Ausgabe 
21.6.1891 Zweites Blatt
 
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lein Pelletan verlobt, als im Juli 1870 die Kriegserklärung ersolgre. Er war damals ein stattlicher Offizier, eine präch­tige, vornehme Erscheinung. Als er aber nach Monaten aus dem Kriege zurückkehrte, waren ihm beide Arme amputirt worden. Der so Verstümmelte wollte hochherzig der Braut das bindende Wort zurückgeben. Diese, nicht minder hoch­gesinnt, erklärte, daß sie jetzt noch viel stolzer aus die Tapfer­keit ihres unglücklichen Gatten sein würde. Und die Hochzeit sand statt. Fräulein Henriette Pelletan ist die Enkelin des Leibarztes Napoleon I.

* Originelle Wette. Man schreibt demN. W. T." aus München: Eine Wette, die an Curiosität nichts zu wünschen übrig läßt, kommt in dieser Woche zwischen hier und Wien zum Austrage. Zwei Mitglieder des hiesigen Velocipedclubs Germania" haben mit 1000 Mk. Einsatz gewettet, daß der eine der Contrahenten per Bicycle schneller nach Wien und von dort wieder nach München zurückkommt, als der andere anderthalb Millionen Striche auf das Papier zu zeichnen im Stande ist. Der Distanzfahrer, wie derStrichlmacher" werden durch bestimmte Mitglieder derGermania" über- rvacht. Für die Striche ist das Maß angegeben und wurden einige rubrizirre Bögen angefertigt. Man glaubt, daß der Distanzfahrer siegen werde.

Herstellung von JohanniSbeerwein. Rothe und weiße Johannisbeeren werden mttemander mtltelst eines Tuches zerquetscht und der Saft ausgerungen. Die im Tuche zurückbleibenden Beeren werden im Haushalt zur Bereitung von rother Grütze verwandt. Auf 3 Liter des gewonnenen Saftes werden dann 2 Liter Waffer und 3 Pfund Zucker zugesetzt und das Ganze in ein Faß gethan, welches jedoch nicht ganz gefüllt werden darf und offen stehen bleiben muß, bis die Gährung ganz vorüber ist. Im nächsten Frühjahr wird der Wein abgezogen und ist zum Genuß fertig.

Ursache de- Fallobstes. Die Ursache des Fallobstes ist meistens der Apfelwtckler, namentlich bei Apfel- und Birnbäumen. Anfangs Juni legen die Weibchen ihre Eier je eins in die jungen

I Früchte. Die sich aus ihnen entwickelnden Raupen fressen fick bald bis ins Kernhaus, verzehren zunächst dieses und dann das äußere Fruchtfleisch. Namentlich die feineren Obstsorten werden von dem Schmetterling, der sich durch einen metallisch glänzenden Sammtfleck an den Spitzen der oberen Flügel kennzeichnet, zur Eterablage auf­gesucht. Noch bevor die wurmstichige Frucht vom Baume fällt, läßt sich meistens die fleischfarbige Raupe an einem Faden zur Erde, kriecht dann am Baume hinauf, um sich hinter Rtndenschuppm rc. zu verpuppen. Namentlich hinter den Brumataringen kann man sie oft in großer Zahl finden. Schon Ende Juli kommt häufig eine neue Schmetterlings-Generation zur Welt, um von Neuem Eier in die noch übrig gebliebenen Früchte zu legen. WaS zur Vertilgung gethan werdm muß, ergibt sich schon zum Thetl aus dem Vor­stehenden. Vor allen Dingen sind die Raupen in den Rindenspalten der Obstbäume zu vertilgen. Das Anlegen eines Blumatartnges auch während des Sommers ist vortheilhaft, einmal um Raupen zu veranlassen, sich hinter demselben zu verpuppen, andererseits um höher kletternde auf dem Leim zu fangen. Der Leim muß jetzt jedoch dick­flüssiger sein und öfter erneuert werden, als zur Zeit wo man die Ringe des Frostspanners wegm umlegt. Das Fallobst muß gesammelt und vernichtet werden.

Citeratttr «nd Arrnst.

Es war jedenfalls ein kühner Schritt, eine neue Zeitschrift wie ,A«S fremden Zirngerr" (herausgegeben von Prof. Joseph Kürschner, redigiurl von Otto Baisch, Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), die von vornherein mit dem verzeihlichen Vorurtheil zu kämpfen hatte, nationale Wege nicht zu verfolgen, mit einem Roman von Zola zu eröffnen. Die bisher erschienenen Hefte (Preis L 50 Pfg.) haben indeß bewiesen, daß eine bestimmte Tendenz damit nicht angedeutet werden sollte, sondern daß es dem Herausgeber vor Allem darauf ankam, die hervorragendsten Autoren des Auslandes ohne Rücksicht auf ihre politische, sociale, religiöse und künstlerische Richtung darin zu Worte kommen zu lassen. Die Auswahl des bisher Gebotenen ist ebenso vielseitig als geist- und geschmackvoll. Es erschienen aus dem Französischen: ZolaDas Geld", Coppöe Eifersucht", DaudetDer Affe", aus dem Englischen: Ouida Syrlin", WhitmanDeutsche Cultur", Bret HarteDas Erbtheil in den Dedlow-Marschen", StocktonDer Seeteufel", aus dem Russischen: TolstojWandelt im Lichte", TurgenjewGenug", aus dem Italienischen: SeraoPhantasie", VergaLändliche Ritterlich­keit", aus dem Schwedischen: GetjerstamSchneewinter", aus dem Isländischen: PülssonSigurd der Bootsführer" und aus dem

Ungarischen: KabosVogel ohne Schwingen". Der neuen Zeitschrift wäre eine weite Verbreitung dringend längst zu wünschen. Die neueste deutsche Literatur bedarf einer Auffrischung durch neues Blut. Sic bewegt sich nur noch auf ausgetretenen Pfaden und krankt an einem bedenklichen Mangel an Muth, Ueberzeugungstreue, Origi­nalität und Schöpferkraft; Keiner schreibt und spricht, wie ihm umS Herz ist, frisch von der Leber weg, sondern wartet auf Directiven von unten und oben. Vielleicht trägtAus fremden Zungen" dazu bei, der sich vorbereitenden Wandlung die Wege zu ebnen; denn die ausländische Literatur hat die deutsche in den letzten zwanzig Jahren nach jeder Richtung hin überflügelt, und es wäre ja nicht das erste Mal, daß die deutsche Literatur vom Ausland her epochemachende Anregung empfinge.

Unter den deutschen Erzählern ist keiner populärer und hat keiner eine größere Verbreitung gefunden alS Wilhelm Hauff. Welcher deutsche Leser erinnerte sich nicht immer wieder mit Ver­gnügen der romantischen Gestalten des Georg Sturmfeder und des Pfeifers von Hardt aus demLichtenstein", wer griffe nicht immer gern wieder zu demBild des Kaisers", derBettlerin vom Pont des Arts" und demJud Süß"! Von ihrem Verfasser in jugend- lichem Alter geschrieben, athmen die Werke Hauffs die ganze Frische und Lebensfreudigkeit, den warmen Idealismus der Jugend. Sind sie auch nicht tief, so sind sie doch so gesund, anmuthig und farben­freudig, daß selbst der gereifte Mann sich ihnen immer wieder mit Vergnügen zuwendet. Hauff ist wie kein anderer der Erzähler für das deutsche Haus, den Jeder versteht und den Jeder gern hat. Eine neue, elegant ausgestattete und doch billige illustrirte Aus­gabe Hauffs, wie sie die Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart augenblicklich veranstaltet, bedarf daher kaum einer besonderen Em­pfehlung. Sie reiht sich den bekannten Pracht-Ausgaben Goethes und Schillers desselben Verlags durchaus entsprechend an, und dadurch, daß sie in ca. 40 Lieferungen L 50 Pfg. erscheint, wird es auch dem Unbemittelteren ermöglicht, sie zu erwerben.

Für die Armen

zu Hunderttausenden aus Rußland vertriebenen Juden nehme ich meine Zuflucht zu den mildthätigen Herzen unserer Stadt mit der Bitte, mir Geldunterstützungen für dieselben zukommen lassen zu wollen, die ich mit herzlichem Danke entgegennehmen und an das für deren Auswanderung thätige Comito nach Berlin schicken werde. Rabbiner Dr. Levi.

Heugras- Versteigerungen der Fürstlich Solmfischen

Rentei Lich.

Das Heugras von den Fürstlichen Wiesen rc. wird versteigert:

Donnerstag den 25. Juni, Vormittags prLciS 9 Uhr, von der Fürstlichen Mönch« und Strauch- waldwiefe, Gemarkung Burkhards­felden, zus. 70 Morgen. Zusammen­kunft in der Mönchwiese.

Freitag den 26. Juni, Vormittags PrLciS 8 Uhr, von den Wiesen in der Gemarkung Lich oberhalb der Stadt, zusammen 115 Morgen. Zusammenkunft an der Sau­brücke, nächst der Brühlwiese.

An demselben Tage, Nachmittags 1 Uhr, von den Wiesen unterhalb der Stadt Lich und von bft großen Teichwiese, Gemarkung Hos Albach, zunächst der Staatsstraße Lich-Gießen, ca. 20 Morgen- Zusammenkunft im Schloßgarten an der Eisenbahnbrücke.

Montag den 29. Juni, Vormittags PrLciS 8 Uhr, von den Fürstlichen Wiesen in den Ge­markungen Mühlsachsen, Ober- und Niederbesstngen, im Ganzen 130 Morgen Zusammenkunft in Mühlsachsen.

Lich, am 13. Juni 1891.

Fürstlich Solmsische Rentei.

Kreiling. 5560

MMenoerkaus.

Familienverhältniffe halber soll am Mittwoch den 24. Juni I. I.,

Nachmittag- 3 Uhr, an Ort und Stelle aus der Heuchelheimer Mühle die der Konrad Volkmann II. Ehe­frau zu Heuchelheim gehörige Be­sitzung, die

Heuchelheimer Mühle, bestehend aus einer gut eingerichteten Mahlmühle mit drei Gängen und Walzenstuhl, guter Wasserkraft und Dampfbetrieb nebst unmittelbar bei der Mühle gelegenen 10 Morgen besten Ackerlandes u. Wiesen unter den im Termine bekannt gegeben werdenden Bedingungen freiwillig Versteigert werden.

Zur Mühle gehört ein Wohn­haus mit sechs geräumigen Zimmern und großem Keller, bedeutende Lagerräume und eine Bäckerei. Das Besitzthum, auf welchem feit uralten Zeiten eine gut besuchte Wirthschaft betrieben wurde, ist in bestem Zustand und eignet sich in Folge seiner günstigen Lage und großen Räumlichkeiten zu jedem anderen Ge- fchästsbetrieb.

Bei annehmbarem Gebot findet der Zuschlag sofort statt. [5643

Nähere Auskunft ertheilen die Rechtsanwälte Dlery 4? Metz in Gießen.

Bekanntmachung.

Damit die zum weiteren Ausbau der Stadtfervfprecheinrichtuug in Gießen erforderlichen Vorbereitungsarbeiten rechtzeitig in Angriff ge­nommen werden können, werden diejenigen Personen, welche ihre Wohnungen bezw. Geschäftsräume rc. im Laufe dieses Jahres mit der genannten Stadt- fernsprecheinrichtvng verbinden wollen, ersucht, ihre Anmeldungen recht bald, spätestens bi- zum 1. Juli d. J-. an das Kaiserliche Postamt in Gießen einzusenden. Rur für die bis zujdiesem Zeitpunkt eingegangenen Anmel­dungen kann die Herstellung der Anschlüsse für den zweiten Bauabschnitt des laufenden Jahres in Aussicht gestellt werden. Verspätet angemeldete Anschlüsse können erst im nächstjährigen ersten Bauabschnitt zur Ausführung gelangen.

Darmstadt, 4. Juni 1891.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector:

Clavel.

Ausschreibung.

Die unterzeichnete Commission beabsichtigt ungefähr

20 Ctr. Tuchleisten,

20 alte Tuchlappen,

12 altes Futter,

6 alte Drillabfälle,

2 neue weiße Futterabfälle,

1 neue schwarze

10 neue Tuchlappen,

IV2 n neue Drilllappen,

V2 n alte rothe Tuchabfälle,

50 gemischte Lumpen,

6 Messing, alte Instrumente rc.

90 Pfd. bleierne Taillenknöpfe,

75 Nickel-Taillenknöpfe,

15 Sergeanten- u. Rockknöpfe, 140 alte Schnallen von Brot­beutel- und Feldflaschen- Riemen,

15 Ctr. alte Lederabfälle von Man­tel-, Brotbeutel- und Feld- flaschen-Riemen,

2 altes Packpapier, 500 alte Tornister

an den Meistbietenden zu verkaufen.

Wegen Bedingungen und Ansicht der Gegenstände wird Auskunft auf

Stube 71 der Kaserne I ertheilt. [5561

Bewerbungen unter der Adresse der Commission bis zum 25. d. MtS.

Bekleidungs-Commission des Infanterie-Regiments Nr. 116 zu Gießen.

MeilgeSoterres.

Hausverkauf.

DienStag Vormittag um 10 Uhr soll das an der Mäusburg gelegene, dem Hermann Katz (ftüher Loos) gehörende HauS an Ort und Stelle auf Abbruch versteigert werden.

Nähere Auskunft ertheilt

Architect <£. Kockerbeck, 5688 Neustadt 78._________

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Fernfprech-Anschluß Nr. 71. [5515

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