Sonntag den 21. Juni
(Siebener Anzeiger.
Beilage ja Rr. Ml. -1891-
Feuilleton.
Welche von Beiden?
Novellette von I. Piorkowska.
(Nachdruck verboten.)
I.
Wenn ich es mir recht überlege, kann ich mir nicht verhehlen, daß ich eigentlich recht schlecht an meinem Bruder Bernhard gehandelt habe.
Sobald er sich in Australien als Director eines neuen Kohlenwerkes eine feste, gesicherte Stellung erworben und ein hübsches kleines Häuschen gebaut hatte, ließ er mich nachkommen, vermutlich in der Erwartung, daß ich ihm Haus halten sollte, bis sein Glück gemacht war und wir dann zusammen nach Europa, nach Deutschland zurückkehren könnten.
Er hatte aber nicht bedacht, daß in Queensland eine heirathssähige junge Dame ein sehr rarer und vielgesuchter Artikel ist. Ich befand mich noch keine drei Wochen in Wymaring, so bewarb sich auch schon ein halbes Dutzend um meine Hand. Einer derselben, ein Deutscher, Georg Seiffart, war gerade so vereinsamt wie mein Bruder. Nicht weit entfernt von uns besaß er eine Farm, und ein Häuschen wartete dort meiner, das einen ganz besonderen Reiz für mich hatte, kurz, nach sechs Monaten wechselte ich meinen Namen und folgte Georg in mein neues Heim.
Für Bernhard that er, was in seinen Kräften stand. Zur Entschädigung für mich gab er ihm seinen eigenen Diener, einen etwas dummen, starrköpfigen Irländer, der waschen, nähen und kochen sollte und sich auch um Pferd und Garten kümmern mußte. Für Bernhards einfache Lebensweise hatte er aber einen viel zu feinen Gaumen und was das Nähen anbelangte, so hatte der Mensch wohl noch nie in seinem Leben eine Nadel in der Hand gehabt.
So schmeichelhast es für mich auch war, that mein Bruder mir doch unendlich leid, als ich sah, wie unzufrieden der Tausch ihn machte.
Eines Abends kam er, wie er dies oft zu thun pflegte, nach unserer Farm geritten.
„Nichts wieAerger!" ries er heftig nach der ersten Begrüßung, „0, dieser Mensch!"
„Was gibts denn wieder? Will er nicht kochen, wie Du es wünschest?" fragte ich.
„Wenns das nur wäre!" lautete die Antwort, „er ist fort."
„Fort?!" riesen Georg und ich wie aus einem Munde.
„Ja, ich setzte ihn wegen etwas zu Rede- das scheint ihm nicht gepaßt zu haben, wie ich eine Stunde später nach ihm rufe, ist er aus und davon."
„Schade," meinte Georg, „er war bei all seinen Fehlern doch ein ehrlicher, rechtschaffener Mensch."
„Meinst Du?" entgegnete mein Bruder mit bitter-süßer Miene, „na, ich kann nicht sagen, daß ich ihn vermisse, wenn meines Vaters goldene Uhr und noch verschiedenes Andere nur nicht mit ihm verschwunden wäre. Weißt Du, Schwager," suhr er in gereiztem Tone fort, „eigentlich wäre es nur recht und billig, wenn meine Schwester wieder zu mir käme, ich habe sie Dir nur mit der Bedingung gegeben, daß dieser John dafür bei mir bleibt."
„Was soll ich aber ohne meine Marie anfangen?" entgegnete mein Mann, indem er seinen Arm um meine Taille legte, mich fester an sich zog und lächelnd zu mir niedersah, „ich will Dir aber einen andern guten Rath geben, Schwager, Du mußt heirathen!"
„Ja, Bernhard, Du mußt heirathen!" stimmte auch ich bei.
„Ist das Euer Ernst?" sagte mein Bruder und sah uns dabei mit frohem Lächeln an, „nun, dann wißt, daß ich gestern einem Mädchen einen Heirathsantrag gemacht habe."
„Du?" wiederholten wir beide in höchstem Erstaunen, gab es doch vierzig Meilen in der Runde kein heirathssähiges Mädchen.
„Aber sag mir um alles in der Welt, wem denn?" fragte ich endlich.
„Du brauchst nicht zu erschrecken, Schwester," erwiderte er lachend, „ich will weder eine Eingeborene noch die Alte heirathen, die da drüben den Krämerladen hat. Nein, nein, ich habe deßhalb nach Deutschland schreiben müssen."
„Aber so sprich doch, wem denn?"
„Lilly Sanders."
„Lilly Sanders? Wäret Ihr denn schon verlobt?" „Nein, aber ich habe sie immer gern gemocht. Sie kann kochen und nähen, und aus zuverlässiger Quelle weiß ich, daß sie stets eine besondere Vorliebe für mich hatte." „Was hast Du ihr denn geschrieben?" forschte ich. „Nun, ich schrieb ihr, daß, seit ich sie zum letzten Male gesehen, ich keine Minute an ein anderes Mädchen gedacht hätte —"
„Besonders, da Du kaum eins gesehen hast," fiel Georg ihm ins Wort.
„Daß ich eine Frau brauchte," suhr Bernhard, der Unterbrechung nicht achtend, fort, „und fragte sie, ob sie sich entschließen könnte, hierher zu kommen und mich zu heirathen. Ich würde sie dann in Brisbane treffen und mich sofort dort mit ihr trauen lassen- ich zweifle nicht, daß wir sehr gut zu einander passen und sehr glücklich miteinander leben würden."
„Kurz und bündig!" lachte Georg, „das muß ich sagen." „O, das ist noch nicht alles- ich habe ihr auch noch ein schönes Gedicht gewidmet, das sie schon herlocken wird," versetzte Bernhard, indem er einen Zettel aus der Tasche zog, „hier habe ich den ersten Vers, wollt Ihr ihn hören?"
„Als Kinder gingen Hand in Hand, Zu suchen schön Vergißmeinnicht, Wir über Feld und Wiesenland Wie Ltebesleut — entsinnst Du Dich? — Die Blümlein alle sind verblüht, Sind welk, sind htngeftorben, Ich aber bin gekehrt zurück Und hab um Dich geworben.
Willst, Liebling, Du mein Eigen sein?
Willst kommen nach Australia? Laß hören mich kein traurig nein, Für ewig laß es sein ein ja!" „Gelungenes Versmaß!" spottete Georg. „Du gehst doch auch nicht nach Deutschland zurück?" „Das sind Freiheiten, die man sich in poetischen Ergüssen wohl erlauben darf," rechtfertigte sich Bernhardt.
(Fortsetzung folgt.)
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