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deutsche Industrie den zehnstündigen Maximalarbeitstag nicht ver­tragen könne. Es habe gar kein Grund vorgelegen, daß Dr. Schadler auf einen Wink von der Regierung hin -urückzog.

Abg. Möller (nl.) befürwortet den von ihm gemeinschaftlich mit Dr. Gutfletsch gestellten Antrag, wonach Arbeiterinnen über 16 Jahre, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, auf ihren Antrag i/2 Stunde vor der Mittagspause zu entlassen sind, sofern die Pause nicht mindestens V/2 Stunde beträgt. Die gesteigerte Leistungs­fähigkeit der Arbeiter im Westen sei nicht eine Folge der kürzeren Arbeitszeit, vielmehr sei die letztere in Folge der gesteigerten Leistungsfähigkeit in natürlicher Entwickelung eingetreten. Mit der Einführung des Maximalarbeitstags würde nur die Bildung industrieller Wasserköpfe befördert werden, während es doch wünschens- werth sei, daß sich die Industrie im Lande verbreite.

Abg. Hitze (Ctr.) constatirt, daß für Zurückziehung des Antrags Schädler nicht die Rücksicht auf die Wünsche, sondern lediglich die Rücksicht auf das Zustandekommen dieser Vorlage maßgebend gewesen. Eine Minorttätspartei, deren Votum nicht entscheide, die auch nur zum Fenster hinaus sprechen wolle, könne sich allerdings den Luxus langer Reden und aussichtsloser Anträge gestatten; eine Mehrheitspartei, auf deren Stimme es ankomme, könne das nicht. Die Soctaldemokraten thaten alles Mögliche, um die Vorlage zu discredittren und das Zustandekommen derselben zu Verschleppen.

Abg. Singer (Soc.): Das Gesetz sei so kein Arbeiterschutz- gesctz, sondern eher ein Unternehmerschutzgesetz. Das Centrum sei jetzt die ausschlaggebende Partei; die Regierung würde es sich zehnmal überlegen, ehe sie das Gesetz an dem Schädler'schen Anträge, wenn derselbe aufrecht erhalten würde, scheitern ließe. Er habe das Gefühl, als ob die Erklärung der Regierung eine vom Centrum von vorn­herein erwartete gewesen sei.

Abg. Dr. Gutfletsch (frs.): Nach den Erklärungen der Re­gierung sei es nicht zweifelhaft, daß das Gesetz falle, wenn der lOstündige Maxtmalarbettstag vom Reichstag aufrecht erhalten werde. Wenn man sonach überhaupt das Zustandekommen des Gesetzes wolle, müsse man diese Forderung für jetzt zurückstellm und in Ermangelung des Bessern das Gute nehmen.

8 137 wird unter Ablehnung sämmtltcher Abändernngs- .anträge mit Ausnahme des Amendements Gutfletsch und Möller (Verlängerung der Mittagspausen der Arbeiterinnen, die ein Haus- Ivesen zu besorgen haben) angenommen. $ 138, der Eontrol- »esttmmungen zu $ 137 enthält, wird debattelos angenommen.

Weiterberaihung Montag 12 Uhr.

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau.

Köln, 19. April. Wie dieKölnische Volkszeitung" meldet, hat eine gestern stattgehabte Versammlung der Vertreter der Siegerländer Hochosenwerke beschlossen, zum Zwecke ihrer Vereinigung und gemeinschaftlichen Coacseinkaufes eine Actien- gesellschaft zu gründen. Es wurde eine Commission für die Feststellung der betreffenden Statuten eingesetzt.

Freiburg an der Elbe, 19. April. Amtliches Wahl­resultat. Bei der am 15. d. M. vorgenommenen Reichs­tagsersatzwahl im 19. Wahlkreise der Provinz Hannover wurden im Ganzen 17,510 Stimmen abgegeben. (Zahl der Wahlberechtigten 31,052). Von den Stimmen waren 85 un- giltig. Es erhielt Fürst Bismarck 7365, Schmahlfeldt 3810, Adloff 2576 und v. Plate 3308 Stimmen, 6 Stimmen waren zersplittert. Es hat somit eine Stichwahl zwischen dem Fürsten Bismarck und Schmahlfeldt stattzufinden. Der Termin ist xiuf den 30. April festgesetzt.

Paris, 19. April. Bei den heute in den Departements Hcrault, Dordogne und Maine-et-Loire stattgehabten Wahlen dreier Senatoren wurden zwei Republikaner und ein Conservativer gewühlt. Der Stand der Parteien im Senate wird dadurch nicht verändert.

Bradford, 19. April. Dem Bürgermeister ist ein Bries zugegangen, welcher ihn und den Polizeipräsidenten mit dem Tode bedroht, weil sie ein öffentliches Meeting der Stri- kcnden verboten hatten. Für heute ist von den Strikenden eine große öffentliche Kundgebung geplant. Das Rathhaus ist durch Jnsanterie besetzt und eine Abtheilung Cavallerie wird aus Leeds erwartet.

Belgrad, 19. April. Bei der heute Morgen erfolgten Abreise des K ö n i g s M i l a n begleiteten König Alexander, die Regenten und Minister den König zum Bahnhof, wo auch der Staatsrath, sowie die Spitzen der Cioil- und Militär­behörden anwesend waren.

Newyork, 19. April. In der vergangenen Woche belief sich die Sterblichkeit Hierselbst auf 1347 Personen gegen 731 in der entsprechenden Woche des vorigen Jahres. Vom letzten Tage werden 20 Todesfälle an Influenza gemeldet. Die Gesammtzahl der der Epidemie in dieser Saison zum Opfer Gefallenen beträgt 356. Die Seuche grassirt be­sonders stark unter den Indianern in der Umgegend von Rorth Aatoima (Washington).

Newyork, 19. April. Laut telegraphischer Meldung aus Scottdale (Pennsylvania) herrscht in der dortigen Cokes- gegend von Neuem große Erregung. Etwa hundert Strikende griffen am Freitag Abend einen Theil der Fabrik der Gesellschaft Frick u. Co. an- es kam zum Kampfe und ^s wurden zwischen den Wächtern und der andrmgenden Menge Schüsse gewechselt- schließlich zogen sich die Angreifer zurück. Am Samstag früh sollen die Strikenden vermittelst Dynamit der Frick-Gesellschaft gehörigen Vorrathsräume zer­stört haben. Niemand sei jedoch verwundet worden.

Newyork, 19. April. Laut weiterer telegraphischer Mel­dung aus dem Ausstandsbezirke Seottdale inPennsyl- vanien sind daselbst Bomben auf den Straßen geplatzt und haben beträchtlichen Schaden angerichtet. Weitere Unruhen werden befürchtet.

Portsmouth, 19. April. Mannschaften der 34. Batterie weigerten sich gestern, zur Parade anzutreten- sie klagten über zuviel Dienst. Der Oberst überredete sie endlich zum Antreten. Später wurden die ältesten Soldaten verhaftet und sollen diese vor ein Kriegsgericht gestellt werden. In Bradford beschloß ein gestern von Hunderttausenden besuchtes Meeting der Gewerkv ereinler, nur legale Mittel zu gebrauchen und Ruhestörungen zu vermeiden.

Cocales rrn- protMstsklSes-

Gießen, 20. April.

Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und Prinz Heinrich von Preußen passirten gestern Vormittag 8 Uhr, von Zell-Romrd kommend, die hiesige Station und suhren mit dem Schnellzug weiter nach Darmstadt. Gestern Abend 3/49 Uhr passirte Prinz Heinrich aus der Rückreise nach Kiel abermals die hiesige Station.

Viele unserer geehrten Leser werden sich noch der Vorträge erinnern, welche im Gewerbeverein der Electro- techniker Herr Egts über electrischeLautübertragung" hielt. Fast als eine Fortsetzung, resp. äußerst interessante Vervoll­ständigung dieser Vorträge möchten wir den auf Dienstag und Mittwoch angekündigten Vortrag des Electrotechnikers Herrn W. H. Berner betrachten, welcher über Schallerschein­ungen sprechen wird und uns die kleine sprechende Wunder­maschine Edisons, den neuesten Original-Phonograph, demon- striren wird. Es ist so viel über den neuesten verbesserten Phonograph geschrieben und gesprochen worden, daß wohl jeder Gebildete, namentlich auch unsere Damen, den Wunsch hegt, den Apparat einmal sehen und dessen erstaunliche Leistungen bewundern zu können. Jedes hineingesprochene Wort gibt der Apparat ebenso laut und deutlich sogleich wieder - doch damit nicht genug, er bietet auch ein vollständiges Coneert- von der Gediegenheit des Programms haben wir uns überzeugt. Geradezu wunderbar wirkt es, die Coneerte ganzer Regimentscapellen in wunderbarer Klangsülle zu ver­nehmen, ja, jedes einzelne Instrument deutlich heraushören zu können. U. A. gibt der Apparat auch Reden, Couplets und Gesänge mehrerer berühmter Hofschauspieler wieder, so daß wir also einen ebenso interessanten wie belehrenden Abend erwarten dürsen.

Der frühere Laufbursche eines hiesigen Geschäfts, jetzt Kutscher, wurde wegen Nrrundenfälschnng und Betrug verhaftet.

Ein berüchtigter Schwindler, gebürtig aus Burg- Solms, wohnhast in Daubringen, welcher schon mehrfach wegen Betrügereien bestraft worden, ist wiederum beschuldigt, in hiesiger Stadt fünf verschiedene Betrügereien begangen zu haben, infolge deren er am Dienstag hier verhaftet wurde. Derselbe leugnete ansangs sämmtliche ihm zur Last gelegte Vergehen und wurde deshalb gestern den betr. Benachteilig­ten zur Konfrontation vorgeführt. In der Schützenstraße angekommen, riefen Leute den transportirenden Schutzleuten entgegen:Der ist ja auch bet uns gewesen" u. s. w. An­gesichts dieser Beweise legte der Beschuldigte, jedenfalls be­fürchtend, es könnten ihm bei den Gegenüberstellungen noch weitere Betrugsfälle vorgehalten werden, ein Geständniß ab.

Ein schwer betrunkener Mann vom Lande mußte gestern Nachmittag mittelst Karre von der Straße nach dem Hastlocale geschafft werden.

Ein hier logirender Reisender gerieth gestern Abend mit jungen Leuten in Streit, im Verlaus dessen es solche Hiebe setzte, daß betr. Reisender mit blutendem Gesicht und beschmutzten Kleidern in sein Absteigequartier zurückkehren mußte.

AlSfeld, 17. April. Am Mittwoch den 15. April, Abends, trafen Se. Königl. Hoheit der Großherzog mit Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich von Preußen in Begleitung des Herrn Hofjägermeister Muhl hier ein und stiegen im GasthausZur Krone" ab. Nachts 2 Uhr fuhren sodann die Herrschaften von hier ab zu den Balzplätzen in der hiesigen Oberförsterei und erlegte Se. Kgl. Hoheit der Prinz Heinrich einen capitaleu Auerhahn, womit die Herr­schaften Morgens 6 Uhr schon wieder hier eintrafen. Nach dem Mittagessen fuhren Höchstdieselben fünfspännig über Rom­rod, woselbst sie im Schlosse einige Stunden verweilten, nach Grebenau und nahmen daselbst bet Herrn Oberförster Dr. Walther Wohnung, um die dortigen Balzplätze zu besuchen.

* Zur Apothekerfrage. In letzter Zeit wurde die Auf­merksamkeit der Presse und des Leserkreises durch den Au- I trag der Sozialdemokraten, die Verstaatlichung der Apotheken betreffend, auf die Apotheker gelenkt. Daß dies vorläufig nicht möglich ist, ist klar, aber immerhin kann viel­leicht durch diese Anregung eine Regelung des Apotheken­wesens und Erleichterung des Personals erfolgen. Die Kauf­mannslehrlinge und Gehülfen bekommen Sonntagsruhe bewilligt, der jugendliche Arbeiter 10 Stunden Arbeitszeit- wer denkt an die Apothekerlehrlinge? Haben diese etwa weniger zu thun als die jungen Kaufleute. Gewöhnlich ist der Apotheker- I lehrling von Morgens 6 oder 61/2 Uhr bis Abends 10 oder I 10Vz Uhr in der Apotheke beschäftigt, sind 16 Stunden.

Die freien Mittagsstunden fallen weg, weil der Lehrling die Kost gewöhnlich im Hause hat. Ein freier Mittag in der Woche dient zum Botanisiren und Ordnen des Herbariums. Alle 14 Tage ist der Sonntag frei. Ein Apothekerlehrling muß oft schwer körperlich arbeiten, daneben kommt noch die geistige Anstrengung, denn ein Examen ist noch abzulegen. Kann also ein, unter diesen Umständen, in der dumpsen, staubigen Atmosphäre einer Apotheke, die ganze Woche lüu- durch eingesperrter junger Mann von 1719 Jahren, also in der Hauptentwicklungszeit, gedeihen? Es ist ja bekannt, daß die Statistik aufweist, daß die Apotheker nur ein wenig hohes Alter erreichen. Wenn man darum das Hebet an der Wurzel anfaßte, und den jungen Lehrling öfter an die frische Luft schickte, wäre das nicht vortheilhaft für den ganzen Stand?

Vermittel.

* Darmstadt, 18. April. Als am Donnerstag Abend der letzte Zug von Aschaffenburg im hiesigen Ludwigs-Bahn- hose einfuhr, bemerkte man, daß vorueu an der Locomotive eine tobte Hirschkuh hing. Dieselbe muß auf der Strecke von Messel hierher überfahren worden und dann an dem vorderen Theile der Maschine hängen geblieben sein. Daß auf dieser Strecke Wild überfahren wird, gehört ja nicht ztr den Seltenheiten, wohl aber dürste es selten Vorkommen, daß das getödtete Stück so weit geschleift wird.

Iffanll Alf Auf Veranlassung berühmter medizinischer Autoritäten JLiCUllvlL ist soeben eine Seife in den Handel gekommen, die die Aufmerksamkeit all Jener verdient, welche die Pflege der Haut, die Verschönerung des Teints ernsthaft anstreben. Apotheker Doering ist es gelungen, nach langjährigen Versuchen eine Seife zu präpariren, die von den besten englischen und französischen Fabrikaten nicht übertroffen wird, obschon sie weit über die Hälfte billiger ist als jene. Doerings Seife ist eine den medizinischen Anforderungen voll entsprechende, milde, neutrale Toilette-Seife ersten Ranges von lieblichstem Parfüm, von dem günstigsten Einfluß auf die Schönheit der Haut und auf Verfeinerung des Teints, die selbst bei täglichem Gebrauche gleich günstig und ohne den geringsten Nachtheil auf die Haut wirkt. Hieraus resultirt der Grund, warum Doerings Seife allen andern Seifen vorgezogen werden mutz. Zu 40 Pfg. per Stück erhältlich in Giessen bei Gebrüder Adami.

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verkehr, Land- nnd volkswirthschasi.

Grünberg, 18. April. Frachtpreis e. Weizen JL 23 Korn 20. , Gerste 18., Hafer JL 16.80, Erbsen 20. Wicken 19.50, Lein JL 26., Kartoffeln JL 6.60.

Ätantfurt, 18. April. Marktpreise. Heu pro 100 Ko. JL 5 20-6.80, Stroh X 4.80-5 20. Kartoffeln JL bis__, Butter per Psd. 0.90LIO, Eier per St. v7 4,

Roggenbrod 4 Psd. 45 H, do. seines 47 gemischtes 6 Pfd. 94

Schiffsnachrichten.

Bremen, 18. April. [Per ttansatlanttschen Telegraph.^ Der Schnelldampfer Fulda, Capt. R. Ringt, vom Nordduttschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. April von Bremen und am 8. April von Southampton abgegangen war, ist gestern 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.

Lpielplan der vereinigte« Frankfurter Ltadttheatrr.

Opernhaus.

Dienstag den 21. April: Tannhäuser. Grotze Preise.

Mittwoch den 22. April: Gastspiel des Herrn Francesco d'Andrade. Der Barbier von Sevilla. (Stgaw: Herr d'Andrade.) Hierauf: Zum ersten Male: Schmetterltngsjagd. Ballet von Ludwig Löwenbach. Große Preise.

Donnerstag den 23. April:Manon Lescaut". Große Preise.

Freitag den 24. April geschlossen.

Samstag den 25. April: Hamlet (Oper). Gewöhnliche Preise.

Sonntag den 26. März, Nachmittags 31/» Uhr: Robert und Bertram. Ermäßigte Preise. Abends 7 Uhr: Aida. Große Preise.

Schauspielhaus.

Dienstag den 21. April: Minna von Barnhelm. Gewöhn­liche Preise.

Mittwoch den 22. April: DerarmeJonathan. Gewöhnliche Preise.

Donnerstag den 23. April geschlossen.

Freitag den 24. April: Deborah. (Deborah: Frl. Malten als Gast). Gewöhnliche Preise.

Samstag den 25. April: Zum ersten Male: Die gerne n- schastliche Hochzeitsreise. Schwank in 9 Bildern von A. Stoltze. Gewöhnliche Preise. ~ r . . r

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