Ausgabe 
21.8.1891
 
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Freitag den 21. August

1891

Der Gieße»« Jüqeiett «icheint täglich, eit Ausnahme des Montags.

Wt Gießener A««ttße»ßr»tts, Mai dem Anzeiger -Göttlich dreimal detgelegt.

Gießener Anzeiger

Keneraf-Mnzeiger.

Vierteljähriger

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2 Mark 20 Pst. t*8 Bringerlohu.

Durch die Post bezog«

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Redaction, Axpedtti« und Druckerei:

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Amts- und Anzeigeblatt für den Nveis Gieren.

Benehme Won Anzeigen zu der Rachmittags für dm teilemlat Lag erscheinendm Nummer bis Borm. 10 llhr. WMAW>««SMSM»»W»»SWS»WSWMWSSW^MS

chrattsöeikage: Gießener Jamikienökätter.

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Alle Aano»cm-Sureaux des In- und Luslaudes aehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" mtge^r*. iMiu i .gBgBWRgWMgBHW«

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Der landwirthschaftliche Bezirksverein des Kreises Gießen wird

Montag den 21. September 1891 aus dem Viehmarktplatze (Grassee) zu Hungen eine Aus­stellung von Zuchtvieh, verbunden mit einer Viehpreisverthei- lung, veranstalten, für welche die nachstehenden Bestimmungen getroffen sind:

I. Bezüglich der von dem landwirthschaftlichen Bezirks­verein zur Ausführung der Viehpreisvertheilung zur Verfüg­ung gestellten 550 <X:

1. An der Ausstellung können sich alle im Kreise Gießen wohnenden Viehzüchter, Viehhändler ausgenommen, be­theiligen.

2. Sämmtliche aufzustellende Thiere sind bis Morgens 9 Uhr aus dem Viehmarktplatze (Grassee) zu Hungen aufzutreiben und von den Besitzern auf den ihnen von der Commission angewiesenen Ständen aufzustellen.

Nur preiswürdige Thiere werden prämiirt und zwar: a. Bullen im Alter von 12^ Jahren, b. Rinder, welche sichtbar trächtig und c. Kühe, die sichtbar trächtig sind oder frisch ge­kalbt haben.

3. Diese Thiere müssen selbstgezüchtet oder zum Zweck der Zucht mindestens 2 Monate vor der Preisvertheilung erworben sein und

4. folgenden Raffen angehören:

a. der reinen Vogelsberger Rasse; Mutterthiere, welche eine hellere Färbung am Euter zeigen, werden erst in zweiter Linie prämiirt,

b. der Simmenthaler Raffe und zwar dürfen aa. Bullen nur der reinen Simmenthaler Rasse angehören,

bb. dagegen können Mutterthiere auch dann prämiirt werden, wenn solche wenigstens ausgesprochen des Simmenthaler Typus sind.

5. Unter solchen gleichen Verhältnissen erhalten selb st - gezüchtete Thiere bei der Prämiirung den Vorzug.

6. Hinsichtlich der Bullen Simmenthaler Rasse ist urkund­lich nachzuweisen, daß solche entweder direct aus dem Simmenthal eingesührt worden sind oder daß dieselben aus einer Reinzucht stammen.

7. An Preisen werden aus Vereinsmitteln gewährt:

1. für den schönsten Bullen, Simmenth. Raffe 45 «X

2. Vogelsberger 45

3. ein Preis ä 40

4. lf ä 30

5. zwei

Preise ä 25 «X

50

6. ,

a 20

40

zusammen 8 Preise

250 «X

8. Für Rinder und Kühe:

1. zwei

Preise ä 35 «X

70 M.

2.

ä 30

60

3.

L 25

50

4.

a 20

40

5.

ä 15

30

6. fünf

L 10

50

zusammen 15 Preise

300 «X.

II. Bezüglich der von der Stadt Hungen zur Ausfüh­rung der Viehpreisvertheilung zur Disposition gestellten 200 JL gelten ebenfalls vorstehende Bedingungen, jedoch sollen aus diesen Mitteln auch nicht im Kreise Gießen woh­nende Züchter bei Vorführung von preiswürdigem Vieh mit Prämie bedacht werden.

III. Es bleibt dem Ermessen der Prämnrungs-Commrssion überlassen, die bestimmten Preise innerhalb des Gesammt- betrages je nach der Güte der ausgestellten Thiere jeder Gat­tung auch zu übertragen.

Gießen, den 18. August 1891.

Der Vorstand des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost, Regierungsrath.

Tart!

Unter diesem Mahnruf liest man in derEstafette" : Man muß daraus verzichten, zu sehen, daß ein großer Thell unseres französischen Publikums sich des übertriebenen Enthusiasmus enthält, unter dem Frankreich schon so viel zu leiden hatte. Man ist bei uns über alle Vernunft

hinaus für Eindrücke empfänglich. Das ist höchst lächerlich, manchmal demüthigend und oft gefährlich. Es liegt aber im Blute. Es scheint, als ob weder die Erfahrung, noch das Gefühl der Würde uns von dieser verhängnißvollen Erregbar­keit heilen können. Der Großfürst Alexis, Bruder des Kaisers Alexander, Admiral der russischen Flotte, kommt nach Frankreich. Man erfährt dies. Zur Stunde sammeln sich die Enthusiasten nach Tausenden an. Sie laufen nach dem Nordbahnhof, sie dringen in den Ostbahnhof ein, denn man weiß nicht, auf welchem Wege der Großfürst Alexis seinen Einzug in Paris halten wird. Vom Ostbahnhofe! Sehr wohl. Vive la Russie! Die Patrioten sind zur Stelle.

Der Großfürst erscheint. Die Enthusiasten umringen, um­

drängen ihn, jubeln ihm zu, belästigen ihn. Die Polizei muß ihn vor einer zügellosen Liebe beschützen. Endlich steigt er in seinen Wagen. Vive la Russie! Die wahnsinnige Menge läuft dem Wagen nach- sie hat Flügel. Sie langt athemlos vor dem Hotel Continental an. Vive le grand-duc! Vive Fempereur! Die Menge stampft, vor Enthusiasmus über­strömend. Vive Fempereur! Vive le grand-duc! Vive la Russie! In den Tuilerien spielt die Militärmusik die russische Hymne. Die Enthusiasten lassen sie zweimal, drei- mal, fünfmal spielen. Sie bereiten den Musikanten Hul­digungen, heben sie in die Höhe, tragen sie auf den Schultern, machen sie verrückt. In Lyon, in Dinard, in Bordeaux, in Grenoble, in Nimes, in allen Städten rühren sich die Enthusiasten, bereiten sie Kundgebungen vor. In Vichy, wo der Großfürst Ruhe und Erholung für_ seine Gesundheit sucht, harrt ein lärmender Enthusiasmus seiner. Das wird so toll, daß der Großfürst Alexis sich gegen all die Heimsuchung nicht mehr anders zu helfen weiß, als indem er die Regie- rung bittet daß man ihn mit fo viel Mr en und Mühen verschone. Anderseits sucht man auch auf der russischen Bot­schaft den gefährlich werdenden Enthusiasmus zu stillen. Man deutet uns mit aller erdenklichen Behutsamkeit an, er ver­hülle uns die Wirklichkeit, in der Politik fei mehr Zurück­haltung und mehr Zartgefühl nöthig. Werden wir denn immer die Gleichen, immer rasend darauf versessen sein, zu schreien: Es lebe Jemand! Es lebe etwas! Sollten wir denn immer dem Auslande das Schauspiel unserer Vernarrt­heit geben, die leider uns oft so weh thaten, und dabei immer komisch aussahen. Dadurch ziehen wir uns Lectionen, wie die jetzige zu. Es fällt uns nicht ein, die zu Ehren Rußlands veranstalteten Feste tadeln zu wollen- aber wir möchten mehr Maß und Tact sehen. Zwanzig Jahre lang haben wir ab­seits vom übrigen Europa mit unendlicher Würde an der Wiederaufrichtung unseres Landes gearbeitet. Und jetzt sollten wir aus dieser Zurückhaltung heraustreten, die unsere Stärke war, um die russische Freundschaft betteln, uns thöricht ein­bilden, Kaiser Alexander hege die Absicht, uns bei der Be­richtigung unserer Ostgrenzen behilflich zu sein, und uns deß- halb durch Hoffnungen, Geschrei, Gesang und Reden betäuben? Um Gotteswillen, lassen wir uns unseren Stolz nicht nehmen! Kaum sind wir dem Boulangismus entronnen, der ein schmach­voller Anfang von Götzendienerei war! Jetzt wollen wir doch nicht im Gefolge der alten Kunstreiter und Marktschreier der Boulange, die man gestern wieder an der Spitze aller Kundgebungen sah, in die alte Abgötterei verfallen. Damit wäre uns nicht genützt, und es würde auch den^Russen miß­fallen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Politik von In­teressen, nicht von Gefühlen lebt. Man sieht wohl, daß Kaiser Alexander ein Interesse daran haben kann, uns die Hand hinzustrecken, und daß es in unserem Interesse liegt, sie nicht zurückzuweisen. Aber man sieht nicht, daß Rußland sich aus enthusiastischem Gefühl an uns bindet. Die Stunde der Thorheiten ist für uns vorbei. So lassen wir denn aus Rücksicht und Höflichkeit die Prinzen der russischen Familie in unserem Lande leben, wie es ihnen behagt, ohne offizielle Ehren, verschont mit knechtischer Liebedienerei. Sie bringen uns nicht das Gedeihen Frankreichs, das nur von unserer Mäßigung und unserer Würde abhängt.

Deutsches Reich.

Gießen, 20. August.

* Se. Kgl. Hoheit der Großherzog weilt heute wieder in unserer Stadt, um die Parade über die 49. Jnsanterie- brigade abzunehmen und bei dieser Gelegenheit dem ersten und zweiten Bataillon des hiesigen Regiments die neuher­gerichteten Fahnen zu übergeben. Die Beziehungen der Stadt Gießen zu unserem Herrscherhause waren von jeher aus­gezeichnete ; war es doch die alma mater Ludoviciana, an der unsere Prinzen und späteren Landesherren ihre akademischen Studien zum Abschluß brachten, knüpften sich doch für unser Herrschergeschlecht eine Menge historischer Erinnerungen aus

heiterer und trüber Zeit an die Hauptstadt von Oberhessen. Besonders innig wurde das Verhältniß zwischen Stadt und Herrscherfamilie, als im vorigen Sommer Se. Kgl. Hoheit zur Einweihung der neuen Klinikbauten und zur Enthüllung des Liebigdenkmals Gießen besuchte, und als unsere Hoch­schule im vergangenen Winter die Ehre hatte, den erlauchten Thronerben zu den Ihren zu zählen. Bei beiden Ereignissen konnte man sich überzeugen, mit welcher Liebe die Bewohner­schaft Gießens an ihrem angestammten Herrscherhause hängt. Und hält sie zu ihm in den Tagen der Freude, so hat sie doch auch schon den Beweis geliefert, daß sie treu zu ihm steht in den Tagen des Leids und daß es fernerhin so sein wird, dafür bürgt ihre Geschichte.

Darmstadt, 19. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Major Winter ä la suite des 2. Großh. Infanterie-Regiments (Großherzog) Nr. 116.

Netteste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau.

Berlin, 19. August. DieNordd. Allg. Ztg." sagt am Schluffe eines längeren Artikels über die Agitation für Suspension der Getreidezölle, mit der Suspension der Zölle sei einfach deren dauernde Abschaffung gemeint. Die dauernde Preisgabe der Zölle würde unsere Lebens- intereffen unheilbar schädigen, eine temporäre Aufhebung den Consumenten aber nichts nützen. Den finanziellen Ausfall einer solchen Maßregel würden die Einzelstaaten tragen müssen, in Preußen die communalen Verbände.

Schwerin, 19. August. Die nervöse Athemnoth des Großherzogs hat abgenommen, der Appetit hat sich gehoben, die Schwäche ist nach wie vor sehr groß, die Un­sicherheit und Gebrauchsunfähigkeit der Hände und Füße stärker als jemals.

Nordeuhamm, 19. August. Als die mit den Pierbauten bei dem Norddeutschen Lloyd beschäftigten Arbeiter (etwa 50 an der Zahl) gestern Abend ihre Werkzeuge gemeinsam ab­lieferten, brach ein Gerüst infolge Uebergewichts und schad­hafter Balken zusammen. Ein Theil der darauf befindlichen Arbeiter ertrank, ein anderer Theil hielt sich an den Balken und Trümmern des Gerüstes fest. Neun der Arbeiter, sämmtlich Familienväter, sind tobt, neun andere sind schwer, die übrigen leicht verletzt. Ein Verletzter ist heute gestorben. Bis heute Mittag waren sämmtliche Leichen geborgen.

München, 19. August. In der heutigen Eröffnungs­sitzung der Handelsvertrags-Verhandlungen mit Italien begrüßte Staatsrath Mayer die Delegirten Namens der Staatsregierung, worauf Geheimrath Jordan und der österreichische Ministerialrath Glanz von Eicha dankend ant­worteten. Nächste Sitzung unbestimmt.

Wien, 19. August. DieNeue freie Presse" meldet die Entführung eines Bahnmeisters Sollini, italienischer Unterthan, durch Räuber, welche 115 Kilometer von Sa- lonichi auf einer Draisine stattfand. Ein Arbeiter wurde ermordet aufgefunden. Die Höhe des Lösegeldes ist un­bekannt.

Wien, 19. August.Fremdenblatt",Presse",Extra­blatt" undWiener Tagblatt" heben die gestrigen glänzenden Loyalitätskundgebungen in Prag anläßlich des Geburts­tages des Kaisers hervor, sie erblicken darin einen Protest der Elite der czechischen Bevölkerung gegen die Vor­würfe, welchen das czechische Volk infolge der letzten Vorgänge auf der Prager Ausstellung ausgesetzt gewesen, die aber nur das Werk vereinzelter Hetzergruppen waren.

Paris, 19. August. Die Abendblätter heben den fried­lichen Character der Flottenrevue in Portsmouth hervor. DerTemps" erblickt in derselben die notwendige Ergänzung zu dem Kronstädter Besuch, welcher darthue, daß das französisch-russische Einvernehmen die Friedenstendenz beider Länder nicht einschränke und keineswegs die Schaffung eines Dualismus zwischen in zwei Felder getheilten europäischen Mächten erstrebe. Dies würde auch den Anschauungen Lord Salisburys widerstreben.

Brüste!, 19. August. Eine gestern stattgehabte Ver­sammlung der Metallarbeiter-Delegirten Deutsch­lands, Englands, Belgiens, Hollands, Dänemarks und Frank­reichs sprach sich im Princip für eine internationale Metall­arbeiter-Vereinigung aus.

Loudon, 19. August. Nach einer Meldung derDaily News" aus Odessa beträgt die Zahl der ausländischen Juden, denen Ausweisungsbefehle zugegangen, 8000- die Mehrzahl sind Grundbesitzer.