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schäften, sowie eine Rede auf die Zukunft der deutschen Burschenschaft seitens des Herrn Prof. Dr. Wimmen auer dahier, hiernach eine solche auf die zahlreich erschienenen Damen wir zählten über 100 seitens des Herrn Rechtsanwalts Dr. Hangen aus Mainz. Auch deralten Herren" des Rheingaues, die einen trefflichen Wein zu dem Festcommerse spendirt hatten, wurde dankend gedacht. Am Mittwoch begann um 11 c. t. in dem Commerssaale das Festsrühstüch die vorzügliche Küche des Herrn Stein hat hier wiederum einen erneuten Beweis ihrer Leistungsfähigkeit ab­gelegt. Auch der Herr Rector, sowie die Professoren nahmen außer den zahlreich erschienenen Damen an demselben Theil, das, gewürzt durch launige Reden und Gesangsvorträge ein­zelner Mitglieder, ebenfalls in glänzender Weise verlief. Hieran schloß sich ein imposanter Wagenzug, der sich von Steins Garten durch die am meisten geschmückten Straßen der Stadt nach dem Cafe Leib bewegte, wo die auch hier wieder zahlreich erschienenen Damen in die bereitstehenden Wagen einstiegen, um an der Ausfahrt nach Staufenberg Theil zu nehmen. Leider überraschte uns hier Jupiter Pluvius mit einem sehr starken Ergüsse, doch wurde im Vertrauen auf seine bald aufhörende Güte die Fahrt nach Staufenberg trotzdem ausgesührt. In der animirtesten Stimmung verging die Zeit in dem Saale der Burgruine durch Tanz und Gesellschaftsspiele sehr rasch. Schon um 8 Uhr wurde Hier­selbst aufgebrochen und ging es nun unter einer glänzenden Beleuchtung von Hunderten von schwarz-rothgoldenen Lampions nach Gießen. Hier wurde uns eine freudige Ueberraschung zu Theil, indem alle Straßen der Stadt, welche der Zug passirte, in bengalischem Feuer erglänzten. Der durch die zahlreiche Betheiligung der Damen glänzende Zug bot in den prachtvoll geschmückten Straßen einen großartigen Anblick dar. Am Lenz'schen Felsenkeller, wo sich bereits ein zahl­reiches Publikum eingefunden hatte, hielt der Zug. Nun wurde zuerst in dem großen Saale des Felsenkellers, dessen Localitäten an diesem Abend allein zur Verfügung der Burschenschaft standen, ein einfaches Abendessen eingenommen, hieraus ein glänzendes Feuerwerk abgebrannt, von dem wir namentlich den sehr gut gelungenen Feuer-Zirkel der Germania lobend hervorheben. Hieraus fand ein Tanzvergnügen statt, das ebenfalls sehr schön verlief, namentlich in Folge des stattlichen Damenflors, hatte doch die Burschenschaft die Ehre und die Freude, über 50 tanzende Paare in ihren Räumen zählen zu dürfen! In mehrfacher Weise wurden hier die Damen und die Bürgerschaft zu Gießen gefeiert, die in so glänzender Weise bis jetzt ihre Theilnahme an der Jubelfeier bekundet haben. Das Fest dauert in animirtester Stimmung fort.

Nach den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesund­heitsamtes über die Tage vom 5. bis 11. Juli war der Gesundheitszustand in dieser Zeit in den meisten großen Städten Europas ein guter und die Sterblichkeit eine günstige. In den meisten Städten haben acute Darmkrankheiten und Sommerdiarrhöen zahlreiche Sterbefälle herbeigeführt. Von je 10,000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, in Ber­lin 90, in München 140 Säuglinge. In Berlin, im Regie­rungsbezirk Schleswig und in Kopenhagen kamen vereinzelte Erkrankungen an Genickstarre vor. In London starben 40 Personen an der Influenza, in Kopenhagen 2, in Stock­holm 3; an den Pocken starben in Berlin 9, in Brüssel und Warschau je 3 Personen^ Erkrankungen an denselben kamen vor in Berlin und Pest je 3, in Petersburg 4 und in Wien 23.

+ Muscheuheim, 22. Juli. Bei dem heute über unsere Gemarkung hinziehenden Gewitter schlug der Blitz gegen 4 Uhr in die Hofraithe des Landwirths Müller ein. In dem Wohnhause wurde auf dem Speicher ein Balken zer­splittert, weiterer Schaden jedoch nicht angerichtet. Hingegen wurde in dem Stalle eine Kuh getödtet, wodurch die Be­wohner des Hauses überhaupt erst gewahr wurden, daß es bei ihnen und nicht in der Nachbarhofraithe, wie sie zuerst glaubten, eingeschlagen hatte.

8. Villmgen, 22. Juli. Zwischen unserem Orte und der benachbarten Stadt Hungen ist eine Telephon-Verbin­dung errichtet und bereits in Betrieb gesetzt worden.

8. Hungen, 20. Juli. Gestern und heute sand dahier die diesjährige Wänderversammlung des Ober­hessischen Bienenzüchter-Vereins in den festlich geschmückten Localitäten des Gasthofeszur Traube" statt. Während der beiden Festtage concertirte die Capelle Heß aus Grüningen, und wenn auch schon am Sonntag Nachmittag Bienenzüchter, sowie Freunde der Bienenzucht zahlreich an­wesend waren und die im Garten genannten Gasthofes be­

reits ausgestellten Bienenvölker und Geräthschasten besichtigten, : so war jedoch der heutige Tag noch viel zahlreicher besucht. Aus allen Gegenden unserer Provinz war die zahlreiche Ver­sammlung vertreten, auch Herr Provinzialdirector Freiherr v. Gagern beehrte dieselbe durch seine Anwesenheit. Nach gemeinschaftlicher Besichtigung der Ausstellung fanden heute Morgen gegen 10 Uhr die angemeldeten Vorträge und da­nach gemeinschaftliche Mittagstafel, an welcher sich etwa 200 Personen betheiligten, und sodann eine Verloosung von Bienengeräthschaften u. dergl. statt. Das Fest verlies in schönster Weise und wird gewiß auch die diesjährige Wander- versammlung zur Förderung der Bienenzucht beitragen.

Vom Vogelsberg, 22. Juli. Schon neigt sich b'er Juli seinem Ende zu und das Korn, das sonst um diese Zeit überall geschnitten war, fängt hier erst an zu bleichen. Mit seinem Schnitt dürfte erst in 14 Tagen allgemein be­gonnen werden, das macht eine Verspätung von drei bis vier Wochen aus. Vielfach wird die Gerste um dieselbe Zeit zur Reife gelangen. Die Ernte erfährt also doch eine ziemliche Verspätung, das ändert aber nichts an der Güte des Jahr- ] gangs, der, hätte der Winter nicht so sehr der Winterfrucht geschadet, zu einem der besten der letzten Decennien zählte. Das seitherige Wetter ist in der That ein Wachswetter, wie eS sich der Landmann nicht besser wünschen kann- man kann es geradezu ein ideales nennen, denn warmer Sonnenschein bei Tag und befruchtender Regen bei Nacht wechseln im rechten Verhältniß. Die Sommerfrucht, Gerste und Hafer, steht infolge dessen nach Wunsch, ebenso zeigt das Grummet ein vortreffliches Wachsthum. Gar oft stand es zur Zeit des Mähens nicht so entwickelt wie jetzt schon. Was aber für unsere Gegend nächst der Brodfrucht den Hauptausschlag fürs ganze Jahr ausmacht, das sind die Kartoffeln, und diese zeigen eine zur besten Hoffnung berechtigende Entwickelung. Gleich üppig wachsen Runkel-, Kohlrüben und Gemüsepflanzen, überhaupt die Garten- und Küchenpflanzen. Der Sommer­samen, den man dieses Jahr sehr viel wegen dem aus­gebliebenen Wintersamen gesäet hat, steht in schöner Blüthe und gewährt den Bienen gute Honigtracht. Auch für den Flachs (Lein) herrscht die rechte Witterung: warm und feucht. Die Hülsensrüchte, Erbsen und Linsen, stehen sehr üppig. Ganz besonders Vortheilhast ist das Wetter auch für die Ent­wickelung des Obstes und der Obstbäume selber, die seit dem zweiten Trieb ein schwarzgrünes Aussehen bekommen haben. Das ist nicht zu unterschätzen,- denn mit dem zweiten Trieb setzen die Obstbäume die Tragknospen fürs kommende Jahr an. Und doch bei all den guten Aussichten noch immer die hohen Brodpreise!

Eberstadt (Starkenburg), 21. Juli. Gestern wurde hier die erste Frucht eingesahren, in Folge der im Vorsommer herrschenden ungünstigen Witterung verhältnißmäßig früh.

unternahmen die erforderliche Führung. Im HotelDeutscher Kaiser" wurde zunächst ein großes Festmahl eingenommen, wobei die Herren Gude (Berlin), Hoffmann (Berlin) u. A. Reden hielten. Daraus wurden die Kasseler Gärtnereien besichtigt. Der Sonntag wurde dem Besuche des Carlsaue- Parkes, Orangerie, Marmorbades und Wilhelmshöhe gewid­met. Von Wilhelmshöhe waren die Berliner geradezu be­geistert,- die gärtnerischen Anlagen sind aber auch prachtvoll. Montags wurden Vormittags die Kasseler Sehenswürdig­keiten besichtigt und Nachmittags das benachbarte Hannöv. Münden, die königl. Forstgärten, Aussichtspunkte rc. bewun­dert. Dienstag folgte Ausflug nach Schloß Wilhelmsthal und daraus gestern Abend Abreise. Sämmtliche Herren waren von Allem höchst befriedigt.

* Kattowitz, 21. Juli. Wie das protestantische Familien­blatt meldet, ist der Redacteur eines hiesigen Blattes wegen einer abfälligen Bemerkung über die demnächst stattfindende Ausstellung des heiligen Nockes zu Trier z« 14 Tagen Gesängniß verurtheilt worden.

* Die Mutter im Sprichworte. Eine große und schöne Rolle spielt die Mutter im Sprichworte. Der Deutsche hat über die Würde einer Mutter verschiedene Sprichwörter. Er sagt:Muttertreu wird täglich neu."Ist die Mutter noch so arm, gibt sie doch dem Kinde warm."Wer der Mutter nicht folgen will, muß endlich dem Gerichtsdiener folgen."Besser einen reichen Vater verlieren, als eine arme Mutter."Was der Mutter ans Herz geht, geht dem Vater nur ans Knie." Der Russe sagt:Das Gebet der Mutter holt vom Meeresgründe heraus." Der Czeche und Lette sagt:Mutterhand ist weich, auch wenn sie schlägt." Fast bet allen Völkern hat man das sehr wahre Sprich­wort:Eine Mutter kann eher sieben Kinder ernähren, als sieben Kinder eine Mutter." Das Leiden der Mutter be­zeichnet der Italiener in dem Sprichworte:Mutter will sagen: Märtyrin."

* Ordnungsliebende Hausfrau, mit Befriedigung sich beim Mittageffen über die Schüssel beugend:Jetzt haben wir den ganzen Vormittag den Schuh von unserm Pepi gesucht da steckt er mitten in unserem Sauerkraut. Ich wußte ja, daß bei mir nichts verloren geht."

* Die jüngste Millionärin der Welt ist eine zwei Jahre alte Amerikanerin, Miß Terry. Sie besitzt gegenwärtig schon 30 Millionen Pfund Sterling (600 Millionen Mark) und wird nach dem Tode ihrer Mutter noch mehrere Millionen Pfund Sterling erben. Eine der vielen Gouvernanten der jungen Millionärin machte jüngst die Reise von New-Uork nach Paris um für die Puppen ihrer kleinen Herrin Kleiderstoffe nach der letzten Mode einzukaufen. Sie brachte tatsächlich Stoffe im Werthe von mehr als 10 000 Francs (8000 Mk.) nach Amerika.

Vermischtes.

* Weilburg, 22. Juli. Die Anmeldungen zu dem am 2., 3. und 4. August dahier stattfindenden Bundesschießen des Hessen-Nassauischen Schützenbundes sind zahlreich ein­gegangen und noch täglich laufen Anfragen wegen Theil­nahme an dem Feste ein. Auch mehrere Schützenvereine, welche dem Bunde fernstehen, haben ihr Erscheinen zugesagt, um an dem friedlichen Wettkampfe Theil zu nehmen und um die zahlreichen und schönen Preise zu ringen. Ist doch der hiesige Schützenverein mit Preisen von seinen Gönnern und Freunden in reichlicher Weise bedacht worden. So haben u. A. Preise gestiftet: die Damen von Weilburg vier Preise, je einen die Frau Baronin v. Düngern, der Königl. Landrath und Landtagsabgeordnete für den Kreis Usingen-Oberlahn, Dr. Beckmann in Usingen, die Binding'sche Brauerei-Gesellschaft, der Schützenverein zu Runkel und Wetzlar, der hiesige Musik­verein, der Gesangverein Liederkranz, die freiwillige Feuer­wehr, die Bürgergarde, der Turnverein, die Gesellschaft Gemüthlichkeit u. s. w.

* Wiesbaden, 21. Juli. Unterm heutigen hat die Bäcker­genossenschaft Wiesbaden eine Bekanntmachung er­lassen, wonach sämmtliche Brodsorten vier Pfennig pro Laib abgeschlagen sind.

* tt Kassel, 22. Juli. Abermals in diesem Sommer hat in unseren Mauern eine recht ansehnliche Versammlung getagt, die Berliner Hof- und Handels gärtner. Dieselben trafen, etwa 40 an Zahl, am Samstag Abend hier ein, um die gärtnerischen Anlagen in Wilhelmshöhe, Carls- auc - Park rc., sowie die Sehenswürdigkeiten Kassels und Umgegend in Augenschein zu nehmen. Die hiesigen Beruss- collegen nahmen die Gäste aufs Herzlichste in Empfang und

Verkehr, Land- ttnfc Volkswirthschast.

Limburg, 22. Juli. Fruchtmarkt. Rother Weizen

19.65, weißer Weizen JL, Korn Jt. 16 25, Gerste JL 11.15, Hafer «M. 7.65, Erbsen, Kartoffeln.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschaft.

Freitag Abend 715 Uhr, Samstag Vormittag 8-° Uhr, Samstag Nachmittag 4°° Uhr, Samstag Abend 8<0 Uhr.

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Temperatur der Lahn und Lust gemessen am 23. Juli, Vormittags zwischen 11 und 12 Uhr: Wasser 17, Luft I6V2 Grad Reaumur.

L. Ehr. Rübsamen Wwe.

Pferde etc.-Versteigerung.

Dienstag den 28. ds. Mts.,

Bormittags 10 Uhr, werden im Großherzoglichen Hof­marstalle dahier sieben zu Land­gestütszwecken nicht mehr geeignete Landbeschäler, von welchen sechs schon längere Zeit kastriert sind, ver­steigert. Gleichzeitig kommt aus- rangirtes Sattelzeug rc. mit zur Ver­steigerung.

Darmstadt, den 20. Juli 1891.

Großherzogliche Landgestüts-Direction. von Willich. 6646

Freitag den 24. Juli, Nachmittags 2 Uhr, zu Gießen in der Bieker'schen Hofraithe werden

1 Regulateur, 1 Anzahl Stühle und einige Mobilien

öffentlich gegen Baarzahlung versteigert.

Engel,

-6707 Gerichtsvollzieher.

| Bekanntmachung.

' Die Schlosserarbeiten (Thür- ! beschlage re.) zur Stadtknaben- i schule hier sollen im Wege öffent­licher Ausschreibung vergeben werden. Zeichnungen und Angebotsformulare liegen während der Dienststunden auf dem Geschäftszimmer Nr. 3 auf und werden daselbst unentgeltlich abgegeben.

Versiegelte Angebote sind mit ent­sprechender Aufschrift versehen bis

Donnerstag den 30. Juli, Bormittags 10 Uhr, ebendorthin einzusenden, woselbst die Eröffnung der Angebote in Gegen­wart der etwa erschienenen Bieter erfolgt.

Gießen, den 23. Juli 1891.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

__________ Gnauth.6706

6661] Anständiger Arbeiter kann Woh­nung erhalten. Wolkengafse 13.

Freitag den 24. Juli

Nachmittags von 2 Uhr an,

werden die Mobilien aus dem Nachlaß Völker, Maigasse Nr. 12, meistbietend versteigert. Besonders sind dabei:

1 fast neue Commode, 1 Console, 1 Regulator, Sopha, 1 fast neues Bett, mehrere gebrauchte Betten, Tische und Stühle, 1 Partie Weißzeug, theilweise neu, Küchenschrank, Küchengeräthe, Haushaltungssachen, Bilder u. s. w.

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