter 4753 Kinder unter 6 Jahren und 8231 Personen über 6 Jahren, wurden unter Mitwirkung evangelischer Geist­lichen 10,064, darunter 2147 Kinder unter 6 und 7917 Per­sonen über 6 Jahren, ohne Mitwirkung 2920, darunter 2606 Kinder unter 6 und 314 Personen über 6 Jahren beerdigt. Von je 100 Beerdigungen über 6 Jahre alter Personen fanden also 3,8 ohne Mitwirkung evangelischer Geist­lichen statt.

8. Die Zahl der Ehescheidungen betrug 59, von welchen 41 auf rein evangelische Ehen, 18 auf Mischehen kamen, und zwar 9 auf solche, bei welchen der Mann, und 9, bei welchen die Frau evangelisch war.

Localer «n- provinzielles.

Gießen, 23. September.

Militärdienstnachrichten. Kaul, Pr.-Lieutenant vom 2. Großh. Hess. Jnf.-Regiment Nr. 116, unter Beförderung zum Hauptmann und Compagniechef, in das 6. Rhein. Jnf.- Regiment Nr. 68 versetzt. H o os, Sec. - Lieutenant vom 2. Großh. Hess. Jnf.-Regiment Nr. 116, zum Pr.-Lieut. befördert.