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Verkehr, Land- und VolksMirthschaft.

Nach den statistischen Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller belief sich die Roheisenprodrtttion des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) Im Monat Avril 1891 auf 354 350 Tonnen, darunter Puddelroheisen und Svteaeleisen 141321 Tonnen, Bessemerroheisen 33 815 Tonnen, Thomasrohetsen 134 226 Tonnm und Gtetzereiroheisen 44 988 Tonnen. Die Production im April 1890 betrug 398 457 Tonnen, im Mgrr 1891 370 018 Tonnen. Vom 1. Januar bis 30. April 1891 wurden vroducirt 1404 383 Tonnen gegen 1551497 Tonnen im gleichen Zeiträume des Vorjahres.

<r Dodenhausen. 21. Mai. Den heutigen Viehmarkt unseres Pfingstmarktes begünstigte gutes Wetter, das nun wieder nach dem häßlichen Psingstwetter etngetreten ist. Der Markt war denn auch reckt gut besucht und mit Schweinen sehr stark befahren, dagegen mit Rindvieh schwach. Die Preise mit letzteren blieben auf der seitherigen Höhe, aber der Handel ging flau. Desto flotter zeigte er sich auf dem Schweinemarkt. Die Verkäufer haben sich nun cm die Pretsreductlon gewöhnt und halten ihre Waare nicht mehr m sehr an. Man bezahlte für das Paar Ferkel im Durchschnitt 30 bis 40 Mk. und 40 bis 50 Mk.: Läufer galten per Paar 50 biä 70 'iDIU und 70 bis 100 Mk. Der Krämermarkt findet morgen statt.

Rewhorl, 21. Mai. Durch einen heftigen Wirbel- i sturm wurden in einem Dorfe in der Nähe von Mexiko, | Staat Missouri, zahlreiche Gebäude z e r st ö r t. DemNewyork ! Herald" zufolge wurden 17 Personen getödtet und der Wirbelsturm wurde aus weite Strecken verspürt. Die tele­graphische Verbindung ist unterbrochen, daher genauere Mit­theilungen bisher nicht zu erhalten waren. Die Verwüstungen sollen sich auf 40 englische Meilen Länge und 2 Meilen Breite erstrecken.

Buenos-Ayres, 21. Mai. Reutermeldung. Dem Con- greß ist ein Gesetzentwurf in Betreff der Aushebung der Steuern aus Depositen in Privatbanken zugegangen.

Zanzibar, 21. Mai.Times"-Meldung. Eine Carawane von 400 Mann wird demnächst nach dem Tanganyika- See aufbrechen zur Unterdrückung der ©datieret nach Lavi- geries Plan.

Loyale» unö provinzielles.

Gießen, 22. Mai.

Behufs Bildung der Spruchliste für die am 15. Juni beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts wurden in der Sitzung Großh. Landgerichts am 20. Mai die Namen der folgenden Hauptgeschworeuen gezogen'. 1. Johannes Meyer zu Eckartsborn. 2. Johannes Repp IV. in Michel­bach. 3. Konrad Lift II. zu Lauterbach. 4. .Jacob Kaspar Jungblut in Schlitz. 5. Ph. Wilh. Altmannsperger in Fried­berg. 6. Freiherr Gilbrecht von Löw in Nieder-Florstadt. 7. Heinrich Weith IV., Bürgermeister in Nieder-Wöllstadt. 8. Karl Vorbach zu Okarben. 9. Wilhelm Schudt in Rocken­berg. 10. Johann Jost Pfeil in Ehringshausen. II. Wilhelm Keil in Melbach. 12. Balthasar Emmerich in Gießen. 13. Karl Buff in Stockheim. 14. Ludwig Damm IX. in Reiskirchen. 15. Karl Dippel II. in Grünberg. 16. Joys. Schombert III., Bürgermeister in Groß-Eichen. 17. Paulus Martini in Leihgestern. 18. Theodor Haubach II. in Gießen. 19. Philipp Dern in Hausen. 20. Friedrich Habenicht II. in Gießen. 21. Johannes Schöpf in Pohl-Göns. 22. Heinr. Theiß V. in Weitershain. 23. Wilh. Leo Vogt in Reichels­heim. 24. Christian Wilh. Bender in Friedberg. 25. Johann Philipp VIII. in Watzenborn. 26. Heinrich Grömnger in Bönstadt. 27. Ludwig Kölsch in Büdingen. 28. Karl Draudt in Nieder-Wöllstadt. 29. Heinrich Melchior Eggölt in Alten­stadt. 30. Jean Martin Gonder in Friedberg.

Die diesmaligen forstlichen Facult'äts-Prüfungen haben am 15. Mai in dem Examen des Herrn stud. kor. Alwin Schenck aus Darmstadt einen glänzenden Abschluß gesunden. Nachdem der Genannte sein forstliches und zugleich kameralisti­sches Vorexamen im November 1888 mit der Note III und sein kameralistisches Schlußexamen im Mai 1890 eben­falls mit der Durchschnittsnote III bestanden hatte, gelang es ihm, sich bei der forstlichen Schlußprüfung in sämmt- lichen acht Disciplinen, in welchen er noch geprüft werden mußte, d. h. in sechs Forstfächern, in Landbau- Wissenschaft und Rechtswissenschaft, und mithin auch im Durch­schnitte die Note I zu erringen. Bei der Verkündigung des Urtheils wurde ihm zugleich mitgetheilt, daß den betreffenden Examinatoren ein so gleichmäßig vorzügliches Forst-Examen bis jetzt nicht vorgekommen sei.

Concert erster Solisten des Hamburger Stadttheaters. Das Concert der Herren Leopold Landau, Mathieu Lorent, Fritz Weidmann und Willy Lorent findet am 24. Juni in Steins Garten statt.

f Wieseck, 21. Mai. Die für die Landgemeinden des Decanates Gießen seit einem Jahre angestellte Kranken­

uns des Spaßes halber noch feierlich vorstellten, zu bewegen, daß er schließlich auch von einer Anzeige überhaupt absehen solle. Endlich gelang es nach großer Mühe- Herr Lotze dankte uns wie Engeln des Himmels.Das werde ich Ihnen nicht vergessen, meine Herren, daß Sie mich aus dieser Ver­legenheit erlösen mein Gott, wäre das ein Scandal ge­worden! Und ich als friedlicher Geschäftsmann . . Und Sie, verehrtester Herr Domdera, bitte ich tausendmal um Ver­zeihung- mein Dank für Ihre Nachsicht, Ihre Liebenswürdig­keit kennt keine Grenzen wollen Sie mir, um allem die Krone aufzusetzen, versprechen, nichts zu sagen? Fräulein Grethchen, wollen Sie auch schweigen von der ganzen Ge­schichte? Ich habe falschen Verdacht gehabt, ich lege Ihnen monatlich zehn Mark am Gehalt zu, wollen Sie?"

Alle Betheiligten nickten gütig ihre Zustimmung- Herr «Lotze athmete auf.Das war eine schlimme halbe Stunde- Gottlob, sie ist vorüber. Und ich bitte Sie nunmehr, bei einer Flasche Wein, die Fräulein Grethchen uns holen wird, mit mir anzustoßen auf den guten Ausgang. Ich darf gar nicht daran denken, wie das hätte ablausen können wir müssen uns stärken nach diesem Schreck, ich bin ganz tobt!"

Es geschah. Fünf Minuten später klangen die Gläser zusammen- aus Gewitter folgt Sonnenschein, aus so böse Wetterwolken goldig HellerRauenthaler Berg". 0 quae mutatio rerum! Mit Händeschütteln empfahlen wir uns alle wir vier eilten im Laufschritt in die Stammkneipe. Dort aber sprachen wir kein Wort, sondern lachten eine halbe Stunde lang so laut, so krampfhaft, so erschütternd, daß man ernstlich an unserem Verstände zu zweifeln anfing. Dann konnten wir erst wieder sprechen und den Commilitonen die Geschichte erzählen, die unseren Fritz hochberühmt machte.

Und wir stifteten ihm, dem großen Rechtsverdreher comme il faut, eine künstlerisch ausgestattete Adresse, woraus er ab­gebildet ist, wie ereinen Spieß umdreht", darunter die preisenden Worte:

Dem gewiegten Criminalisten, Dem großen Kenner des Strafrechts Im Namen aller Unschuldigen

Die Betheiligten."

Viele haben das gelesen, aber nur wir wissen, was es bedeutet.

Pflegerin, Schwester Bertha Büchster, wohnhaft zu Großen-Buseck, ist in der letzten Zeit fünf Wochen lang auch in hiesiger Gemeinde thätig gewesen. Von Aerzten wurden ihr bestimmte Aufträge ertheilt, in der Gemeinde hat sie sich viele Sympathieen erworben. Von hier wurde sie telegraphisch nach Großen-Linden berufen. Wie die richtige Krankenpflege auch auf dem Lande dringendes Bedürfniß ist, aber nicht von den Angehörigen aller Kranken und in allen Fällen erwartet werden darf, ebenso ist die Anstellung von geschulten Kranken­pflegerinnen in den Landgemeinden zweifelsohne dringendes Bedürfniß. Von Großh. Oberconsistorium zu Darmstadt ist dies auch anerkannt und die Anstellung unserer Kranken­pflegerin, die sehr Tüchtiges leistet, ausdrücklich gutgeheißen worden. Dasselbe ist von der Decanatssynode geschehen und werden die Landgemeinden des Decanats Gießen wiederholt auf die genannte Pflegerin, die s. Z. in Kassel ausgebildet wurde, aufmerksam gemacht. Besser gestellte Familien werden gebeten, sich durch entsprechenden Beitrag zur Decanatskaffe für die geleistete Pflege erkenntlich zu zeigen, während Un­bemittelte unentgeltlich verpflegt werden. Die Krankenpflegerin erhält einen fixen Gehalt.

X Hungen, 20. Mai. Dahier ereignete sich gestern ein bedauerlicher Unglücksfall. Der hiesige Einwohner Heinrich Ulrich hatte sich das Fuhrwerk eines Landwirthes geliehen, um sein Brennholz aus dem Walde heimzufahren. Plötzlich sah man die beiden Pferde mit dem mit Holz be­ladenen Wagen ohne Fuhrmann daherjagen und zufällig an­wesenden Personen gelang es, dieselben bei dem am Eingänge zur Stadt gelegenen Wohnhause ihres Eigenthümers zurück­zuhalten und nachdem sie noch das Hosthor mit einem Thor- pseiler umgerannt hatten, zum Stehen zu bringen. Man ahnte sofort ein Unglück. Auf der Landstraße beim sogen. Galgenberge fand man genannten Ulrich überfahren, schwer verletzt vor. Auf einem Wagen nach Hause gebracht, verschied derselbe alsbald.

K. Alsfeld, 21. Mai. Der durch die rauhe Witterung während der Pfingstfeiertage in Feld und Garten angerichtete Schaden dürste bei uns weniger groß sein, als man Anfangs fürchten mußte. Dank der hier üblichen späten Ausstellung waren Frühkartoffeln, Bohnen und Gurken noch weit zurück - was davon jedoch heraus war, ist arg mitgenommen worden. Der Reif in der Nacht vom Samstag zum Sonntag und das kalte Schneewetter am Sonntag Vormittag haben wohl zumeist dem Obst geschadet. Wenn jedoch auch mehr als die Hälfte davon verloren gehen sollte, so können wir bei der unendlich reichen diesjährigen Blüthe, falls nicht noch weitere chädliche Einflüsse sich geltend machen sollten, immerhin aus eine reiche Obsternte hoffen. Stachelbeeren und Johannis­trauben haben stark gelitten.

Die aus den 31. Mai d.Js. bestimmte Gautnrnfahrt aus das Hainig ist laut Beschluß des Gauausschusses auf Sonntag den 14. Juni verlegt.

Bad-Nauheim, 19. Mai. Heute wurden die sterblichen Reste des Lehrerveteranen Joh. Reuß unter einer außer­ordentlich zahlreichen Theilnahme der Bevölkerung zur letzten Ruhestätte verbracht. Der Verstorbene, der ein Alter von 66 Jahren erreichte, war als Forscher aus geologischem Ge­biete vortheilhaft bekannt.

Die Capelle des 1. Großherzoglich Hessischen Infanterie- (Leibgarde-)Regiments Nr. 115 aus Darmstadt, welche gegen­wärtig in der deutschen Ausstellung in London concertirt, begab sich am Mittwoch aus besonderen Wunsch der Königin Victoria zu einer musikalischen Aufführung nach Windsor.

Am 27. und 28. d. Mts. findet in der Stadthalle in Mainz die 18. Generalversammlung des Vereins deutscher Locomotivführer und Heizer statt, unter Vorsitz des Herrn Werk­meisters von Zabern in Worms. Außer dem geschäftlichen Theile ist am 27. Mittags Festessen, Abends Concert und am 28. Mittags 12 Uhr eine Rheinfahrt zum Niederwald beabsichtigt.

Mit dem Eintritte der warmen Jahreszeit dürste ein Wort über den Zustand und die Einrichtungen unserer Schlaf- zimmer mancher Hausfrau sehr willkommen sein. Für die normale Ernährung und Leistungsfähigkeit des Ge­hirns ganz unentbehrlich ist der Schlaf und jemehr das Ge­hirn geistige Arbeit verrichten muß, desto mehr braucht man denselben. Deßhalb handelt es sich bei dem Schlafen nicht blos darum, wie oft und wie lange man schläft und schlafen soll, um gesund zu bleiben, sondern auch wo und wie man schläft. Das Schlafzimmer muß geräumig, mäßig warm und still, sowie mit reiner Luft erfüllt sein und darf nicht in der Nähe von feuchten, stinkenden und dumpfen Localitäten liegen. In einem Schlafzimmer, wo mehrere Personen der Nachtruhe pflegen, muß die Luft auch während der Nacht am besten durch einen Ventilator erneuert werden, indem das Lüsten nur während der Tageszeit nicht genügt. Das Bett muß luftig sein und doch warm, es ist ein höchst wichtiger Factor für unsere Wärme-Oeconomie. Das Nachtlager muß gehörig lang und breit sein. Am gesündesten ist als Unterlage eine Roßhaarmatratze. Im Sommer wähle man zum Zudecken eine mattirte ober Flanelldecke und als Kopfunterlage gleich­falls ein Roßhaarkissen. Unterbetten von Federn sind gesund­heitsschädlich, weil dadurch der Körper so leicht ins Schwitzen geräth und verweichlicht wird. Himmelbetten sind insofern von Nachtheil, als sie den Zutritt frischer Luft beeinträchtigen und den Ausdünstungen des Schlafenden keinen Abzug ge­währen. Die Betten müssen täglich nach dem Aufstehen bei offenem Fenster gelüftet werden. Auch vermeide man kurz vor dem Schlafengehen reichliche Mahlzeiten, aufregende Ge­danken und Beschäftigungen, heftige Gemüthsbewegungen und Sorgen.

* Pfungstadt, 19. Mai. Vom neuen Kinder sp ar­verein wurden in diesem Jahre an 21 Kinder, welche ein­gelegt hatten, 1592 Mk. ausbezahlt. Hierunter waren Kinder, welche 245, 170, 100, 90 Mk. u. s. w. erhielten. Es ist

gewiß für Eltern, besonders für wenig Bemittelte, sowohl, als auch für Kinder eine große Wohlthat, bei der Confirmcttion eine gewisse Summe zu erhalten, um Kleider und sonst Nöthiges beschaffen zu können.

* Vom Rhein, 20. Mai. Nach derSt. Johanner Zei­tung" war durch Corpsbefehl den sämmtlichen Mannschaften des 8. Armeecorps, die ihre Heimath im Saargebiet oder den Kohlendistricten Westfalens haben, der Urlaub für die Pfingstfeiertage verweigert worden.

* Die Schiffsfiotte des Rheines zählt nach der neuesten Ausgabe des Rheinschiffregisters 6502 Fahrzeuge verschiedener Art. Dieselben haben zusammen 36591083 Gentner Lade­fähigkeit, 20 695 Köpfe Bemannung und repräsentiren über 80 Millionen Mark Werth.

* In Weimar konnte eine 79 Jahre alte Dame am 13. März ihr 75jähriges Bürger-Jubiläum feiern. Aus Anlaß einer Erbschaft mußte sie s. Z. als vierjähriges Kind das Weimarische Bürgerrecht erwerben, wofür ihr Vor­mund 9 Thaler zu entrichten hatte.

* Aus eigentümliche Weise ist in der Nähe von Frien­stedt bei Erfurt eine Dreirad fahrende Dame verunglückt. Ein großer, an das Rad gebundener Hund zog die Dame langsam bergauf. Als aber ein Häslein die Chaussee kreuzte, vergaß Hector seine gute Erziehung, setzte hinterLampe" her und warf das Rad um, wodurch dieses stark beschädigt wurde und die Dame eine Verletzung an der linken Hand davontrug.

* In Neuhausen bei Freiburg erschien eine behäbige Bauernfrau in einem Laden, kaufte ein von allem, was gut und theuer war, und verpackte alles fein säuberlich in einem Handkorbe, der in einem Tragkorbe stand. Als der Kauf­mann daran ging, die Rechnung aufzustellen, stellte sie den Handkorb auf den Boden und ging mit den Worten:Rechnen Sie nur immer zusammen - ich habe noch etwas zu besorgen und komme bald wieder" mit dem Tragkorb zur Thüre hinaus. Es vergeht eine zwei Stunden- sie kommt nicht wieder. Schließlich wollte der Kaufmann die Maaren wieder an sich nehmen - dabei hatte er aber die Wahrnehmung zu machen, daß der Korb leer und ohne Boden war.

* Ein Damen-Radsahrer-Club wurde in München ins Leben gerufen. Zweck des Clubs ist Hebung dieses Sports unter dem weiblichen Geschlecht, besonders soll durch den­selben Frauen und Mädchen, denen mangels männlicher Be­gleitung das Radfahren bisher ferne lag, die Möglichkeit gegeben werden, mitSportsschwestern" Ausflüge unter­nehmen zu können.

U. Aus Elbing wird derBr. M.-Z." folgende kleine Geschichte gemeldet, die die Macht eines becorirtcn Knopf­lochs wieder einmal bestens illustrirt. Vor einer Reihe von Jahren war in besagter Stadt von Wolfenbüttel ein Provisor angekommen, der sich Westphal nannte, das Eiserne Kreuz auf der Brust trug und mit dem Stolze eines alten Kriegers Jedem die Heldenthat erzählte, durch die er es sich erworben hatte. Mit offenen Armen wurde unser Held tiom Krieger­verein empfangen, der ihn sogar ohne Prüfung der Militär­papiere aufnahm. Bald war W.der Leiter von's Janze". Er lenkte in Ermanglung von Schlachten die Sedanseste, er führte die öffentlichen Auszüge in der Stadt uud das große Wort im Casino, wo Alles andächtig seinen Kriegsgeschichten lauschte. Wollte Einer aber zweifeln, so bekam der Erzähler- plötzlich Schmerzen von der Kugel, die ihm noch im Leibe ftecfte und der Zweifler war beschämt. Endlich hatte die Herrlichkeit ihren Höhe- und Wendepunkt erreicht. Der Bezirksoffizier hatte amtlich feststcllen müssen, wo und wodurch der Inhaber einer Auszeichnung dieselbe erlangt. Und da stellte sich denn heraus, daß dem Herrn W. das Eiserne Kreuz gar nicht verliehen worden war, daß ihm gar keine Kugel im Leibe steckte, daß er endlich gar nicht unter der Fahne gedient hatte. Dcr Schluß der schönen Geschichte war dann auch ein plötzliches Verschwinden Seitens des Herrn Apothekers und Seitens des Amtsgerichts ein erlassener Strafbefehl über 150 Mk. bezw. 6 Wochen Haft wegen unrechtmäßigen Tragens des Eisernen Kreuzes.

* Unter einem tragischen Verh'ängniß hat die Familie des Gasthausbesitzers Schidlo in Klein-Dombrowka im Kreise Kattowitz zu leiden. Der älteste Sohn, welcher bei den Gardeschützen in Berlin diente, starb vor einigen Jahren an Darmverschlingung. Dcr zweite Sohn ist ebenfalls beim Militär verunglückt. Er sprang aus Commando beim Baden vorn Sprungbrett in das tiefe Wasser und wurde als Leiche wieder herausgebracht. Der dritte Sohn hatte sich dem Baufach gewidmet, betrat eines Tages mit seinem Vater einen Neubau, machte einen Fehltritt, stürzte hinab und brach daS Genick. Der vierte Sohn war Wirthschafts- Jnspector geworden. Am 22. April wurde er von einem scheu gewordenen Pferde auf der Chaussee eine Strecke weit geschleift und ist vor einigen Tagen an den Folgen der er­littenen Vorletzungen gestorben.