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Nr. 219. Zweites Blatt. Sonntag den 20. September
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung,
betr. Ursprungszeugnisse für Waarensendungen nach Rumänien.
Aus Anlaß eines Specialfalls ist Seitens der Königlich rumänischen Regierung darauf hingewiesen worden, daß in den deutschen Ursprungszeugnissen für Waarensendungen nach Rumänien die nach dem vereinbarten Formular erforderlichen Angaben über den Ursprung der Waare mehrfach der hinreichenden Bestimmtheit ermangeln. Insbesondere sind häufiger Undeutlichkeilen dadurch entstanden, daß unterlassen worden ist, in dem Formular die Worte, welche aus die eingeführte Waare keine Anwendung finden, zu durchstreichen.
Da Versäumnisse solcher Art die Versagung der Anerkennung der Ursprungszeugnisse zur Folge haben können, so machen wir hiermit die beteiligten Kreise hierauf aufmerksam.
Gießen, den 17. September 1891.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
politische Wochenschau.
Gießen, 19. September.
Den Erörterungen über die Verhältnisse der Volks ernährung im Erntejahr 1891/92 ist durch eine Mittheilung des „Reichsanzeiger" über das in diesem Jahre nach kürzlich gemachten Schätzungen zu erwartende Roggendeficit eine neue Unterlage gegeben worden. Die amtliche Statistik unterscheidet bekanntlich zwischen zwei Arten von Ernteschätzungen, nämlich zwischen vorläufigen, welche gewöhnlich zuerst im Juli und dann im October stattfinden, aber nur in Preußen veranstaltet werden, und definitiven Ernteermittelungen, welche das Reich im Februar jeden Jahres anzustellen pflegt. Dieses Jahr hat man unseres Wissens zum ersten Male die zweite vorläufige Abschätzung schon im September eintreten lassen, wahrscheinlich weil man sich bei Zeiten über die Größe der vorhandenen Vorräthe Klarheit verschaffen wollte. Es hat sich nun bereits jetzt ergeben, daß in diesem Jahre, obwohl — wenigstens nach den Informationen des Reichsanzeigers — von jedem Hectar im Durchschnitt genau soviele Kilogramm Frucht geerntet worden, wie im vorigen Erntejahre, der Ausfall an Roggen für Preußen im Vergleich mit den vorjährigen Octoberermittlungen 7,3 pCt.
ausmacht und bei Abzug des gleichen Aussaatquantums sogar 9,11 pCt. beträgt. Zu berücksichtigen hat man hierbei, daß die vorläufigen Ermittlungen, hinter denen in den Jahren 1885—90 das wirkliche Ernteergebniß jedesmal erheblich (im Durchschnitt um 23pCt.) zurückgeblieben ist, in diesem Jahre sicherlich noch unverhältnißmäßig viel mehr die Wirklichkeit hinter sich zurücklassen werden, sodaß das Roggendeficit in Wahrheit noch mehr als 9,11 pCt. der letzten Ernte darstellen wird. Aber auch wenn man den Ausfall an Roggen für ganz Deutschland unter Zugrundelegung der oben angegebenen 7,3 pCt. berechnet, erscheint die Lage schon recht unerfreulich. Denn auch so erhalten wir ein Manco von 5*/, Millionen Doppelcentnern Korn, wenn wir nicht gerade annehmen wollen, daß die Ernte in den nichtpreußischen Ländern die preußische wesentlich übertrifft. Unter der Einwirkung dieser durch den Reichsanzeiger geschaffenen klaren Erkenntniß der Sachlage hat das Sinken der Preise an der Berliner Productenbörse einigermaßen nachgelassen und sind sogar an zwei Börsentagen erneute, wenn auch geringfügige Preissteigerungen eingetreten. — Eine sehr betrübende Nachricht ist am letzten Samstag aus Deutsch-Ostafrika in Berlin eingetroffen und von amtlicher Seite bestätigt worden. Danach ist das Expeditionscorps des Premierlieutenants Zelewski am 17. August in Uheha von den Wahehe total ausgerieben worden und sind etwa zehn Europäer gefallen oder in Gefangenschaft gerathen. Zu den bisher vermißten Mitgliedern der Truppe gehört auch der Führer des Corps Zelewski. Die erlittene Niederlage ist die schwerste von allen, welche uns seit Jnaugurirung der Colonialpolitik betroffen haben und wird nach dem Urtheil des mit den Verhältnissen in Afrika vertrauten Grasen Pfeil sehr schlimme Folgen nach sich ziehen. Das deutsche Prestige, meint dieser, werde gewaltig sinken, der Handel im südlichen Theil des Schutzgebietes auf lange Zeit wieder gedrückt werden und Nachhilfe in irgendwelcher Richtung durch Entsendung friedlicher Expeditionen sehr erschwert sein. Er räth deshalb entschieden, sich vor der Hand durchaus auf den unbestrittenen Besitz in der Küstennähe zu beschränken, die kostspielige Schutztruppe dadurch unnöthig zu machen und an ihrer Stelle eine bloße Polizeigewalt zu etabliren. Zugleich müsse dafür gesorgt werden, daß dem persönlichen Ehrgeiz einzelner Führer in Zukunft keine Concessionen mehr gemacht würden.
Die Dardanellenfrage hat auch noch in der verflossenen Woche die Aufmerksamkeit aus sich gerichtet, vornehmlich allerdings infolge eines dreisten Börsenmanövers irgend eines griechischen oder levatinischen Börsenspeculanten,
der der staunenden Welt die sensationelle Nachricht zukommen ließ, daß die Engländer ein kleines dem türkischen Reiche zugehöriges Inselchen mit bewaffneter Mannschaft besetzt hätten, um gegen die Türkei wegen deren Nachgiebigkeit Rußland gegenüber nachdrücklich zu demonstriren. In Wahrheit war, wie sich alsbald herausstellte, die Mannschaft eines englischen Geschwaders lediglich zu Uebungs- oder Erholungszwecken ans Land gegangen. Immerhin bleibt es für die gegenwärtige politische Situation characteristisch, daß ein so plump ersonnener Scherz von ernsten Zeitungen und Männern vollkommen ernst genommen worden ist. — In China haben sich die Verhältnisse mittlerweile immer schärfer zugespitzt. Die Feindseligkeit der Eingeborenen gegen alles Fremde wächst immerzu und läßt eine Wiederholung von Gewaltthätigkeiten gegen die Europäer befürchten, ohne daß sich die chinesische Regierung gemüßigt findet, eine etwas weniger schlaffe Haltung zur Schau zu tragen. Die Langmuth der Mächte scheint denn auch endlich völlig erschöpft zu sein. Namentlich beabsichtigt England mit bewaffneter Hand einzugreisen, sowie neue Unruhen ausbrechen sollten. Zu diesem Zwecke gedenkt man die Zahl der in den chinesischen Gewässern stationirten englischen Schiffe zu verwehren. Es heißt, daß die übrigen Mächte vollständig im Einvernehmen mir England handeln würden.
Pcrwtticbics.
* Aus de« oberen Rheingau, 15. September. Die Frühobsternte ist als beendet anzusehen. Das Steinobst wird kaum mehr gefragt, ebenso gebt es mit dem frühen Kernobst, das sich nicht lange hält. Der Preis ist so niedrig, daß sich kaum mehr das Abmachen lohnt. Das Hauptgeschäft wird eben in Zwetschen gemacht. Ihr Preis ist ein verschiedener. Die Eierzwetsche stellt sich im Gentner auf 8 bis 10 Mk., die italienische Zwetsche aus 5 bis 6 Mk. und die eigentliche Haus- oder Dornzwetsche aus Mk. 3.50. Pfirsiche werden zu 40 bis 45 Pfg. das Pfund verkauft. Die gegenwärtige heiße Witterung kommt der Veredelung des Obstes und der Weintrauben sehr zu statten und fördert auch die Ausreife des Rebholzes, was für das nächste Jahr von großer Wichtigkeit ist.
* Frankfurt o* M., 16. September. Der erste heute Vormittag in der Stadthalle eröffnete Ob st markt war nicht in dem Maße beschickt, wie man erwartet hatte- vor allen Dingen fehlten die Verkäufer vom Lande, die äugen-
Feuilleton.
Dic Dsmc in Meergrün.
Eine Scizze aus der Gesellschaft.
(Nachdruck verboten.)
Die Salons des X.'schen Generalconsuls zu Berlin waren durchfluthet von einem Meer von Licht.
Die Generalconsulin gab ihren dritten Gesellschaftsabend der letztjährigen Wintersaison. Die ausgesucht eleganten Räume waren überfüllt. In der Victoriastraße standen die Equipagen in langen Reihen. Der Strom der Gäste, der sich die breite, teppichbelegte Treppe herauswälzte und in die weitgeöffnete Flügelthür des Vorsaales hinein ergoß, schien kein Ende nehmen zu wollen. Für jeden einzelnen dieser Gäste hatte die Dame des Hauses ein liebens- würdiges Wort des Empfanges, für die meisten auch einen Händedruck.
„Ab, sieh da!" „Wie freue ich mich, Sie zu sehen!" „Seien Sie mir herzlich willkommen!" „Auch Sie, der sich so rar macht wie ein Phönix!" „Willkommen, Frau Baronin, willkommen!" „Ah, Herr Professor, wie geht es Ihnen?" „Da sind Sie ja endlich, Frau Geheimrath!" „Ihr Sohn, Herr Major, kommt der nicht auch?" „Ei, welche reizende Blumen, gnädiges Fräulein!" „Wo bleiben Ihre Töchter, Frau Commerzienräthin?" „Wie befinden Sie sich, Herr Gras?" „Das ist schön von Ihnen, Frau Director!" „Kalt ists draußen? Das glaub ich." „Guten Abend, Ex- cellenz! Wie gütig, daß Sie kommen!"
So kam es unaufhörlich aus den Munde der Generalconsulin.
„Lassen Sie mich einen Augenblick hier bei Ihnen verweilen," flüsterte ein weißköpfiger, vornehm aussehender Herr der Gastgeberin zu. „Ich möchte gern sehen, wer die Dame ist, die soeben mit uns hereinkam. Ein wundervolles Geschöpf, sage ich Ihnen. Eine ganz exquisite Schönheit!"
„Meinen Sie vielleicht die Frau v. B., Herr Baron? Oder das Fräulein Z. ? Ist sie blond ? Vielleicht die
Frau W. ? Nein? Oder das Fräulein A. vom königlichen Theater? Auch nicht? Nun, dann müssen Sie schon warten, bis ich sie gesehen habe."
„Da — dort kommt sie. Die mit dem hellblonden Haar! Dort — sie geht neben den Töchtern des Eisenbahndirectors G."
In diesem Augenblicke aber hatte die herankommende Schönheit das Malheur, ihren Fächer fallen zu lassen, und in der hierdurch entstehenden kurzen Verwirrung überhörte man den Namen der Dame, die in so hohem Grade die Aufmerksamkeit des Barons erregt hatte.
Dieselbe begrüßte die Hausherrin mit einer leichten Verbeugung und berührte dann deren dargebotene Hand. Ihr Haar war auffallend hellblond, fast schwefelgelb, ihre Gesichtsfarbe wunderbar zart und weiß, ihre Augen vom lichtesten Grau.
Die Generalconsulin sagte ihr in der Eile ein verbindliches Wort, wobei sie sich vergeblich den Kopf darüber zerbrach, wer diese schöne Fremde wohl sein könne. Gehörte sie zu den Geladenen? Während sie sich dann zu dem Eisen- bahndirector und dessen Töchtern- wendete, rauschte die Unbekannte nach einer leisen, unverständlichen Entgegnung dem großen Salon zu. Die Hausherrin blickte ihr nach. Die Fremde verneigte sich gegen Jemand, gleich daraus wieder und dann noch einmal. Dem Anscheine nach hatte sie also Bekannte unter den Anwesenden.
Der Baron wechselte einige Worte mit dem Eisenbahn- director und als dieser mit seinen Damen passiert war, trat er wieder an die Generalconsulin heran.
„Eine Schönheit ersten Ranges, nicht wahr?" sagte er eifrig. „Ihren Namen aber überhörte ich."
„Auch ich verstand denselben nicht," versetzte die Wirthin, „außerdem erinnere ich mich nicht, die Dame gesehen zu haben. Sie wird mit einer meiner Töchter bekannt oder befreundet sein und so eine Einladung erhalten haben. Zwar habe ich die Karten alle durchgesehen, aber mein Gedächtniß läßt mich jetzt manchmal im Sttch. Ich darf hier meinen Platz noch nicht verlassen- wenn Sie eine oon meinen Töch
tern sehen, Herr Baron, die Adelheid oder die Ellen, wollen Sie dieselbe zu mir herschicken? Ach, da kommt mein Mann! Alexander, geh doch einmal in den blauen Salon und sage mir dann, wer die Dame mit dem auffallend hellblonden Haar ist."
„Hm," machte der Generalconsul. „Blondinen gibts dort drinnen äutzendweis."
„Kommen Sie, ich will Ihnen die Betreffende zeigen," sagte der Baron, der vor Neugierde brannte.
Die Herren gingen davon; allein wie die auf Kundschaft aus der Arche entsendeten Raben kehrten auch sie nicht zurück.
Die Viertelstunde verging, dann sagte sich die Dame des Hauses, daß sie nunmehr als Wirthin im Vorsaale ihre Schuldigkeit gethan habe, und erschöpft zog sie sich aus einige Augenblicke zurück.
Sie vergaß die Unbekannte - ein Zufall führte ihr spater erst ihre älteste Tochter in den Weg.
„Da bist Du ja, Adelheid," sagte sie. „Ich wollte Dich etwas fragen, 'habe aber wieder vergessen, was es war. Ach ja, jetzt fällt mirs wieder ein. Wer ist denn eigentlich — jetzt sehe ich sie nicht — doch, dort drüben steht sie, — wer ist denn eigentlich die hellblonde Dame da neben dem Spiegel?"
„Die in Meergrün? Das weiß ich nicht, Mama."
„Ich weiß es auch nicht, ich meinte aber, daß sie Dir bekannt sein würde. Schicke mir Ellen her."
Es vergingen zwanzig Minuten, ehe die jüngste Tochter vor ihrer Mutter erschien. Die Meergrüne hatte sich inzwischen in den nächsten Salon begeben.
„Ich weiß, wen Du meinst, Mama, aber ich kenne sie nicht. Sie hat Haar wie früher meine Puppe trug und dazu ein Kleid so grün wie unreife Pflaumen."
„Ganz recht."
„Ich weiß nicht, wer sie ist."
(Fortsetzung folgt.)


