fort. Der Capitän des „Neko" hielt anfänglich die Beschädigung seines Schiffes nicht für bedeutend und glaubte mit Hilfe der Pumpen den nächsten Hafen erreichen zu fönnen. Das Schiff sank aber plötzlich so rasch, daß nur Zeit blieb, die Boote auszusetzen und einzuschiffen. Der englische Dampfer „Ottescaps", der den Booten begegnete, nahm die Schiffbrüchigen auf und landete sie in Conquet, von wo die Passagiere sich nach Brest begaben- die Mannschaft wurde von der Marineabtheilung gastfreundlich aufgenommen. Dem Vernehmen nach waren die Missionäre an Bord des „Neko" Holländer.
Budapest, 22. Juli. (D.-B. H.). Im Abgeordnetenhause erwiderte Szapary auf die Interpellation Ugrons betr. Verlängerung des Dreibundes Folgendes: Es ist allgemein bekannt, daß das Desensiv-Bündniß zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland seit 1879 besteht- am 3. Febr. 1888 wurde dies gleichzeitig in Wien, Budapest und Berlin veröffentlicht. Es ist auch allgemein bekannt, daß Italien demselben beigetreten ist. Ich constatire als That- sache, daß neuerdings Italien der Verlängerung des Vertrages auf mehrere Jahre zustimmte und kann Jedermann beruhigen, daß die weitere Erhaltung dieses rein defensiven und Friedens-Vertrages gesichert ist. Zur Jnartikulirung des Vertrages, welche auch früher nicht erfolgte, beabsichtigten die interessirten Regierungen keine Unterbreitung, daher könne auch die ungarische Regierung keinen Vorschlag machen.
Palermo, 22. Juli. (D.-B. H.) Eris Pi wird im Monat August im hiesigen demokratischen Verein eine große politische Rede halten.
London, 22. Juli. Der Kronprinz von Italien ist Nachmittags 5% Uhr im Charingcroß-Bahnhof hier eingetroffen ; er wurde vom Prinzen von Wales empfangen.
London, 22. Juli. Dem Lordmayor von London ist anläßlich des dem deutschen Kaiser seitens der City bereiteten Empfanges die Baronetwürde verliehen worden.
London, 22. Juli. Nach einer Lloyd-Depesche aus Sierra- Leone in Afrika stieß der Dampfer „S o u d a n", der afrikanischen Dampfschiff-Gesellschaft gehörig, am 16. Juli bei Taboa auf einen Felsen und ist untergegangen. Die Passagiere und die Bemannung, sowie die Postschaften sind gerettet.
Bukarest, 22. Juli. (D.-B. Hd.) Die „Jndependance" meldet die bevorstehende Verlobung des Kronprinzen Ferdinand mit einer Prinzessin aus einem regierenden Hause.
Belgrad, 22. Juli. König Alexander hat heute früh 8^4 Uhr nach dem Gottesdienste unter Kanonensalven und Glockengeläute, sowie sympathischen Kundgebungen der Bevölkerung mittelst Separatdampfers die Reise nach Rußland angetreten. An dem festlich geschmückten Stationsplatze waren außer den Spitzen der Civil- und Militärbehörden die Geistlichkeit, der österreichisch ungarische Geschäftsträger, der rumänische Gesandte und der diplomatische Agent Bulgariens zur Verabschiedung anwesend.
Gjesvar, 22. Juli. Die „Hohenzollern" setzte gestern früh bei günstigem Wetter die Reise nach dem Nordcap fort, wo sie um 11 Uhr ankerte - gleich darauf begab sich der Kaiser mit Gefolge an das Land, um das Nordcap zu besteigen.
Hammerfest, 22. Juli. Nachdem der Kaiser um 111/2 Uhr gestern am Nordkap ans Land gegangen war, begann der Aufstieg gegen 12 Uhr. Nach einem einstündigen Marsche wurde der vordere Plateaurand erreicht. Trotz heftigen Windes war die Spitze des Nordkaps in dichten Nebel gehüllt. Nach einem aus der Höhe eingenommenen Frühstück erfolgte der Abstieg. Um vier Uhr war der Kaiser wieder auf der „Hohenzollern" und setzte die Fahrt nach Hammerfest fort, wo er heute um 11 Uhr früh eintraf. Er verbleibt wahrscheinlich 24 Stunden hier.
Santiago, 22. Juli. Reuter-Meldung. 300 Mann der chilenischen Regierungstruppen haben bei Vallenar 400 Soldaten der Congreßpartei in die Flucht geschlagen. Die Negierung besitzt eine vorzügliche Armee von 37,000 Mann, die Gegner nur 6000.
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während ich in Wohlleben und Ueberfluß schwelge. Fort, mein Sohn, bringe mich zu ihr! An mein reuiges Herz ziehen will ich die Theure und ihr Kind. O, welch eine Schmach ist es für mich, daß gerade hier in unserem Hause das arme Mädchen sich so erniedrigen mußte, Anthony!"
„Erniedrigen? O nein, Mutter! Das, was Miß Northland gethan hat, webt einen Glorienschein um ihr edles Haupt," klang es auffallend feurig aus des jungen Mannes Mund, so daß Miß Clark in stummer Ueberraschung ^u dem Stiefsohne aufblickte.
„Willst Du meine Rathschläge befolgen, Mutter?" fragte er nach einer Pause.
„Thue ich das nicht stets, Anthony?"
„Wohlan, so lasse die junge Dame, welche zweifellos die Tochter Deiner Freundin ist, morgen noch einmal — zum letzten Male — hier ihres schweren Amtes walten, nur damit ich ihr dann unbemerkt folgen und Mrs. Northlands Wohnung erforschen kann. Ist das erreicht, so magst Du hingehen und thun, was Dir Pflicht und Herz gebietet. Bist Du damit einverstanden, Mutter?"
Unter Thränen nickte diese ihm zu.
Anthony Clark vermochte in der daraus folgenden Nacht gar keine Ruhe zu finden. Immer und immer stand das hochherzige Mädchen mit den ernsten, charactervollen Zügen und den wunderbar schönen Augen vor seinem fieberhaft erregten Geist. Und als gegen Morgen der Schlaf sich endlich aus sein Lager herabsenkte, war es ihm, wie wenn ihr holdes Angesicht, von einer leuchtenden Strahlenkrone umgeben, sich über ihn niederbeuge und die melodische Stimme in sein Ohr flüstere: „Was man Schwerstes je gefunden, — Liebe hat es überwunden!"
(Fortsetzung folgt.)
' totales unb provinzielles,
Gießen, 23. Juli.
— Corpshaus der Hasfia. Gestern Nachmittag l/a6 Uhr fand die Feier der Grundsteinlegung zu dem für das Corps Hafsia zu errichtenden Corpshause auf dem Nahrungsbergstatt. An der Feier nahmen sämmtliche Active und hier wohnende a. H. a. H., sowie eine Anzahl Auswärtige und Freunde des Corps, Vertreter der Starkenburgia und Teutonia und befreundeter Corps theil. Diese stattliche Theilnehmerschaar hatte sich um 5 Uhr in Steins Garten versammelt, setzte sich um 1/2^ Uhr in wohlgeordnetem Zuge nach dem Bauplatz in Bewegung, wo sie, unter den Klängen eines Marsches Aufstellung nehmend, von dem Vorsitzenden der Baucommission, a. H. Amtsrichter Gebhardt, in Gemeinschaft mit Herrn Architect Hug, dem Leiter des Baues und der gesummten Arbeiterschaft erwartet wurde. Herr Amtsrichter Gebhardt, als Vorsitzender des Hessischen Verbandes, fügte die die Urkunden enthaltende Kapsel unter den drei ersten Hammerschlägen in den Grundstein mit den Worten ein: Als Vorsitzender des Hessischen Verbandes, dem dieser Bau seine Entstehung verdankt, wird mir die hohe Ehre zu Theil, die Feier zu eröffnen. Möge in dem Hause, zu welchem wir unter Einsenkung einer Urkunde den Grundstein gelegt haben, von den Trägern des schwarz-weiß-rothen Bandes stets mit Mannesmuth für die Principien des deutschen Corpsstudententhums, für Ehre und Freundschaft eingetreten, allezeit in monarchischer Gesinnung die Liebe zum Vaterland gepflegt werden. Das walte Gott! Der erste Chargirte des Corps, Herr stud. jur. Bopp, gab dem Gefühl der Dankbarkeit für die Stifter des Corpshauses und der Freude darüber Ausdruck, daß es dem Corps Hassia vergönnt sei, nunmehr an der Schwelle eines der Pflege des Corpsgeistes dienenden, eigenen Hauses zu stehen - er vollzog die weiteren drei Hammerschläge mit den Worten: „Fröhlich in Ehr, Schneidig in Wehr, alle Zeit der Hassia zur Ehr!" Weiter führten die üblichen Hammerschläge aus die a. H. a. H., die Gäste, die Chargirten und sonstige Active, und zum Schluß Herr Architect Hug, welcher den ihm übertragenen Bau in möglichst kurzer Zeit zur Vollendung zu bringen versprach und ein Hoch aus das Corps Hassia ausbrachte. Nach der mit dem „Gaudeamus igitur“ geschlossenen Feier wurden die Theil- nehmer an Ort und Stelle photographisch ausgenommen. Den Schluß des Tages bildeten ein Festessen im Einhorn und ein aus der Kneipe gehaltener Commers.
— Die General-Versammlung des Landwirthschastlrchen Bezirksvereins Gießen fand gestern Vormittag unter Vorsitz des Herrn Reg.-Rath Jost, im Beisein des Herrn Prov.- Directors Frhrn. v. Gagern, des Herrn Landesöconomieraths Müller von Darmstadt, der Herren Landwirthschaftslehrer Dr. v. Peter zu Friedberg und Leithiger zu Alsfeld, im Lony'schen Felsenkeller statt. Wie aus der vom Vorsitzenden vorgetragenen Rechnung für 1890/91 hervorgeht, wurden dem Verein im vergangenen Jahre sowohl vom Landwirth- schastlichen Verein der Provinz Oberhessen wie auch von den Sparkassen des Bezirks erhebliche Beiträge zur Förderung der Landwirthschast im Allgemeinen, der Hebung der Viehzucht und Pflege des Obstbaues im Besonderen, bewilligt. Der Verein war deshalb im Stande, aus seinen Einnahmen im Betrage von 4725.35 Mk. verhältnißmäßig bedeutende Subventionen zu bewilligen, u. A. 100 Mk. an die Ackerbauschulen, 370 Mk. zur Ausbildung von Obstbaumwärtern, 305 Mk. zur Abhaltung von Wandervorträgen, besonders über Obstbau, 400 Mk. zur Hebung der Vogelsberger Viehzucht, 69 Mk. zur Abhaltung eines Probepflügens, 1650 Mk. zu Prämien bei Viehpreis-Vertheilungen, 50 Mk. für die landwirtschaftlichen Haushaltungsschulen, sowie einen größeren Betrag zur Beschaffung von Saatsrucht und Saatkartoffeln, in Summa 3148.70 Mk. Für das folgende Jahr wurden, sofern die in Aussicht gestellten Beiträge von Sparkassen und Vereinen auf seitheriger Höhe bleiben, in Einnahme vorgesehen 3775.85 Mk. und an Subventionen ausgeworfen u. A. 600 Mk. zur Förderung des Obstbaues, 100 Mk. für Vorträge, 200 Mk. für Wandervorträge, 500 Mk. für Prämien bei Viehpreisvertheilungen (die nächste findet noch in diesem Jahre in Hungen statt), 600 Mk. (Transportkosten) zum Bezug von Saatfrucht und Saatkartoffeln, 50 Mk. für die Haushaltungsschule in Lindheim usw. — Mit der Frage wegen Errichtung eines Saatmarktes wird auf Antrag des Herrn Prov.-Director Frhr. v. Gagern sich der Ausschuß demnächst beschäftigen. Der seitherige Vorstand wurde wieder-, an Stelle des nach Offenbach überziehenden seitherigen Rechners Lauber Herr Kreisamtsgehilse Hach neugewählt. Herr Reg.- Rath Jost warf, indem er für die Wiederwahl seinen Dank abstattete, einen Rückblick auf die letzten drei Jahre der Amts- thätigkeit des Vorstandes. Danach war der Landwirthschast- liche Bezirksverein Gießen in recht ersprießlicher Weise zur Förderung der Landwirthschast thätig. Mit einem Aufwande von 1500 Mk. konnten 21 junge Leute an Obstbaumwärter- cursen in Friedberg und Bensheim theilnehmen, wie denn überhaupt die Förderung des Obstbaues ein hervorragender Theil der Aufgaben des Vereins gewesen. Besondere Pflege erfuhren auch die Bestrebungen zur Hebung der Viehzucht, theils durch Anlage von Zuchthöfen, theils durch Vermittlung des Bezuges von Zuchtvieh, sowie durch Beschaffung von Saatgut aller Art. Eine große Anzahl gelegentlich der Abhaltung von Versammlungen gehaltener Vorträge, besonders Wandervorträge, sowie mit Demonstrationen in den Baumstücken verbundene Vorträge der Obstbautechniker trugen zur Förderung der Vereinszwecke in hohem Maße bei. Herr Dr. v. Peter dankte dem Verein für die dem Obstbau zu Theil gewordene Unterstützung und wies auf die in diesem Herbste in Gießen stattfindende Obstausstellung, die eine recht interessante zu werden verspreche, hin, daran die Bitte knüpfend, die Landwirrhe möchten ihrem Obst eine gute Pflege zu Theil werden lassen und diese Ausstellung reich beschicken. — Bei dem nun folgenden Vortrage des Herrn Landwirth- schaftslehrers Leithiger von Alsfeld über das landwirth- s ch a s t l i ch e Genossenschaftswesen zog der Vortragende speciell die Creditgenossenschaften (Spar- und Darlehenskassen)
und die Molkereigenoffenschaften in den Kreis seiner Darlegungen. Durch die Verbesserungen aller landwirthschaft- lichen Betriebs- und Hilfsmittel habe der Landwirthschafts- betrieb innerhalb der letzten 20 Jahre eine erhebliche tim^ Wandlung erfahren, er sei aus der Naturalwirthschaft zur Geldwirthfchaft Übergegangen, welch letztere erhöhte Anforderungen an die Landwirthschast stelle. Die Geldwirtschaft habe die größeren Landwirthe vorbereitet gefunden, welche auch sonst im Vortheil gegenüber den kleinen Landwirthen seien. Ein gut Theil dieser Vortheile könne sich der kleine Landwirth verschaffen durch Anschluß an Genossenschaften, deren Zweck neben der Beschaffung der Rohstoffe die Ver- werthung der Erzeugnisse sei. Die in den Genossenschaften gemachten Erfahrungen möchten deshalb noch weiter gepflegt, der Nutzen derselben in immer weiteren Kreisen erkannt werden. Herr Leithiger führte als Vortheile der Creditgenossenschaften an: die bei einer sehr geringen Zinsdifferenz zwischen Einlagen und Darlehen erleichterte Beschaffung von Geldmitteln für den kleinen, noch creditfähigen Landwirth in Zeiten, in welchen ihm Gelegenheit geboten werde, Verbesserungen in seinem Wirthschastsbetriebe oorzu- uehmen oder vortheilhaste Ankäufe an Grund und Boden,. Geräthen oder Vieh abzuschließen. Nicht nur der Kteinbesitz, sondern auch der Großbesitz habe Interesse an den Creditgenossenschaften, es sei deshalb zu wünschen, daß überall Kassen gegründet und alle Landwirthe denselben beitreten möchten- Bezüglich der Molkereigenossenschasten führte Herr Leithiger aus: Es sei den .in Nähe großer Städte wohnenden Landwirthen leicht, ihre Erzeugnisse zu verwerthen, der Absatz: werde dagegen den entfernter Wohnenden erschwert. Die dort gewonnene Milch werde in Privathaushaltungen ungefähr 2 Pfg. pro Liter billiger verwerthet als in der Molkerei, was bei einem Durchschnittsergebniß von 2000 Liter auf die Kuh jährlich 40 Mk. ausmache. Dadurch, daß den Landwirthen die Möglichkeit geboten werde, die Milch an die Molkereien abzugeben, werde der Wirthschaftsbetrieb ein anderer, die Controle über die Erträgnisse besser, die Futtererzeugung, ertragreicher. Herr Leithiger führt u. A. als Beispiel an, daß ein Besitzer von zwei Kühen mit täglich 20 Liter Milch- production monatlich 60 Mk. löse, einen Betrag, welchen er nicht aus seiner Viehhaltung hätte ziehen können, wenn er nicht der Molkereigenossenschaft angehörte. Die Praxis habe erwiesen, daß durch Abgabe der Milch in die Molkerei weder die Ernährung der Familie noch die Schweinesütterung beeinträchtigt worden sei. Die von der Molkerei in großer Menge zurückgegebene Magermilch sei ein werihvolles Nährmittel. Gerade für den Vogelsberg empfehle sich die angegebene Art der Milchverwerthung und sei zu wünschen, daß das Molkerei-' genossenschastswesen immer weitere Verbreitung finden möge- Herr Dr. v. Peter führte, nachdem er für die zur Förderung- des Obstbaues durch den Verein bewilligten Mittel seinen. Dank abgestattet, u. A. an, daß in Schleswig-Holstein die Zahl der Molkereigenossenschaften sich in den letzten Jahren auf 400 gehoben habe, was gewiß für den Nutzen derselben, spreche.
— Vierzigjähriges Stiftungsfest der Burschenschaft Ger° mania zu Gießen. Dem bereits bekannt gegebenen Programme entsprechend fand der festliche Umzug der Germania, mit ihren zahlreich erschienenen Gästen und „Alten Herren" am Dienstag 7^ Uhr Abends statt. Schon vorher wurde, der Germania eine freudige Ueberraschung zu Theil, indem die Damen der Burschenschaft auf der Kneipe im Lenz'schen Felsenkeller fünf prachtvolle, mit dem alten Wahlspruche der Burschenschaft: „Gott, Freiheit, Ehre, Vaterland" ausgezeichnete Schärpen seierlichst überreichten. Die Schärpen sind von der Firma I. H. Fuhr, Sonnenstraße dahier, angefertigt,, die Ausführung derselben macht diesem Geschäfte alle Ehre! Der derzeitige Sprecher der Burschenschaft, Herr stud. theol. Balitsch, sprach den zahlreich erschienenen Bundesschwestern,. insbesondere Frau Polizeirath Fresenius, welcher die Burschenschaft dieses schöne Geschenk zunächst verdankt, den herzlichsten Dank der Germania aus. Der Zug bewegte sich vom Lenz'schen Felsenkeller durch die Bahnhofstraße, Westanlage, Seltersweg, Markt, Neuen Bäue nach dem Steins Garten zu und konnten die alten Herren der noch nicht lange wiedererstandenen Burschenschaft schon bei diesem einfachen Beginne der Feier bemerken, wie die Feier nicht nur eine rein studentische war, sondern wie die ganze Einwohnerschaft von Gießen durch Beflaggen der Häuser und Werfen von Blumen ihre außerordentliche Theilnahme bekundete. In Steins Garten fand sodann nach einem einfachen Abendessen der Festcommers statt, welcher ebenfalls in glänzender Weise verlief. An demselben nahmen der Herr Rector der Landesuniversität, Herr Prof. Dr. Gottschick, sowie eine zahlreiche Anzahl von Professoren Theil. Desgleichen hatte sich eine stattliche Anzahl von Damen eingefunden. Das Präsidium beim Commerse führte der dermalige Sprecher, cand. theol. Bolitsch, welcher die Feier mit einer kurzen Begrüßungsrede eröffnete. Den ersten Toast brachte Herr Bankdirector Brand aus Mainz auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog aus- mit Begeisterung wurde stehend die Nationalhymne gesungen. An Stelle des zum Festredner erkorenen, leider noch in letzter Stunde erkrankten Herrn Rechtsanwalts S ch m e e l trat Herr Regie- rungsaccessist Glässing als Redner der Burschenschaft auf;, in der bekannten geistvollen Weise führte Redner die Zuhörer durch die Vergangenheit der Jubilarin und mit jubelnder Begeisterung und stürmischem Beifall wurde sein Hoch auf die Germania und unser Vaterland ausgenommen. Hieraus brachte Se. Magnificenz der Herr Rector die Glückwünsche der Alma mater Ludoviciana dar - im Verlause der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede betonte Redner insbesondere die erziehlichen Aufgaben der Burschenschaft und. schloß mit einem Hoch auf die Alma mater Ludoviciana als Pflanzstätte eines reinen unverfälschten Idealismus, dessen Erhaltung sich die Burschenschaft stets auf ihr Banner geschrieben habe. Es folgten hierauf die Dankreden seitens der Mitglieder der auf dem Commerse vertretenen Burschen-


