Ausgabe 
21.6.1891 Zweites Blatt
 
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1891

Zweites Blatt

Nr. 141

Amts- und Anzeigeblatt für den Kveit Gieren.

Hratisöeilage: Hießener 5-amttmi6fätfrr

Amtlicher Theil

«)

Sonntag den 21. Juni

Me Lnnoncen-Bureaux de- In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegnt.

a) b)

a :

Annahme von Anzeige« zu der Nachmittags für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Geburtrzeugniß;

ein Einwilligungs-Attest der Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereit­willigkeit den Freiwilligen während einer ein­jährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, jowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit^hierzu ist obrig- keitlich zu bescheinigen;

ein Unbescholtenheitszeugnrß, welcher für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real- Kaasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Real­en, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und den sonstigen mllitärberechtigten Lehranstalten) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;

d) das Schulzeugniß.

Sodann wird noch besonders bemerkt:

Zu pos. b: daß in dem Einwilligungr-Attest die Unter­schrift der Vaters oder Vormundes beglaubigt fein muß.

«u pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnifle für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugnisse für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach dem Schema 18 zur Wehr-Ordnung vom, 22. November 1888 Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889

Zum Bezirk, in welchem der nächstjährige allgemeine Vereinstag abgehalten werden soll, wurde die Provinz Ost- preußen gewählt.

Die Zeit vor und nach den Verhandlungen während der drei Sitzungstage war mit festlichen Veranstaltungen uud Aus­flügen in die Umgebung Kiels ausgesüllt. Allgemeines In- teresse bot insbesondere die Besichtigung des Nord-Ostsee- Canals und der Besuch der Kaiserlichen Werft, ebenso wird die Fahrt in die offene See am Abend des dritten Tages allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben.

An die allgemeinen Verhandlungen schlossen sich am Freitag und Samstag sehr interessante Excursionen in ver­schiedenen Gegenden der Provinz Schleswig-Holstein, so eine Wagenfahrt in die Landschaft Angeln mit ihren schönen Weide- wirthschasten und Meierhösen, ferner ein Ausflug nach den Düppeler Schanzen und aus die Insel Alsen.

Der diesjährige Vereinstag in Kiel ist als ein weiteres ruhmvolles Blatt in der Entwickelungsgeschichte des Deutschen landwirthschastlichen Genossenschaftswesens zu bezeichnen und werden die dreitägigen Verhandlungen, hoffen wir es, nicht ohne Wirkung aus die weitere Gestaltung des Genossenschafts­wesens zum Heil und Segen unserer vaterländischen Land- wirthschast bleiben.

ausgestellt sein müssen.

Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige zu Darmstadt.

Der Vorsitzende:

Dr. Zeller.

Siebenter Allgemeiner Vereinslag der Deutschen Landwirthschastlichen Genossenschasten.

+ Kiel, 14. Juni 1891.

In den Tagen vom 9. bis 12. Juni, im Anschluß an die Ausstellung der Deutschen Landwirthschaftsgesellschast zu Bremen, sand hier der achte allgemeine Vereinstag der Deutschen landwirthschastlichen Genossenschaften statt, welcher nach jeder Richtung hin einen glänzenden Verlaus nahm und -eine Reihe von für das landwirthschaftliche Genossenschafts­wesen wichtigen Beschlüssen herbeiführte.

Der erste Sitzungstag, Dienstag den 9. Juni, war den geschäftlichen Angelegenheiten des Allgemeinen Verbandes der Deutschen landwirthschastlichen Genossenschaften gewidmet. Der erste Vorsitzende, Kreisrath Haas-Offenbach a. M., eröffnete die Versammlung und begrüßte die erschienenen Vertreter von Verbänden und Genossenschaften, sowie die Gäste des Vereins- iags. Aus allen deutschen Gauen waren Genossenschafter und Freunde des Genossenschaftswesens (etwa 200 an der Zahl) gekommen, um in Kiel den gemeinsamen Beratungen

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Der Olr-neer Anzeiger erscheint täglich, eit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Mch«rttenßtLttsr werden dem Anzeiger »Schmtlich dreimal beigelegt.

beizuwohneu. Auch außerdeutsche Staaten, wie Oesterreich, Ungarn und die Schweiz, hatten Vertreter entsandt. An allen drei Sitzungstagen boten die Verhandlungen ein erfreu­liches Bild gemeinsamer Thätigkeit und treuen Zusammen­haltens der Deutschen landw. Genossenschaften.

Aus dem Jahresbericht der Anwaltschaft ist zu entnehmen, daß das landwirthschaftliche Genossenschaftswesen auch im ab- gelausenen Berichtsjahre einen erfreulichen Aufschwung ge­wonnen hat. Die Zahl der Creditgenoffenschasten beziffert sich derzeit auf etwa 2130, diejenige der landwirthschastlichen Consumvereine auf 1050 und diejenige der Molkereigenoffen- schasten auf ca. 1000. Sonstige landwirthschaftliche Genossen­schaften existiren noch etwa 140, so daß die Gesammtzahl aller landwirthschastlichen Genossenschasten im Deutschen Reiche gegenwärtig etwa 4300 beträgt. Von diesen sind im Ganzen ca. 3600 dem Genossenschastsgesetz vom 1. Mai 1889 unter­stellt, die übrigen existiren als sogenannte sreie Vereinigungen. Dem Allgemeinen Verbände der Deutschen landwirthschastlichen Genossenschasten gehören zur Zeit 21 Bezirks - Verbände mit etwa 1400 Genossenschasten und über 100,000 Mit­gliedern an.

Am zweiten Verhandlungstage wurde in Sectionen ge­tagt. In der Sectionssitzung für Creditgenoffenschasten, unter dem Vorsitze des Oeconomieraths vonLangsdor s-Dresden, gelangten unter Anderem aus Antrag des Verbandes der han­noverschen landwirthschastlichen Genossenschasten folgende Re- solutionen zur Annahme:

1. Bei einer genügenden Anzahl von ländlichen Spar- uud Darlehenskassen in einer Provinz oder einem entsprechen­den Landestheile empfiehlt fich die Errichtung einer Geld­ausgleichstelle für dieselben.

2. Die geeignetste Form für die Geldausgleichstelle ist die Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.

3. Um die Creditsähigkeit der Geldausgleichstelle mög­lichst auszudehnen, ist es erforderlich, die Haftsumme pro Geschästsantheil nicht zu niedrig zu bemessen und keinen der Haftsumme gegenüber zu hohen Credit an die Mitgenossen- schafter zu gewähren.

4. Es ist wünschenwerth, einen Geschäftsverkehr zwischen den in Deutschland bestehenden Geldausgleichstellen für länd­liche Spar- und Darlehenskassen zur gegenseitigen Aushilfe anzubahnen.

Der Vereinstag erklärt die Hinterlegung einer Lebens­versicherungspolice bis zur Höhe des jeweiligen Zeit­wertes und unter der Voraussetzung der Unanfechtbarkeit derselben zur Sicherung der von den Creditgenoffenschasten zu gewährenden Darlehen, insbesondere zur Ergänzung der bisher üblichen Sicherheitsstellung in hierzu geeigneten Fällen für zulässig.

Auch in den beiden anderen Sectionssitzungen für land­wirtschaftliche Consumvereine und Molkereigenossenschaften kam es nach Austausch der gemachten Erfahrungen im ab­gelaufenen Jahre zu wichtigen Beschlußfassungen. Großes Interesse erregte ferner noch ein Referat von Professor Dr. Backhau s-Göttingen über die Veranstaltung einer fort­laufenden Statistik über die Preisbildung und den Gehalt an Werthbestandtheilen bei den Rohstoffbezügen, indeß gelangte die zu diesem Punkte der Tagesordnung beantragte Resolution nicht zur Annahme.

In der Hauptversammlung, Donnerstag den 11. Juni, in welcher die Königliche Staatsregierung, die Stadt Kiel, sowie der landwirthschaftliche Centralverein der Provinz Schleswig-Holstein durch ihre resp. Vertreter warme Worte der Begrüßung aussprechen ließen, gab zunächst der Anwalt des Allgemeinen Verbandes, Kreisrath Haas-Offenbach, an der Hand des Jahresberichts ein Bild über die Entwickelung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens seit Einführung des neuen Genossenschaftsgesetzes im Allgemeinen, woraus der Geschäftsführer des schleswig - holsteinischen Consumvereins- Verbandes, Biernatzki-Voorde, einen interessanten Vortrag über die geschäftliche Entwickelung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Schleswig-Holstein hielt.

An das Referat des Rechtsanwalts Bockelmann-Ktel über das Thema:Welche Erfahrungen sind bezüglich der An­wendung des neuen Genossenschastsgesetzes im Verkehr mit den Register-Gerichten gemacht worden?" knüpften sich sehr in­teressante Mittheilungen namentlich seitens der zu einer be­sonderen Sitzung zuvor zusammengetretenen Revisoren aus verschiedenen Verbänden über Vorkommnisse im Verkehr mit den Register-Richtern.

Zum Schluffe referirte noch über die Grundsätze und Formen für die Aufstellung und Veröffentlichung der Ver- mögens-Therlnehmer (§ 4, Ziff. 3 und 31 d. G.-G.) An- waltschastssecretär Ihrig - Offenbach und gelangten ent­sprechende Resolutionen zur Annahme.

Wchener Anzeiger

Kenerat-MnzAger.

Bekanntmachung,

die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freimütigen

Dienst aus Grund von Schulzeugnissen betreffend.

Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig fteiwilligen Dienst nachfuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen. Den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvoll­ständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.

1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüsungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende int Großherzogthum Hessen gestel- I lungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2) Die Berechtigung zum einjährig fteiwilligen Dienst darf nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem der sich Meldende das 20. Lebensjahr vollendet.

Der Nachweis der Berechtigung zum ein­jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen-

5) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actensormat (nicht Brieftapier) zu verwenden. Auch erscheint es zweck­dienlich, wenn die nähere Adresse angegeben wird.

4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

vermischter.

* Für Theilnehmer an der Schlacht bei Königgr'ätz und Besucher des dortigen Schlachtfeldes. Das Comite zur Er­haltung der Denkmale auf dem Königgrätzer Schlachtselde hat nach vollständiger Instandsetzung der denkwürdiger Wahl­statt vom 3. Juli 1866, wo es 270 Denkmale den gefallenen Helden errichtete und renovirte, seine Thätigkeit durch die Herausgabe einesFührer über das Schlachtfeld bei König- grätz" beendigt. Der reich illustrirte und schön ausgestattete Führer" enthält neben einer übersichtlichen und getreuen Beschreibung der Schlacht vom 3. Juni 1866 eine Präeise Beschreibung des Schlachtfeldes, einen Wegweiser für Besucher desselben, sowie ein vollständiges Verzeichniß aller Denkmale mit Angabe Derjenigen, die unter ihnen den ewigen Schlas ruhen. Eine genau gearbeitete Karte erleichtert den Besuch des Schlachtfeldes und die Verfolgung der Entwicklung der Schlacht. Es ist selbstverständlich, daß dieser practische, auf Grund eigener Erfahrung verfaßteFührer" in den weitesten Kreisen freudig begrüßt sein und die größte Verbreitung finden wird. Der Preis wurde für das brochirte Exemplar auf 1 Mk., für ein fein gebundenes Exemplar auf 1.50 Mk. festgesetzt (franco 10 Pfg. mehr) und nimmt jede Buchhandlung sowie Herr JUDr. Tausig, Mitglied des Comites in Königgrätz, Bestellungen entgegen. Wir empfehlen das Buch bestens.

Ein das Interesse weiter Kreise herausforderndes Preisausschreiben erläßt die Redaction vonSchorers Familien­blatt". Es ist dies ein Preisausschreiben für Amateur­photographen, deren Zahl sich nach vielen Tausenden beziffert. Namentlich zur schönen Sommerszeit, wenn die Liebhaber dieser Kunst draußen in der Sommerfrische weilen und durch Aufnehmen aller möglichen Dinge sich die Zeit vertreiben, werden zahllose Bilder zu Tage gefördert. Um nun dies oft noch ziellose Photographieren in ersprießlichere Bahnen zu lenken und dem Eifer der Amateure einen Ansporn zu geben, wird dies Preisausschreiben erlassen. Als Preise sind ausgesetzt:

1. Ein Dreirad im Werthe von 450 Mk.

2. Eine Originalzeichnung 200

3. Eine Schreibmaschine 75

Ueber das Nähere gibt die Redaction vonSchorers Fa­milienblatt" (Berlin SW., Dessauerstraße 4) Auskunft. Dies Preisausschreiben empfehlen wir allgemeinster Beachtung.

* Die Zahl der deutschen ArbeiterColouieen ist jetzt auf 22 gestiegen- Erlach in Württemberg ist die neueste. Die erste Arbeitercolonie ist am 22. März 1883 eröffnet worden, es war Pastor v. Bodelschwinghs Schöpfung Wilhelmsdorf - 1883 kamen 5 andere dazu, 1884 wieder 5, 1885 nur 2, 1886 3, 1887 keine, 1888 4, 1889 1, 1890 keine, 1891 bisher 1. Diese Colonieen können insgesammt 2685 stätte­lose Wanderer unterbringen und müffen im Winter gelegent­lich noch mehr beherbergen, im Sommer sind sie dagegen oft nur spärlich besetzt. Bis zum 1. Mai waren in diesen An­stalten 44,539 Personen ausgenommen, von denen 1788 noch anwesend waren.

* Paris, 14. Juni. Eine hübsche, in ihrer schlichten Tragik ergreifende Episode aus dem Leben des Gouver­neurs des sranzösischen Jnvalidenhauses, Generals Sumpt, dessen Tod jüngst gemeldet wurde, berichtet der Pariser Figaro": Der General hatte sich soeben mit einem Fräu-