Einzelbild herunterladen

1891

Freitag den 24. April

Mr. 94

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Arnts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

| chratiskeilage: Kießener Kamilieniilätter.

ZHt Armoncen-Bureaux de- In- und An-lande- nchms» Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

Rebottion, Txpedttii,« und Druckerei:

-chutstrntzeVr.^

Fernsprecher 51.

vierteljähriger Aöonnementspret» r 2 Mort 20 Pfg. mit Vringerlohn. Durch die Post bezog», 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener

«verden dem Anzeiger ^--chmtllch dreimal beigelegt.

Der

>Ut«wt Anzeiger erscheint täglich.

ott AnSnobme de» Montag».

ik!»IWI 11 I ^1 il''! . '.Lia ' .'-."ü ----JHÜ-mi

Annahme eon Anzeigen zu der Nachmittag- für den '«lgendm Lag erscheinenden Nummer bi- Bonn. 10 Uhr.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 21. April 11891.

Betr.: Ermittelung bezüglich der in Hessen sich aufhaltenden Großbritannischen Staatsangehörigen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die GroHH. Bürgermeistereien der Gemeinden deS Kreise-.

Die nachstehende Tabelle wollen Sie rücksichtlich derjenigen Königlich Großbritannischen Staatsangehörigen, welche am 5. April l. I. sich in Ihren resp. Gemeinden ausgehalten haben, alsbald ausfüllen und binnen 5 Tagen anher ein­senden. Sollten sich keine Königl. Großbritannische Staats­angehörige in Ihren resp. Gemeinden aufgehalten haben, dann bedarf es keiner Vorlage.

v. Gagern.

Kreis..........

en.

Civilstand (ledig, verheirathet, oerwittwet, geschieden).

Zahl der lebenden Kinder.

Q

Vor- unb Zunam

Aufenthalt dauernd in der Gemeinde oder vorüber­gebend.

Nr. 13 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 18. d. M., enthält:

(Nr. 1948.) Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Congo-Staate über die Auslieferung der Verbrecher und die Gewährung sonstiger Rechtshülfe in Strafsachen zwischen den deutschen Schutzgebieten in Afrika und dem Gebiete des Congo-Staates. Vom 25. Juli 1890.

Gieß en, am 22. April 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

_________v. Gagern.__________________

Einladung

die am 29. April abzuhaltende Decanatsconserenz betr.

Die Herren Amtsbrüder im Decanate Gießen lade ich zu der am 29. h. im bekannten Locale abzuhaltenden Eonferenz ergebens! ein, nachdem das Fest des Oberhessischen Vereins für innere Mission zwingender Gründe halber hat verschoben werden müssen.

Wahl, Decan.

Dcutjcbcs Heid?.

Darmstadt, 12. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Oberstv. Schlegell, Commandeur des Infanterie-Regiments Nr. 79, die Professoren Dr. Gasfkh und L)r. Schmidt von der Landesuniversität Gießen, den Brandversicherungs-Jnspector Zimmer aus Gießen.

Darmstadt, 22. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 22. April den Hosdiaconus Ludwig Ehrhardt zum Hofprediger zu ernennen.

Berlin, 22. April. Der angekündigte Nachtragsetat zum Reichshaushaltsetat für 189192 ist dem Bundesrath jetzt zugegangen. Der Nachtragsetat weist eine Gesammt- höhe von 4,919,171 Mk. auf, darunter als größte Position eine Forderung für Kamerun im Betrage von 1,425,000 Mk.

Neueste Nachrichten.

Wolff- telegraphische- Torrespondenz-Bureau

Berlin, 22. April. Nach den bisherigen Dispositionen reist der Kaiser morgen früh 6 Uhr nach Dresden, von da Nachmittags nach Eisenach. Die Kaiserin trifft Samstag in Eisenach ein und kehrt von dort Sonntags hierher zurück.

Wattenscheid, 22. April. Die Belegschaften vonFröh­liche Morgensonne" undCentrum" waren einig in der Durchsetzung der bekannten Forderungen- die Belegschaften vonHolland" undHannover" faßten keinen Beschluß über den Strike- die Delegirten wollen es den Bergleuten überlassen, wie die ausständigen Kameraden zu unterstützen seien. Die Stimmung ist gereizt. Sonntag ist in Bochum eine Versammlung der Vertreter aller deutschen Bergleute, die entscheidend sein soll. Die Versammlungen im Revier verlaufen ruhig.

Bochum, 22. April. Die Belegschaft der ZecheEin­tracht Tiefbau" beschloß, den Ausstand fortzusetzen und sprach die Hoffnung aus auf Unterstützung Seitens anderer Belegschaften.

Altona, 22. April. Der für den 3. Mai beabsichtigt gewesene Umzug der Arbeiter wurde verboten.

Straßburg, 22. April. Der Landesausschuß nahm in dritter Lesung das Grundbuchgesetz, das Gesetz be­treffend die Kosten der Grundbuchsachen und das Fischerei­gesetz an.

Metz, 22. April. Nachdem in den letzten Tagen Freiherr- Alexander v. Uexkuell das Schloßgut Les Bachats im Kreise Saarburg und Gutsbesitzer Deul die Domäne Siberie bei Bertsingen im Kreise Diedenhosen angekaust hat, befinden sich nunmehr zwölf lothringische Großgüter in deutschen Händen.

Wien, 22. April. DieNeue Freie Presse" erfährt, die Adresse des Abgeordnetenhauses, sowie jene des Herren­hauses werde einen Passus über die Valutafrage enthalten.

Stockholm, 22. April. Die strikenden Bergarbeiter im Bergwerksdistrict Norberg nahmen die Vorschläge der Grubenbesitzer an. Die Arbeit wird morgen wieder aus­genommen.

Capstadt, 22. April. Meldung des Bureau Reuter. Der Gouverneur der Capcolonie, Loch, telegraphirte an den Präsidenten der Transvaal-Republik, der Regierung sei zur Kenntniß gelangt, daß ein Einwanderer-Trek von Boers aus Transvaal nach Mashonaland beabsichtigt sei, welcher aus diesem Gebiete "eine Republik errichten wolle. Die Regierung benachrichtige den Präsidenten, daß der Tret als Act der Feindschaft gegen die Königin betrachtet würde. Er erbitte die Versicherung einer vermittelnden loyalen Bei­hilfe von Transvaal, entsprechend den bestehenden Verträgen. Der Präsident habe geantwortet, er habe den Tret verhindert und die Unternehmer desselben zu sich berufen. Die Regie­rung von Transvaal sei sich vollkommen ihrer Verpflichtungen bewußt.

Newyork, 22. April. Die heutige Todtenliste weist 2 51 Todesfälle auf, darunter 27 an Influenza. Dies ist die größte Sterblichkeitsziffer des Jahres.

Newyork, 22. April. Im Ausstandsbezirk Scottdale (Pennshlvanien) werden 500 Italiener erwartet, um die strikenden Cokesarbeiter zu ersetzen.

Washington, 22. April. Die Finanzcommission des Senats setzte eine sünsgliederige Subcommission ein behufs Prüfung der Wirkung der Mac Kinley-Bill. Diese Commission wird zunächst die vorhandenen statistischen Nach­weisungen zusammenstellen und erst später sachverständige Gutachten vornehmen.

Rom, 23. April. Heute Morgen wurde die Stadt von einem donner ähnlichen Schlage erschüttert, hexvor- gerusen durch eine Pulverexplosion an der Porta Portese. Die augenblicklich ungemeine Beunruhigung wich alsbald, als die Ursache der Erschütterung bekannt wurde. 120 Personen sollen verletzt sein, die Gebäude in der Umgebung sind stark beschädigt. Der König, sowie der Minister Nicotera und die Behörden haben sich sofort an der Unglücksstätte eingesunden.

München, 23. April. Das Befinden von Greg orovius hat sich weiter verschlimmert.

Fenilleton.

Aller guten Dinge.

Novellette von Conr. Telmann.

(2. Fortsetzung.)

Er ging zu ihr und klagte ihr sein Leid. Sie hörte ihn ruhig mit an, ohne ihn ein einziges Mal zu unterbrechen, rin ganz schüchternes Lächeln um die Lippen, die dunklen Augen halb geschlossen, den Kops leicht in die Hand gestützt. Als er zu Ende war, sagte sie:

Und nun soll ich Dich von Nummer Eins befreien und -Nummer Zwei in Deine Arme führen, nicht wahr?"

Ewald seufzte.

Wenn Du das könntest!"

Ja, freilich, wenn! Aber vor allen Dingen sage mir nur, wie in aller Welt bist Du eigentlich zu Anny Tandler gekommen?"

Von allen in Frage kommenden jungen Damen," fing Ewald an, aber sie unterbrach ihn gleich hier:Welche kamen denn in Frage? Ich meine, nach welchen Gesichtspunkten hast Du das entschieden?"

Nun," machte Ewald gedehnt,sie mußten doch erstens jung sein"

//Fragt sich, was Du jung nennst."

Du bist aber furchtbar umständlich, Martha!"

Hm."

Also, bis zu fünfundzwanzig Jahren etwa.

Gut. Zweitens"

Zweitens mußten sie körperliche Reize besitze«."

DaS ist aber ein sehr relativer Begriff, lieber Ewald. Sei's jedoch. Weiter!"

Drittens nun, drittens jene Geistes- und Herzens­bildung, ohne die ein Mann wie ich ein Weib nie begehrens- werth finden kann."

Und die war bei Anny Tandler vorhanden?"

Ich muß heute sagen: nein."

Sie kam also in Wahrheit gar nicht in Frage. Ueb- rigens, mußte denn durchaus geheirathet werden?"

Ewald murmelte etwas von freudlosem Altern und ein­samem Sterben. Dann setzte er hinzu:Und jetzt liebe ich, Martha. Wenn sich damals wirklich etwas wie Berechnung in meine Heirathsabsichten eingeschlichen hat, wenn ich erst aus dem allgemeinen Verlangen nach einer Ehe überhaupt auf dem Wege der Reflexion zu dem speziellen Verlangen nach dem Besitze Anny Tandlers gekommen bin, so bin ich doch jetzt sicher, daß ich um Tillys willen im Gegentheil von meinen verbissensten Grundsätzen, von meinen eingefleischtesten Junggesellengelüsten curirt werden würde. Das ist Leiden­schaft, Martha. Ich will sie zum Weibe, weil ich sie liebe. Anny Tandler liebte ich, weil ich überhaupt ein Weib nehmen wollte. Es war Liebe aus Egoismus, dies ist Liebe aus Naturinstinct. Martha, wenn Du mir dazu verhelfen könntest, dies Glück zu erringen! Lebenslang würde ich Dir danken, Martha. Und dann, es ist ja eine That der sieghaften Moral und belohnt sich durch sich selber."

Martha sah den Sprecher eine kleine Weile mit halbem Lächeln an.

Und wenn Du Dich wiederum täuschtest, Ewald?"

Ganz unmöglich, Martha!"

Hm. Das hast Du vermuthlich auch gedacht, als Du Dir das kleine, hübsche Gänschen, die Anny, erwähltest, nicht? Uebrigens bilde ich mir nicht ein, die blonde Tilly genug zu kennen, um darüber ein Urtheil haben zu können.

Man wird nur vorsichtig, wie Du begreifst. Und wenn nutr diese Werbung abermals zu keiner Heirath führen sollte

So will ich zeitlebens überhaupt unvermählt bleiben," fiel er ein.Das versprech ich Dir. Und da Du gehört hast, wie fest ich von der Nothwendigkeit des Heirathens für mich überzeugt bin, so ersiehst Du daraus, daß ich meiner Sache sicher bin. Also wenn Du es daraufhin wagen willst bei unserer langjährigen Freundschaft, Martha! Du kannst mir glauben, daß ich am Rande der Verzweiflung bin. Wenn Du mir nicht hilfst, steh ich für nichts mehr ein. Weiterleben kann ich so nicht."

Im Grunde heißt es nur Deiner Feigheit Vorschub leisten, Ewald"

Martha, ich beschwöre Dich! Ich will Dir in jeder Weise meinen Mannesmuth kundthun. Nur das mußt Du begreifen Gottlieb Tandler gegenüber und dann, wenn Anny mich nun wirklich liebte und durch mein Geständniß zur Verzweiflung gebracht würde"

Nun, darüber glaub ich Dich beruhigen zu dürfen," fiel Martha trocken ein.

Wieso?" fragte Ewald empfindlich.

Martha ließ sich auf keine weiteren Erklärungen ein. Sie habe so ihre Gründe, meinte sie. Schließlich versprach sie, alles zu thun, was in ihren Kräften stehe, um eine güt­liche Lösung des unglückseligen Verlöbnisses herbeizuführen.

Und dann," fuhr sie fort,soll ich denn auch gleich bei der blonden Tilly für Dich werben? Du weißt, ich bin viel im Hause bei den Dornbachs, die sie ausgenommen haben."

Es klang nicht ganz ohne Ironie, wie sie es sagte, und Ewald Warner wurde roth dabei.

Wenn Du einigermaßen das Terrain sondiren könntest," erwiderte er,wenn Du zu meinen Gunsten hie und da eilt