20 000 Mk. versichert. Ein Theil des Mauerwerks wird einer weitergehenden Aenderung unterworfen werden müssen, wodurch der Stadt indeß materieller Schaden nicht entsteht. Der der Stadt an den verbrannten Dielen rc. erwachsene Schaden beläuft sich auf ca. 5000 Mk., der an Glaserarbeiten und am Dachstuhle der Abtrittsgruben entstandene Schaden aus etwa 1000 Mk. Es ist Aussicht vorhanden, daß der Gesammtbau noch vor Winter fertiggestellt werden kann und wird zunächst die Baudeputation Vorlage machen, damit möglichst schnell Ersatz für das verbrannte Baumaterial geschaffen wird. Ueber die Entstehungsursache haben die polizeilichen Ermittelungen zu einem bestimmten Resultate bisher nicht geführt. Schließlich nahm Herr Oberbürgermeister Gnauth Veranlassung, den beiden hiesigen Feuerwehren für ihre, allerdings des Sonntags-Nachmittags wegen erschwerte Hilfeleistung, sowie der Heuchelheimer Feuerwehr den Dank der Stadtvertretung auszudrücken und die Ermächtigung zu erbitten, den betr. Feuerwehren noch schriftlich die verdiente Anerkennung zu Theil werden zu lassen. — Eine zweite Mittheilung betraf den Bau der Nebenbahn Londorf- Lollar bezw. Londorf-Gießen. Wie in diesem Blatte s. Z. mitgetheilt, hat die Stadtverordneten-Versammlung am 19. Februar beschlossen, an die Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, den Beschluß, betreffend Herstellung einer Nebenbahn von Londorf nach Lollar, auszuheben und die Bahn von Londorf (über Alten-Buseck, Wieseck) direct nach dem Nordende von Gießen zu erbauen. Nachdem dem an die Bürgermeistereien der an letzterer Linie interessirten Gemeinden gerichteten Ersuchen um Beitritt zu dem Projecte im Allgemeinen entsprochen worden, fand eine Besichtigung der hierbei in Betracht zu ziehenden Strecke durch Vertreter der Regierung und des Großh. Kreisamtes statt. Ueber den Stand der Sache hat aus Schreiben der Bürgermeisterei das Großh. Kreisamt mitgetheilt, daß z. Z. der Regierung ein Techniker zur Begutachtung der Trace nicht zur Verfügung stehe. — Auf dem am 6. Juli in Worms stattfindenden Hessischen Städtetage wird Herr Oberbürgermeister Gnauth die Stadt Gießen vertreten. Auf der Tagesordnung des Städte- ' tages stehen u. A.: die Gehaltsverhältnisse der Arbeitslehrerinnen an den Volksschulen des Großherzogthums, Erhöhung der Gehalte der städtischen Beamten, die Gehaltsverhältnisse der Volksschullehrer und Berathung über die Frage „Welche Maßregeln sind erforderlich, um die rechtzeitige Ausgabe der Gemeindesteuerzettel zu ermöglichen" und über die Frage der Vertheilung der durch Canalisation entstehenden Lasten. — Bon einer Einladung des Vorstandes der electrotechnischen Ausstellung in Frankfurt zur Theilnahme an einem am 27. und 28. August daselbst stattfindenden deutschen Städtetage zwecks Abhaltung von Vorträgen über die Anwendung der Electricität im Dienste der Städte und daran anschließende Verhandlungen wird Kenntniß genommen, und wird auch auf diesem Städtetage Herr Oberbürgermeister Gnauth die Stadt vertreten. — Nachdem die sogen. Taubentränke, ein vor der Kempff'schen Besitzung an der Marburgerstraße befindlicher Wasserbehälter, wiederholt Anlaß zu Klagen wegen ^schädlicher Ausdünstungen gegeben, war vor ca. 3 Jahren die Frage erörtert worden, ob es sich etwa empfehle, die Taubentränke zu veräußern. Infolge Gesuchs der dortigen Bewohner um Belassung der Tränke zum Zwecke des Begießens der Gärten rc. unterblieb der Verkauf. Infolge neuerlich zu Tage getretener Mißstände wurde eine umfassende Reinigung vorgenommen; die 99.80 Mk. betragenden Kosten werden bewilligt, gleichzeitig aber der Baudeputation aufgegeben, über etwa zu treffende Vorkehrungen zur Vermeidung der zu Tage getretenen Uebel- stände der Versammlung demnächst entsprechende Vorlage zu machen. — Betreffs Untersuch ung der Blitzableiter aus den städtischen Gebäuden wurde vor einiger Zeit beschlossen, den städtischen Baubureaugehilsen Stumpf, der an einem Cursus theilgenommen, mit der Untersuchung zu betrauen und die erforderlichen Apparate, Telephonbrücke rc. anzuschaffen. Da St. inzwischen mit Tod abgegangen, wird beschlossen, auf Antrag der Baudeputation Herrn Schlossermeister L. Haubach (der einen gleichen Cursus durchgemacht) mit Untersuchung der Blitzableiter zu betrauen. — Ueber die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse der behufs Verbesserung des Wassers in dem Brunnen vor dem Gail'schen Hause in der Neustadt vorgenommen Arbeiten berichtet Herr Oberbürgermeister Gnauth. Danach liefert der Brunnen eine reichliche, ungefähr der Hälfte des durch die städtische Wasserleitung zugeführten Wassers entsprechende Menge Quellwassers, welches aber im Laufe der Zeit durch schädliche Stoffe aus mangelhaft angelegten Aborten usw. der Nachbarschaft verschlechtert wurde. Die Direction ves Gas- und Wasserwerks hat sich für Erhaltung des Brunnens ausgesprochen, sofern nach Beseitigung der Ursachen der Verunreinigung wieder ein genießbares Wasser gewonnen würde. Ein Zuwersen des Brunnens empfehle sich deshalb nicht, weil erstens bei Einfrieren der Wasserleitung den Bewohnern der Neustadt das Wasser mangeln, zweitens aber auch das Wasser in die Keller der Umgebung dringen würde. Um der Verunreinigung des Wassers in Zukunft vorzubeugen, soll zunächst eine umfassende Razzia nach mangelhaften Abortanlagen unternommen werden. Herr Löber bemerkte, daß die Bewohner der Mühlgässe noch immer aus den dort aufzustellenden Ventilbrunnen warteten. Herr Oberbürgermeister Gnauth erwiderte, daß die Verzögerung dadurch herbeigesührt worden sei, daß die für die Mühlgasse bezw. Wolfstraße bestimmten Ventilbrunnen in der Süd- und Ostanlage nach neuerlichem Beschluß der Stadtverordneten an ihren bisherigen Standorten belassen würden- es müßten deshalb erst neue Ventilbrunnen angesertigt werden, was längere Zeit beanspruche. — Dem Gesuche des Herrn Metzger L. Schneider um Octroi-Rückvergütung wird stattgegeben. Gesuchsteller war genöthigt, ein unterwegs transportunfähig gewordenes Rind in Heuchelheim schlachten zu lassen. Infolge dessen mußte er für das ausgeschlachtete Rind den um 7.80 Mk. höheren Octroisatz für frisches Fleisch entrichten.
— Großh. Polizeiamt beabsichtigt die Veröffentlichung einer Milchverkaussordnung. Die Versammlung beschließt, Einwendungen hiergegen nicht zu erheben.
— Sitzung des Schwurgerichts der Provinz Oberheffen am 19. Juni er. Zur Verhandlung kam die Strafsache gegen Karl Bloß von Heisters wegen Brandstiftung. Die Anklage vertritt Großherzogl. Staatsanwalt Schilling- Trygophorus, die Vertheidigung führte Rechtsanwalt Dr. Rosenberg. Als Geschworene wurden ausgeloost die Herren: Johannes Meyer, Wilhelm Schudt, Jacob Caspar Jungblut, Wilhelm Leo Vogt, Carl Vogt, Theodor Haubach II. (Gießen), Heinrich Theiß V., Philipp Dern, Carl Buff, Friedrich Habenicht II. (Gießen), Heinrich Gröninger, Carl Psann- stiel, Balthasar Emmerich (Gießen), letzterer als Ergänzungsgeschworener mit Rücksicht auf die voraussichtlich zweitägige Dauer der Verhandlung, zu welcher 28 Zeugen und 2 Sachverständige erschienen sind. — Carl Bloß ist angeklagt, daß er in der Nacht vom 23. zum 24. Januar l. I. zu Heisters seine an der Ortsstraße gelegene Hofraithe, ein aus Wohnhaus, Stallung und Scheuer unter einem Dache bestehendes Gebäude, vorsätzlich in Brand gesetzt habe. In der Nacht vom 23. zum 24. Januar l. I., etwa um 10J/2 Uhr Abends, brach in der an der Ortsstraße in der Nähe des Weges nach Metzlos-Gehag zu Heisters gelegenen Hofraithe des Carl Bloß Feuer aus. Obwohl die Ortsbewohner alsbald zur Rettung herbeieilten, so wurde doch die ganze Hofraithe in kurzer Zeit ein Raub der Flammen, da die unternommene Bekämpfung des Brandes mangels des erforderlichen Wassers gänzlich erfolglos war. Die Hofraithe bestand aus einem einzigen langgestreckten Gebäude, das unter einem Dache Wohnhaus, Stallung und Scheuer enthielt. Nach dem Brande standen nur noch die untersten Umfassungsmauern und ein kleiner Theil der Rückwand bis zur Höhe des ersten Stockwerks. Das Feuer war zuerst in der Scheuer ausgebrochen, die Flamme verzehrte außer dem Gebäude den größten Theil der beweglichen Habe der Bewohner, insbesondere die sämmt- lichen darin ausbewahrt gewesenen landwirthschaftlichen Vor- räthe, namentlich 60 bis 70 Ctr. Stroh und etwa 40 Ctr. Heu in der Scheuer und eine größere Menge Getreide aus dem Speicher. Die Hofraithe wurde zur Zeit des Brandes nur von Carl Bloß, seiner Ehefrau und ihren beiden Kindern, sowie seinen Schwiegereltern bewohnt. Die im unteren Stockwerk gelegenen Wohnräume hatte Carl Bloß allein inne, da sich seine Ehefrau thatsächlich von ihm getrennt hatte und mit ihren Kindern zu ihren Eltern in den oberen Stock hinaus gezogen war. Kaum war das Feuer ausgebrochen, so bezeichnete man schon hie und da den Carl Bloß als den vorsätzlichen Brandstifter, da bekannt geworden war, daß er wiederholt ausdrücklich gedroht hatte, er werde sein Haus anstecken und man ihn eines solchen Verbrechens für fähig hielt. Der Großherzogl. Bürgermeister Dietz sagte es ihm aus der Brandstätte angesichts der lodernden Flamme und seiner mit der Rettung befaßten Mitbürger sofort und geradeaus in's Gesicht, daß er das Feuer angelegt habe, ohne daß er sich dagegen irgendwie vertheidigt hätte. Bloß, ein dem Schnapsgenuß ergebener notorischer Trinker, der früher ein Vermögen von mindestens 10000 Mk. besessen hatte, war durch Erkennt- niß des Großherzogl. Amtsgerichts Herbstein vom 21. October 1890 aus Betreiben seiner eigenen Ehefrau wegen Verschwendung entmündigt worden. Sein Haß und seine Rachsucht gegen seine Ehefrau hatten sich gesteigert, als dieselbe eine förmliche Ehescheidungsklage, gestützt auf Ehebruch und Mißhandlungen, Ende November vorigen Jahres gegen ihn erhob. Infolge der Entmündigung wurde eine Curatel über das Vermögen des Bloß eingeleitet und demnächst unter seinem ausdrücklichen Widerspruch die Verpachtung des Gutes und insbesondere die öffentliche Versteigerung seiner gesummten beweglichen Habe, soweit entbehrlich, gerichtlich angeordnet. Angesichts dieser Thatsache hatte Bloß wiederholt mit Brandstiftung gedroht und zwei Tage vor der Versteigerung stand seine Hofraithe in Flammen! Bloß leugnete, wie früher, auch in der heutigen Hauptverhandlung seine Thäterschast und wurde deshalb eine umfangreiche Beweisaufnahme erforderlich. Die Verhandlung konnte deshalb in einem Tage nicht zu Ende geführt werden und dauert zur Zeit vor Schluß der Redaction noch fort. Das Ergebniß derselben werden wir in der nächsten Nummer mittheilen.
— Kunstverein. Die durch das Oberersatzgeschäft unterbrochen gewesene Kunstausstellung im alten Hofgerichtsgebäude wird Sonntag den 21. d. Mts. wieder eröffnet mit einer größeren Anzahl neu ausgestellter Bilder. Wir heben daraus hervor: v. Riedmüller (Stuttgart): Capri, Am Erlenbach- Reisacher (München): Zwei Landschaften- Roberth (Cronberg): Am Fenster- Hahn (München): Pitzthal in Tirol, Am Starnbergersee- Klaus (München): Krankenbesuch, Großmutter und Enkel, Ermahnungen, Die Flachshechlerin- Egel (Stuttgart): Die Jagd des Wotan- Sch m i t g e n (Berlin): Gang zur Tause - Hosner (München): Frühmorgen -Schneider (Karlsruhe): Magdalene - K u st n e r (München): Sommer- v. Gavel (München): Livländischer Waldwächter- Schultze (München): Auf der Murgseealpferner: Paul Weber (München): Am Amersee- Emma v. Müller (Düsseldorf): 2 Portraitstudien- Hugo Bürgel (München): Jsarthal bei Lenggries - Karl K ü st n e r (München): Frühling- Pauline Kohlschürter (Dresden): Beim Gyps- gießer- Ch.arly Leickert (Mainz): Umgegend von Schiedam, Winterlandschaft bei Scheveningen, Strandansicht bei Scheveningen, Landschaft am Abend- I. F. Hennings (München): Interieur in der alten Stiftskirche in Berchtesgaden. Die Ausstellung ist täglich von 11 bis 1 Uhr geöffnet, Sonntags gegen ein ermäßigtes Eintrittsgeld von 20 Pfg.
— Der „Franks. Ztg." wird von hier unterm 18. d. M. geschrieben: Seit vorgestern befinden sich hier fünf Mitglieder des preußischen Siebener-Ausschusses für die Reform des höheren Unterrichts, um das hiesige Gymnasium und besonders die an ihm von seinem Leiter Hermann Schiller einheitlich durchgesührte Methode des concentrirtenUnterrichtes
zu studireu. Es sind dies die Herren Oberregierungsrach Dr. Schrader, Curator der Universität Halle, Obercon- sistorialrath D. Uhlhorn, Abt zu Lokkum, aus Hannover, Oberrealschut-Director Dr. Fiedler aus Breslau, Real- gymnasial-Director Dr. Sch lee aus Altona, Reichstagsmitglied und Oberlehrer a. D. Dr. Kropatsckek aus Berlin. Von Seiten des preußischen Cultusministeriums sind die Herren Geheimräthe Stander und Wehrenpfennig aus Berlin anwesend. Gestern trafen zur Begrüßung der preußischen Herren aus Darmstadt die Herren Geheimer Staatsrath Knorr, von Rosenthal und Oberschulrath Sold an hier ein. Die Besichtigung erstreckt sich auf die beiden Tage gestern und heute, was ein ziemlich knappes Zeitmaß bedeutet, wenn man weiß, welche wichtigen Fragen der Unterrichtsorganisation und der Lehrerbildung durch Schiller in Fluß gebracht und an dem Gießener Gymnasium vielfach zuerst praktisch dargestellt worden sind. Die Besichtigung der Anstalt und der Besuch des Unterrichtes hat die fremden Besucher zu den lebhaftesten Aeußerungen der Anerkennung über die zweckmäßigen hygienischen Anordnungen und Einrichtungen der Anstalt, über die allem Schablonenhaften abholde Methode und über die glänzenden Erfolge des Unterrichtes veranlaßt. Besonderes Interesse scheint der Zeichenunterricht hervorgerusen zu haben, der für jede einzelne Klaffe mit dem Gesammtunter- richt in organische Verbindung gesetzt ist. Der Leiter des Gymnasiums, Herr Geheimrath Schiller, veranstaltete gestern zu Ehren der fremden Gäste ein Festessen, bei dem es an Ehrungen für den Gastgeber nicht gefehlt hat. Mir dem Besuch des hiesigen Gymnasiums findet übrigens die Reise der Commission ihr Ende.
— Ueber die am 24. Juni in Steins Garten austretenden Solisten des Hamburger Stadttheaters wird aus Elberfeld u. A. Folgendes mitgetheilt: . . Eröffnet wurde das
Concert mit den Solo-Quartetten Waldsrieden von Möhring und Frühlingslied von Engelsberg, beide Sachen waren uns neu und können wir ihnen ein volles Lob spenden. In der Thar, zwei Perlen unserer Männerquartett-Compositionen. Möhring bietet in einem Quartett den Sängern Gelegenheit, ihre ganze Gesangeskunst zu erproben, beginnend mit dem zartesten Piano, anschwellend zum mächtigsten Fortissimo und bald wieder zu verhallen — in Friede und Andacht. Das Frühlingslied von Engelsberg schlug wie die fernen Accorde einer Aeolsharfe an unser Ohr. Tadellos rein, innig und verständig in der Phrasirung, wurden beide Nummern von den Sängern vorgetragen. Die erste Solo-Nummer des Pro-- gramms brachte die Cavatine aus Margarethe von Gounod, gesungen von Herrn Landau. Herr Landau verfügt über eine wunderbar weiche, schöne Stimme, die ihn berechtigt, mit allen seinen berühmten Tenorcollegen in die Schranken zu treten, ohne vor dem Ehrenpreis zu bangen. Bewunderungswürdig ist namentlich seine leichte Höhe, wir haben das hohe C selten schöner gehört, als wie es Herr Landau gestern in der Cavatine brachte. In Herrn Mathieu Lorent begrüßten wir einen lieblichen Bekannten, den wir immer wieder gerne kommen sehen, um seiner klangvollen Stimme und verständnißvollem Vortrage zu lauschen. Die beiden Grenadiere von Schumann, sowie die beiden Lieder der zweiten Abtheilung, „Spielmannslied" von Nikolai und „Schneeglöckchen" von Dorn gaben ihm Gelegenheit, seine ganze Gesangeskunst zu entfalten. Herr Weidmann, der Liebling der Hamburger Damenwelt, wie uns ein Bekannter aus Hamburg schrieb, und wir finden diese Schwärmerei sehr begreiflich, denn außer seinen herrlichen Stimmmitteln besitzt derselbe eine so einnehmende Persönlichkeit, daß er bei seinem Auftreten sofort alle Sympathien gewinnt. Künstlerisch durchbildet ist sein Vortrag, ansprechend und anheimelnd sein Gesang. Herr W. Lorent, der die Clavierbegleitung dieses Concertes übernommen, bewies sich als begabter Pianist, man merkte es an seiner Begleitung, daß er selbst Gesang studirt hat, indem er sich in rührender Weise den Sängern anschmiegte.
— Die seit einiger Zeit auf dem Lenz'schen Felsenkeller stattfindenden Vorstellungen der Internationalen Künstler-Gesellschaft erfreuen sich großer Beliebtheit und recht zahlreichen Besuchs. Die großartigen Leistungen des Japanesen O'Torra, des Athleten Mr. Ernest, des Jongleurs Mr. Hermani, sowie des übrigen Künstlerpersonals finden unge- theilten Beifall. Wer einige vergnügte Stunden verleben will, dem seien diese Vorstellungen bestens empfohlen.
— Verunglückt. Heute Morgen verunglückte aus dem Güterbahnhose der Main-Weser-Bahn der Rangirer Velten aus Großenlinden dadurch, daß er zwischen die Puffer gerieth. Velten blieb auf der Stelle tobt. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und ein Kind.
— Allgemeines Befremden und Kopsschütteln erregt in den hessischen Lehrerkreisen der von der Pionier-Jnspection zu Mainz erstattete Bericht über die mangelhafte und ungenügende Schulbildung der aus Hessen gebürtigen Pioniere. Man gibt sich aber der angenehmen Hoffnung hin, daß diese ganze Angelegenheit eine die Schulen Hessens in ein günstigeres Licht stellende Remedur erfahren werde.
— Zustellung der Gemeiudesteuerzettel. Die Stadtverordneten in Mainz haben beschlossen, daß in Zukunft sämmt- liche Gemeindesteuerzettel der Steuerpflichtigen unter Briefumschlag zugestellt werden. Beantragt war, nur den mit über 2600 Mk. Einkommen eingeschätzten Steuerpflichtigen die Zettel unter Verschluß zuzustellen- dem wurde jedoch entgegengehalten, es scheine dann, als ob Leute mit höherem Einkommen nur deshalb ihre Steuerzettel unter Verschluß erhielten, damit nicht festgestellt werden könne, ob sie zu niedrig eingeschätzt seien.
t Lich, 19. Juni. In jüngster Zeit wurden hier an verschiedenen Stellen Einbruchsdiebstähle verübt. Der ungemein angestrengten Thätigkeit der hiesigen Gensdarmen Riebel und Müller ist es endlich gelungen, den Thäter in einem gefährlichen Individuum von hier zu ermitteln, welches erst vor Kurzem aus dem Zuchthause entlassen wurde und


