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Nr. 17
Mittwoch den 21. Januar
1891.
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Aentlichev Theil»
Bekanntmachung.
64 wirb hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß de» Directionen des landwirthschastlichen Bezirksvereins Mmncheim und des Badischen Rennvereins Mannheim, welche AUS Lnlaß des Anfangs Mai d. I. in Mannheim abzuhaltende» Pferde- und Rindviehmarktes eine Verloofung von Pferden, Rindvieh und gewerblichen Gegenständen veranstalten werden, auf ihr Nachsuchen von Großh. Ministerium des Innern und der Justiz gestattet worden ist, die fraglichen Loose im Groß- herzogthum zu vertreiben.
Gießen, den 19. Januar 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Da die Bremer Reichs Versicherungsbank in letzter Zeit durch ihre Agenten eine Reihe von Verftcherungsverträgen im Großherzogthum abgeschloffen hat, nehmen wir Veranlassung daraus aufmerksam zu machen, daß diese Anstalt die Erlaubniß )MN Geschäftsbetrieb im Sroßherzogchum nicht erhalten hat.
Gießen, den 19. Januar 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Ar. 3 des Reichsgesetzblatts, ausgegebeu den 16. d. M., enthält:
(Nr. 1932.) Bekanntmachung, betreffend den Anthell der Reichsbank an dem Gesammtbetrage des steuerfreien ungedeckten Notenumlaufs. Dom 14. Januar 1891.
Gießen, den 20. Januar 1891.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Statut
dir Benutzung der Gemeinde-Viehwaage zu Albach betreffend.
Mit Genehmigung Gr. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 9 d. Mts. zu Nr. M. I. 567 und unter Zustimmung des Kreis-Aurfchusse» des Kreises Gießen, wird wegen Benutzung der Gemeinde-Viehwaage zu Albach bestimmt:
§ 1.
Alle zur Verwiegung gebrachten Gegenstände müssen durch einen verpflichteten Wiegmeister gewogen werden. Außer dem Wiegmeister oder dessen Stellvertreter hat Niemand das Recht aus der Waage zu wiegen.
8 2.
Der Wiegmeister oder dessen Stellvertreter haben der ihnen zugehenden Aufforderung zum Wiegen alsbald Folge zu leisten.
Die Aufforderung hat von den Betheiligten direct an den Wiegmeister zu geschehen. Wenn derselbe der Aufforderung nicht entspricht, so ist sich an die Großh. Bürgermeisterei zu wenden, die denselben zum Wiegen anhalten und nöthigenfalls Großh. Kreisamt Anzeige erstatten wird.
§ 3.
Der Wiegmeister oder dessen Stellvertreter bat über die von ihm besorgten Geschäfte ein Tagebuch zu führen, in welchem unter fortlausenden Nummern anzugeben sind:
a. der Ort des Wieggeschästs,
b. der Name des Verkäufers und Käufers,
c. Datum der Verwiegung,
d. Art der gewogenen Gegenstände,
s. das Gewicht der einzelnen Gegenstände,
f. der Betrag der erhobenen Wieggebühreu.
§ 4.
Der Wiegmeister hat dem Käufer oder Verkäufer einen dem Eintrag ins Tagebuch gleichlautenden Wiegschein auszustellen, aus dem sowohl das Gesammtgewicht der einzelnen verwogenen Gegenstände, als auch der erhobene Gebühren- betrag zu ersehen ist.
G e b ü h r e n t a r i s.
§ 5.
An Wieggebühren sollen erhoben werden:
A. von Ortseinwohnern
1. für Kleinvieh, als Schweine, Schafe, Kälber,Ziegen u.s.w. von einem jeden Stück . ......5 Pfg.
2. für Großvieh, als Ochsen, Kühe, Rinder u. s. w. mtter 10 Ctr. von einem Stück .... 15 Pfg. über 10 Ctr. von einem Stück . .... 20
3. für jeden anderen zur Verwiegung kommenden Gegenstand, als Frucht, Kartoffeln u. s. w.
bis zu 3 Ctr...........10 Pfg.
für jeden weiteren Ctr........2 „
B. von Ortsfremden
wird das Doppelte der oben erwähnten Wieggebühren erhoben.
§ 6.
Sogleich nach ftattgefundener Wiegung sind die vorbemerkten Wieggebühren nebst 5 Pfg. Vergütung für jeden gewogenen Gegenstand an den Wiegmeister zu entrichten.
§ 7.
Am Schluffe eines jeden Halbjahres hat der Wiegmeister das Tagebuch abzuschließen, sodann hat er einen Auszug aus dem Tagebuch über die im verflossenen Halbjahr gewogenen Gegenstände zu fertigen, woraus sowohl das Gewicht der gewogenen Gegenstände, als auch die erhobenen Gebühren ersichtlich sind. Diesen Auszug hat er in beglaubigter Form der Bürgermeisterei zu überreichen.
Die erhobenen Wieggebühren werden dann dem Gemeinde- Einnehmer in Einnahme decretirt und dann von dem Wiegmeister an denselben ausbezahlt.
§ 8.
Der Wiegmeister und dessen Stellvertreter werden von dem Ortsvorstand ans Widerruf ernannt, und von Großh. Kreisamt verpflichtet; er unterliegt als Gemeindebeamter den für solche geltenden Disciplinarvorschriften.
Gießen, den 14. Januar 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Nerrefte Nachrichten.
Wolff- telegraphisches Lorrespondenz-Vureau.
Berli», 19. Januar. Die vom Capellenverein zum Ge- dächtniß Kaiser Wilhelms und Kaiser Friedrichs erbaute Friedenskirche wurde heute in Gegenwart des Kaisers, eines Prinzen und der Prinzessin Albrecht durch den Probst Brückner feierlich eingeweiht. Die Eröffnungspredigt hielt Superintendent Krückeberg.
Berlin, 19. Januar. Die „Germania" veröffentlicht ein Schreiben Rampollas an Windthorst, anläßlich des 80. Geburtstages Windthorsts, worin die Geisteskraft, der Eifer und die Festigkeit hervorgehoben werden, die der Centrumssührer in der Vertheidigung der katholischen Religion bewiesen habe. Ferner enthält der Brief den Ausdruck inniger Antheilnahme an dem freudigen Anlässe und die Bitte, Gott wolle den Jubilar recht lange in Gesundheit und voller Kraft erhalten zum Nutzen der Kirche und der Gesellschaft. Der Papst, der Windthorst immerdar ganz besonderes Wohlwollen widme, spreche ihm seine Glückwünsche aus und ertheile ihm den apostolischen Segen in aller Liebe.
Berlin, 19. Januar. Der erste Vicepräsident des Herrenhauses, Hans v. Brochow-Plessow, ist gestern gestorben.
Berlin, 19. Januar. Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, durch die Blätter gehe die Nachricht, Wißmann sei schwer nervös erkrankt. In den zunächst interessirten Sphären liegt eine authentische Bestätigung der Meldung nicht vor, doch erzeugt eben das Ausbleiben von Nachrichten die Besorgniß, daß irgend ein unerwünschter Zwischenfall eingetreten sei. — Dagegen besagt ein Privattelegramm des „Berl. Tageblatt" aus Zanzibar, Wißmann sei am 15. d. M. mit 10 Offizieren und 500 Mann in der Richtung nach dem Kilimandscharo aufgebrochen.
Berli», 19. Januar. Ein hier abgehaltener Genossen- schaftstag des deutschen Bauernbundes, der Vereinigung der Steuer- und Wirthschaftsreformer, des Congreffes deutscher Landwirthe und der deutschen Centralgenossenschast sprach sich für starken Schutz der Landwirthschaft aus und nahm eine Resolution an, worin Directiven für Bildung von Einzelgenossenschasten mit beschränkter Haftpflicht über das ganze Land, für Zusammenschließung zu freien Verbänden, für Bildung von Genossenschaftskassen, Gründung eines Hauptverbandes und einer Hauptgenossenschastsbank und Heranziehung der landwirthschastlichen Centralvereine zur Förderung des Genossenschaftswesens gegeben werden.
Kiel, 19. Januar. Die Ostfee ist, soweit sie von dem Billker Leuchtthurm zu übersehen ist, mit Eis bedeckt. Bei Fehmarn ist der Belt eisdicht.
Breslau, 19. Januar. Nach der „Breslauer Zeitung" ist der Ende voriger Woche inscenirte Ausstand der 400 Puddler auf der Laurahütte beendet.
Liuda«, 19. Januar. Die Schifffahrt auf dem Bodensee ist heute eingestellt worden. Die Dampfer sind im Hafen eingefroren, der See ist, soweit das Auge reicht, zugefroren.
Hamburg, 19. Januar. Nach einer aus J quique eingetroffenen Meldung ist daselbst ein von England abgegangenes Segelschiff erst nach 190 Tagereisen angekommen. Das Schiff soll dieselben Stürme, von denen man Johann Orths Schiff betroffen glaubt, bestanden und Orths Schiff auch gesehen haben. Man glaubt dadurch zu neuen Hoffnungen aus eine Rettung Johann Orths berechtigt zu sein.
Bern, 19. Januar. Commissar Künzli wird dem Bundesrath am nächsten Mittwoch mündlich über die Lage im Tessin berichten.
— Infolge großer Schneemassen aus den in die Schweiz einmündenden französischen Bahnen sind die Anschlüsse an die Schweizer Bahnen, namentlich bei Genf und Pon- tarlier, vielfach verfehlt.
Aararr, 19. Januar. Bei der Ersatzwahl in den Nationalrath wurde für den Bundesrath Welli der freisinnige Candidat Vogler mit 5670 Stimmen gewählt. Der klerikale Candidat erhielt 4081 Stimmen.
Wien, 19. Januar. In Folge heftiger Schneewehen in der Nähe von Wien mußte der Fernverkehr aus der Südbahn eingestellt werden.
Pari-, 19. Januar. Der deutsche Botschafter Graf Münster trifft heute Abend hier ein. Zu dem anläßlich des Geburtstages des Kaisers am 26. d. M. beim Grasen Münster stattfindenden Empfange sind viele Senatoren und Deputirte, sowie Mitglieder der deutschen C o l o n i e geladen. Für das am 27. Januar aus demselben Anlasse im „Hotel Continental" stattfindende> Banket steht Seitens der deutschen Colonie rege Betheiligung in Aussicht.
Paris, 19. Januar. Telegraphische Meldungen aus allen Theilen des Landes berichten über ungewöhnliche Kälte. Im Departement Gard befürchtet man, daß die Olivenernte geschädigt sei. Bei Beaucaire konnte auf der Rhone Schlittschuh gelaufen werden. Der Hasen von Toulon ist eisbedeckt, was seit Menschengedenken nicht mehr vorgekommen ist. In der Nähe von Perpignan sind mehrere Menschen erfroren. Der Eisenbahnverkehr wurde mehrfach unterbrochen. Aus Algier wird gemeldet, daß der Dampfer „Afrique" in Porr- vendres eisbedeckt angekommen ist.
Paris, 19. Januar. Aus Buenos Ahres wird gemeldet, daß der Gesetzentwurf, betreffend die zweiprocentige Steuer auf Guthaben in Privatbanken, von beiden Kammern genehmigt worden ist. — Nachrichten aus Chile zufolge dehnt sich die aufständische Bewegung aus.
Paris, 19. Januar. Von der hiesigen brasilianischen Gesandtschaft wird mitgetheilt, daß die constituirende Versammlung von Brasilien in vollster Ruhe die Berathung des neuen Versassungsentwurss fortsetze und in Uebereinstimmung mit der Regierung die Abschnitte des Entwurfs über die Bundesorganisation und über die legislattve Exekutive und richterliche Gewalt bereits genehmigt habe. Der Abschnitt über die Bundesorganisation umfasse die Bestimmungen Über die Rechte der Bundesregierung, über die Steuern und Abgaben, sowie die Bestimmungen über die Befugnisse, welcher die Regierung bedürfe, um den Verpflichtungen gegenüber den auswärtigen Gläubigern nachkommen zu können.
Marseille, 19. Januar. Das Packetboot „Ville de NapleS" der transatlantischen Compagnie ist heute Morgen von Neapel hier angekommen und lief am Nachmittag wieder aus, um das Packetboot „Ville de Br est" zu su ch en, das feit vier Tagen fällig ist, von dem man aber seit seiner Abreise aus Tunis keine Nachricht hat.
Kopenhagen, 19. Januar. In ganz Dänemark herrscht große Kälte. Die Seeverbindung zwischen Seeland und Fühnen, sowie zwischen Fühnen und Jütland ist noch offen. Ebenso ist die Ueberfahrt von Seeland nach Schweden offen; der Sund aber ist voll Eis und der hiesige Hasen kann nur mittelst Eisbrechers offen gehalten werden. Mehrere Dampfer sind heute noch ein- und ausgelaufen. Der Staatsbahnbetrieb ist durch mehrere Schienenbrüche infolge der Kälte sehr erschwert. Es wird vorsichtshalber ein interimistischer Fahrplan mit beschränkter Fahrt vorbereitet.
Stockholm, 19. Januar. Der Reichstag wurde heute eröffnet. Die Thronrede betont das gute Verhältniß zu allen Mächten und die günstige Finanzlage, welche eine kräftige Entwickelung der Staatseisenbahnbauten und die Förderung anderer wichtiger Staatsbedürfnisse ohne Zuhülse- nahme einer neuen Anleihe gestatte. Angekündigt wurden eine neue Heeresordnung, ein neues Schifffahrtsgesetz und ein Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz.


