der angesammelten Volksmenge, nationale Lieder spielen. Die Capelle weigerte sich aber und wurde in Folge dessen von dem Volkshausen beschimpft. Der Pöbel zog dann johlend vor das Deutsche Theater und das Gebäude des Handwerkervereins und warf bei letzterem sämmtliche Scheiben ein. Sechs Tumultuanten wurden verhaftet.
Rom, 20.October. Der Anarchistenprozeß wurde wieder ausgenommen. Anarchist Bardi erklärte, der Mitangeklagte deutsche Student Körner sei ein Socialdemokrat. Derselbe habe die Unruhen in keiner Weise gefördert.
London, 19. October. Nach Meldungen hiesiger Blätter soll Kaiser Wilhelm im nächsten Sommer England besuchen. _______________________________________________
Localer unfc provinzielles.
Gießen, 20. October.
— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag den2 2. October1891, Nachmittags 4 Uhr und Freitag den 23. October, Nachmittags 3 Uhr: 1. Mittheilungen, insbesondere betr. die Jahresversammlung des deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege. 2. Gesuch der Christian Dräbing Wittwe um Concession zum Ausschank von Wein, Bier und Liqueur. 3. Gesuch des Johannes Schmidt IV. um Ertheilung der Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 4. Desgleichen des Karl Lenz. 5. Gesuch der Maria Zoll um Concession zum Wirthschaftsbetrieb. 6. Desgleichen des Wilhelm Zipp. 7. Gesuche um Ueberlassung des Saales im alten Rathhausgebäude. 8. Gesuch des Jacob Hengst um Frist zur Herstellung einer Einfriedigung. 9. Desgleichen des Justus Unverzagt. 10. Gesuch des Liebmann Katz um Erlaubniß zur Anbringung eines Aushängekastens. 11. Gesuch des I. Wagner um Erlaubniß zur Anbringung eines Reflectors. 12. Gesuch des F. H. Reimer um Erlaubniß zur Wasserabsührung. 13. Uneinbringliche Posten und Nachlässe. 14. Holzabgaben aus der Hand. 15. Decretur von Kostenberechnungen. 16. Gesuch des Philipp Schön um käufliche Ueberlassung von gebrauchten Pflastersteinen. 17. Die Verpachtung der zum Plock'schen Hospital gehörigen Grundstücke. 18. Die zukünftige Verwendung der bisherigen Stallmeisterwohnung. 19. Gesuch des Turnvereins um Erlaß des Beitrags zu den Straßenbaukosten. 20. Die Beaufsichtigung der Anlagen. 21. Errichtung eines Filialarbeitshauses. 22. Ueberschreibung einer Parcelle auf den Namen der katholischen Kirche. 23. Unfall- und Krankenversicherung der in forst- und landwirthschastlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter. 24. Gesuch der Gebrüder Zülch um Gewährung von Octroirückvergütungen von Graupen. 25. Gesuch des C. Kockerbeck und Genossen um Trottoirpflasterung vor ihren Häusern. 26. Gesuch des Philipp Lahr um Erlaubniß zur Aufstellung eines Dampfkessels. 27. Erbauung von Kliniken. 28. Neubau einer zweiten evangelischen Kirche. 29. Das Leichen- und Bestattungswesen. 30. Rechnung des Gas- und Wasserwerks für das Rechnungsjahr 1890/91. 31. Wasserleitung für die Verbindungsstraße zwischen Seltersweg und Südanlage. 32. Unterhaltung des Brunnens in der Neustadt und die Ausstellung eines Ventilbrunnens daselbst.
— Von der Universität. Herr Geh. Hosrath Professor Dr. Hermann Hofsmann ist um seine Pensionirung eingekommen.
— Oberhessische Obstausstellung. Die Commission für den Ankauf von Gewinn-Gegenständen hat ihre Arbeiten beendet. Unter den angekauften Gegenständen befinden sich recht werthvolle Sachen, sowohl was die Geräthe betrifft, als auch die Obstsorten. Die Commission ist überzeugt, daß die Gewinn-Gegenstände bei Allen, die so glücklich sind, einen davon zu erlangen, Freude erregen werden.
— Oberhesfische Obstausstelluug. Die Besucher der Obstausstellung machen wir daraus aufmerksam, daß sich im Musikpavillon von Steins Garten eine Ausstellung derjenigen Obst- sortimente befindet, die als die schönsten und besten der Ausstellung anerkannt worden sind. — Daselbst befindet sich auch eine von Herrn H. Maurer in Jena ausgestellte, sehr reichhaltige Sammlung von Haselnüssen, die gewiß viele Liebhaber dieser Frucht interessiren dürfte.
— Vom Oberhesfischen Obstbau-Verein. In der außerordentlichen Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbau- Vereins am Sonntag, den 18. October hielt nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten Herr Obergärtner Seeligmüller von Geisenheim einen Vortrag über Zwergobstbau. Herr Seeligmüller führte ungefähr Folgendes aus: Es könne sich nicht darum handeln, hier den Zwergobstbau einzuführen, sondern in der Hauptsache darum, Lust und Liebe für diesen Zweig des Obstbaues zu gewinnen. Leider sei der Zwergobstbau noch nicht so verbreitet, wie er es sein sollte- auch im Obstbau müßten Fortschritte gemacht werden, wenn wir uns von dem rüstig vorwärts schreitenden Auslande, welches bereits seine besten Producte nach Deutschland werfe, nicht überflügeln lassen wollten. Vor allen Dingen müsse für die Marktfähigkeit des bei uns gezogenen Obstes gesorgt werden, und wer die schön verpackten Früchte des Auslandes bewundere, dem sei mitgetheilt, daß sie dem Zwergbaum entnommen wurden. Der Zwergobstbau hat so enorme Vortheile gegenüber den anderen Arten des Obstbaues, daß er überall eingeführt werden sollte. Wer nur über einen kleinen Hausgarten verfüge, könne keine Hochstämme anpflanzen, hier müßte der Zwergobstbau gepflegt werden, der sich aus kleinem Raum, unter Zuhilfenahme von Hauswänden, Rabatten u. s. w. cultiviren lasse. Durch Ausnutzung des zu Gebote stehenden Raumes sei man in der Lage, vielerlei Arten unterzubringen und auch das beste auszuwählen. Ein weiterer Vortheil des Zwergobstbaues sei, daß die angebauten Sorten mit Vortheil bearbeitet werden könnten, die Arbeiten am Zwergobstbaum seien viel leichter, die Folge davon sei, daß man mehr für seine Pflege thue. Der vom Obstaum verlangte Schutz gegen Unwetter, schädliche 1
Thiere und Pflanzen könne dem Zwergbaume am leichtesten gewährt werden, reine, saubere Früchte könnten in Folge der erleichterten Controle nur an ihm gedeihen. Weitere große Vortheile seien das bequeme Ernten, die schöne Beschäftigung, die durch den Obstbau geweckte Lust und Liebe zur Natur u. f. w. Der Obstbau sollte von allen, die Getreide, Gemüse u. s. w. bauen, gepflegt werden. Redner ging hier auf die Pflege der Zwergobstbäume ein und bezeichnete es für uns Deutsche als rathsam, die Zwergobstpflanzen nicht zu unschönen Schnörkeln zu verziehen, sondern wir sollten Formen ziehen, die auch Erfolg sicherten. Der Zwergform müsse von Jugend auf eine paffende Unterlage gegeben werden, die Sache fei so schwierig nicht und wer sich damit befassen wolle, finde Belehrung sowohl in der Literatur wie bei den Obstbaumschulen und in den Obstbauvereinen. Was speciell die Formen betreffe, so sei die einfachste die Pyramide, während der Spindelbaum den Ueber- gang zum Cordon, zum Schnurbaum bilde- von letzteren empfehlen sich besonders die wagerechten und schrägen- auch die Palmette (Spalierform) sei erwähnt. Herr Seeligmüller bezeichnete eine Reihe empfehlenswerther Sorten und bemerkte zum Schluffe, daß die Behandlung eines Zwergobstbaumes Gegenstand der Selbstbeschäftigung fein müsse und nicht Jedem überlassen werden solle, sondern nur dem, der ihn von Grund aus kenne. Erneuerung des Bodens da, wo schon Bäume gestanden, Verständniß in Bezug auf den Baumschnitt, besonders dafür, ob man den Holztrieb fördern, die Leitzweige verlängern, den Fruchtholztrieb begünstigen solle, feien unerläßliche Bedingungen für einen gedeihlichen Zwergobstbau. Herr Obergärtner Seeligmüller schloß seinen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag mit dem Wunsche, daß seine der Pflege des Zwergobstbaues geltenden Worte, in die Gärten hinausgetragen werden und dort Anklang finden möchten. „Wenn diese wenigen Worte, welche ich zu Gunsten des Zwergobstbaues gesprochen habe, auf einen fruchtbaren Boden gefallen sind, wenn dadurch erreicht wird, daß der Eine oder Andere neue Anlagen schafft oder alte Anlagen mit sorgfältigerem Blick als bisher beobachtet und danach handelt, so habe ich den schönsten Dank für meine geringe Mühe."
— Wie verlautet, haben sich Damen aus verschiedenen Kreisen der hiesigen Einwohnerschaft vereinigt, um Anfangs nächsten Monats (der 7. und 8. November sind dazu in Aussicht genommen) in den Räumen des Gesellschafts-Vereins einen Jahrmarkt mit Verloosuug zu veranstalten. Der Ertrag des Unternehmens ist für hiesige Wohlthätigkeits- Anstalten, namentlich solche, die das Fortkommen der weiblichen Jugend bezwecken, bestimmt und sind wir überzeugt, daß die Opferwilligkeit der Gießener Bevölkerung sich auch bei diesem Anlässe wieder schön bewähren wird.
— Zur Beachtung. Daß bei einem Brande infolge zu niedriger Versicherung der Immobilien der von dem Unglück Betroffene einen großen Verlust erleidet, ist unzweifelhaft, aber leider kommt es nur zu häufig vor, daß der Verlust an geretteten Gegenständen ein viel größerer ist- das hat sich bei dem letzten Brande in der Mühlgaffe gezeigt, denn es wurde nicht nur von unberufenen Rettern viel ruinirt, sondern es gingen auch noch auf die eine oder andere Weise Gegenstände verloren. So viel sich bis jetzt übersehen läßt, fehlen dem Besitzer der am Freitag theilweise niedergebrannten Hofraithe noch folgende Gegenstände: drei Bettdecken, ein Herrenanzug, eine silberne Taschenuhr, ein Spazierstock, sonstige Wäschegegenstände und — 23 Töpfe Birn- und Zwetschen- honig. Die derzeitigen Inhaber dieser Gegenstände fetzen sich erheblichen Strafen aus, wenn sie die Sachen nicht sofort abliefern.
— Befitzwechfel. Die Pelikan-Apotheke (Kreuzplatz 2), ist an Herrn Walter Weiß aus Eiterfeld (einem geborenen Darmstädter) für die Summe von 365,000 Mk. verkauft worden- die Uebernahme findet am 1. November statt. Dem bisherigen Besitzer, Herrn Th. Lommel, welcher demnächst nach Homburg übersiedelt, ist dieser Tage Seitens seiner Freunde eine Abschiedsfeier im Club veranstaltet worden.
— Das am 16. October ausgegebene Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 33 enthält: Bekanntmachung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, die bahnpoltzeilichen Vorschriften für die Abzweigung der Dampfstraßenbahn Mainz—Hechtsheim nach Bretzenheim betr. Vom 12. October 1891.
— Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: am 14. October den seither in der Kategorie der Volksschullehrer angestellten ersten Lehrer und Dirigenten der höheren Bürgerschule zu Pfungstadt Gustav Mag el zum Lehrer an der Realschule zu Darmstadt zu ernennen.
— Ordensverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großher,zog haben Allergnädigst geruht, am 26. September der Barbara Thomann aus Asselheim in Bayern, z. Zt. in Diensten des Lederfabrikanten Jakob Decker in Worms, und der Louise Stellwag aus Erbach, in Diensten des Fabrikanten Mülberger daselbst, die silberne Medaille des Ludwigs-Ordens zu verleihen.
— Ruhestands'Versetzungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht: Am 17. October den Provinzialdirector der Provinz Rheinhessen und Kreisrath des Kreises Mainz, Geheimerath Friedrich Küchler, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, mit Treue, Eifer und Auszeichnung geleisteten Dienste, und den Kreisrath des Kreises Heppenheim, Friedrich Gräfs, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und ersprießlichen Dienste — beide mit Wirkung vom 16. November d. I. an in den Ruhestand zu versetzen.
Schotten, 19. October. Der Vereinsbezirk Schotten des Oberhessischen Obstbauvereins wird Sonntag den 1. November l. I., Nachmittags 3 Uhr, in dem Saale dc?s
Rathhauses zu Schotten eine Hauptversammlung abhalten. Die Tagesordnung lautet: 1) Wahl des Vorstandes des Vereinsbezirks Schotten, 2) Vortrag des Secretärs des Oberhessischen Obstbauvereins, Herrn Landwirthschaftslehrer K. Reichelt aus Friedberg über „Obstbau im rauhen Klima, mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse im Kreise Schotten."
Mainz, 14. October. Am 26., 27. und 28. October begeht das 8 7. und am 29., 30. und 31. October das 8 8. Regiment sein 25jähriges Jubiläum. Es finden allerlei festliche Veranstaltungen statt und werden dabei auch (da die Regimenter aus nassauischen Truppentheilen gebildet wurden) Mannschaften in den nassauischen Uniformen dieses und des vorigen Jahrhunderts erscheinen.
△ Mainz, 18. October. Das hiesige Kriegsgericht ver- urtheilte jüngsthin den Musketier K i r ch h ö f s e r vom 117. Infanterie-Regiment wegen gefährlicher Körperverletzung in drei Fällen und wegen rechtswidrigem Waffengebrauch zu sechs Monaten Gefängniß. Der Verurtheilte hat vor mehreren Wochen Nachts mit mehreren anderen Soldaten drei ruhig ihres Weges gehende Bürger ohne jede Veranlassung mißhandelt und denselben mit dem Säbel mehrere erhebliche Verletzungen beigebracht. Die übrigen bei der Sache betheiligten Soldaten erhielten 14 Tage Arrest. — In zwei hiesigen Innungen, der Bäckerinnung und der Barbirerinnung, ist es in der letzten Zeit zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen. Anlaß zu den Conflicten in beiden Genossenschaften ist, daß sich Jnnungsmitglieder nicht an die Preisfestsetzungen der Innung hielten und ihren Kunden billigere Preise berechneten. Hierdurch werden die natürlich geschädigt, welche an den hohen Preisen sesthalten, indem sich die Zahl ihrer Kunden selbstredend vermindert. Den Vortheil von dieser Uneinigkeit hat das consumirende Publikum und ist derselbe für die hiesige Bevölkerung bereits recht bemerkbar dadurch hervorgetreten, daß ein allgemeiner Brodabschlag erfolgt ist. Die Innung hat einen Abschlag von 4 Pfennig ür den 4pfündigen Laib festgesetzt, doch da einzelne Bäcker auch schon wieder unter diesem Preise Brod anbieten, dürste ein weiterer allgemeiner Abschlag nicht lange auf sich warten lassen. — Die Preßprozesse sind hier zu einer alltäglichen Erscheinung geworden. Neben einer Reihe noch chwebender Prozesse ist gegen den Redacteur der „Mainzer Nachrichten" neuerdings wieder eine Klage wegen Militär- und Gouverneursbeleidigung anhängig gemacht worden.
Offenbach, 16. October. Mit Rücksicht auf die hohen Lebensmittelpreife und die Aussicht, daß die Preise für Kartoffeln im Laufe des Winters voraussichtlich noch erheblich steigen werden, hat die hiesige Stadtverordnetenversammlung in einer gestern Abend abgehaltenen Sitzung zwei ihrer Mitlieder beauftragt, mit der Bürgermeisterei über den Ankauf von Kartoffeln seitens der Stadt zu be- rathen und der Stadtverordnetenversammlung alsdann Vorschläge zu machen. Die anzukaufenden Kartoffeln sollen nicht blos an die Armenpfleglinge, sondern zur Winterszeit auch an andere hiesige Einwohner käuflich abgegeben werden.
Vermischtes.
* Frankfurt a. M., 19. October. Aus Anlaß des Schluffes der electrotechnifchen Ausstellung, der heute Abend 11 Uhr erfolgt, fand heute Nachmittag eine Festsitzung statt. Der Vorstand des Ausstellungscomites, Sonnemann, erstattete einen eingehenden Bericht über den Verlaus der Ausstellung, deren Ergebniß er als sehr befriedigend bezeichnete. Wirkl. Geh. Rath Prof. Dr. v. Helmholtz sprach über die große wissenschaftliche Bedeutung der Ausstellung. Finanzminister Dr. Miquel hob hervor, daß die Electricität durch die Ausstellung volksthümlich geworden fei» Oberbürgermeister Adickes schloß die Festsitzung mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser.
* Frankfurt a. M., 19. October. Als gestern Morgen um 10 Uhr eine Maschine aus der Werkstätte nach dem Hauptbahnhose fuhr, stürzte der Heizer derselben, als er sich über die Brüstung hinauslehnte und rückwärts blickte, an der ersten Unterführung von einem Laternenpfosten gegen den Kopf getroffen, aus der Maschine und erlitt am Hinterkopfe eine so starke Schädelfractur, daß er sofort verstarb. Dec Verunglückte ist der 34 Jahre alte Heizer Adam Thiel von der Taunusbahn, wohnte hier Säckbachergaffe Nr. 6 und hinterläßt eine Wittwe mit vier Kindern, von welchen das älteste 10 Jahre und das jüngste ein Säugling von vier Monaten ist.
* Militärdienst und Nachkommenschaft. Gelegentlich feiner Untersuchungen über die Ursachen der Gewichtsschwankungen der Kinder im Säuglingsalter machte, wie man der „Tägl. Rundschau" schreibt, Dr. Schmid-Monnard in Halle die Wahrnehmung, daß aus die körperliche Entwickelung der Nachkommenschaft der Militärdienst des Vaters einen bemerkenswerthen Einfluß hat. Es zeigte sich zunächst, daß unter 2700 gesunden Kindern im Alter von 1—30 Monaten, die theils aus Frankfurt a. M., theils aus Halle a. d. Saale stammten, immer obenan im Gewicht die Kinder kräftiger Leute standen. Dabei machte sich aber noch der wesentliche Unterschied geltend, daß die Kinder gedienter Väter einen bedeutend größeren Brustumfang hatten als die übrigen. Daß diese Eigenschaft die Entwickelung des Kindes besonders begünstigt, indem ihm dadurch zugleich auch eine größere Widerstandsfähigkeit gegen mancherlei schädigende Einflüsse zu Theil wird, ist klar. Ein Vergleich der Kinder von Frankfurt und Halle veranschaulicht diese Wahrnehmung mehr. Es ergab sich nämlich, daß in Frankfurt a. M., wo erst nach der Annectirung die allgemeine Wehrpflicht em- geführt ist, die Kinder einen Brustumfang haben, der weit unter dem wünfchenswerthen Mittel steht. In Halle dagegen, wo die Wehrpflicht schon viele Geschlechter beeinflußt hat, ist das Brustmaß ein bedeutend größeres.


