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Nr. 195. Zweites Blatt. Sonntag den 23. August
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Bekanntmachung.
Abhaltung von öffentlichen Faselschauen zu Grünberg und Gießen betreffend.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß in Verbindung mit den am 27. August l. I. zu Grünberg und am 2. September l. I. zu Gießen stattfindenden Viehmärkten öffentliche Faselschauen durch die Körcommisfion abgehalten werden. Die Schau zu Grünberg beginnt Bormittags SV2 Uhr, die zu Gießen Bormittags 10 Uhr. Bei den Faselschauen, welche nur zum Zweck der Ankörung von Faseln abgehalten werden, wird die Commission vorzugsweise Fasel der reinen Vogelsberger und Berner, speziell Simmenthaler Rasse berücksichtigen, andere nur dann, wenn sie ganz besonders schön sind. Es werden nur solche Bullen angekört, die sprungfähig entweder schon sind, oder dies wenigstens in kürzester Zeit werden. Bei der Schau zu Gießen können den Besitzern guter Fasel, soweit die Mittel reichen, Wegegelder in Aussicht gestellt werden.
Gießen, den 12. August 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Jost.
Zur Vertilgung der Ackerdistel.
Seitens mehrerer Regierungen wurde in letzter Zeit aus die Nothwendigkeit des Abschneidens der Disteln als eines der schädlichsten Ackerunkräuter aufmerksam gemacht. Das gibt mir Anlaß, mich an dieser Stelle mit der Bertilgung dieses sehr schädlichen Wurzelunkrautes etwas eingehender zu beschäftigen. Und da möchte ich schon gleich die Bemerkung vorausschicken, daß die gründliche Vertilgung der Distel ungemein große Schwierigkeiten bereitet, weil die Distel nicht nur ein ungemein starkes Wurzelvermögen besitzt, das sich immer wieder von Neuem belebt, sondern weil sie auch eine coloffale Masse von Samen bildet, welche ihre Verbreitung wesentlich fördern. Was die letztere betrifft, so sei beispielsweise nur angeführt, daß eine einzige Distelpflanze leicht bis über 100 Blüthenköpfe entwickelt, deren jeder bis zu 300 Samenkörner enthalten kann. Daraus ergibt sich schon klar, daß alle noch so sehr empfohlenen und an sich auch wirksamen Vertilgungsmittel vollständig nutzlos sind, so lange zugleich nicht mit der größten Sorgfalt daraus geachtet wird, daß alle Disteln an Straßen, Wegen, auf Weiden und ganz besonders in jungen Anpflanzungen und an Oedstellen Jahr ein Jahr aus vertilgt werden.
Fast aus jedem größeren Besitz finden sich heute noch einzelne Ecken und Winkel, in welchen allerlei Unkraut, vornehmlich aber die Distel, ungestört wuchert. Läßt man sie zuweilen einmal reinigen, so geschieht es meist zu spät. Die schon in volle Blüthe getretenen Disteln bleiben an Ort und Stelle liegen, der Samen reist und wird vom Winde nur zu bald wieder verbreitet. Verbrennen ist hier das einzige Mittel, den Samen aus sichere Weise zu vernichten. Ganz besonders sind es die besseren, etwas schweren Bodenarten, welche am meisten von der Distel zu leiden haben, da dieser Boden gerade alle Eigenschaften besitzt, die zum kräftigen Gedeihen der Distel gehören, andererseits ihre Vertilgung besonders erschweren.
Was hier bis heute zur Ausrottung der Distel geschieht, beschränkt sich meist darauf, daß man im Mai die jungen Distelpflanzen aussticht, vielleicht auch, angeregt durch Verfügungen wie schon oben bemerkt, dieselben im Juni oder Juli abschneidet. Wenn der Landwirth aber glaubt allein durch diese Arbeit vollständig Herr der Distel zu werden, so wird er sich sicher getäuscht finden. Das Ausstechen oder auch Ausziehen der Distel ist schon deshalb zur wirklichen Vernichtung nicht ausreichend, weil in den bei weiten meisten Fällen die Arbeit aus mancherlei Ursachen mit zu wenig Sorgfalt ausgesührt wird. In der Regel wird mit der Arbeit zu zeitig angefangen, außerdem werden gewöhnlich nur die Hauptdistelstellen gereinigt- anderseits aber ist wohl zu berücksichtigen, daß die nur oberflächlich abgestochenen Pflanzen nicht eingehen, sondern wieder wachsen. Meist treiben die zurückgebliebenen Wurzeln wieder aus, so daß oft schon in 14 Tagen an Stelle einer gestochenen mehrere neue Distelpflanzen zu Tage treten. Man berücksichtige aber wohl, daß das Stehenbleiben nur weniger Distelstauden schon genügt, um diese Arbeit im nächsten Jahre wieder nöthig zu machen. Dasselbe ist sicher überall der Fall, wo mit dem Ausziehen oder Ausstechen zu zeitig begonnen wurde, dann schon, bevor sich noch alle Distelpflanzen entwickelt hatten.
Mit Rücksicht hieraus ist auch die richtige Zeit der Herbstsaat von viel größerer Bedeutung, als man vielfach glaubt. Ja man darf sogar behaupten, daß der Landwirth allein dadurch im Stande ist, seine Wintersaat vor den Disteln zu schützen.
Man bereite den Boden zur Herbstsaat rechtzeitig vor, ohne mit der Bestellung selbst zu früh vorzugehen. Dabei lausen zahlreiche Distelpflanzen auf, die dann durch rechtzeitiges Eggen zerstört werden. Geschieht dagegen die Bestellung zu früh, so erscheinen die Distelpflanzen erst gleichzeitig mit der Wintersaat und ihre Vertilgung kann dann nur durch Aus
stechen und Ausziehen im Frühjahre geschehen, was seine sehr großen Schwierigkeiten hat. Auch die richtige Zeit der Frühjahrssaat und besonders die Vermeidung jeden Pflügens im Frühjahr ist hier von größtee Bedeutung. Ist schon im Allgemeinen das Pflügen für die Sommerung bereits im Herbste von größter Wichtigkeit, so erscheint dies aus allen Feldern, die von Disteln zu leiden haben, erst recht nothwendig. Man hat dadurch die Vertilgung unzähliger Pflanzen, die im zeitigen Frühjahre auflaufen, in der Gewalt und man sollte hier die Saatbestellung nie früher vornehmen, bevor nicht das Feld vollständig grün geworden. Daß auch die möglichste Ausdehnung des Hackfruchtbaues eines der vorzüglichsten Mittel zur Vertilgung dieses Unkrautes ist, darf als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Nur soll dabei stets sorgfältig aus Vernichtung aller Disteln und zwar nicht nur in den Furchen, sondern auch zwischen den einzelnen Pflanzen, geachtet werden. Und besonders ist hier den Kartoffelfeldern eine große Aufmerksamkeit zu widmen, da diese vielfach zu Hauptherden der Distel werden.
Wird Überall auf diese Punkte entsprechend geachtet, so wird es nicht schwer fallen, schon innerhalb zwei, längstens drei Jahren die Felder von sämmtlichen Disteln gründlich zu reinigen, vorausgesetzt, daß nicht wieder Verbreitung durch Nachlässigkeit oder auch durch Saat und Dünger erfolgt. In dieser Beziehung herrscht leider vielfach noch eine kaum begreifliche Unachtsamkeit. Beim Garbenbinden werden zwar an manchen Stellen die gereisten Distelstengel ausgesondert, vielleicht auch in Haufen gesammelt. Sie bleiben aber an den Feldgrenzen liegen oder werden in die vorbeiführenden Wege geworfen. Das hat aber sicher zur Folge, daß auch der Acker bald wieder mit Distelsamen neu besät ist, denn die Disteln gelangen durch Sonnenwärme bald zur vollständigen Reife und der Wind sorgt schon für die Verbreitung aus die anliegenden Felder. Und wird das stark mit Disteln verunreinigte Getreide gedroschen, so gelangen selbstverständlich auch unzählige Distelsamen zum Ausdrusch. Diese Samen bilden dann sehr oft, in Verbindung mit dem sogen. Hinterkorn, das Futter für alles Geflügel.
Wie die meisten anderen zähen Unkräutersämereien, verliert aber auch der Distelsamen seine Keimfähigkeit nicht, wenn er durch einen Thiermagen gegangen ist. Eben deshalb ist es auch ganz fehlerhaft, Spreu und Kaff solchen Getreides, welches stark mit Disteln gemengt war, ohne Weiteres zu verfüttern. Selbst mit kochendem Wasser übergossen dem Rindvieh gereicht, geht solcher Samen wieder unverdaut ab, gelangt aus den Dünger und so wieder aus den Acker. Aus der Düngerstätte sowohl wie im Composthausen liegt der Distelsamen monatelang, ohne seine Keimkraft zu verlieren
Feuilleton.
In der vierten Klasse.
Humoreske von Robert v. Hagen.
(Fortsetzung.)
Auf den Perron heraustretend, begegnete er drei eleganten Damen, anscheinend eine Mama mit ihren Töchtern. Die beiden letzteren waren von berückender Schönheit und es war unserem Reserendar gar nicht unangenehm, als der jüngeren der Sonnenschirm entfiel und er ihn galant überreichen durfte. Das „Danke schön, mein Herr," klang so melodisch und das Lächeln dabei war so bezaubernd, daß es ihm noch heißer wurde, als er schon ohnedies war. Uebrigens kam es ihm vor, als ob er die Damen bereits irgendwo gesehen hätte. Er dachte hin und her, vermochte sich jedoch eines solchen Begegnens nicht zu entsinnen. Die Damen schienen ebenfalls auf den Zug, welcher nach Berlin ging, zu warten. Dgs war fatal, das war unangenehm, denn um keinen Preis wollte er gesehen sein, wenn er in die ominöse vierte Klasse einstieg. Dritte Klaffe, nun, das ginge ja eventuell noch — aber vierte! Er nahm sich also vor, sobald der Zug angekommen sein werde, so lange zu warten, bis die Damen in ihre erste oder zweite Wagenklasse eingestiegen seien, um erst dann flink in die vierte hineinzuspringen. Es kam ihm vor, als ob die Damen sich über seine Person unterhielten, die jüngste* aber warf ihm manchmal verstohlenerweise recht freundliche Blicke zu, die er mit ebensoviel Feuer und Discretion erwiderte.
Jetzt gab die Stationsglocke das Zeichen und gleich darauf lief der Zug ein. „Zweiter Klasse, mein Herr? rief der Conducteur dem unglückseligen Reserendar zu — und diesem erklangen die Worte förmlich wie Ironie. Er Zab keine Antwort, sondern richtete seinen Blick krampfhaft
nach den Damen, um zu sehen, wo sie einstiegen. Doch, o Schrecken, dieselben standen ruhig aus ihrem Platze und fuhren überhaupt gar nicht mit dem Zuge, sondern mit dem nächsten in umgekehrter Richtung.
„Fahren Sie mit?" fragte nun der Conducteur energischer, „dann'bitte, beeilen Sie sich."
Die beiden Waggons vierter Klasse waren so unglücklich postirt, daß die Damen direct vis-a-vis am Perron standen. Es half alles nichts, wohl oder übel mußte Pröller einsteigen. Schon wollte er sich schnell ausschwingen und in dem Innern des Waggons sich unsichtbar machen, da kam ihm jedoch ein Marktweib, welches einen mächtigen Korb mit diversen Gemüsen rc. auf dem Rücken trug, zuvor und wandte sich laut mit der Bitte an ihn:
„Männeken, helfen Se mich doch 'n bisken den schweren Korb mit 'rin dragen. Dasor dürfen Se sich auch während der Fahrt 'n bisken druffsetzen."
Jndeß die Damen vor Verwunderung wie versteinert dastanden, kam Pröller dem Ansuchen der Hökerin mechanisch nach und dankte endlich seinem Schöpfer, als er sich im Innern des Waggons den Blicken der Zurückgebliebenen entzogen wußte.
Erst als der Zug in Bewegung war, kam er wieder halbwegs zum Bewußtsein seiner selbst und betrachtete seine I Umgebung. Das war ein gar buntes Durcheinander. Links von ihm standen vier polnische Juden in ihren langen, schmutzigen Kaftans und mit Schmachtlöckchen, die wohl schon seit dem letzten Jom kippur mit keinem Kamme in Berührung gekommen sein mochten. Aus ihrem jüdischen Kauderwelsch war zu entnehmen, daß sie mit Empfehlungen an einflußreiche Personen in Berlin versehen seien und daselbst ein Abzahlungsgeschäft gründen wollten. Der eine von den Vieren war insofern der unangenehmste, als er eine ziemliche Quantität von Zwiebeln und Knoblauch zum Brode aß. Ein neuer Schreck wurde Pröller dadurch zu Theil, als urplötzlich
aus der Tiefe des Waggons ein heidenmäßiger musikalische^ Scandal ertönte. Ein Leierkastenmann hatte seinen Marterkasten in Bewegung gesetzt und unbarmherzig ertönte das allerneueste: „Du kennst mein Herz noch lange nicht — noch lange nicht — noch lange nicht!"
„Haben Se nich 'n bisken Feier?" so wandte sich jetzt eine etwas angerauchte Kupfernase an ihn, — „und 'ne Ziehjarre ooch dazu?"
„Nein," erwiderte kurzen Tones der Referendar.
„Nanu, nur nich jleich so jroßspurig," sagte der Andere und wandte sich an die in großer Anzahl vertretenen, aus ihren Körben sitzenden Hökerweiber, — „so was glaubt, weil es 'ne feinere Kluft an hat, daß et janz wat anderes is — fahrt aber ooch vierter Klasse, weil die Moneten alleweil klamm sind."
Pröller stellte sich, als höre er dies alles nicht, und das war das Vernünftigste, was er in diesem Falle thun konnte. Während der Fahrt ging die Wagenthür auf und ein geckenhaft gekleidetes Kerlchen, welches diese Promenade durch sämmtliche Waggons gemacht hatte, trat selbstbewußt ein. Der Leiermann hatte eben zu spielen ausgehört und der Unbekannte begann mit folgender lauter Ansprache:
„Meine Herrschaften! Das Großartigste! Noch nie dagewesen! Ich bin der Vertreter eines Welthauses, welches in Paris am Boulevard du Temple seinen Sitz hat. Ich verkaufe eine hochfeine, elegante Herrenuhrkette für nur eine Mark und erhält jeder Käufer noch folgende Geschenke gratis: ein Medaillon, ein Paar Ohrringe, ein Barcelet, einen Siegelring, eine Brosche, eine Busennadel, ein Paar Manschettenknöpse und ein Dutzend Hemdenknöpse, alles hochfein und noch nie dagewesen! Mein Haus verkauft diese Sachen zu solch einem Spottpreise, um zu zeigen, wie freund schaftliche Gesinnungen Frankreich für Deutschland hat."
(Schluß folgt.)


